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Die Stimme · 1958-09-01 · Heft 107-108 (September 1958) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1958
Issue
Heft 107-108 (September 1958)
Date
1958-09-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIL ST IM ML Nr. 107 Ein Volk verlernte das Fürchten Israel im Kraftfeld der arabischen [ inigungshrsf rohungon — Die .lupeiid gohörl Asien [ in Yoik \ erlernte das r nrrhten Don jordan i s< lien F eil .leriisa eins mit dem israelischen verbindet das Mandelbaum t nr. Fis ist imne r geschlossen, denn die (irm/on /wischen Israel und der arabischen Welt sind seit dem jüdisch-a rahisehen Kneo 1948 gesperrt. Nur manchmal wird es für UN-Offi/iere, tür Priester und Pilger, die Heiligtümer aut Leiden Seifen hesuchen wollen, oder für Jmirnalisten geöffnet. Wenn heute jemand durchs Mandelbaumtor geht, von der araoischen Walt nach Israel, kommt er aus der Hitze im Brennpunkt politischer Ereignisse in eine fast serene Ruhe. Unerklärlich muß ihm diese Ruhe in einem Staat erscheinen, der inmitten einer aufgeregten, fanatischen, teilweise siegestrunkenen oder geängstigten arabischen Welt liegt, die nur in einem einig ist: im Haß gegen Israel. Schöpferische Ruhe Es herrscht wirklich Ruhe in Israel. Jeder Nahostreisende kann sie verzeichnen. Ruhe nicht nur im konservativen, provinzialen Jerusalem, im großstädtischen Te! Aviv, im orientalischen Beer-Sheba, Ruhe auch in den Kollektivbauernsiedlungen im Inneren des Landes und in den Höfen der jungen Bauernsoldaten an der Grenze. Zehneinhalb Jahre gibt es zwischen Israel und der arabischen Welt keinen Frieden — nur einen Waffenstillstand. Einen Waffenstillstand, der ein dauernder Grenzkampf war, ein dauernder Kampf gegen arabische Infiltranten und der bereits weit über fünftausend Israelis das Leben kostete. In den Monaten, da 1948 die neue, kaum gebildete israelische Armee die Armeen aller arabischen Staaten besiegte, und in den zehneinhalb Jahren des Waffenstillstandes hat Israel die Furcht vor den Arabern verlernt, haben hunderttausend Juden das Fürchten verlernt. Das Ziel: Freundschaft mit den Arabern Aus der relativen Ruhe Israels kommen die Bestrebungen nach einer Zukunftspolitik, weiche die Existenz dieses benachbarten Staates sichern sollen. Im Alltag bilden sich neue Kreise, die nach einer Lebensmöglichkeit für Israel im Nahen Osten suchen, der von politischen Erdhebenstüßen erschüttert ist, der aber schon morgen ein vollständig neues Gesicht haben kann. Furchtlosigkeit ist die Voraussetzung für die Existenz Israels in der arabischen Welt — aber sie ist nicht genug. V' ein Och aus der arabischen Welt ein arabisches Reich entwickelt, dann muß Israel auch ein p o s i t i v e s Verhältnis zu seiner Umgehung finden. Heute sind es allein die Armee und sekundär internationale Verträge, welche die Existenz des Staates gewährleisten und die Araber von der direkten Invasion abhalten. Inmitten eines vereinigten arabischen Reiches, im Feld der neuen Kräfte müßte aber ein echter Modus vivendi gefunden worden. Nirgends spürt man die Notwendigkeit zum Zusammenleben von Juden und Arabern so sehr wie in der israelischen Jugend. Diese Jugend weiß, daß Furchtlosigkeit die Voraussetzung für alles ist, die einzige Grundlage, auf der man mit den Arabern diskutieren kann. ,,Ich bin ein Teil der Erde!" Eine neue Generation ist in diesem Staat aufgewachsen. Sie nennen sich ,,Sabres". „Sabres" sind die dornigen Kakteen, die, ausgedörrt und staubbedeckt die Wegränder umsäumen. Wenn Däume, Gras und Getreide in der Dürre zugrunde gegangen sind, so leben die Sabres weiter. Die „Sabres" unter der Jugend kennen die Landschaft und das Klima des Nahen Ostens und sie hängen mit einem unglaublichen Patriotismus an ihrem Land. Im nördlichen Negev, der von dieser Generation aus einer Sandwüste in ein wogendes Getreidemeer verwandelt worden war, sagte mir ein „Sabre": ,,Wenn ich mich hier niederlege, auf den braunen Boden unter das gelbe Getreide, mit dem fahlen Himmel über mir, so hin ich ein Teil des Bodens geworden und von ihm nicht mehr zu unterscheiden." Er trug ein Khakioverall und sein Gesicht war gegerbt und durchfurcht wie trockene Erde. Diese Generation ist bewußtes Asien. Sie verteidigt ihren Anteil an Asien, aber sie würde es, wie alle beteuern, vorziehen, in Frieden mit der Umwelt zu leben, die so wie sie Asien ist. Unangenehme Erinnerung Europa Europa ist für diese Generation die erzwungene, jahrhundertealte Diaspora. Diese Zeit ist für die neujüdische Nation Israel eine europäische Vergangenheit, bedeutet aber kaum mehr eine Bindung an Europa. Die Typen, in denen diese Vergangenheit den jungen Israelis entgegentritt, werden dort als nicht sehr sympathisch empfunden. Es sind die alten Zionisten, die ihr Leben lang damit verbracht haben, vom mehr oder weniger bequemen Ausland her Rekruten für den Aufbau und für den Kampf nach Palästina zu schicken, vie e wohlgemeinte Ratschläge zu geben, und es sind amerikanische Financiers, deren (leid zwar für den Aufbau Israels notwendig ist. die alter sehr bald unwichtig würden, wenn die feindliche arabische Umwelt zu einer freundlichen würde und wenn Israel sich in ('inen gemeinsamen Nahost wirtschaftsplan Seite an Seite mit den Arabern einreihen könnte. Das „Gefühl Asien" Diese Gedanken bewegen den besten Teil der israelischen Jugend. Jene Jungen und Mädchen, die als Elite in den Negev-Siedlungen, in den gefährlichsten Grenzgebieten, arbeiten. Dazu kommt das große „Gefühl Asien", das sie nicht mehr losiäßt. Am Lagerfeuer in den Grenzsiedlungen und am Toten Meer hörte ich alte jüdische Gesänge, Lieder der israelischen Jugend und arabische Lieder. Sie klangen sehr ähnlich. An den Feuern und an den Liedern erkannte man Asien! Langsam wird ein politisches Programm aus diesen Gefühlen. Man erkennt, wie aus dem wüsten, fanatischen und chaotischen Nationalismus der Araber Kräfte sich entwickeln, wie aus der amorphen Umgebung ein „Reich der Gründung" wird. Man steht vor einem fürchterlichen Dilemma. Die B.indung an den Westen war und ist noch Existenzgrundlage, wirtschaftlich und militärisch. Ohne diese Bindung müßte Israel in einer Umwelt verhungern, die sie mit Boykott belegt. Freundschaft mit den 'Arabern scheint aber als Voraussetzung Lösung dieser Bindungen zum Westen zu haben. Warten und Bestehen „Vor wievieien Schwierigkeiten ist unser Volk schon gestanden, die unlösbar erschienen", sagl^mir der Rabbi von Beer-Sheba. „Unsere Methode zur Ueberwindung war, weiter bestehen zu wollen und zu warten!“ Peter Rind! (Das Kleine Volksblatt, Wien) UNSERE TOTEN Dr. EDUARD PACHTMANN Der plötzliche Tod von Dr. Eduard Pachtmann während der Tagung der Wellexekutive des Jüdischen Weltkongresses rief tiefe Trauer nicht nur unter den Delegierten in Genf hervor, sondern auch in Kreisen der Freunde des Verstorbenen in aller Welt. Dr Fi. Pachtmann war der Sohn eines zionistischen Pioniers und bekannten Landespoflit.iker in Galizien. Während des Studiums in Wien und als junger Jurist betätigt^ er sich an prominenter Stelle in der jüdischen Studentenhewegung. fm Jahre 1(129 war er der Sprecherder jüdischen Studenten auf der Tagung in Bierville, die vom ISS (International Student Service) einberufen wurde. Damals kamen 14 jüdische und 14 nicht jüdische Studenten zusammen, um die Ursachen des Antisemitismus und die Quelle seines Finlstehens festzusfelieu. In Wien hatte Dr. Pachtmann seine Kanzlei zusammen mit Desider Friedmann, dem Präsidenten der Israelitischen Ku.tusgemeinde, und Dr. Kantor, dem Präsidenten der Advokatenkammer, und alle drei arbeiteten gemeinsam, um die Rechte der Juden zu schützen. Auch gehörte er der österreichischen Abteilung des Jüdischen Weitkongresses an. fm Jahre 1938 wurde er zum Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich gewählt und meisterte seine schwere Aufgabe glänzend. Galt es doch die Juden Oesterreichs aus der Nazihölie zu retten. In Israel setzte er seine Tätigkeit fort. Auch hier stand er an der Spitze des „fguls", einer Vereinigung der zionistisch-akademischen Vereine. Zuletzt wurde er zum Präsidenten der Advokatenkammer in Tel Aviv gewählt. JETTKA LEVY-STEIN Jettka Levy- Stein ist. unlängst in Tel Aviv einem schweren Leiden erleben. Man kann sagen, daß sie fast ihr ganzes Lehen jüdischer Gemeinschaffsarbeit gewidmet hat. ln Kaliseh geboren, in Berlin aufgewachsen und ausgebildel, wurde sie schon in sehr jungen Jahren Religionslehrerin in Berlin. 1920 ging sie auf Anforderung des litauischen Kultusministeriums für einige Zeit an das jüdische Mädchengymnasium jn Telsiai und setzte 1922 ihre philologisch-pädagogische Studien an der Universität Berlin — unter Einschluß von Soziologie und Psychologie — fort. Vom Lehrerberuf wechselte sie, sich ihrer Gabe, insbesondere für jüdische Ideale und Zwecke zu werben, bewußt — erst 18jährig hatte sie den jüdischen Jugeridbund „Esra" mitgegründet — zu propagandistischer und organisatorischer Arbeit hinüber. In dieser Eigenschaft hat sie die halbe Welt bereist — bis nach Südafrika. Jettka Levy-Stein vereinigte in sich Tüchtigkeit und Bildung, persönlichen Charme und die Fähigkeit, Menschen für eine Sache zu gewinnen. Ihre Aufgabe war nicht leicht. Aber der Erfolg ihres Wirkens hat über vieles hinweggeholfen. Die Geschäftsreise mit Erholung bietet Ihnen die Überfahrt nach den IJSA mit den Schnelldampfern IJNI- .jTKJ) SI’\TI-:S (53.330 Brt) und AMRR1CA (33.931 Brt). Ab 310 Dollar reisen Sie in bester internationaler Gesellschaft in der luxuriösen 1. Klasse, ab 212.50 Doll, in der eleganten Kabinenklasse und schon ab 175 Doll, in der bequemen Touristenklasse! (125 kg Freigepäck.) Koschere Mahlzeiten. Abnt orten von Le Havre oder Bremerhaven. Sichern Sie sich diese einzigartige Verbindung von Zweck und Genuß. Buchungen bei Ihrem Reisebüro oder i/fiufocfSitötes IjUt&s Wien 1, Klirntnerring 3, Tel. 52-57-38, 52-28-53, 52-33-82, FS 1140J

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