Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1957
- Issue
- Heft 101 (Januar 1957)
- Date
- 1957-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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•eit - l I) I F Sil M \1 E Nr |01 drücken daß in bncm gewissen Grad'' auc’h'fsrnM anTlom ungh'b k liehen Ablauf der Ereu'm«^ di-- Schuld frage da;s nichts rl.i/u getan bahn um rU"- utah sc h°n Grfatir rechtzeitig /u Entlegnen. Der erNe po| i f i s c ti - ra ui |n Antrag zu dom f rag 'nkomplex ..Israel" kam von Marschall Bulganm. Er sc hing vor. f'Mi' kleine Konform/ alG>- am Mitfior.m Osten unmütolhar inteivssicrten ländern nach Kairein/ub ■nil'nn un über die« Losung der brennenden Probleme Berater, werd -n sMlta. Oie- Sowjet-Regierung tat noch ein Übriges. indem m gle.r h/M• mit dem Antrag bulganins sich demonstrativ an Misst mit der Littwandte, die indischer, Flüchtlinge aus den Lagern ’herausruiassen. o|-,iA'dafür eine allzu ho’he ITösesumme /u fordern. Die so. von humanem Geist erfüllte Geste mach ■ te in der Welt einen ii ho raus günstigen bindruck, Den Flüchtlingen wurde gestatte', die Lag^r zu verlassen. Sie wurden von den Völkern m;f emom rdcht endenwollenden Beifall empfangen. Ihr Erscheinen löste eino Weibvon Begeisterung aus, wie man sw seit der Entstehung des jüdischen Staates nicht mehr erlebt hatte, In der Mehrzahl der Länder wurde vorgeschlagen, die Hauptstraßen der Städte ,.Israel-Boulevard" zu benennen. In der Trauersitzung der UNO wurde fast einstimmig (!) Naftali Hirz Imber, der Verfasser unserer Nationalhymne „Hatikvah" ist ein Kind der Ubergangsepoche zwischen Haskala und Zionismus. Er entstammte der galizischen Provinz, die in der Geschichte der Haskalah-Bewegung eine ansehnliche Rolle spielte und jahrzehntelang von dem Haskalah-Zentrum in Tarnopol unter Josef Perls geistiger Führung beeinflußt wurde, insbesondere im Kampfe gegen den Chassidismus. Imber ist am 27. Dezember 1856 (30. Kislew 5617) in Zl-oczow geboren, einer altjüdischen Gemeinde im äußersten Osten Galiziens. Bereits in seiner frühesten Jugend fielen seine besonderen großen geistigen Fähigkeiten auf. Besonders zeichnete er sich 'durch seine rasche, geistige Auffassungskral t und sein beispielloses Gedächtnis aüs. Er überragte alle seine Mitschüler dermaßen, daß seine Lehrer dem Vater erklärten, daß ihr eigenes Wissen nicht mehr für einen solchen Schüler ausreiche. Im Alter von 8 Jahren lernte er bereits beim besten Talmudlehrer der Stadt. Zehn Jahre alt, lernte er im Beth Hamidrash mit den erwachsenen Talmudjüngern. Er beherrschte auswendig die gesamte Bibel, den Talmud und hatte ein großes Wissen, auch in der Kabbalah-Literatur. — Im Jahre 1867 schrieb er ein größeres Gedicht ,,Beth Tefilah", das dem .österreichisch - preussischen Krieg (1866) gewidmet war. Als die Maskilimkreise in Zlczow von dem Gedicht erfuhren, begannen sie ihn in ihren Kreis einzuführen und für seine allgemeine Bildung zu sorgen. Im Hause des bekannten Maskll und hebräischen Schriftstellers Jehuda Funkenstein hf'schl« Mi. den Stuhl des israelischen Vertreters aus ’rlem Sitzungssaal nicht zu entfernen, vielmehr dm zum Andenken an Israel unbesetzt zu belassen. Auch sollte die Israel-Fahne weiterhin vor dem Gebäude /wis, twn den Völkerfahnen flattern, D" allgemeine Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt, d|s der sowjetische Außenminister über rase he p.de r We.se sieb erhol' und den Antrag st Alte, einen be- Wivmuen dag im Jahr' als .Israel -Tag" auszurufen, der m allen n der UNO vertretenden Ländern a|s o f t i z. i e 11; r Feiertag gelten sollte Es war. als wäre der FriedensengM perbönluh vom HimmM zu der MenschhW herabgestiegen, Man schöpfte tlolfnung aul 3me bessere und schöner1' Zukunft Und was den Staat KraM betrat, so wurde er zu mnem klassischen Beispiel für Gerecht'gkW und Moral uny'r'r Tage. Dies alles hat sich natürlich nicht zugetragen und es wird sich auch niemals zutragen. Das kleine Israel wartete nicht bis zum Mai 1957. V ielmehr zerschlug es unberechenbarer Weise die militärische Kraft Ägyptens und ließ sich auf diese Weise die nicht mehr wiederkehrende Gelegenheit entgehen, die Sympathien der Welt zu erobern. Wirklich schade! Es war eine große Chance. fand er eine reichhaltige hebräische, deutsche und französische Bücherei und hier verbrachte er die meiste Zeit mit Lesen und Studium. Kaum hatten die Frommen und Chassidim hiervon Kunde erhalten, verfolgten sie ihn — welcher Umstand ihm zum erbitterten Gegner des Chassidismus machte. Seinem Haß gegen die Chassidim gab er in seinen Gedichten beredten Ausdruck. Im Jahre 1870 schrieb er gelegentlich der Hundertjahrfeier des Anschlusses der Bukowina an Österreich ein längeres Gedicht „Austria1', das er dem Kaiser Franz Joseph I. widmete und nach Wien schickte, wofür ihm der Kaiser eine Geldgabe von 25 Gulden übermitteln ließ. Nach dem Tode seines Vaters (1876) verließ er Zloczow. um seiner armen Mutter mit 5 Waisenkindern nicht zur Last zu fallen, Er fuhr nach der damaligen Zentrale der galizischen Haskala — Brody. — Hier befreundete er sich mit Abraham Krochmal, dem Sohn Nachman KrochmaJ’s, der bereits als hebräischer Schriftsteller und Forscher einen bedeutenden Namen in der jüdischen Literatur hatte, ferner m'it dem Redakteur ides „Hechaluz", Jehofihua Herschel Schorr und dem hebräischen Schriftsteller Jermijahu Musen. Von Brody ging er nach Lemberg, wo sich seiner der damalige Prediger Isacher Baer Loewenstein annahm, ihn in seinem Hause bewirtete und ihn in den allgemeinen Bildungsgegenständen bei den entsprechenden Lehrern unterrichten ließ. Als seine Mutter erfahren hatte, daß er auf Abwege gerate, sich europäisch kleide und die traditionelle Lebensführung aufgebe, fuhr sie nach Lemberg, um seine Seele zu retten. Dem Rabbiner Loewenstein gelang es schließlich, die Mutter zu überzeugen und ihre Zustimmung zum \Veiterverb|eib (mhers zu bekommen. Kaum war ein halbes fahr verstrichen, als sic wieder nach Lemberg kam und den Sohn nach Hause holte, fmber verblieb jedoch sehr kurze Zeit bei seiner Mutter, verließ die Heimatstadt und fuhr nach Wien. Hier wurde er in einer Audienz, vom Kaiser empfangen und erhielt von ihm ein größeres Geldgeschenk, von dem er einen Teil seiner Mutter überwies. Lr vorließ Wien und begab sich über Ungarn und Serbien nach Rumänien. ui ’Tassy erteilte er Privatunterricht und fristete ein sehr kümmerliches Dasein. Hier lernte er Baron Moses Waldberg kennen, einen sehr frommen Juden und Verfasser des hebräischen Werkes: ..Kach hi darka schel Thora". Baron Waldberg ward nun sein Gönner und gab ihm Quartier in seinem Wohnhaus. Hier schrieb er 1878 sein Gedicht ,,Hatikvah", das m den achtziger Jahren in den neubegründeten Kolonien in Erez Israel die Nationale Hymne wurde. Im Jahre 1879 kam Imber nach Konstantinopel und fand seinen Lebensunterhalt als Händler mit verschiedenen Galanteriewaren. Eines Tages im Jahre 1882 bot er im Stadtgarten seine Waren Sir Lawrence Oliphant an, der damals in Konstantinopel Verhandlungen mit der türkischen Regierung in Sachen der Rückgabe von Erez Israel an die Juden und Gewährung großer jüdischer Ansiedl ungsmögüchkeiiten führte. Oliphant unterhielt sich mit ihm und fand im Händler einen begabten intelligenten Mann. Oliphant, der beschlossen hatte, in Palästina zu wohnen, fragte Imber, ob er bereit wäre, sein Sekretär für jüdische Angelegenheiten zu sein. Imber akzeptierte, und fuhr mit ihm nach Erez Israel. Hier befreundete er sich mit den Oüphant's, die ihn liebgewannen und nichts unternahmen, ohne sich zuvor mit ihm zu beraten und seine Ratschläge zu befolgen, ln Erez Israel verblieb Imber sechs Jahre (1882 — 1888) und entfaltete eine weitverzweigte Tätigkeit zu Gunsten des jüdischen Jischuw'.t. Er selbst lebte auf und wurde der nationale Minnesänger. Mit seinen nationalen Liedern ermunterte er die Kolonisten und flößte ihnen Mut, Stolz und die Hoffnung auf einen vollen nationalen Erfolg ein. Er war nicht bloß der Verbindungsoffizier zwischen Oliphant und den Kolonisten — Bifuim sondern förderte die Bauern im GalliI und half der Jugend b«i ihrer Ansiedlung am zweiten Ufer des Kinereth Sees. Im Jahre 1884 kam es zu Zwistigkeiten zwischen ihm und Oliphant, der seine Launen nicht dulden wollte und Imber verließ seinen Sekretärdienst. Er ging nach Jerusalem. Obwohl Oliphant und seine Frau nach Jerusalem kamen, um ihn zu versöhnen, wollte Imber bei ihnen nicht weiter bleiben. Kurze Zeit darauf erkrankte Imber in Jerusalem. Trotz der Krankheit entfaltete er eine recht umfangreiche literarische Tätigkeit. Nachdem er gesund wurde, kehrte Imber nach Haifa in Oüphant's Haus zurück Inzwischen erlernte er das Uhrmachwhandwerk, ohne' es jemals ausgeübt zu haben. — In dieser Zeit bereitete er zum Druck die erste Sammlung seiner Gedichte, die mit Unterstützung Jechiel Michel Fines, der auch das Vorwort sc hneit, in Jerusalem im Jahre 1886 unter dem Titel ..Barkai" erschienen ist. Er veröffentlichte auch Gedichte m der Zeitung des Elieser Ben Jehuda ,,1 laz‘ wi". Na cm ’OliphanVs Tode im Jahre 1888 verließ Imber endgültig Erez israet, da er ohne jede ’Erwerhsmöglichkeit dastand. Diese Lage zwang ihn, über Ibulin, Paris nach Afrika und Asien zu wandern. So begann in seinem Leben eine Periode von Wanderungen von Ort. zu Ort, bis er in London landete. Hier lernte er Tsrael Zangwill kennen, den er hebräisch unterrichtete, Zangwill ihn dagegen englisch. Zangwill schildert ihn in seinen ..Children o( the Ghetto" als den Betteldichter Malkizedek Pinchäs. Nach kurzer /mit beherrschte er die englische Sprache dermaßen vollkommen, daß :t in einer jüdisch-englischen Zeitung ständiger Mitarbeiter wurde. ln London schrieb er auch jüdische Gedichte. Der Wandertrieb in ihm gab ihm 'keine Ruhö. 1892 ging er nach Nordamerika. In der ersten Zeit litt er Hunger, und erst als er mit dem Richter Meir .Sulzberger aus Philadelphia bekannt wurde, der ihn und sein Talent hochschätzte, und ihm eine monatliche Apanage bestimmte, besserte sich seine materielle Lage, In Amerika publizierte er in verschiedenen Zeitschriften Gedichte und Aufsätze in hebräischer, jiddischer und englischer Sprache, die sich durch ihren markanten Stil und Originalität auszeichneten, Großes Aulsehen erregte ein Aufsatz von ihm in einer medizinischen Zeitschrift, in dem er nachwies, daß die Erfindung Prof. Koch's gegen die Tuberkulose nicht neu sei. da sie bereits in der Zeit der Tannaiten bekannt war. Nicht minderes Aufsehen und Diskussionen erregten seine Aufsätze über Jesus. Im Jahre 1903 erschien in Zloczow der zweite Band seiner Gedichte „Barkai hechadash" und kurze Zeit darauf in New York der dritte Band „Barkai haschlischi“,. diesmal zusammen mit einer englischen Übersetzung. Für zwei Bücher „Briefe des Rabbi Akiba”(1896) und Erziehungswesen im „Talmud'', die die nord-, amerikanische Regierung auf ihre Kosten herausgegeben halte, erhielt er den Prolessortiteh Emo Zeitiang gab er in Boston eine Zeitschrift „Ariel" heraus, in der Probleme der Mystik behandelt wurden. Imber war auch aktiv in der zionistischen Bewegung tätig. Infolge Erkrankung an einer schweren Nierenkolik starb er in New York im Alter von 53 Jahren (8. Oktober 1909). Imber, dessen Lebensinhalt und üktlftung ‘die zionistische Idee voll und ganz beherrschte, war bis zu sein»em letzten Atemzug dem Renaissancegedanken und Erez Israel ergeben. Während seines irdischen Daseins, das von Leiden und Armut erfüllt war, wanderte er gleich ei- Fortsetzung Seite 7 Dr. M, N. GELBER (Jerusalem) NAFTALI HIRZ IMBER Zum hundersten Geburtstag (27. 12. 1956)