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Die Stimme · 1956-03-01 · Heft 97 (März 1956) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1956
Issue
Heft 97 (März 1956)
Date
1956-03-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b, timme Otqcti dec Atfyt meinen iionisten in ÖstecceicU Zionistischer Landesverband Wien C'j'i'xr irnnKnr: Preis 2 Schilling f Redaktion u. Administration» Wien IX, üniversitätsstr. 4 4 f Telefon A 26 4 78 | Postscheck-Konto Nr. 134.292 | Mürz 1956 Nr. »7 Israel wünscht Aufbau in Frieden Interview mit dem Gesandten des Staates Israel in Österreich PESSACH Der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister des Staates Israel in Österreich, Shmul Bentsur, hat die Redakteure der „Stimme", Bernhard Braver und Fritz Müller in den Räumen der israelischen Gesandtschaft empfangen, ihnen nach diplomatischer Sitte und gtaatsmännischem Brauch ein Interview gewährt und beantwortete bereitwillig die an ihn gerichteten Fragen. „In welcher jüdischen und kulturellen Swiwa haben Sie Ihre Jugend verbracht?" „Ich entstamme einem zionistischen Elternhaus, mein Vater war religiöser Jude, ich selbst st?nd in der zionistischen Jugendbewegung inKlaurenburg. Nach Engliederung Transylvaniens ta Rumänien 1918, hat der Zionismus hier einen bedeutendem Aufschwung genommen.'' „Welche Funktionen bekleideten Sie ln der zionistischen Bewegung vor Ihrer AJijah?" „Im Jahre 1924 trat Ich der jüdisrh n akademischen Verbindung in Klausenburg bei, wurde 1927 zum Generalsekretär des KKL in dieser Stadt terufen *nj übernahm 1930 das Sekre’ariat der zicn'stischen Landesorgan sat on; diese Stellung bekleidete ich bis zu meiner im Jahre 1934 erfolgten Alijah!1 „Wie ging Ihre wirtschaftliche und kulturelle Einordnung in Erez Israel vor ■ich?" „Neun Jahre hindurch, bis zum Jahre 1943 war ich manueller Arbeiter und Nachtwächter in Fabriken, darunter in den Ruttenberg'schen Elektrizitätswerken. Vom Jahre 1943 bis 1946 war ich Bürgermeister in Kirijat Amal, anschließend daran Mitglied des Sekretariats der Mapri in Haifa. Ich war zu dieser Zeit Xngesle'iter eines Unternehmens der Histadruth (Sole Boneh). Im Jahre 1948 wurde ich von der Mapai zum sozialistischen Kongreß in Ungarn offizieill delegiert." „Wann begann Ihre diplomatische Laufbahn in Israel?" „Seit dem Jahre 1948 ittehe ich im Dienste des israelischen Außenministeriums, war erster Sekretär bei der israelischen Vertretung in Budapest, zwei wteitere Jahre Charge' d'Affaires in derselben Stadt, 1952 israelischer Geschäftsträger in Sofia. Dann kehrte ich nach Israel zurück und wurde Direktor der Abteilung für Osteuropa im Außenministerium. Nun bin ich ebenso stolz wie erfreut darüber, daß ich als israelischer Gesandter in der Stadt Wien wirke, in der Theodor Herzi gelebt uni die politischen Grundlagen für unsere Heimat geschaffen hat!" „Worin erblicken Sie die speziellen Aufgaben als Gesandter Israels in Österreich?" „Ich erblicke meine spezielle Aufgabe in der Pflege der politischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, im Ausbau der kulturellen Wechselbeziehungen und in der Anbahnung wirtschaftlicher Verbindungen." „Welche Perspektiven bestehen in der diplomatischen Verbindung zwischen Israel und Österreich?" „Da Österreich nunmehr den‘Vereinten Nationen angehört, hoffen wir Israelis, daß Österreich seine Freundschaft Israel dadurch beweisen wird, daß es unsere Bestrebungen hinsichtlich der Erhaltung des Friedens im Nahen und Mittleren Osten unterstützen wird, worüber schließlich kein Zweifel besteht, da dieses Land ebenso den Frieden wünscht wie Israel." „BesTeht die Absicht zwischen Israel und Österreich die Handelsbeziehungen auszubauen und die kulturellen Bestrebungen zu erweitern?" „Handelsbeziehungen zwischen uns und Österreich bestehen bereits seit einigen Jahren und es ist wahrscheinlich, daß es zum Abschluß eines Handelsvertrages zum Vorteil beider Länder kommen wird. Gewiß besteht die Tendenz, die Verbin jungen auf kulturellem Gebiet zu erweitern!, ein schöner Beginn war das erfolgreiche Gastspiel der Wiener Kammersängerin Frau Hilde Zadek." „Wie gedenken Sie sich ad personam zur zionistischen Bewegung in Wien einzustellen?" „Die Medinath Israel verdankt ja ihre Entstehung dem Zionismus und wir sind an dem Gedeihen der zionistischen Bewegung in der ganzen Weit außerordentlich interessiert. Ich persönlich werde zu den internen Vorkommnissen innerhalb der zionistischen Organisationen in Wien keine Stellung nehmen, da ich darauf bedacht bin, ihre Autonomie zu respektieien. Dasselbe gilt natürlich auch in bezug auf alle anderen jüdischen Organisationen und Institutionen." „Wie beurteilen Sie die gegenwärtige politische Lage in Israel?" „Der Frieden Israels ist, infolge der Waffenlieferungen Sowjetrußiänds an Ägypten, leider bedroht. Wenn die Großmächte ernstlich den Frieden erhalten wollen, so kann dies ausschließlich dadurch erreicht werden, daß sie Waffen an Israel zu seiner Verv teidigung liefern. Es ist klar, daß Israel keinesfalls einen Krieg provozieren wird, sollte es aber überfallen werden, wird es sich bis zum letzten Mann zu verteidigen wissen. Wir hoffen aber, daß wir unseren friedlichen Aufbau werden fortsetzen i.nl tiaem vordringliche Aufgabe des Kibbuz Gaiujot werden erfüllen können. Ich will zum Abschluß meiner Hoffnung und Überzeugung Ausdruck verleihen, daß am Aufbau des Staates Israel alle österreichischen Juden, Zionisten und Nichtzionisten, mitarbeiten werden.” Juden Österreichs erfüllet Eure Pflicht! Juden in aller Welt, aller politischen Parteien und sozialen Schichten, baten die Schaffung des Staates Israel begrüßt und an seinem Aufbau und seiner Entwicklung teilgenommen. Trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse, trotz Sabotage und Boykott, heimtückischer Überfälle und Angriffe, gab es Fir Israel nur ein Ziel: den Aufbau des Landes, der Heimat der Juden. I Iüchll nge aus allen Ländern fanden dort ein Heim. Eine junge Generation ist geboren und führt das Werk der Väter fort, iin alten Lande ein neues jüdisches Volk wieder erstehen zu lassen. Blühende Siedlungen sind erstanden, Wege gebaut, Fabriken errichtet, die Wüste in blühende Felder und Gärten verwandelt. Aber die Feinde ringsum an den Grenzen bedrohen die Existenz des jun^- gen Staates. Alles was mit Einsatz von Gut und Blut, von Kraft und Geld und Hingabe geleistet wurde in diesen acht Jahren, ist mit Vernichtung bedroht und unsere Brüder in Israel müssen wieder zur Waffe greifen, um ihr Leben, Ihre Heimat zu verteidigen. Wer könnte da zur Seite stehen, wenn der Ruf ertönt, Waffen zu dieser Verteidigung zu steilen. Wer könnte es verantworten, nicht das Äußerste gelan zu haben in dieser Stunde der Gefahr. Der Magbith Meuchedeth ruft alle Juden auf, ihren Beitrag zu leisten, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Die Front ist in Israel, unsere Brüder stehen auf der Wacht, in der einen Hand die Kelle, in der anderen Hand das — Schwert. Der e nzige Verbündete des jüdischen Volkes sind die Juden in der Welt. Sie sind das Hinterland dieser Front, das ist ihre Aufgabe. Wir werden unsere Feinde besiegen, wenn wir zusammenstehen. Dein Beitrag an den Magbith Meuchedeth gibt die Waffe in die Hand des jüdischen Soldaten. Gib schnell, gib doppelt, erfülle Deine Pflicht! Als wir in der Mittelschule die jüdischen Feste untereinander besprachen, sagten wir uns: Die großen Tage Rosh- Hashana und Jom Kippur sind große Feste, dem religiösen Wohle eines jeden Einzelnen gewidmet. Aber Pessach ist nationaljüdisch, weil es das Fest des israelitischen Volkes ist, weil es die Geburtsstunde der jüdischen Nation feiert. Diese Geburt vollzog sich unter vielen Wundern. Der Talmud nennt das jüdische! Volk erfahren und belehrt mit Wunf* dern, aber er warnt uns, sich auf Wunder zu verlassen. „Wenn ich nicht allein für mich sorge, wer denn sonst?" lehrte der Weise Hillel. Aber Pessach ist ein wundervolles Fest. Die Hagadah erzählt uns die Wunder der zehn Plagen in Ägypten, den wundervollen Auszug aus diesem Lande, das Schlachten des Opferlammes, das Überschreiten der jüdischen Häuser, das ungesäuerte Brot, das wir in der Eile bereiten mußten. So ist der Sederabend, der merkwürdige und symbolische, entstanden. „Wir waren Sklaven in Ägypten" und wenn sich Gott unserer nicht erbarmt hätte, wären wir noch heute dort Sklaven geblieben. Der Sederabend kennt die Symbole der Mazzot, der bitteren Kräuter, der vier Becher Weines. Sieben Tage soll das Fest dcfiiern — nach der Bibel — sieben Tage Tage dauert es noch heute, in der Golah acht Tage mit zwei Sederabenden. Die Poesie des Sederabends überstrahlt das Judentum der ganzen Erde. Der Talmud widmet dem Feste einen Riesentraktat, der Schulchan-Aruch, das jüdischreligiöse Gesetzbuch, eine große Anzahl von Paragraphen. Andere Religionen haben den Namen und das Abendmahl unserer Religion entnommen, man denke an das berühmte Gemälde Leonardo da Vincis. Wir gestalteten den Pessach kosmopolitisch: Jeder Nichtjude, der kommt, ist Gast dieses Festes, wie es Heine in seinem „Rabbi von Bacharach" schildert. Pessach ist das Fest der n »lionalen Freiheit, ein Faustschlag ins Gesicht der Assimilation in den Ländern der jüdischen. Zerstreuung. Als Theodor Herzi den Judenstaat schrieb und eine Schilderung des jüdischen Lebens in ,,Altneuiand" entwarf, hat ihn Achad Haam scharf angegriffen, weil der jüdische Staat, wie Herzi ihn wollte, ihm zu wenig kulturell-jüdisch schien, doch war das Leben, das Herzi schildert so kosmopolitisch, wie der Sederabend selbst. Die Wunder häufen sich in der Hagadah. Wir in der neuen Zeit erleben noch immer Wunder: Daß wir Pogrome überstanden und den nazistischen Kauiyibalismus — nach entsetzlichen Opfern — über ebt ha en Was für ein Wunder war es, als 600.000 Juden in Israel gegen Millionen von Feinden kämpften, bestanden, siegten und unseren jüdischen Staat schufen, den dritten Staat in der Geschichte unseres Volkes. Diese Nummer ist dem Magbith Meuchedeth gewidmet

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