Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1957
- Issue
- Heft 101 (Januar 1957)
- Date
- 1957-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2431292-2431385-2431386--0744-2432392- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Albert Einstein 2× ep/1003296
- Budapest 2× ep/1002374
- Ernst Boris Chain 2× ep/1004419
- Fritz Haber 2× ep/1004553
- Hans Adolf Krebs 2× ep/1004776
- Otto Loewi 2× ep/1006537
- Richard Willstätter 2× ep/1006770
- Albert A. Michelson 1× ep/1003291
- Bad Pyrmont 1× ep/1044101
- Henri Bergson 1× ep/1004857
- Otto Fritz Meyerhof 1× ep/1006535
- Robert Bárány 1× ep/1006843
- Tadeusz Reichstein 1× ep/1007295
OCR text
Nr. 101 d 11: s r i m wT Seim Oneg Schabhatli im Zionistischen Landesverband Am Samstag, dem 26. Jänner 1957 eröffnet^ der Zionistische Landesverband den ersten Abend des geselligen Zusammenseins unserer Chawerim und Sympathiker durch einen Oneg Schabbath. der den Beifall der Anwesenden gefunden hat. Die Gelegenheit, Freunden im Heim unseres Verbandes zu begegnen und einen Meinungsaustausch zu pf|eg-‘n, der unbeschwert von der Tagesmühe vor sich geht, bietet nicht nur Entspannung, sondern auch Gegugtuung, die darin gipfelt daß Fragen erörtert werden, die ebenso interessant wie aktuell sind, Darüber hinaus ist es jedem Zionisten ‘in Herzensbedürfnis, mit Gleichgesinnten geselligen Umgang zu pflegen und die Freundschaft zu vertiefe n. Bei 'unserem ersten Oneg Schabbath dieser Wintersaison, sprach unser Vorstandsmitglied und Präsident der Zion. Föderation Herr Gustav Leitner über Probleme der jüdischen Flüchtling'' aus Ungarn Sein Referat offenbarte gründliche Kenntnis dieses sozialen Problems und vermittelte die Überzeugung, daß Leitner mit der ganzen Autorität seiner Persönlichkeit der Sache dient, die die Judenschaft Österreichs mit großem Interesse verfolgt. Samstag, den 2. Feber 1957 fand der zweite Oneg Schabbath statt, der großen Beifall auslöste Den Höhepunkt des Abends erreichte ein vom Israeli Shirmon Szegfü erstatteter Bericht über die gegenwärtigen Verhältnisse in Israel. Die Ongi Schabbath wird der Zionistische Landesverband regelmäßig veranstalten. MANDOl INI NORCHESf! R Der Zionistische Landesverband in Wien beabsichtigt aus jungen Mädeln und Burschen ein Mandolinenorchester zu gründen. Für die Kosten des Unterrichts und der Instrument" wird der Zion. Landesverband acd kommen Jüdisch gesinnte junge MäcltJien und Burschen werden ersucht, sich schriftlich im Sekretariat des Zion Landesverbandes >n Wien!\, Unrversitätsst raß" 4 zu melden Statistisches aus dem Hilfsfonds Welch enorme Arbeit im Fonds zur Hilfeleistung an politisch Verfolgte, die ihren Wohnsitz im Ausland haben, geleistet wurde, zögt ein uns zur Verfügung gestellter Arbeitsbericht (bis 10. I. 1957). Nicht weniger als 13 449 Anträge sind bis zu diesem Zeitpunkt eingetroffen, die eine weitläufige Korrespondenz erforderten (30.103 Schriftstücke), Nach gewissenhafter Prüfung durch (Te Zuerkennungskommissionen wurden 4,228 Anträge positiv erledigt und ein Betrag von 21,015.063 Schilling zur Auszahlung gebracht Der Generalsekretär Dr. Georg Weis und sein Mitarbeiterstab sind sehr darauf bedacht, daß in erster Linie Personen berücksichtigt werden, deren Gesundheit im Konzentrationslager Schaden gelitten hat, dann werden solche Fälle bearbeitet, deren "Erwerbsunfähigkeit uncf Not erwiesen sind. Die zur Verfügung gestellten Geldmittel werden unter diesen Gesichtspunkten verteilt, sodaß der oben genannte Betrag wirklich Bedürftigen zugekommen ist. Da wir annehmen, daß unsere Leser an Details interessiert sind, zitieren wir aus dem Bericht rBo Verteilung der 21 Millionen nach Ländern Amerika S 7,681 139 4 - Fnglaml ., 4,837.500.— Israel , 3,397,736.20 Sonstige ., 5,099.589.85 Fs erscheint uns bemerkenswert noch zu erwähnen, daß Hi s zum heutigen Lage der Betrag von 2t' Millionen Schilling, d. s. immerhin 1 Million Dollar, ausbezahlt wurden Ignaz Lipinski - 50 Jahre Am 2, Feber 1957 vollendete un- >er Gesinnungsgenosse und Freund Ignaz Lipinski sein 50 Lebensjahr. Ein halbes Jahrhundert, das ein redlicher Mensch und ein vorbildlicher Zionist zurückgelegt bat, ist an sich erwähnenswert Aber das Lcdien lipinskis unterschied sich von dem vieler Menschen. Ein Brief den ich von seiner Tochter erhielt, enthält folgenden Satz: Ich kann Ihnen nur eines sagen: Mein \ ater hat soviel Gutes in seinem Lehen getan, daß ich hoffe, daß ihm der liebe Gott dies einrechnen wird Von den Menschen kann man nichts erhoffen,'' Die Tochter Lipinskis ist ein kluger, reifer und urteilsfähiger Mensch, der dem Überschwang der Gefühle nicht freien Lauf gibt. Lipinski schloß sich in jungen Jahren der zionistischen Bewegung an, der er mit ganzem Herzen ergeben War. Seine freie Zeit widmete er dem Zionismus und trug viel zu dessen Verbreitung bei. Außer seiner physischen und geistigen Leistung zu Gunsten des zionistischen Gedankens, gab er in großzügiger Weise Geldmittel sowohl seiner Organisation als auch den Fonden Keren Kayemeth und Keren Hayessod, Seiner Liebe zu Israel gab Lipinski in vielfältiger Art Ausdruck, so daß man mit voller Überzeugung behaupten darf, daß er ein hervorragender V erfechter des Wohls des jüdischen Vaterlandes ist. Lipinski, der unserem Verband seit Jahren angehört, ist treu dem Allgemeinen Zionismus und bemüht, ihm von jedem Gesichtspunkt aus gute Dienste zu leisten. Wegen beruflicher Interessen verlegte Lipinski vorübergehend seinen Wohnort ins Ausland, weshalb er, zu seinem Leidwesen, an unserer organisatorischen Tätigkeit nicht aktiv teilnehmen kann. Lipinski durfte seine guten Fähigkeiten und seine große Güte nicht mehr dem Zionismus widmen, als der Nazismus seine Heimatstadt überfiel und ihn zwang, zunächst als ,,Unterseeboot" zu leben und dann nach Budapest zu flüchten, ln Budapest zeigte Lipinski menschliche Tapferkeit, Mut und Entschlossenheit, wo es galt, seine Mitmenschen vor der Verfolgung und Vernichtung durch die Deutschen und ungarischen Pfeilkreuzler zu schützen. Hier lasse ich wieder die Tochter Lipinskis sprechen: ,,Mein Vater war im Komitee zur Rettung der Juden in Budapest tätig, Wenn er morgens das Haus verließ, wußten wir nicht, ob er abends zu seiner Familie zurückkehren wird, da er immer bei sich fingierte Ausweisdokumente trug, die Vater den geflüchteten Juden aushändigte, damit sie sich vor den Häschern auszu weisen vermochten, Vater war immer von Geheimagenten beschattet, da sie wußten, daß er sein Leben für die verfolgten Brüder in die Schanze schlug”. Dem tapferen, guten und wohltätigen Menschen, dem vorbildlichen Zionisten Ignaz Lipinski wünschen wir alle ad mea w'essrim schnah'. Wolf Tischenkel Dr. HANS LAMM Die jüdischen Nobelpreisträger Als das Philo-Lexikon erschien (4. Auflage 1937), wurden dort 15 Juden und 7 Halbjuden aufgeführt, die bis einschließlich 1936 den Nobelpreis erhalten hatten. In den USA wurden jüngst eine neuere Zusammenstellung veröffentlicht und nachträglich mehrfach revidiert. Aus diesen letzten Erhebungen geht hervor, daß in den 55 Jahren der Verteilung des Nobelpreises insgesamt 27 Juden und 6 Halbjuden damit ausgezeichnet wurden. Insgesamt erhielten bis 1955 incl. 282 Persönlichkeiten den Nobelpreis. Die 27 Juden stellen 9,7 Prozent der Laureaten dar; die Juden und Halbjuden mit 33 Namen sind 11,7 Prozent der Preisgekrönten. Nicht weniger als 14 Preisträger jüdischen Glaubens wurden durch deh Nationalsozialismus zur Flucht gezwungen, und zwar acht, die schon vor der Auswanderung den Nobelpreis erhalten hatten: Albert Einstein, James Franck, Fritz Haber, Karl Landsteiner, Otto Loewi, Fritz O. ' Meyerhof, Otto H. Warburg und Richard Willstätter, sowie sechs weitere, die erst in ihren neuen Wöhuländern mit dem Vreis ausgezeichnet wurden: Felix Bloch, Max Born, Ernst B. Chain, Hans A. Krebs, Fritz A. Lipmann und Otto Stern. Zwei dieser Ausgewanderten leben heute wieder in Deutschland: Dr. Born in Bad Pyrmont; Dr. Warburg wieder auf seinem alten Posten in Berlin-Dahlem. Am stärksten ist der Anteil an den Nobelpreisen für Medizin: nicht weniger als 14 Juden bzw. Halbjuden erhielten ihn, dann folgen zehn mit Physik, sowie fünf mit Chemie. Für Literatur und Bemühungen um den Frieden wurde der Nobelpreis je zweimal an Menschen jüdischer Abstammung erteilt. Von den 33 Juden (bzw. Halbjuden), die den Nobelpreis erhielten, stammen 22 aus dem deutschen Sprach her eich (Deutschland und Österreich), d. h. genau zwei Dritte), zwei aus Rußland und je einer aus Frankreich, Polen, Dänemark, der Tschechoslowakei, Luxemburg, den Niederlanden, der Schweiz, Ungarn und den USA. Heute haben (bzw. zur Zeit ihres Todes hatten) nicht weniger als 12 der 33 ihren Wohnsitz in den Vereinigten Staaten, in denen nur einer von ihnen — Joseph Erlanger — geboren wurde, eine aufschlußreiche Veranschaulichung der Anziehungskraft der USA für die Juden und Intellektuellen im 20. Jahrhundert. Die Gesamtliste der 33 jüdischen und halbjüdischen Nobelpreisträger ist folgende: Tobias Michael Carel Asser(1838 — 1913), Friedenspreisen Niederlande; Robert Barany (1876-1936), Medizin 1914, Österreich; Henri Bergson (1859—1941), Literatur 1927. Frankreich; Felix Bloch (1905), Physik 1952, Schweiz — USA.; Niels Hendrik David Bohr (1885), Physik 1922, Dänemark (Halbjüde-; Max Born (1882), Physik 1954, Deutschland; Ernst Boris Chain (1906), Medizin 1945, Italien; Dr, Gerti There-sa Corti geh. Radnitzer, Medizin 1947, CSR; Paul Ehrlich (1854-1915), Medizin 1908, Deutschland; Albert Einstein (1878 — 19551, Physik 1921, Deutschland — USA.; Joseph Erlanger (1874), Medezin 1944, USA.; James Franck (1882), Physik 1925, Deutschland — USA.; Alfred Hermann Fried (1864 — 1911), Friedenspreis 1911, Österreich; Fritz Haber (1868—1934), Chemie 1918, Deutschland — Schweiz; Gustav Hertz (1887), Physik 1925, Deutschland (Halbjude); György Hevesy de Heves (1885), Chemie 1943, Ungarn — Schweden,- Paul Johann Ludwig von Heyse (1830 - 1914), Literatur 1910, Deutschland (Halbjude); Hans Adolf Krebs (1900). Medizin 1953, Deutschland — England; Karl Landsteiner (1868 — 1943), Medizin 1930. Österreich — USAV; Fritz Albert Lipmann (1899), Medizin 1953, Deutschland — USA; Jonas Ferdinand Gabreil Lippmann (1845 — 1921), Physik 1908, Luxemburg — Frankreich; Otto LoeWi (1873). Medizin 1936, Deutschland — USA; Eli Mechnikow (1845—1916), Medizin 1908, Rußland — Frankreich (Halbjude); Fritz Otto Meyerhof (1884) Medizin 1922, Deutschland — USA.; Albert Abraham Michelson (1852 — 1931). Physik 1907, Deutschland - USA; Isidor Isaac Rabi (1898), Physik 1944, Österreich — Ungarn —USA; Tadeus Reichstein (1897), Me’dizin 1950, Polen — Schweiz; Otto Stern (1888), Physik 1943, USA; Selman A, Waksman (1888), Medizin 1952, Rußland — USA; Otto Wallach (1847-1931), Chemie 1910, Deutschland; Otto Heinrich Warburg (1883), Medizin 1931, Deutschland (Halbjude); Richard Willstätter (1872— 1942), Chemie 1915, Deutschland-Schweiz; (,,Allgemeine", Düsseldorf.)