Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1957
- Issue
- Heft 102 (März 1957)
- Date
- 1957-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 2 Schilling V. b. b. ®« /TT (@/timme Gtya*% d&& Mltye*neüte>t% H&Hisi&f* U% Ösh&cceicJU ■i'bl7Dn c\jrri rv Zionistischer Landesverband Wien ■llll!l!lllllll!!lllllllllllllllll!ll!llillllllllllllllllllHllf!llllllll!!lllll!l!iill!IlfnTliil | Redaktion u. Administration: | | Wien IX, UniversitHtsstr. 4/4 j 1 Telefon A 26 4 73 | | Postscheck-Konto Nr. 134.292 | | März 1957 | WiiiinmiinmmnftfflPHroifflHmiiifnii!M;TM!iiiiniiii[ini!iiiiiiiii!ni!inmmBi Nr. 102 DR. IMANUEL UNGER Israel vor neuen Problemen Wenn es die Well bis jetzt nicht wußte oder wissen wollte, warum Israel sich so lange und so hartnäckig weigerte, seine Truppen aus dem Gazastreifen und aus Sharm al Sheikh abzuziehen, jetzt weiß sie es und jetzt kann sie sich auch über die Tatsache keiner Täuschung hingeben, daß die Ägypter nicht nur die wahren Aggressoren und die geschworenen Todfeinde Israels sind, sondern darüber hinaus erbärmliche Feiglinge, die im offenen Kampf nur die Flucht kennen, aber umso besser im Trüben zu fischen verstehen Nicht kraft ihrer Rechte oder ihrer Kraft schaffen sie sich Machtpositionen, sondern durch Lisft und Intrigen stellen sie die Welt vor vollendete Tatsachen. Fast eine Woche lang dauerten die fieberhaften Verhandlungen zwischen New York, Washington, Tel Aviv und Jerusalem Ben Gurion sprach und Golda Meir und Aba Eban, Eisenhower, Dulles und Cabot Lodge, Mollet, Pearson und Hammerskjöld, Anklagen wurden erhoben, Versprechungen gemacht, Erwartungen gehegt, Hoffnungen zum Ausdrucke gebracht, Appelle gerichtet und Botschaften gewechselt, Ministerräte tagten in Permanenz, Millionen Worte wurden in Mikrophone gesprochen, durch Telegraphendrähte gejagt, in die ganze Welt hinausposaunt. Und der Refrain dieser Millionen Worte gipfelte in einem einzigen, das ..Rückzug“ hieß ln einer von Trauer und Tragik erfüllten Knesseth wurde der Beschluß zum Rückzug aus dem Gazastreifen und aus dem Golf von Akaba gefaßt. Niemand wollte diesen Rückzug, weder das Volk, noch die Regierung und zu al,erletzt Ben Gurion. Noch wenige Tage zuvor, als Religionsminister Mosche Schapira für ihn als erster plädierte, distanzierte sich seine eigene Partei von ihm. Noch wenige Tage zuvor drohten die Vertreter der Mapam und der Achduth Avoda mit dem Austritt aus der Regierung, für den Fall eines Rückzugs Trotzdem wurde er mit überwältigender Mehrheit beschlossen und trotzdem wußten auch Diejenigen, die gegen diesen Beschluß stimmten, die Allgemeinen Zionisten und die Abgeordneten der Heruth, daß er unvermeidlich war. Nidht wegen der angedrohten Sanktionen, obwohl diese wie ein Damoklesschwert über dem Haupte Israels schwebten, nicht wegen der Lasten und Opfer, die das Volk erneut auf sich nehmen mußte und schon garnicht aus Angsi vor den Drohungen Nassers. Sondern einzig und allein, um der Welt, eine bis zum Äußersten gehende Disziplin zu beweisen, um das Ansehen der Vereinten Nationen zu wahren und um auch den leizten Schatten des Vorwurfs, ein Aggressor zu sein, zu bannen. Und was ist das Fazit? Länger als vier Monate gab es im Südwesten Israels keine Grenzsiedlungen Gaza war nicht nur erobert, sondern auch befreit worden, die Menschen in seiner Umgebung auf israelischem Territorium lernten wieder die Freiheit und diejenigen auf ehemaligem ägyptischen Gebiet die Demokratie kennen Die Brutnester der Fedayeens wurden ausgemerzt und der Alpdruck, der jahrelang auf den Herzen Tausender gelastet hatte, wich von den Einwohnern diesseits und jenseits der Grenze. über Nacht, ist nun alles wieder anders geworden In Gaza stehen zwar noch Truppen der Vereinten Nationen, aber Schritt für Schritt weichen sie vor den Ägyptern zurück. In Nahal - Oz, in Nirim, in Kissufim, in Tsur-Maon, in Ejn- Hashlosha, in Jad Mordechai und allen anderen umliegenden Ortschaften ist die Bevölkerung wieder in Alarmbereitschaft, stehen wieder die Burschen und Mädchen auf Wache, können die Kinder wieder nicht frei und ungefährdet spielen, denn die neue Gefahr zeichnet sich nicht bloß ab, sondern sie ist schon da. Die ersten Schüsse sind bereits gefallen, die ersten Sabotageakte wurden bereits verübt, die ersten Minen wurden bereits gelegt. Dies ist das Fazit heute und was morgen geschehen soll, darüber besteht kein Zweifel Schon am 5. Feber verkündete Radio Kairo: ,,Die Organisation der Fedayens bildet die Araber aller Länder —■ aus Palästina, Irak, Jemen, Algerien, Kuweit, Bahrein und anderswo — aus, um sie in die Lage zu versetzen, ihre Heimatländer zu verteidigen Diese Organisation wird ihren Kampf fortsetzen, bis die gesamte arabische Welt befreit ist“ Was vor sechs Wochen und zwei Wochen später, als derselbe ägyptische Rundfunk erklärte, daß ,,die Araber sich nicht mit einem Rückzug aus Gaza und dem Golf von Akaba zufriedengeben, sondern ihren Kampf fortsetzen werden“ leere Worte waren, wird nun zur Wirklichkeit. Allen Versicherungen und Versprechungen zum Trotz hat ein ägyptischer General die Verwaltung des Gazastreifens übernommen und agiert unter dem Schutze der Vereinten Nationen, vor deren Augen neue Gewaltakte gegen die Bevölkerung Israels vorbereitet und in die Wege geleitet werden. Und in Kairo sitzt der fast schon in Agonie gewesene und durch Amerikas Gnaden zu neuem Leben wiedererweckte Diktator breitspurig auf dem hohen Stuhl, verkündet, daß Israels Schiffe nie und nimmer den Golf von Akaba passieren dürfen und erklärt ,ir> großartigen Interviews, daß die Araber nie und nimmer Israels Existenz zur Kenntnis nehmen werden. Israel hat sich zu einem Rückzug aus dem Gazastreifen und dem Golf von Akaba bereit erklärt, aber es hat an diesen Rückzug Bedingungen geknüpft: Gaza durfte auf keinen Fall und in keiner Form wieder von Ägypten besetzt und Israels Schiffe 'durften an einer freien Durchfahrt im Golf von Akaba nicht gehindert werden Diese Bedingungen wurden von den Vereinten Nationen nicht nur gutgeheißen, sondern sie bilden die Voraussetzung für die Zusatzresolution zum Beschluß über den Rückzug. Es ist vöjllig gleichgültig, ob die Vereinigten Staaten von Amerika direkt oder indirekt, offen oder geheim, schriftlich oder mündlich diesen Bedingungen zugestimmt haben. Eisenhower, Dulles und das gesamte amerikanische Volk sind heute moralische Garanten für diese Bedingungen, die nicht nur Israel vor Wir bringen in dieser Nummer das von Rechtsanwalt Dr David Schapira gehaltene Referat zum Thema Wiedergutmachung im Endstadium und bedauern, daß wir es, ‘wegen Raummangels, nicht früher veröffentlichen konnten In einem unter diesen Titel angeöffentlichen Vortrag befaßte sich kündigten, vor mehreren Wochen der frühere Präsident und nunim Gewerkschaftshaus gehaltenen Fortsetzung Seite 2 neuen Gefahren schützen sollen, sondern die einzige Voraussetzung für eine endgültige Befriedung im Mittleren Osten bilden. Die letzten Ereignisse haben Israel um eine neue Erfahrung reicher gemacht, aber auch die Juden im Ausland gelehrt, Israel besser zu verstehen. Die Juden in der Welt, die um Israels Existenz bangen und zittern, haben es nicht fassen können, daß ihre Brüder in der Heimat den Vereinten Nationen trotzen und nicht vertrauen wollten und mehr noch, daß sie sich sicher fühlten und keine Angst empfanden. Heute, da die Einwohner von Kissufim, Beeri und Nahal Oz anstatt der Sensen wieder die Gewehre schultern müssen, wissen die Juden im Ausland, daß Israel damals sicher war und es heute nicht ist. Und heute gibt es in der ganzen Welt keine Meinungsverschiedenheit darüber, was Israel zu tun hat, um seine Existenz und seine Rechte zu wahren Während diese Zeilen in Druck gehen, verhandelt Israels Außenminister Golda Meir mit Dulles und unternimmt damit einen letzten Versuch, Ägypten durch Vermittlung der Vereinigten Staaten von Amerika respektive der Vereinten Nationen dazu zu bewegen, auf friedlichem Wege aus Gaza abzuziehen. Zwischen der Drucklegung und dem Erscheinen dieses Blattes können sich wichtige und entscheidende Dinge ereignen. Aber eines ist sicher: Israel wird keinen einzigen Schritt weiter rückwärts gehen. Nur vorwärts! NUNMEHR WÖCHENTLICH NONSTOP VON WIEN NACH TEL AVIV ABFLUG WIEN JEDEN DIENSTAG 14.45 UHR SONNTAG 00.50 UHR MIT fl HL ISRAEL AIRLINES WIEN I, HEGELGASSE 2, R 10 0 60