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Die Stimme · 1957-01-01 · Heft 101 (Januar 1957) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1957
Issue
Heft 101 (Januar 1957)
Date
1957-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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November 1047, unmittelbar vor der s c li i ck s a l s s c h v\fe r: an ^A b s t. i m m u n g in der General Versammlung der Vereinten Nationen in Lake Success über di“ Teilung Palästinas, Obwohl über das Resultat kaum noch ein Zweifel bestand, war die Atmosphäre mit Elektrizität geladen, die Frage, wieviele und welcne Länder liir dm Gründung eines jüdischen Staates stimmen werden, beschäftigt1 aile Gemüter, wobei insbesondere dir* in den letzten’Ta- Hgen mehr als unklare Haltung Frankreichs ein allgemeines Rätsel bildete, Viele waren der Ansicht, daß es mit Rücksicht auf seine Nordafrikapolitik gegen den Vorschlag stimmen würde und selbst die Optimisten hofften bloß auf eine Stimmenthaltung. Als aber dann der Vertreter Frankreichs laut und vernehmlich sein „JA“ sagte, erscholl aul der überfüllten Galerie des U N-Gebäudes ein orkanartiger Beilall und jedem der hundertausende jüdischen Hörer an den Radioapparaten in Jerusalem, Tel Aviv, Haifa und überall in der Well fiel ein Stein vom Herzen Nicht weil es eine Stimme mehr, sondern weil es eine Stimme echter Freundschaft war, Frankreich hat Israel diese Freundschaft unvermindert bis auf den heutigen Tag bewahrt. Als einziges Land stimmte es zusammen mit Israel, gegen den ungerechten, drakonischen Amt rag dos sofortigen und bedingungslosen Rückzugs aus dem Gnzagebiet und dem Golf von Akaba. 74 Nationen sprachen sich lür ihn aus und nur zwei — Cuba und Coslarika — (bei dm letzten Abstimmung Holland und Luxemburg) enthielten sich der Stimme Niehl mit Unrecht wird daraut .'hingewiesen, Bali viele, vielten ht die meisten Nationen über das wahr' Antlitz dos Mittleren Ostens mehr als mangelhaft minimiert sind, mehl ganz mit Unrecht. wird Israel der Vorwurf gemacht, daß es im Laufe der Jahre nicht verstanden hat, sich richtig in Szene zu setzen und vor allem, daß es unterlassen hat, die Well wissen zu iasson, warum es zum Sinai-Feidzug kam und worum es dabei ging. Aber ausschlaggebend war dies bei den letzten Abstimmungen bestimmt nicht. U.nstreitbar erfreut sich Israel als demokratisches und fortschrittliches Land bei allen vorurteilslosen Kulturstaaten wärmster SympatKien. Man brauchte in letzter Zeit in Österreich nur die Zeitungsnachrichten und Kommentare zu verfolgen, die, mit Ausnahme der Neonazi-Presse, fast rückhaltslos für Israel und gegen Ägypten Partei ergriffen, Doch nicht die Volksmeinung und selbst nicht die wahre Ansicht der Regierung sind bei solchen Abstimmungen ausschlaggebend, sondern nur der Egoismus und der Wunsch: Noli me tangere. Am deutlichsten kommt dies bei dem Ausspruch zum Ausdruck, den der Vertreter eines skandinavischen Staates bei der sozialistischen Tagung in Bangkok, dem früheren israelischen Außenminister Moshe Sharett gegenüber machte: „Was wollt Ihr, sollen wir uns Euretwegen Atombomben aul rM Köpfe werfen lassen >' Alte, und die Drahtzieher allen voran, wissen, daß sie Israel unlecht iu.n. Unrecht, da sie es schuldlos vergewaltigen, da sie es schutzlos einer neuen und noch größeren Bedrohung aussetzen wollen, weil sie um die Gunst der anderen buhlen. Der afro - asiatische Block, jene Staatengruppe, deren Völker zumeist aus erbarmungswürdigen, rechtlosen Kreaturen und deren Führer viellach aus rücksichtslosen Usurpatoren bestehen, gewinnt immer mehr an Einfluß und schöpft durch geschicktes Ränkespiel Kraft aus den Konflikten zwischen Osl und West. Um ihm zu schmeicheln und um ihn lür sich zu gewinnen, wird Israel geopfert und mag dies auch tausendfaches Unrecht sein. Und Unrecht, da man sich Israel gegenüber auf eine Autorität beruft, die man gegen andere nicht geltend macht. Haben die Vereinten Nationen nicht, mit überwältigender Mehrheit, beschlossen, daß die Sowjetunion das wehrlos überfallene Ungarn räumen muß? Hat nicht der indische Handelsreisende in Friedensartikeln, Nehru, Kaschmir annektiert, trotz des Beschlusses des Sicherheitsrates? Wer vertreibt die russischen Tanks aus Budapest? Wer hindert Indien? Die Vereinten Nationen nicht, sie sitzen mit verschränkten Armen, sie dulden den Rechtsbruch, sie drücken beide Augen zu angesichts der Knechtung und Unterdrückung. Die Rechnung ist einfach1. Die Sowjetunion ist stark, Indien ist einflußreich, aber Israel, was ist schon Israel? Quod licet Jovi not licet, bovi, Doch die Rechnung der Vereinten Nationen ist falsch. Falsch a priori, weil Israel den Gazastreifen und den Golf von Akaba nicht räumen wird. Zumindest nicht ohne weiteres, sicher nicht ohne ausreichende Garantien. Dies ist nicht nur ein Beschluß der Regierung, es ist der eiserne, unerschütterliche Wille des gesamten Volkes. Israel braucht nicht Gaza und Israel benötigt nicht die Wüste im Süden von Sinai, aber es braucht den Frieden, es benötigt Ruhe und Sicherheit, um das Land weiter aufzubauen, wie es bisher geschehen ist und um seine Bürger zu schützen, die die Vereinten Nationen nicht beschützt haben und nicht beschützen wollen. Gaza und der Golf von Akaba sind für Israel nicht territorialer Zuwachs, aber sie sind Gewähr für Selbstschutz und Selbstverteidigung. Für notwendigen Selbstschutz, denn schon liefert Rußland neue Unterseeboote an Ägypten, schon drohen die arabischen Führer wieder mit einer totalen Vernichtung. Falsch a posteriori, weil auch der Rückzug der israelischen Truppen den lodernden Funken im Mittleren Osten nicht zum Verlöschen bringen würde, Im Gegenteil, er würde die arabischen Führer nur in ihrem Hochmut und Größenwahn bestärken, er würde den Weg freimaehen für neue Gewalttaten, für neue Vertragsbrüche, für neue Forderungen und für eine weitere Vertiefung der Weltkonflikte. Trotz der Freundschaft, die Eisenhower jetzt für den Sklavenhalter Ihn Saud empfindet und trotz des Vertrauens, das er plötzlich dein von aller Well überführten Intriganten und Erpresser Nasser schenkt. Denn die Um Sauds und die Nassers kennen keine Freundschaft und sind eines Vertrauens nicht würdig, sie kennen nur ihr Interesse, ihr ureigenstes Interesse, nicht einmal das ihrer Völker. Darum ist der skandinavische Delegierte bei der sozialistischen Tagung in Bangkok, darum sind die meisten Länder in einem großen Irrtum bedangen. Eine Durchführung des ung iickselL eu Beschlusses der UNO würde nicht nur einen Brand im Mittieren Osten sondern könnte einen We tbrand entfachen. Nur ein Friede, ein wirklicher Friede im Mittleen Östren, der Jenen, die ihn zu verhindern suchen die Trümpfe aus der Hand schlagen würde, kann ihn verhindern. Nie noch war ein Friede in solch greifbarer Nähe wie jetzt, nie wird er ferner sein, wenn die Gelegenheit ungenützt vorüber ist. Israel weiß es und darum kämpft es jetzt nicht nur einen Kampf um seine eigene Existenz, sondern auch um den Frieden der Welt. In diesem seinem heroischen Kampf hat Israel nur einen einzigen treuen Freund: Frankreich. Bei der Debatte, die dem Beschluß zur bedingungslosen Räumung vorangegangen war, gab es zwar viele Stimmen, die sich der Bedrohung Israels nicht entziehen konnten und noch mehr solcher, die offenkundig ihre Sympathien für Israel zum Ausdruck bi-achten, aber keine war weitsichtig genug, die Gefahr in ihrer ganzen Größe zu erfassen und keine stark genug, die Konsequenzen zu ziehen. Nur Frankreich tat es und noch mehr. Unmißverständlich gab Frankreichs Außeministier Pineau in Washington Dulles zu verstehen, daß sein Land Israel zur Seite stehen werde, bedingungslos un’d 'in jeder Hinsicht: finanziell, politisch und militärisch. Dies ist für Israel ein großer Trost, mehr noch moralisch als faktisch. Die Menschen in Israel wissen, daß sie schweren Zeiten entgegengehen. Selbst, wenn Frankreich durch ein Veto einen Beschluß, gegen Israel Sanktionen zu verhängen, verhindern würde, so könnte es seinerseits andere Staaten, besonders aber die USA, nicht daran hindern, solche Sanktionen von sich aus zu verhängen. Israel ist sich der schweren Folgen aus einer solchen Maßnahme voll bewußt, bekommt es doch schon jetzt seine Vorzeichen zu fühlen. Die amerikanische Hilfe ist eingestellt, die Finkaufsmöglichkeitan in Frage gestellt, und amerikanische Staatsbürger, wie beispielsweise letzthin das Ballett, dürfen zwar Beirut, aber nicht Israel besuchen, Dessen ungeachtet ist es fest entschlossen, auch diesem Unbill die Stirn zu hießen. ITas VoJk, das nach einem jahrelangen ,,Zena“ (Spar)-System in letzter Zeit wirtschaftlich ein wenig aulgeatmet hat, ist bereit, wieder den Gürtel enger zu schnallen, erneut Opfer zu bringen, abermals Beschränkungen auf sich zu nehmen. Nicht

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