Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1958
- Issue
- Heft 106 (April 1958)
- Date
- 1958-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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iimme Ocyan dee Allgemeinen Zionisten in ösietteiek Zionistischer Landesverband Wien c^-n cjV'an rvnrmnn Preis 2 Schilling P. b. b. Redaktion u. Administration: Wien IX, Universitfltsstr. 4 4 Telefon 33 75 84 Postscheck-Konto Nr. 134.292 April 1958 Nr. 106 Tagung der Weltkonföderation der Allgemeinen Zionisten in London Vom 8. — 10. März 1958 fand in London die Weltkonferenz. der Weltkonföderation der Allgemeinen Zionisten statt. 22 Organisationen aller Herren Ländern waren durch 60 Delegierte an der Konferenz offiziell vertreten. Alle waren vom heißen WiLen beseelt, dem Allgemeinen Zionismus die alte, prachtvolle Krone aufzusetzen, ihm den Glanz und das Ansehen, die er nach seiner Geburt trug, wieder zu verleihen. Die Konferenz war vom Streben geleitet, den Weg zu gehen, den uns Herzl, Weizmann, Sokolow und Brodezky markiert haben, den Ruf des Allgemeinen Zionismus wieder herzustel en; besonders kam das klare Bemühen zum Ausdruck, eine starke allgemeine zionistische Weltorganisation zu schaffen, die das Ziel haben sol\ sich mit konstruktiven Problemen zu befassen und die Identifikationspolitik, die zu schädlichen Spaltungen führt, zu verwerfen. Die Delegierten gaben ihrer Begeisterung darüber Ausdruck, daß sich der Allgemeine Zionismus von der Last befreit, die ein falsches Epitheton, von den Klaliim in die Welt gesetzt, auf uns gedrückt hat. Dr. Goldstein hob mit besonderer Freude hervor, daß diese Weltkonferenz in einer Stadt tagte, in der Prof. Weizmann und Prof. Brodezky gelebt und gewirkt haben und daß dort eine der besten Zionistischen Föderationen der Welt existiert. Zu dieser Weltkonferenz entsandte der Zionistische Landesverband in ös'erreich d:e Herren Wolf Tischenkel, Dr. Ernst Brande und Samuel Brod, die mit Reverenz emp'angen wurden, besonders stand der Präsident Tischenkel im Mitteipunkt des Blickfe des. In der Sitzung vom Montag dem 10. März erhielt Präsident Tischenkel als erster das Wort. Mit wirkungssicherer Sachkenntnis faßte er seine Darlegungen in glänzende Formeln und seinen schöpferischen Einfäl en wurde Achtung gezol.t. In seiner längeren Rede schi.derte Tischenkel die letzte Entwicklung innernalb der Konföderation und siebte mit Befriedigung fest, daß die Identifikationspoiitik in unseren Reihen keinen Raum findet. Mit Bedauern und Verbitterung nahm der Redner Stellung zum Beginnen der Klaliim, unsere Organisation in Österreich zu deroutieren und verurteilte die Intrigen die hier gesponnen werden. Unser Landesverband, sagte der Redner, umfaßt alle Nuancen des Al’gemeinen Zionismus und wir finden keinen Grund die Identifikationspolitiker, die sich mit ailen Dingen befassen nur nicht mit zionistischer Tätigkeit zu tolerieren. Die gleichen Herren, die mit den Revisionisten paktieren, um die allgemeine zionistische Organisation zu bekämpfen, reklamieren für sich den Namen des Allgemeinen Zionismus, ungeachtet desser, daß sie, ihrer Einstellung nach, vom Allge- Keine Versammlung der Zionisten in der Zeit, da Israel den 10jährigen Bestand feiert, kann an den Fragen Vorbeigehen, welche Bedeutung der Staat für das jüdische Volk und die Welt hat und was das kommende Jahrzehnt uns bringen sol1. Israel hat der Welt ein Beispiel sauberer Demokratie gegeben, einer Aufbauarbeit unter den schwersten Bedingungen in den Jahren der Entstehung des Staates. Dafür allein muß die freie Welt Israel dankbar sein, da die Demokratie durch verschiedene Formen totalitärer Systeme diskreditiert wird. Israel hat ferner der gesamten Welt und insbesondere seinen arabischen Nachbarn gezeigt, wie man Wüsten fruchtbar macht, Sümpfe trocken legt und ein neues Leben aufbaut. Israel hat in diesem vergangenen Jahrzehnt für mehr als eine Million Juden aus Osteuropa und Nordafrika ein Heim geschaffen. Sein Mut, der Idealismus und sein Unternehmungsgeist haben den Juden überall einen neuen Weg gezeigt, wie man mit Stolz a':s Jude leben kann. Die Erfolge Israels sind für alle Juden der Welt eine Quelle von Kraft, das kulturelle und geistige Leben zu erhalten und den jüdischen Erziehungsformen neuen Inhalt zu geben. Keine Nation hat jemals in so kurzer Zeit so viel erreicht. Da nun Israel 10 Jahre alt ist, darf man fragen, was dürfen wir von Israel im kommenden Jahrzehnt erwarten und was dürfen wir von den Juden für Israel erwarten. Israel hat viele Probleme vor sich. Da ist zuerst das Problem der sozialen und kulturellen Integrierung der verschiedenen Elemente der Einwanderung und die Absorbierung der neuen Einwanderung. Israel muß die Politik fortsetzen, seine Tore für die Einwanderung offenzuhalten. Es gibt eine Million Juden in Osteuropa, welche auf die Möglichkeit warten, nach Israel zu gehen. Mindestens 100.000 wollen aus Nordafrika nach Israel auswandern. Das nächste Problem ist die Erschließung industrieller und landwirtschalt icher Quellen, meinen Zionismus weit entfernt sind. Wir treten in die Fußstapfen Dr. Herzls, der uns den Weg klar vorgezeichnet hat und in diesem Geiste werden wir unsere konstruktive Tätigkeit weiter entfalten, schloß der Redner seine in lebendiger Form dargebotenen Ausführungen. Braver um die ökonomischen Möglichkeiten für die wachsende Bevölkerung zu schaffen. Dazu braucht Israel die Hilfe des gesamten jüdischen Volkes. Israel muß ferner die Politik fortsetzen. smh jederzeit gegen Angriffe durch seine Nachbarn verteidigen zu können. Es ist zu erwarten, daß im kommenden Jahrzehnt das jüdische Volk, und im besonderen die Juden in den westlichen Ländern, die materielle Hiltle für Israel vergrößern werden. Die Pflicht, ein Heim für die heimatlosen Juden zu schaffen, lastet auf allen jüdischen Gemeinden in der Welt im Verhä tnis zu ihren materiel en Möglichkeiten. Ohne Hilfe wird Israel nicht in der Lage sein, seine Tore für Einwanderung offen zu halten. Man darf hoffen, daß die Juden in der Welt ebenso aktiv sein werden, wie sie in der Vergangenheit waren, um gute Beziehungen zwischen den Ländern, in denen sie leben, und Israel zu schaffen. Was darf man von den Weltmächten gegenüber Israel erwarten? Die Frage gilt sowohl für die kommunistischen wie für die demokratischen Länder. Im Interesse des Weltfriedens müssen die Mächte darauf sehen, daß Israels territoriale Integrität respektiert werde. Es muß nach al en Seiten klar gemacht werden, daß Israel keine Aggression hinnehmen wird. Eine Agression durch die Nachbarn Israels muß zu einem militärischen Zusammenstoß führen und dadurch zu einer Gefahr für den Weltfrieden werden. Die einseitige Bewaffnung der Araber muß auf hören. Ägypten und Syrien neigen nach Rußland, während Irak und Jordanien westlich orientiert sind. Aber a de haben den Wunsch, Israel zu vernichten, lm Interesse des Weltfriedens muß diesen arabischen Staaten klar gemacht werden, daß die Kriegspropaganda abgesfel t werden muß. Der ganze Mittlere Osten braucht ein weites Programm für Schulbildung, ökonomische Hiife, Rehabilitierung, damit die Lebenshaltung der Massen gehoben werde. Die Beiträge der großen Mächte Fortsetzung Seite 2 PESSACH 5718 Wir feiern das Pessachfest 5718, in Erinnerung an die Befreiung aus ägyptischer Knechtschaft. Der historische Sinn dieses Festes stärkt die Erinnerung an die Befreiung vom Sklavendasein und drängt zur Tat, um sich von der Galuth loszulösen und sich Israel mit dem nationalen, geistigen und physischen Vermögen hinzugeben. Die Hagadah, die wir an den Sederabenden lesen, ist vom nationalen Geist getragen und unser Pessach ist heute, mehr denn je, mit einem neuen, überwältigenden Inhalt erfüllt; er weckt neue Kräfte im Judentum, bewirkt inneres Wachs um jüdis hen Cemeinscha'tslebens und stärkt die Pf icht zu nationalen Taten für uns, für Israe', wo das Pessachfest starke Wurzel geschlagen hat. Seitdem das jüdische Volk am Berge Sinai die göttliche Lehre empfangen hat, sind Jahrtausende ins Land gegangen und wir Juden haben uns mühsam und beladen fortentwickelt, die kulturellen Errungenschaften al er Natonen, unter denen wir in vielen Geschichtsepochen gelebt haben, mitgemacht, keine Neuerung auf dem Gebiete des Ge s'es versäumt und obgleich unausgesetzt bedrängt und verstoßen, haben wir uns zur geistigen und ethischen Höhe emporgerungen, weil wir mit dem Buch der Bücher in der Hand gewandert sind, immer, freudigen Mutes und mit idealen Hoffnungen in der Brust, das Land Israel, den Gegenstand unserer unauslösch iehen Lie- •'e wieder in Besitz zu nehmen und einen Wendepunkt in der Geschich'e herbeizuführen. Ueberwäl- 4i ende Begeisterung für die Rückkehr ins eigene Land hat unsere Generationin in einem Maße ergriffen, daß sie ohne Rücksicht auf unsägliche po bische Schwierigkeiten, die uns die Großmächte einerseits und die arabische Welt andererseits bereitet haben, den einfach unfaßbaren Kampf aufgenommen und ihn wunderbar bestanden hat. Seit dem Jahre 1948 besteht die selbstständige Medinath Israel. Mit prophetischer Feuersp ache und mit der geistigen Kraft, die uns die Propheten offenbaren, haben wir die Welt überzeugt, daß wir nach entsetzlichen Schicksalsschlägen, nach physischer Vernichtung von b Mil innen Juden eine Wendung im Geschichtsgange unserer Nation herbeiführen und als Volk wie andere freie Völker in geordneten Verhältnissen leben müssen. Der israelische Jishuw hat einen festen Grund für den Bau des Staatswe^ens gelegt, das IO Jahre Israel Rede, gehalten von Dr. Israel Goldstein bei der Londoner Konferenz der Weltkonföderation 'der Ällg. Zionisten.