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Die Stimme · 1957-12-01 · Heft 104 (Dezember 1957) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1957
Issue
Heft 104 (Dezember 1957)
Date
1957-12-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIL STIMM L Nr. 104 Ordentliche Vollversammlung des Zionistischen Landesverbandes Tätigkeitsbericht des Priisidenten Wolf Tisclienkel Am 2 \ n. •mr - PH“ LinJ dm '>rdf'nHicht' \ <>! |vc isammlung fl 's ^i'>n! ruuO'^vf'idMndps stritt. Un If’r \ nrsiH rlf's \ iz,■ pr;isid 'n1 ,5 ii Bernhard lir.ivf'r fM-sBittato der Pr T sideni \\;i!| f is>dinkp' nrt' hst 'Ii°m■ (h5n Bericht: V er e \ I i tu ’ i :'dr m pj iip sp’ir g ehrten Damen und fD'iaen ich m-- öffnr' die ordentliche \ oj I ve'samm - lung des zionistischen Lnndesvr'rlianclf's und begrüß:5 Sie auf das herzlichste. Ich begrüße insh?son* dere unseren sehr geehrten Ehrenpräsidenten Herrn Dr. Wolf Hm-/- herg, ein Mann der Jahrzehnte in der Zionist ischen Bewegung aS*ti\ ist. Wir wünschen ihm noch viele viele Jahre der (Wundheit und geistigen Frische. Bevor wir in die Tagesordnung eincehen. gedenken wir unser-5'- To'ei, die während der a'-güruJenen Periode leider von uns gegangen sind Dir. Epstein. Prof. Dr. Julius Popper, Dr. Emil Neuspio; Theodor Monteser, Dr. N!aximiban Schwarz, fug. Maximilian Rechenberg, Bernhard Neufeld und Frau Erna .Biller. Wertvolle Menschen, aufrichtige Zionisten, treue Anhänger unseres Verbandes schieden von uns in einem Zeitpunkt, da dm sehr zusammengesc hmobene jüdische Gemeinschaft auf jeden unseter Gesinnungsgenossen angewiesen ist. Wir gedenken ihrer und werden in ihrem Sinne unsere 7 ätigkeit fortsetzen. Seit der letzten ordentlichen Vollversammlung waren wichtige Anlässe denen wir uns gewachsen zeigen mußten. Die Aufgaben de-, Zion Landesverbandes sind vielfältig und nicht selten schwieri \ Der Aufwand an Mühe und di': Bewältigung von Aufgaben erfordert es, daß eine größei.e Anzahl von Chawerim sich in den Dienst der nuten Sache stellt. Bei aPe- Würdigung der guten Absichten und der Treue unserer engen Chawerim, muß ich leider feststoilen, daß die Last der Arbeit auf einigen Menschen ruht. Al.erdings will ich es nicht verschweigen, daß die schwache Aktivität unserer °n;en Chawerim nicht nur hei uns, sondern hei allen anderen jüdischen Organisationen im Lande zu beobachten ist. Der zielhewußten und aktiven Art eit. weniger Fumtoiäie unseres Landesverbandes haben wir es zu verdanken, daß wir auch weiterhin an der Spitze der zionistischen Bewegung Os'e'-reichs stehen und immerhin rege Tätigkeit entfalten. Der Zion. Landesverband stellt den Vizepräsidenten des Bundesverbandes ö s1 e r r e i c h i s c h e r KuBusgemeinden, zwei zionistische Kultusvorsteher, den Präsidenten der Zionistischen Föderation, den Präsidenten des Keren Hayesoci- Magbith, den geschäftsführenden Vizepräsidenten des Keren Kayemeth und ein Mitglied der Schätzungskommission des Steueramtes der Kultusgemeinde. Daraus ersehen Sie, daß das politische und organisatorische Cewirht des Allgemeinen Zionismus in Wien nicht zu unterschätzen ist. Aus der Vielfalt unserer zionistischen Arbeit möchte irh hervorhel.en, daß wi, unmittelbar nach der Aufnahme der Tätigkeit nach der letzten Vollversammlung den Versuch machten, unsere Räumlichkeiten in einen l.esesaal zu verwände n und einen Irettpnnkt Ihr jüili-ihe Geselligkeit zu schaffen Dem ähnlichen Zweck dienten unsere sehr 1 e’iebten Onegi Sehnbbnth, die in der Zeit vom 2b. Jänner 1056 bis einsc hließlich h. April IJ56 vmnms veranstaltet wurden. Di > Onegi Schahbath entsprechen einer a ten jüdischen und modernen zionistischen Tradition und tragen wesentlich zur Vertiefung der Fr-nindschaft unter uns Zionisten und Sympaihikern bei. Für den vol.en Erfolg der Onegi danken wir insbesondere Herrn Brod und seiner Gattin. Ne' s1 unserer uMägiMieu p-aktischen Arbeit, haben wir am 12. Fe:'or 1056 d'5n israelischen Tonfilm ,,Schwert in der Wüste" zur Aufführung gebracht, am 2;. März ITib veranstalteten wir einen Empfang für Herrn Dr. von Weisel, am 22. Mai ITT berichteten Chawer Brod und meine Wenigkeit über den Verlauf de, 2T Zion. Kongreß in Jerusa'em, am 2b. August 1056 gaben wir einen Empfang zu Ehren des Wäsidenten der Konföderation Dr. Sagall und am 2. Oktober 1056 hie t linse'- Ehr enpräsident Dr. Herzberg einen Vortrag mit dem Thema: ,,Eindrücke aus Israel", Wir veransta t-een den ersten Sederuhend zu Pessach dieses Jahres im (Ade Babenberger hof, an dem eine Anzahl von Chawerim iei.nahm. Diesen Sede>- ah-end nahmen wir zum Anlaß, um das Ensemble des Josefstädter Theaters, das in der Aufführung des Stückes „Anna Frank" die tragenden Roiien spielte zu ehren, ihm die Atmosphäre unseres Sederahends vor Augen zu führen und es nach jüdischem Brauch zu bewirten. Dieser Sederabend war der Auftakt zu einer großangelegten Aktion für den „Anne Frankv/a’d", der nur durch .Arbeits.eistung des Zion. Landesverbandes vollen Erfolg hatte. Am 20. Mai 1057 veranstalteten wir einen Vortrag bei dem dm- Chefredakteur der ZiooisMsMmn Stimme in Paris Herr Edelmann über die Freundschaft Frankreichs zum Staate Israel sprach. Der Vortrag war äußerst interessant, fand großen Beifall und o'fonBarte äußerst wichtige Einzelheiten üt er eine so wertvolle Freundschaft, die Israel in Zeiten der Not genoß. Anschließend daran gapen wir einen Empfang zu Ehren des Gastes Chawer Edelmann, der bei dieser Ge egenheit über die innere Struktur der Zion. Konföderation in Europa und Nordafrika sprach, fm Laufe der Perirh'speriode fanden 11 Präsidia!Sitzungen und 14 Vorstandsitzungen statt. Bei mr am 4. Septtemhnr 1957 slattgehabten Vorstandsitzung, wurde mit Stirnmeneinh ltiqkeft besch ossen, mich zu der am B. Sept. 1957 in London tagenden Sitzung der Konföderation für Europa und Nordafrika zu delegi ren. Boi d eser Vorstandsitzung wurde folgende Entschließung gefaßt: Die am 4. Sept. 1957 stattfind nde Sitzung des Vorstandes d. s Z an. Landesverbandes in Wien beschließt, seinen Präsidenten Wolf Tischenkel zu der am ß. Sept. 1957 in London s att ind nden Konferenz d r europä sch m Konfödera ion zu delegieren und ihn mit der Aufgabe zu betrauen, die bisherige Linie der Nichtidentifikation streng zu beobachten. Der Vorstand hält an dem Grundsatz lest., daß eine Spaltung innerhalb der Al|g Zionist ui in Os erreich nicht hei aufheschwriren werden kann, dies deshalb, Ja wir der Hher/.eupung sind, daß eine Spaltung der Bewegung tiir uns untragbar ist und die Arbeit d 's [.an desverBandes in ( »slerreic h lahm legen würde. Ich habe mich hei dieser Konferenz streng daran gehalten, dieser Entschließung Rechnung zu tragen. Ich muß hier besonders hervorheben, daß die Konföderation Mir Europa und Nord afrika uns jahrelang in jeder Weise gestützt und uns nahmhnfte Geldbeträge zur Verfügung gestellt, hat. Ich hebe es mit besonderer Betonung hervor, daß die Konföderation aus keinem wie immer geart'eten Titel an uns Bedingungen gesteht und uns hier in Österreich niemals genötigt hat uns, sei es als A||g. Zionisten A oder Alle. Zionisten B ni deklarieren. Unse e Linie war immer klar und eindeutig. .Jedes Mitglied konnte seine Sympathien lür die eine oder die andere Gruppe hegen, daraus entstand in unseren Reihen niemals St reit. Nun zu eleu Vorgängen Bei der Londoner Konleronz am 8. Sept 1057 und zu dem in den Reinen des Verbandes auf ge1 relenen Mißhelligkeiten. Ls geht kurz darum: Was ist unser Yerhä tnis zu den po’Pischen Parteien in Israe? Wir sind Apg, Zionisten. Ls ist bekannt daß es ins zum Jahre 1046 zwei Organisationen der Al'g. Zionisten gab, seil dem der oinheit’iche Vorhand im Jahre 10TB gespalten wurde. Die A und B Zionisten. Die B Zionisten waren im Verband der Al|g. Zionisten zusammengefaßt und organisiert, die A Zionisten in der Konföderation der Alig. Zionisten. Dari ich daran erinnern, daß die A Zionisten der Führung von Chaim Weizmann treu biOten, dem uor.estritl.enen großen Nachfo'ger von Herz!, dem wir die ßalfour Deklaration verdanke:', der die Politik Herzls auf Zusammenarleit mit der jüdischen Arbeiterschaft lortsetzle unddiePo ilik der An'ehnung und Orientierung nach dem Westen iestlegte. Im Jahre 1046 vereinigten sich die A und B Zionisten wieder. Die B Zionisten lös'en ihren We tverhand auf und traten in die Weltkonföderation ein. Aber sehr schnell lebten die Gegensätze wieder auf. Der Jischuw war im steten Wachsen, die politischen Parteien in Israel halten reale Aufgaben und eine reale Grundlage, jede Partei wollte, daß das Land nach ihren Ansichten regiert werde. Es entstand daher die Frage „Welche Funktionen haben eigentlich die Parteien außerhalb Israel?" Besonders schwer ist die Frage zu beantworten, da die Ansicht in Israel vorherrschend wurde, daß wir Zionisten im Ausland in die Agenden Israels in die: Regierung und Verwaltung Israels uns nicht einmischon können und cfürlen. ich bemerke, daß in diesem Punkte alle Parteien Israels bis heute einig zu sein scheinen und sich daran hallen. Ein weiteres besonderes Problem entstand für die Allg. Zionisten in der Galuth. In Israel seihst ist eine Spaltung der Allg. Zionislen eingetreten; es gibt einerseits Progiessive andererseits Klaliim. Außerhalb Israels war und ist eine Konföderation der Allg. Zionisten für Europa und Nordairika mit dem Sitz in Paris. Dieser Vereinigung hat unser Land >sver- I and c--eit dem Jahre 1046 angehort. Der Zionistische Landesverband in Os erreich arbeitete in Frieden und nahm weder für noch gegen eine Partei in Israel Steilung. Wir vva o i praktisch strikt neutra , mit am eren Worten, wir praktizierten die Neutra itäl, bekannt unter der Dev He der Nichlidentilikation mit einer Partei in Israel, Diese Frage rückte im Jahre 1056 in den Vordergrund und ha'ta mehrere Ursachen. In den Vereinigten Staaten von Amerika gal) es waren dieser Identifizierung mit den K aliim in Israel durch die Mehrheit der amerikanischen Organisation bzw. deren Leitung zu schweren Konflik- ’eu. Sc h ieß.ich begannen die Mitglieder der Opposition in Amerika sich a's F.e'hstständige Partei der Allg. Zionisten zu organisieren. Es kam noch im Mai 1057 zu einem ’etzten Versuch, die Spaltung zu verhindern. Sogar die B Zionisten Amerikas waren bereit, die Nichtidentifikation anzuerkennen, Aber die B Zionislen Israels, also die K!a iim widersprachen dem, Daran scheiterte der Versuch der Einigung und die Spaltung, betrieben von einigen Emissären der K'aliirm in äsraeb 'eht nun durch die ganze zion*üisc-he Welt. Wir in unserem Verband setzten die Politik der Nich'einmis hung und Neutralität fort. Wir hatten zur Erörterung die- :es Themas eine Vorstandssitzung einheruten und die bereits von mir verlesene Reso ution einstimmig feschlossen, Gestützt auf diese Resolution ging ich nach London zur Sitzung der Konföderation für Europa und Nordafrika, wo die Linie der Nichteinmischung d, h. Nichtidentiiizierung neuerlich beschlossen und bekräftigt worden ist. ln unserer Politik, der Politik des Verbandes, hat sich nichts geändert und es bestand keine Ab- Hrhf, eine Änderung herbeizuführen. Wir sind ein relativ schwacher Verband, unsere Stimme gilt im Weltmaßstab nicht allzuviel, wir wol en auch garnicht große Politik machen. Unser Standpunkt ist und muß sein: Für uns gibt es ein Israel, einen jüdischen Staat, eine konstitutionel e Regierung mit ordnungsgemäß eingesetzten Organen, mit ihnen arbeiten wir, ihnen sind wir ergehen, wir kennen keine Parteien in Israel, wir dürfen nicht Satelliten einer Partei in Israel sein. Wir wollen weder A noch B Zionisten sein, wir maßen uns kein Urteil an, da wir nicht in Israel tehen, oh die Progressiven oder die Klaliim im Rechte sind, woraus die Neutralität, die Nichtidentifikation, sich von seihst ergibt. Kein Widerstand hätte in unseren Reihen entstehen können, wenn professionelle Spalier nicht eingegriffen hätten. Dari ich bemerken, dal kein Progressiver aus Israel uns im diesen Jahren und in diesen Fragen besucht hat, Wie sollten sie auch? Da sie einsahen, daß sie uns und wir sie durch Einmischung nicht behelligen sollen. Warum verlangen nun die Klaliim in Israel die Identifizierung? Ist es doch ganz klar, daß der allgemeine Zionismus in Europa nur geschwächt werdem kann, Allein die* Erfahrung in Frankreich sollte vor der Spaltung der

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