Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1957
- Issue
- Heft 103 (September 1957)
- Date
- 1957-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 103 DIE STIMME Seite 7 Bundestagswahlen in Westdeutschland Im neirmwähllen Westdeutschen BundosMg erhielt die Partei I)r, Konrad Adenauer 270 von 497 Sitzen und erlangte damit die absoluie Mehrheit. Der Wahlsieg der Christlich-Demokratischen Union war eigentlich vorauszu eben. Unter Adenauer erlebte Westdeutschland einen nie geahnten Aufstieg. Al’erdings muß man ins Kalkül ziehen, daß die USA die größten Anstrengungen machten, um die Adenauer - Regierung politisch zu schützen und sie mit Riesensummen in Dollar zu stützen, damit in Europa eine starke Macht gegen den Bolschewismus Wache hält. Der Ausgang der Wahlen in Westdeutschland hat für uns Juden insofern Interesse, als die rechtsradikalen, antisemitischen, mit Blut befleckten Kreise nicht an Boden gewonnen haben und ihr menschenfeindliches Treiben keine Gefahren heraufbeschwören wird. Das Aufkommen der Neonazibewegung hätte Deutschland und in weiterer Folge der ganzen Welt Unglück gebracht. Die deutsche Soldateska, die deutschen Junker, der deutsche Feudalismus und die deutschen Rüstungsbarone hätten die ganze Welt herausgefordert es versucht, den Nacken der anderen Völker unter das Joch zu beugen und einen Krieg mit al'en Schrekken, die Nazideutschland verbreitet hat, zu provozieren. Das deutsche Volk verstand es, daß die deutsche Reaktion nicht Fuß fassen darf und reifte sich politisch und moralisch in die Front der demokratischen Völker ein. Wir hollen, daß die Partei, Dr. Adenauers den Wünschen der Mehrheit ihres Volkes nach Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und Humanität in vollem Umfange Rechnung tragen wird. Nicht zuletzt geben wir der Zuversicht Ausdruck, daß Dr. Adenauer und seine Partei sich dessen bewußt sind, daß das demokratische Deutschland noch vie! daran gutzumachen hat, was das dritte Reich und das deutsche Volk moralisch und wirtschaftlich an den Juden verbrochen hat. Dem Rest der in Deutschland noch lebenden Juden geht es schließlich um Sicherheit und Geborgenheit. Wer erzeugt Antisemitismus? Im nazistischen ,.Wiener Montag" vom 6. Mai 1957 finden wir in der Rubrik „Der Montag meint" folgende Notiz : In der Tschechoslowakei und in Polen ist ein beachtliches Anwachsen des Antisemitismus festzustellen. In der Tschechoslowakei erfolgen zahlreiche Verhaftungen von jüdischen Funktionären, In gewissen Kreisen des Westens behauptet man, daß der sowjetische KP- Sekretär Chruschtschow einen neuen Antisemitismus in den Ostblockstaaten aufziehe, um die Empörung der Massen über die schlechte wirtschaftliche Lage in den kommunistischen Ländern abzulenken. Diese Auflassung kann zum TEIL richtig sein. Aber warum können diejenigen in der Welt, die es hauptsächlich angeht, sich noch immer nicht zur Wahrheit bekennen, daß Pfarrer Dr. hc. Paul Vogt c5/#f (intfi Gruß dir, gelobtes Heil’ges Land, Du Land der heil'gen Ahnen. Die Gottes heil'ge Vaterhand Geführt auf heil'gen Bahnen. Gruß dir, du leidgeprüfte Schar Aus Judas Volk und Gauen, Die ewig bleibt, was einst sie war, ie darf auf Treue trauen. Gruß dir, du tapfre Dienerschaft Im Dienst an Witwen, Waisen, Die voller Leidenschaft und Kraft Der Liebe Glut erweisen, es auch die Juden selbst sind, die den Antisemitismus erzeugen." Dort, wo es um Juden geht, ist der „Wiener Montag" immer auf Seite der Kommunisten. Es verschlägt dem „Wiener Montag" die Sprache, wenn er das Wort Jud hört und im Gedenken an die herrliche Zeit der langen Messer, bezeugt er sogar mit Wohllust dem Kommunismus die Reverenz und Dankbarkeit für die Judenverfolgung. Die Macher vom „Wiener Montag" haben nicht den Mut zu sagen, wodurch die Juden den Antisemitismus erzeugen. Gäste der Föderation Am 12. September d. J. sprachen im Rahmen einer Veranstaltung der zionistischen Förderation die Herrn Chasan Abgeordneter der Knesset und Dr. Klee, Chefredakteur in Zürich über Fragen der zionistischen Politik und über die Gestaltung Israels. Die zahlreich erschienen Gäste zollten lebhaften Beifall. Archiv von Worms nach Israel Das Archiv der alten jüdischen Gemeinde von "Worms wird in Kürze nach Israel uberführt werden — erklärte der Leiter des Staatsarchivs Dr. A. Bein bei einer Pressekonferenz in Tel Aviv. Dr. Bein berichtete, daß die Archive von 800 jüdischen Gemeinden Deutschlands sich jetzt in Israel befinden. Er gab ansdhließend Einze heiten über die Bestimmung zur Führung von Archiven bekannt, die vorsehen, weldhe Urkunden aufzubewahren sind und welche vernichtet werden dürfen. cur Israel Gott, Vater der Barmherzigkeit, Er segnet Glaubenshoffen Und Ringen um Gerechtigkeit, Sein Herz steht immer offen. Er dämpft des Feindes Lug und List, Er schirmt die schwachen Kleinen, Er läßt nach langer Leiden Frist Die Freudensonne scheinen. O Israel, gegrüßt seist du Als Volk und Staat hienieden, Gott schenke dir zur Arbeit Ruh Und nach den Kämpfen Frieden! Beizer Rebbe tot Vor kurzem ist in Jerusalem der Beizer Rebbe, Rabbi Ahron Rokach, der Tausende von Anhängern in aller Welt hatte und sich eines hohen Ansehens erfreute, im Alter von 79 Jahren gestorben. Obwohl der Verstorbene schon am Nachmittag seines Todestages bestattet wurde, waren über 6000 Chassidim an seinem Grabe anwesend. Die Beziehungen des Beizer Rebbe zum Staate Israel waren immer positive. Im Gedenken an Ballin Die Behörde für Wirtschaft und Verkehr der Freien und Hansestadt Hamburg hat den hundertsten Geburtstag von Albert Ballin zum Anlaß genommen, eine sdfi'ön ausgestattete Broschüre über „des Kaisers Reeder", wie man ihn nannte, herauszugeben. Die Schrift, die ausführlich Leben und Wirken Albert Bailins und damit zugleich Aufbau und Aufstieg der deutschen Handelsflotte beleuchtet, schließt mit einem warmherzigen Bekenntnis zu Deutschlands größtem Reeder, der, wie es dort heißt, „als Gestalt und Symbol für Deutschland und Hamburg eine unvergängliche und unvergeßliche Kraftquelle ist und immer bleiben wird”. Albert Ballin, der Jude, war nicht nur der größte Reeder Deutschlands, sondern der genialste Mann auf dem Gebiete der deutschen Schiffahrt. Er baute Deutschlands Handelsflotte auf, die zu einer imposanten Größe emporwuchs und dem Wilhelminischen Reich Reichtum und Ruhm eintrug. Die Deutsche Bundespost gab eine Marke mit dem Bildnis Ballins heraus. Schuh-Moden-Haus TcHüia^ Wien II. Taborstraße Nr. 8 b Die besten Glückwünsche allen unseren Kunden und Freunden Die Hälfte der Ernte an langfaseriger Baumwolle von England gekauft. Vor einigen Tagen ist das erste Abkommen über den Verkauf langfaseriger Baumwolle aus Israel abgeschlossen worden, als aus England 2000 Bündel der Erntie des nächsten Sommers angekauft wurden. Der Wert der Order beträgt ca. In Millionen IL. Sie wurde erteilt für die langfaserige Sorte „Fima 32". Der Vertreter einer britischen Weberei, der vor einigen Wochen in Israel war, prüfte die Qualität dieser Baumwolle, sandte Muster auf dem Luftwege nach England, und nachdem er die Ergebnisse der Untersuchung erhalten hatte, erteilte er die Bestellung, durch die die Hälfte der diesjährigen Ernte an Baumwolle „Fima" bereits verkauft ist. Er erklärte sich bereit, jede Quantität von Baumwolle „Fimä" zu kaufen, die Israel in den nächsten Jahren produzieren kann. Export keramischer Artikel. Verhandlungen über den Export sanitärer keramischer Artikel im Werte von 300.000 Dollar nach der Türkei sind im Gange. Ein Abkommen mit Griechenland in Höhe von 20.000 Dollar ist bereits unterzeichnet worden, das man zu verdoppeln hoflt. Nach Griechenland, der Türkei und Cypern werden vor allem sanitäre keramische Artikel, Glas, Autoreifen und Stahlrohre exportiert. . Sonderangebot J U D A I C A Prof. Dr. JL Guttmann: „Die Phil osophie des Judentums” neu, Ganzleinen gebunden, 812 Seifen S (80.— Martin Buben „Die Chassidischen Bücher”, 3 Teile in 1 Band, neu, Ganzleinen gbd., 718 Seiten S 95.— Martin Buben „Der grobe Magid und seine Nachfolge”, gbd., gut erhalten S 40.— Dr. H. Graetz: „Volkstümliche Geschichte der Juden”, 3 ßde., Ganzleinen gbd., fast neu S 200.— Dr. H. Graetz: „Volkstümliche Geschichte der Juden”, 3 Bde., Großformat, Leinen gbd., gut erhalten S 250.— Die Bücher der Bibel: „Mit Zeichnungen E. M. Lilien, 3 Bde., Hulbleder gbd., fast neu S 250.— Friedrich Mückle: „Der Geist der jüd. Kultur und des Abendlandes”, 1 Bd., Großoktav, Ganzleinen gbd. S 120.— Schalem Asch: „1 riologie - Petersburg - Warschau - Moskau”, 3 Bde., Ganzleinen gbd., gut orbulten S 100.— Max Brod: „Heidentum, Christentum, Judentum”, 2 Bde., gut erhallen S 80.— Dr. S. Bernfeld: „Juden und Judentum im 19. Jahrhundert”, Rückschau auf 1Ü0 Jahre geistiger Entwicklung, gbd. S 20.— Anfragen an die Administration die „Stimme” unter „3UDAICA”. Kontor Einrichtungs-Gesellschaft ERWIN BRAUN & C9. WIEN (..ESCHENBACHGASSE 9-11. TEL.B 22 5 80 SERIE Büromaschinen Bürobedarf Taylorix- Budihaltungs- Organisation manuell u. maschinell Die besten Wünsche zum NEUEN JAHR 424522