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Die Stimme · 1955-08-01 · Heft 95 (August 1955) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
1955
Issue
Heft 95 (August 1955)
Date
1955-08-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE STIMM E Nr. 95 Dr. Wolf Herzberg, Präsident des Zionistischen Landesverbandes in Österreich Rosch-Haschanah-Gedanken V. linderbare Bilder tauchen in m'iner mehr als 5 Dezennien zurückreichenden Erinnerung anläßlich des unmittelbar Bevorstehenden Rosch-Haschanah-Festes au! Ebenso werden in mir liefe Gefühle und Empfindlinge l wachgerufen, wenn ich an jene /Nt zurüekdcnko, in weicher kein Kompromiß mit der Wandlung der /nt geschlossen wurde Diese Zeit kann nur derjenige ' erstehen, der sie erlebt hat. D.e JüMLM NOROIM - ROSCii- HASGH.W \i | und JOM - KIPPUR - sind Tarte der Einkehr, des Sichhesmnens, der Reue und des Gedenkens Die Vorschrift der Einkehr, der Reue und der Buße bezieht sich auf die große Welt im allgemeinen, auf unser Volk und auf jeden einzelnen unseics Volkes. Die große Wo 11 hat sich nicht wenig versündigt an dem Schicksal des jüdischen \ nikes seit dem Tage, da es seine Selbständigkeit verloren halte, bis in die letzten Tage unseres Daseins hinein; sie soll Einkehr halten und zur Besinnung kommen ISRAEL kämpft einen heroischen Kampf für. seme Existenz, für den Aufbau und den Frieden Mit der Billigung der Errichtung des Staates und der Au fr. ah me Israels in die Völkervereinicung hat die große Weit noch immer nicht ihre Schuld dem jüdischen Volk gegenüber getilgt, weil sie sich bloß mit der formalen Anerkennung des Staates Israel begnügt. Höchste materielle und moralische Unterstützung schuldet die Welt der Medinath Israel. Die höchste Einkehr (Teschuwah) würde die Welt bekunden, wenn sie mit sicherer Hand die Gefahren, die von außen her unserem Staat drohen, beseitigte, um den Frieden, der von uns allen so ersehnt wird, zu sichern Auch für die übrigen Völker der Welt gilt dieser Rosch- Haschanah-Geda nke. Noch mehr zur Teschu wah zur F; n - kehr, zur Reue und Buße verpflichtet, ist das jüdische Volk drr'GALUTI! selbst Ohne uns auf die übrige Weit z.u verlassen, ist es unsere Pflicht und Schuldigkeit, der Medinath Israel mit ganzem Herzen und ganzer See.M eher auch zumindest mit einem Tmie des Vermögens zu dienen, an dem Aufbau mitzuwirken und ihre Existenz zu sichern Ich schreie es taut, in die Well hinaus, daß unser Volk diese Pflicht nicht erfüllt. Dorsal ho Appel! eilt insbesondere den Zionisten d - V'dt Wie ehedem, ist jetzt der bestand einer gojesiig>‘en zionistisch o; Organisation aus zwei Gründen -int w~ndig: Die seelische und moraiis«. he verbundenheil mit der Mr-dmadi Israel zu begründen, zu festig -n um) aulrechtzueihallen duwh .Austausch geistiger Schöpfungen, doich UuMurMe Beziehungen, durch die Erlernung dar hebräischen Sprache und Förderung des hebräischen Hc.h riftfum.s — andererseits aber durch organisierte ausgiebige mafeiiebc lldie für die Medinath Israel. W-'-r glaubt, daß ivsiischwc •Öreaio-vöf.n diese Aufgaben. ewus! v/n den können, hei de uet sich in ein am un w rz .üblichen! rr- * um Nur eine y-EWiv'o zionistische ()rganisa‘.ion farm und wird diese Aufgaben lösen Hink ehr, Buße und Reue gib als-) auch für unser Volk in der Ga!u‘h Das SC IT ME) NE FS RE — Gebet an den JOM E l N'ORAiM — enthält drei Abschnitte, die von einer ganz besonderen Bedeutung sind und die Erhabenheit der Verfasser sowie ihre kosmopolitische Einstellung bekunden: In einem Abschnitt wird die Gottheit gebeten, ihre Macht aut die ganze Welt und die Leb'wesen derselben auszubo'iion und an sie?a\ denken. Im zweiten Abschnitt widmen die Verfasser die Bitt ' an die Gottheit für das Volk. Israel Im dritten Abschnitt bezieht sich das Gehni auf alle Frommen und Gerechten (ebenfalls 'der ganzen '.Veit). 1); e s e G ' s i n n u n g s! i m m I ii b e r e i n mit dei kosmopolitischen Einstellung unsertw großen Propheten, die ihre Stimme erhoben 'nahen für Freiheit, Geruch ■ igk 'it und Frieden für alle Völker der Welt und da; um wird die Modi na Ui Israel vom Geiste der Propheten ausgehend und basierend auf unserer L'hre in der Zukunft der Welt ein Beispiel dafür bieten, wie Geist und '• i ater io zusammen wi rken und welche Errungenschaften aus diesem Wirken entsieheu Nach dem Tode des unvergeßlichen CI IAJES hat der Oborrahbiner. Dr Täglich; s A. eine Rosch-f laschanah- Prodig! mil folgenden Worten beendet: , Ich wobt:' daß sich die Pforten dieses Tempels weit hinaus ausdehnen. in die ganze Welt hinausreichon. damit dies' die Worte unserer l'ropheten, die herrlichsten Gedanken unserer Lehre hören und in sich aut* nehme: Schalem! Schalom! Larachok! Welaken ow! Dies ist auch mein Wunsch, dm Wunsch des Präsidenten des Zion. Landesverbandes, für die Juden der ganzen Welt und alle Völker und Lenker das Erdballs Konfektion en gros N. Grünberg Wien I, Rotenturmstr. 25[3 Telefon U 24 0 64 lllrtl WeisHai - Hl liliit Am 19. September vollendete unser Vorstandsmitglied, der altbewährte Zion ist Alfred W e i s h u t sein 60. Lebensjahr. Schon im Jahre 1911 gründete er den Jugendverband ..Nehemia" und hat ihm durch kluge Führung, großes Ansehen verschafft Später gehörte unser Chawer Wiener Mittel- und I iochschulVerbindungen an, wo er vorbildliche zionistische Arbeit leisiete. Vorn Jahre 1914-1918 hat er maßgeblich an den Hilfsaktionen für jüdische Flüchtlinge mitgearbeite! in diese Periode fällt seine Bekanntschaft mit dem unvergeßlichen Dr Leopold Plasohkes, dem Weishut treu ergeben war Gemeinsam mit Dr. Piaschkcs gründete er den Verband Radikaler Zionisten. Als Delegierter zum XXI. Zionistenkongreß im Jahre 1939 gewählt, arbeitet"' er in der Organisation in Genf, die sich die Versorgung mit Lebensmittefpaketen der in den KZ- Lagern festgohallenen Zionisten, zur heiligen Aufgab'' machte. Viele der Geretteten verdanken Chawer Weishut, das Uberstehen der schwersten Zeit. Nun stellt er seine ‘Arbeitskraft dem Zionistischen Landesverband zur Verfügung. Das Präsidium übermittelt dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche. Gesellschaftslohr! ins Burgenland Der Zionistische Landesverband plant eine Gesellschaftsfahrt nach Eisenstadt (alles Judenghetto) und zum Seewinkel (seltenste Fauna in Europa) Erlebnisreiche Fahrt! Diese Fahrt soll im Lauf? des Moi -As Oktober stattfinden und wir bitten Interessenten um freundliche Anmeldung im Sekretariat des Zion Landesverbandes, IX, Universitätss! ruße 4, Tel A 26-4-73. Imanuel Ungei Jom Kippur Nicht von Wien und nicht von jetzt soll die Rede sein, sondern von Israel und von jenen schweren Tagen des Jahres 1948, in denen das Schicksal unseres Landes und die Zukunft unseres Volkes entschieden wurden. Zwar war das Ärgste bereits vorüber, die Feinde warep vertrieben, der Negev befreit und Jerusalem atmete auf. Aber noch immer lauerte der Tod auf den Straßen, noch immer lugte die scheußliche Fratze der Gefahr hinter jeder Ecke hervor und noch immer war der Friede nicht, sichergestellt. Noch immer heulten die Warnungssirenen und noch immer standen unsere braven Jungen und Mädchen an dmi Grenzen auf Wache. Trotzdem rüstete Israel, wie alljährlich zum höchsten und hehrsten seiner Feiertage, dem Jom Kippur, In Tel Aviv, das 335 Tage des Jahres vom rastlosen Treiben erfüllt, vom hastenden Leben durchpulst ist, durch dessen Straßen ständig .Menschenmassen wogen und endlose Autokolonnen fahren, ebbt mit der sinkenden Sonne der Lärm ab- Die Großstadt hüllt sich in eine Atmosphäre der Ruhe und Würde und während oben am blauen Firmament die ersten Sterne aufleucht.en, werden in den Häusern die Kerzen des ewigen Lichtes entzündet, legt der Vater seine Hände segnend auf die Häupter seiner Kinder. Dann strömen die Menschen in die Tempel Fromme und Frc(geistig:, Alte und Junge, Männer und Frauen, Greise und Kinder, alle, denn der Tag der Versöhnung gehört dem ganzen Volke. Weihevolle Stille herrscht in den bis aufs letzte Plätzchen gefüllten Gotteshäusern, als der Kantor das ,,Kol .Niürej” anstimmt, jenes incbrünstige Gebet, das an diesem Tage in tausenden Synagogen des Erdballs lür Millionen Juden in der ganzen Welt den Tag der Reue und Buße einleitet und das über Jahrhunderte hinweg das jüdische Volk vereinigt hat. Dreimal wiederholt er das Gef.et, immer lauter und eindringlicher, bis seine Stimme zum Schluß emporschwingt zur Hohr-, um durch die gewölbte Kuppel des Gotteshauses bis zum Throne des Allmächtigen irn Himmel z.u dringen. In Tiefer Lrgrif'ienheit lauscht die? Menge dein Gesang des Vorbeters und stimmt ein in das Gebet, das eine Bitte ist und gleichzeitig ein Schwur. Bis zum nächsten Sonnenuntergang \ erharrt Tel Aviv irn tiefsten Schweigen Kein lautes Wort unterbricht, dPi- Stille, kein Hupen eines Autos stört die Ruhe. Bloß his und da, ganz selten, erinnert das Rattern eines vorbeifahrenden Jeeps, daß immernoch irgendwo draußen der Feind lauert und unsere Jungen sich nicht ganz dem Frieden des Festes hingeben können. Kleine Menschengruppen wandeln durch die sonnendurchglühten Straßen, ohne Hast, die Pause des Gottesdienstes benützend um sich nach dem Wohlergehen von Eltern und Verwandten zu erkundigen. Nur einige Kinderscharen beleben dieses seltene Stadtbild, doch auch ihr Lachen ist gedämpft. Der „Lange Tag" neigt sich seinem fände zu. Der Kantor, ein siebzigjähriger Greis, rezitiert mit klarer, ungesch Wächter Stimme die Iclzlan Kapitel aus dem Mussafgebet, f:in woh!eingeübler Kinderchor begleitet seinen Gesang Acht glockenrein* Stimmen singen die heiligen Satz.*, acht Augenpaare sind auf dm Vorholer gerichbel, von dessen Mund sie das Stichwort ablesen. An der Os! wand sitzen grau bärtige Greise, nbl weißen Hemden bekleidet.!, und in GoboUui.hor gehüllt, sich leise schaukelnd, ganz dem Gebete hingegeben liier und da steht einer aul, weißen Strümpton zur Heiligen Ladi um die Türe zu öffnen oder zu sch!io ßon und das Tuch, das sie schmück!, zu küssen. Den weilen Raum des Tempels füllt die Monge der Betenden. Feine Herren in Bratenröcken und Zylindern, Männer in lichten Somineranziignn, Arbeiter mit ollenen Hemdkragen, Soldaten in Unit armen, Menschen aus allen Schichten und Kreisen der Bevölkerung, der Tag hat sie gleichgestellt Alle harren sie aus seit dem frühen Morgen, folgen den Jahrtausende alten Gebeten, die ihren Urahnen xroS| und Kraft Verliohen ha Irn, suchen in denselben Gebeten Befreiung von Sünden, erbitten eine bessere und freie Zukunft. Dann kommt das Schlußgebet, das Volk erhellt sich, um noch einmal voieint, Gott zu loben und Gnade zu erflehen Die Priester begeben sich zur Heiligen Lade und mit verhüllten Gesichtern lauschen die Beienden ihren Stimmen. Das fetzte ,,Awinu Malkenu" dieses Tages verklingt und an die inbrünstige Bitte nächstes Jahr im befreiten ,,Jeruschalajim schließt sich das Blasen des Scholar. Der Talmud sagt, daß Gott am Jom Kippur Bilanz macht, eine Bilanz, der guten Taten und der Sünden. Aber mil dieser Bilanz hat es eine besondere Bewandtnis, denn Gott führt ein Sammelkonto, in dem die Summen der Wohltaten und Vergehen aller Juden säuberlich vermerktwe< den. Und siehe da: Alljährlich kommt er z.u dem gleichen Ergebnis, und das Resultat zeigt, daß sich die guten und die bösen Taten genau die Waage hallen. Fastet nämlich ein Jude nicht, so lastet dafür ein anderer zweimal, trägt ein Jude keine Kopfbedeckung, wie vorgeschrieben, dann trägt, ein zweiter unter seinem Hut noch ein Käppchen usw. Sr stimmt den die Zahl der Festtage und der Kopfbedeckung wie auch der anderen Vorschriften stets mit der Zahl der Juden überein. An ejnem Jom Kippur des Jahres 1948 ging aber die Rechnung nicü’ auf. Denn die Zahl der Heldentaten, die jeder Einzelne vollbrachte und die der Opfer, die das ganze Volk in Israel auf sich genommen hat, überwog bei weitem die Zahl der Sünden, Aus diesem Guthaben schöpft nun Israel die Kraft, das begonnen* Werk zu vollenden.

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