Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1955
- Issue
- Heft 95 (August 1955)
- Date
- 1955-08-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 95 DIE STIMME Seite 7 1/W uHtecem ll&cce&pOHdertkeH füc Hakosl-Pcafreft Verwirrung im arabischen Lager Jerusalem, Anfang September Die Zusammenstöße an der Grenze von Gaza hängen nach der Auffassung alter Sachkenner eng mit der Verwirrung und Unsicherheit im arabischen Lager zusammen Die arabische Welt sah sich in der letzten Zeit zwei großen Problemen gegenüber, dem amerikanischen Jordan- Plan (Johnston-Projekt) und demFriedens-Plan des USA-Außenministers Dulles — und sie war angesichts beider nicht zu einer einheitlichen Stellungnahme imstande. Als bekannt wurde, daß der amerikanische Sonderbotschafter Erif Johnston wieder nach dem Orient kommen würde, um seinen Plan vo« der Aufteilung des Jordan-Wassers zu verfechten, verbreiteten arabische Stellen die Nachricht, eine gemeinsame arabische Konferenz wür de eine einheitliche Stellungnahme der arabischen Länder festlegen. — Kurz vor Johnstons Eintreffen wurde die Tagung abgesagt, und bitter kommentierte eine in der Jerusalemer Altstadt erscheinende arabische Tageszeitung die Tatsache der arabischen Uneinigkeit. Nunmehr würde jeder Staat für sich mit Johnstons verhandeln müssen. ' Die gleiche Uneinigkeit herrscht hinsichtlich des Friedensplanes des amerikanischen Außenministers Dulles. Als dieser bekannt wurde, tauchten bei den Arabern zwei Vorschläge auf. Der Irak, der 'bekanntlich zu Ägypten in scharfem Gegensatz steht, setzte sich für eine Konferenz der arabischen Außenminister in Beirui ein Eine solche Konferenz auf ,,neutralem Boden' würde den Einfluß Ägyptens im arabischen Lager nicht zu stark werden lassen Del Generalsekretär der Arabischen Liga dagegen, der ein Ägypter ist, kündigte an, daß die politische Kommission der Liga sich mit dem Plan befassen solle. Diese Ankündigung des Generalsekretärs der Liga Abde'i Ha'ek Hassuna stellt also die ägyptische „Lösung" der Frage dar. Inzwischen wurde keine von beiden akzeptiert, und auf der Tagesordnung der politischen Kommission der Liga, die Anfang September in Kairo zusammentrat, standen wede'i Dullesnoch der Johnston-Plan, son dern nur Fragen zweiten Ranges, übe die wenig Meinungsverschiedenheiteu bestehen. Angesichts dieser Tatsache schrieb die in Jerusalem erscheinende arabische Zeitung ,,Addifaa ', die arabische Welt sei uneiniger und schwächer denn je, und sie sei nicht imstande, sich zu den wirklich wichtigen Problemen zu äußern. Das Blatt geht dann auf die Lage in den arabischen Staaten ein und erklärt, in Ägypten gebe es eine Spaltung im Rat der Offiziere, während es in Syrien eine Kabinettskrise gebe. Damit umschreibt, die arabische Zeitung die wichtigsten Spannungsmomente im arabischen Lager im jetzi« gen Moment. In Kairo mußte der bisherige Propagandaminister Saleh Salem, einer der Helfer des Genera! Nasser sionieren. Salem hatte seinerzeit die Führer des Sudan für Ägypten gewonnen. Nachdem aber die Stimmung im Sudan umschlug, und die bisher proägyptischen Elemente in diesem Lande sich für völlige Unabhängigkeit von Ägypten aussprachen, fiel Sälen Salem in Ungnade Es kam zu schweren Auseinandersetzungen im ägyp tischen Revolutionsrat, und Anhärf ger von Saleh Salem wurden verhaftet. Nicht nur israelische Stellen, sondern auch ausländische Diplomaten und Pressekorrespondenten vertreten die Auffassung, daß Ägypten wegen dieser inneren Schwierigkeiten die Kämpfe an der Grenze von Gaza ent- Kfesselte, um die öffentliche Meinung abzulenken. In Damaskus herrscht seit cer Wahl des neuen Präsidenten Shukry el Kuatly tiefe Unzufriedenheit. Hartnäckige Gerüchte halten sich, -daß Shukry el Kuatly die Mehrheit der Abgeordneten mit Geldgeschenken bestach, um seine Wahl durchzusetzen. Dabei soll er das Geld sowohl aus Ägypten wie aus dem Irak bekommen haben Sein Gegner Chaled el Azem, der bisher Außenminister war, griff zu ähnlichen Methoden, hatte aber nicht solche Erfolge. Chled el Azem steht jettzt an der Spitze der syrischen Opposition und bekämpft scharf das Regime Kuatlys Die Unsicherheit der syrischen Re gierung wird auch dadurch beleuchist, daß es dem früheren Diktator Shishakli möglich war, sich insgeheim nach Syrien einzuschleichen und dort die Wahlen zu beobachten. Immer wieder gehen Gerüchte um, daß eines Tages die Armee mit oder ohne Shishakli dem Zivilregime wis der ein Ende machen und die Diktatur einführen wird. In Transjordinien konnte d:r König Hussein nur mit Mühe einen Konflikt zwischen dem Parlament und dem Ministerpräsidenten Said ei Mufti verhindern. Said el Mufti wollte die Verfassung revidieren tund die Stellung des Ministerpräsidenten dabei stärken. Auf Ersuchen de, Königs stellte er alle Reformpläne zurück, und er betonte in einer Red« vor dem trnasjordanischen Parlament nur die unvermindert heftige Gegnerschaft seines Landes gegen Israel Die Gegnerschaft gegen Israel ist das einzige Moment, das heute die arabischen Staaten zusammenhält. — Aber auch hier handelt es sich nur um eine Einheit in feindseligen Erklärungen. Zu konkreten politischen Stellungnahmen sind sie auch in der Palästinafrage nicht imstande. Beobachter spotten auch über die Drohungen der arabischen Länder, daß sie Ägypten im Konflikt mit Israel, zu Hilfe kommen würden, und sie weisen darauf hin, daß die arabischen Länder bereits einmal, nämlich im Herbst 1948, Ägypten seinem Schicksal überließen, als das Kräfteverhältnis noch mehr zugunsten der Araber war als heute. Die arabische Politik beschränkt sich heute mehr denn je auf eine Politik kleinerer Provokationen und Nadelstiche. TEXTILWAREN EXPORT IMPORT Josef Limberg 6 Co. Wien I, Eßlinggasse 7 - Tel. 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