Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1958
- Issue
- Heft 107-108 (September 1958)
- Date
- 1958-09-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 n i Fi s r i \f m Fi Nr. 107 Oberrabiner Dr. Eisenberg - 50 Jahre Sehmelke Kahan — Gast des Zion. Landesverbandes \littw u h, den 27 .August 1058 weilte in Wien als (last des Zionistischen 1 andesverhandes in Österreich Herr Schtnelke Kahan, Mitglied der Exekutive der Konföderation der Allgemeinen Zionisten für Europa und Nordafrika und Präsident der Allgemeinen Zionisten in Paris. Der Vorstand des Zionistischen Landesverbandes veranstaltete zu Ehren des Präsidenten KAHAN einen Empfang, der einen intimen und würdigen Verlauf nahm. Die anwesenden Vorstandsmitglieder hatten Gelegenheit, eine vornehme, erfahrene, kluge Persönlichkeit kennenzulernen, die nicht nur im kommerziellen Leben Frankreichs einen wichtigen Faktor darstellt, sondern im zionistischen Leben dieses Landes eine Tätigkeit entfaltet, die über die Grenzen Frankreichs weit hinausragt und Früchte zeitigt, die dem Staate Israel zugute kommen. Chawer Kahan berichtete über die soziale Struktur der Juden in Frankreich, über ihre wirtschaftliche Funktion, über ihre Einstellung zum Zionismus, über ihr verdienstliches Werk zu Gunsten des Keren-Hayessod - Magbith, über die Kinder-Ferienaktion der Zionisten in Frankreich und über die großartige Aktion, junge Menschen für einen in der Regel festgesetzten Zeitabschnitt, nach Israel zu schikken, um sie in die Lage zu versetzen, das Leben des israelischen Jischuw unmittelbar kennen zu lernen und Zeugen zu sein der unaufhaltsamen Entwicklung des staatlichen Raumes zu einem politischen, sozialen und kulturellen Gebilde und sich mit der jüdischen Heimat seelisch, geistig und national zu verbinden, ist doch die Medinah der Kraftquell der Juden in der ganzen Welt. Heute, da Israel besteht, ist es uns in vielfacher Hinsicht klar, welche Bedeutung die Bewahrung der Kontinuität zum Ursprung über viele Jahrhunderte hinweg für uns Juden hat. Ohne Israel wäre das Leben der gesamten Judenschaft verwirkt. Deshalb müssen wir, ohne Unterschied der politischen Einstellung, zu Israel stehen, es stützen und schützen. Der Vorsitzende dankte dem lieben Gast für seine wertvollen Darlegungen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sein Wissen für die Juden fruchtbar sein möge. Wolf Tischenkel Die jüdische Volksschule Die aus der bisherigen Hebräischen Schule hervorgegangene ,,Jüdische Volksschule", dzt. Wien 19., Ruthgasse 21, hat — nach Reorganisation des Lehrplanes — am 3. September d. J. den Unterricht in den 1. bis 4. Volksschuiklassen aufgenommen. Diese Reorganisation besteht vor allem in der vollständigen Angliederung des Lehrplanes an den der öffentlichen Volksschulen in Wien, dies unbeschadet des Hebräischunterrichtes, der im bisherigen Ausmaße (Hebräische Schule) erteilt wird. Die Schüler und Schülerinnen werden vom Schulautobus, der seinen Weg vom 7. Bezirk durch den 6„ 4., 3., 1., 9„ 17, 18. und 19, Am 30, September feiert der Oherrabhinor von Wien, Dr. Akiba Eisenberg seinen fünfzigsten Geburtstag. Dies wird wohl die Kehila zum Anlaß nehmen, dem Jubilar die Reverenz zu erweisen. Dr. Eisenberg, der bereits im Alter von 21 Jahren, nach Absolvierung seiner hebräischen Studien zu Papa und Vac die Hattara (das Rabbinerdiplom) erhalten hat, im Jahre 1937 an der Budapester Universität zum Doktor der Philosophie und der orientalischen Sprachen promivierte und nach Erlangung des offiziellen Rabbinerdiploms im Jahre 1938 zuerst in Budapest als Gemeinderabbiner und Religionsprofessor und dann als Oberrabbiner in Györ tätig war, wurde im März 1948 von der Israelitischen Kii tuscemeinde in Wien als Gemeinderabbiner berufen. Im August des gleichen Jahres wurde ihm, durch einstimmigen Beschluß des Vorstandes der KG., der Titel Oberrabbiner verliehen. Oberrabbiner Dr. Eisenberg, der sein schweres und verantwortungsvolles Amt der Nachkriegszeit, in einer Aera der tiefen Trauer und in einer Atmosphäre der größten Depression übernahm, hatte es Bezirk nimmt, an bestimmten, dem Wohnorte der Schüler am nächsten gelegenen Halteplätzen abgeholt und zur Schule gebracht, woselbst der Unterricht von 8.30 bis 13 Uhr dauert. Dann treten die Schüler wieder mit dem Autobus die Heimfahrt an, Der Unterricht findet von Montag bis Freitag statt. Staatlich geprüfte und daher behördlich anerkannte Lehrkräfte stehen der Schule zur Verfügung und gewährleisten so ein entsprechendes Niveau des Unterrichtes. Wir sind überzeugt, daß das rege Interesse, das sich bisher schon gezeigt hat, auch noch weitere jüdische Kreise erfassen wird, die eben auf eine jüdische und religiöse Erziehung Wert legen. Allen Schülern und deren Eitern sowie allen Freunden die besten Wünsche zum Neuen Jahr 5719! Leschanah Towa! Das Kuratorium und der Vorstand des Vereines „Jüdisches Schulwerk" Die Direktion der „JÜDISCHE VOLKSSCHULE" Seminar des Prof. Dr. Schubert Die Zionistische Föderation veranstaltet am 14., 21., 28. Oktober und 4. November ein Seminar, abgehalten von Professor Dr. Kurt Schubert, unter den Titel „Die Erwählungsidee der jüdischen Tradition". Die Vortragsthemen lauten : 1. Entstehung und Inhalt des Bundesbewußtseins 2. Der Bund und seine Bedeutung 3. Der Umfang des Bundesbegriffes 4. Die Zeichen des Bundes 5. Der Bund und das jüdische Sendungsbewußtsein 6. Das jüdische Selbstverständnis in der Gegenwart Ort; Vortragssaal der Israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4. Beginn jeweils 19.30 Uhr. wahrhaftig nicht leicht, die Ueherreste der einst so bedeutenden jüdischen Gemeinde, wieder zu einer festen religiösen Gemeinschaft zu fügen. Von der Kanzel herab spendete er Trost und gab den Gemeindemitgliedern ethischen Rückhalt, Die Jugendlichen lehrt f'r Moral und Liebe zu Israel. Dem Zionismus ist er innig verbunden. Er hat großen Anteil an den kulturel'en, sozialen und caritativen Erfolgen der jüdischen Institutionen. Besonders als Präsident des Keren Kayemeth Leisrael in Österreich, als Präsident der Sektion Österreich des Brit Ivrit Olamit, und als Begründer des jüdischen SOS-Kornitees, vermag er auf achtungsgebietende Erfolge hinmweisen. Wir wünschen unserem verehrten Oberrabbiner aus Anlaß seines 50. Geburtstages viele Jahre voller Gesundheit und hoffen, daß er in ungetrübter Frische sein Amt ausüben wird, zum Nutzen der jüdischen Gemeinde und zum Wohle des Wiener Judentums, im Sinne seiner Berufung. Ad Mea weessrim Schana! Bernhard Braver Vizepräsident des Keren Kayemeth Askan verläßt die Klaliim Der israelische „Davar" meldet: In einer Sondersitzung begrüßte die Leitung der Progressiven Partei Herrn Matitjahu Segal, der bisher Vertreter des Joschew Rösch des Parieivorstandes der Zionim Klaliim war und nunmehr der Progressiven Partei heigetreten ist. Segal vollzog seinen Austritt aus der Partei der Zionim Klaliim mittels Schreibens, das er an den Präsidenten Pinchas Bernstein richtete. In diesem Schreiben „Ich war viele Jahre hindurch Zionist und ich habe mit Genugtuung und Bewunderung die Entwicklung des Staates Isrrel verfolgt" das waren d:e Worte, die Sir Winsion Churchill durch seine Tochter Sarah Churchill auf der E.nweihungszeremon e des Churchill-Auditoriums im Technion-Campus verlesen ließ. „Ich bete dafür, daß Eure Bemühungen von Erfolg gekrönt sein mögen, niemand zum Schaden, zum dauernden Wohl aller Völker des Mittleren Ostens". Miß Sarah Churchill zollte ihrerseils dem jüdischen Volk und seinem Aufbauwerk ihren Tribut und zitierte aus dem Werk ihies V«. ters die Worte, die er über das Volk Israel und seine weltpolitische Bedeutung in dem wiederarstandenen Staat niederschrieb, bevor sie seine Botschaft an das Technion zur Einweihung des Churchill-Auditoriums, verlas. Von den vielen Gästen aus dem In- und Ausland begeistert akk.amiert, begrüßte der Ministerpräsident Ben Gurion erst hebräisch und dann englisch die Anwesenden im Namen der Regierung. „Wir sind gibt Segal seiner Überzeugung Ausdruck, daß die Klaliim viele taktische und politische Fehler begangen haben und unterstreicht, daß in der schweren Zeit, die Israel gegenwärtig durchzustehen hat, die öffentliche Propaganda gegen die Steuern, der sich die Kla'iim schuldig machen, ein unverzeihliches Vergehen darstellt. Segal apostrophiert einen Mann, dessen Namen er nicht ausdrücklich erwähnt, wirft ihm Selbstherrlichkeit vor und Schädigung der Partei dadurch, daß er ergebene Chawerim ahstoßt. Der Mann, den der Vorwurf trifft, ist Serlin. Segal hat in der erwähnten Sitzung, seinen Austritt aus der Partei der Klaliim, mit interessanten Details motiviert. BIKUR CHOIIM Der Verein „Bikur Cholim" Wien 1, Seitenstettengasse 2, feierte das zehnjährige Jubiläum seines Bestandes. Bei der gut besuchten Generalevrasmm.ung hatte das Präsidium die Ehre Herrn Oberrabbiner Dr. Eisenberg, sowie Vertreter der Kultusgemeinde, des Altersheimes und jüdischer Körperschaften zu begrüßen. Der durch Obmann, Frau Rosenkranz erstattete Tätigkeitsbericht fand lebhafte Anerkennung von Seiten des Herrn Oberrabbinersund der anderen, charifativen im jüdischen Leben tätigen Persönlichkeiten. Auch der durch Herrn Ludwig Deutsch (in Vertretung seiner Gattin) erstattete Kassabericht fand allgemein Anerkennung. Bis auf kleine Abänderungen wurde der alte Vorstand wiedergewählt. Am Schlüsse appellierte Frau Rosenkranz an die jüdische Welt, den Verein zu fördern, ihm zu helfen, damit er dort helfen kann, wo Not und Krankheit herrschen. Allen Freunden und Gönnern des Bikur Cholim wünscht, der Vorstand Glück und Gesundheit zum Jahreswechsel 5719. stolz darauf — sagte Ben Gurion, daß Churchill gestatte, dieses schöne Auditorium nach ihm zu benennen. Nicht nur Großbritannien hat Winston Churchill vor dem Untergang gerettet. Andere Staaten mögen größere Streitkräfte gegen die Nazi mobilisiert haben, aber soweit menschlicher Geist an dem Sieg teilhatle, war es der Geist Churchil s, sein Mut, seine Voraussicht und seine visionäre Kraft, die sein Volk ebenso inspirierte, wie al e anderen Nationen, die sich Nazis blutrünstiger Tyrannei nicht unterwerfen wol.ten. Daß w r dieses Auditorium nach ihm benennen dürfen, mag eine Anerkennung dieses größten Staatsmannes unserer Zeit sein, daß auch Israel teil hat an dem Mut und der visionären Kraft, die ihn inspirierte. Wir bitten seine Tochter, ihrem Vater, dem großen Kämpfer unserer Generation für die Freiheit dem unsterblichen Churchill — den Ausdruck der Liebe und Bewunderung unseres Volkes zu übermitteln." Der Präsident des Technions, Raw Alut Jaacow Dort, überreichte Miß Sarah Churchill unter großen Applaus a 1er Anwesenden einen silbergebundeuen Tenach. Churchill, Freund des Zionismus