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Die Stimme · 1955-08-01 · Heft 95 (August 1955) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1955
Issue
Heft 95 (August 1955)
Date
1955-08-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Dili STIMME Nr. 95 lton unsecec Redaktion in Istael Spannungszeichen in Israels Wirtschaft /eichen deutlicher Anspannung beherrschten in den letzten Wochen die Wirtschaft Israels und drehten in manchen Momenten, die in den letzten Jahren erreichte relative Stabilisierung zu gefährden Das Wahlergebnis mit der Stärkung der radikalen Flügelparteien auf Kosten der Mitte rief Nervosität hervor, und diese kam in einem gewissen Steigen des schwarzen Dollarkurses und in Tendenzen zur Steigerung der Preise zum Ausdruck. Die Preisauftriebs-Tendenzen erhielten besondere Unterstützung durch einen ziemlich starken Mangel an Gemüse und Obst. Im .vorigen Jahre hatten die Landwirte, und besonders die neuen Olim unter ihnen, viel Gemüse angebaut, hatten aber längst nicht alles absetzen können Die Preise waren zum Teil unter die Produktionskosten gefallen, und in gewissem Umfange mußten minderwertige Gemüse- und Obstsorten weggoworfen werden. Die Folge war, daß die Landwirte den Anbau von Gemüse wesentlich einschränkten. Das Ergebnis war ein wesentlicher Rückgang der Gemüselieferungen und die Tuwe, als wichtigste Verkaufsgesellschaft meldete einen Verkaufsrückgang um 300... Bei Obst war es nicht anders und die Weintraubenernte war in dieser Zeit um 30 bis 40geringer. Wieder Preiskontrollen Der Staat griff mit künstlichen Mitteln ein, um einer Preissteigerung zu steuern, und er zahlte einerseits an die Landwirte Subsidien, anderseits bestimmte er Höchstpreise für den Verkauf an den Konsumenten. Dies wurde vor allem mit Rücksicht auf den Lebenshaltungsindex getan, der sonst infolge der Preissteigerung bei Gemüse in die Höhe gegangen wäre Da in Israel die Löhne automatisch an den Index gebunden sind, hätten Staat und Wirtschaft höhere Löhne zahlen müssen, und dies wollte der Staat unter allen Umständen vermeiden. Eine Steigerung des Preisindex hätte den Staat wenigstens drei Millionen IL an zusätzlichen Beamtengehältern gekostet und den Etat schwer erschüttert. Die Subsidien, die er den Landwirten dagegen gab machten nur einige hunderttausend II, rus, und so zog er diesen Wog vor Dabei rinrl nicht vergessen werden, caß die künst.i.he Senkung der Preise aber ein sehr zweischneidiges Mittel ist Schon der \ ersorgungsminist o des Jahres 1040 Dr iJoseph versuchte so Wirtschaftspolitik zu treib m, und er scheiterte. Künstliche Senkung der Preise kann Inflationserscheinungen nur eindämmen, sie dagegen nicht überwinden Deswegen wurden die Maßnahmen üe.r Regierung sowohl im bürgerlichen Lager wie auf der Linken kritisiert, aber das Finanzministerium selbst bezeichnete sie nur als vorläufig. Es läßt sich nicht leugnen, daß es eine gewisse Beruhigung erreichen konnte Inzwischen ging nämlich der schwarze Dollarkurs wieder zurück, und der Notenumlauf fiel in den ersten drei Wochen des Monats August um mehr als 10 Millionen IL, — beides Erscheinungen, die nicht auf Inflation, sondern auf Beruhigung hinweisen. Abschöpfung von Kaufkraft Das Finanzministerium ist der Meinung, daß die Kaufkraft der Bevölkerung heute zu hoch ist, gemessen an den Produktions- und Konsumationsmöglichkeiten, und deswegen sollen Maßnahmen zur Abschöpfung der Kaufkraft gesucht werden. Dabei wird nicht an Zwangsmaßnahmen gedacht, weil diese alle Bemühungen um Gewinnung neuen Vertrauens zerstören würden. Vielmehr versucht man, die Bevölkerung Israels wieder ans Sparen zu gewöhnen, nachdem das Sparen in den Jahren der Inflation fast zum Stillstand gekommen war. Für den Absatz von Staatsanleihen bestehen heute keine großen Aussichten, dagegen war der Versuch der Elektrizitätsgesellschaft, Schuldverschreibungen, die als wertbeständig bezeichnet waren, auf den Markt zu bringen, ein absoluter Erfolg. Von insgesamt 10 Millionen IL Schuldverschreibungen sollten 4 5 Millionen auf dem freien Markt an das Publikum abgesetzt werden (der Rest ging an Banken und Pensionskassen), und dieses Ziel wurde sehr schnell erreicht. Einige andere Gesellschaften wollen jetzt dem Beispiel der Eloklri- ■'itälsgesellschaft folgen, und die Regierung unterstützt die Anlage von flüssigem Geld in Wertpapieren mit allen Kräften Fortschritte in Entwicklungsplänen In den letzten Wochen wurde wieder offenbar, welch große Rolle die deutschen Reparations.eistungen bei der Förderung der Wirtschaft Israels spielen Es gelang, ein Abkommen zu schließen, durch das Israel 280 Millionen D-Mark unter Vorgriff auf künftige Reparationsjahre erhält, und diese Gelder sollen für Industrie-Entwicklung verwendet werden. Gedacht wird an den Bau eines Werkes zur Ausnützung der Kupfervorkommen im Negev, die Phosphatvorkommen sollen in wirksamer Weise ausgebeutet werden. Die Möglichkeiten eines Eisenwerks werden geprüft und schließlich soll in Gemeinschaft mit Privaten eine Schmieröl-Fabrik gebaut werden. Der Solei Bone, die führende Industriegesellschaft des Histadrut-Sektors, will das von ihr begonnene Stahlwerk wesentlich ausbauen und verlangt dafür Anleihen in Höhe von 15 Millionen IL. Bekanntlich war der Plan des Stahlwerks recht umstritten, und bürgerliche Kreise zweifelten an seiner wirtschaftlichen Berechtigung. ,,Haboker' kritisierte auch die neuen Forderungen des Solei Bone, doch wird aus verschiedensten politischen Gründen eine Weiterführung der Arbeiten im Stahlwerk in Akko notwendig sein. Zement in Mengen Jahrelang hatte Israel unter Mangel an Zement gelitten und dieser Artikel spielte auf dem schwarzen Markt ständig eine wichtige Rolle. Jetzt ist von einem schwarzen Markt bei Zement keine Rede mehr, denn es arbeiten sowohl die Zementfabrik von Nescha, in Haifa, wie die in Ramie und dazu kam noch die Zementfabrik Shimshon, die nach Überwindung von Anfangsschwierigkeiten ihre Produktion sehr steigern konnte. Jetzt sind Zementüberschüsse vorhanden, für die Exportmöglichkeiten gesucht werden. Hier treten Schwierigkeiten auf, da der wichtigste Abnehmer für Zement, die Türkei, ihre Importe eingeschränkt hat. Der Staat wird die Zementfahriken wie andere Exportzweige durch Subsidien unterstützen müssen, um den Export wieder in die Höhe zu bringen. Mit Spannung wird in Israel die Eröffnung der Zuckerfabrik in Afule, im Emek Israel, erwartet. Diese wird im Herbst in Betrieb genommen, und sie wird iin kommenden Frühjahr voll in Aktion treten. Da dite Anbauflächen für Zuckerrüben wesentlich erweitert wurden, wird bereits 1956 ein wesentlicher Teil des Zuckerbedarfes im Lande selbst gedeckt werden können. Enttäuschung bei Erdöl Die Erdölbohrungen brachten leide] bisher allen Gesellschaften Enttäuschungen, obwohl schon vier Millionen Dollars für die Bohrungen eingesetzt wurden. Letztens wurde die Bohrung bei Petach Tikwa als ergebnislos abgebrochen, auch in Gan Jawne wurden die Arbeiten eingegestellt. Hier hatte man — gestützt auf eine Erdgasexplosion — große Hoffnungen gehabt. Aber letztens fand man an der Bohrstelle Wasser statt öl, und damit waren die Aussichten geschwunden. Inzwischen begannen die Bohrarbeiten bei Huleikat I im nördlichen Negev, wo 1947 schon einmal die Irak Petroleum Co. gebohrt hatte, und auf die Bohrung werden gewisse Hoffnnungen gesetzt. Alle Anzeichen der letzten Monate deuteten darauf hin, daß der Staat trotz vieler Komplikationen die Wirtschaft würde stabil halten können. Im Zusammenhang mit der großen Einwanderung aus Nordafrika vermehren sich natürlich die Aufgaben und Schwierigkeiten. Die Bevölkerung muß zusätzliche Lasten und Steuern auf sich nehmen, aber diese sind unvermeidlich. Es wird einer sehr vorsichtigen und konsequenten Wirtschaftspolitik bedürfen, um trotz der gastiegenen Einwanderung nicht den Inflationdruck ansteigen zu lassen. Abgesehen von der Abschöpfung der Kaufkraft wird die Steigerung 'der Produktion notwendig sein, um mehr Waren auf die Märkte zu bringen. Mit diesen Problemen beschäftigen sich jetzt gerade alle mit der Wirtschaft befaßten Stellen in Israel. „Matan B’Szeszer“ Jüdische Norhilfe Wohl jeder unserer jüdischen Brüder und Schwestern in Wien wird sich der Hilfsbereitschaft erinnern, die noch vor kurzem das jüdische SOS- Komitee allen bedürftigen Juden gegenüber bewies. Die Mehrzahl der Begründer des SOS-Komitees hat nunmehr unter der Bezeichnung Matan B1 Szeszer in der Seitenstettengasse 4 (Büro des Magbith) eine Organisation geschaffen, welche die humanen Aufgaben erfüllen wird, denen seinerzeit das SOS-Werk vorbildlich oblag. Die jüdische Nothilfe hat. beschlossen, Soforthilfe" zu leisten Am sichts der hohen Festtage wo< b ■ die dringendsten Fälle mit Bar" bedacht. In der Hauptsache V wurde dem Krankenhi Jsv oeio bd- Cholim”, dessen segensreich - Taö keit bestens bekannt ist, ein G drU-• trag zur Veriügun - geol eilt, der V Zuschuß für die Lei. ensmitt ■ 1 ak11 o. dienen soll. Es ergeht nimm' hr seitens de:- Matan B1 Szeszer ein dringe iT Appell an alle Juden jene Arms! :n zu unterstützen, denen pekuniäre Hilfe nicht versagt werden darf. Allen Glaubensgenossen ein glückliches Neues Jahr! Mit herzlichem Schalom Das Proponentenkomitee: Otto Glücksmann Gustav Leitner Herbert Schelzer Leiern Sie die jüdischen Feste mit Grolle Wizo Simehath Thora-Feier;, WIZO-WIEN v- [::v, den 15. Oktober 1955, im K u* ■ 1 111 der Stadt Wien, Wien 1, do-’k, unter dem Protektorate o Adeia Lshe), Gemahlin des b n ' .enoruikonsul Arie Eshel. .solle Darbietung: ■ l'.uiinn ooi-chestor des Kon- ,' ,.ne, .io, Stadt Wien; in Ruth F shel, Konzert in A- /sii Di t t.oi sdorf. Zkniäsfenkongreß : •;ollsilzun:; der Exekutive der - b Auency in Tel Aviv hat emp- ■ : -o daß der nächste Zionistische ,: oß am 4 Juni 1956 eröffnet wird. Einstein-Wald Das Direktorium des KKL beschloß, den Albert Einstein-Wald des Keren Kajemet, der anläßlich des 50. Geburtstages des großen Gelehrten zwischen Kirjat Anawim und Maale Hachamischa gepflanzt wurde, im Trauerjahr um den Heimgegangenen zu erweitern. Man hofft, daß weite Kreise im In- und Ausland und auch wissenschaftliche Vereinigungen und Institutionen sich an der Ehrung beteiligen werden. Rosa Barasch Am 11. August 1955 verschied Frau Rosa Barasch im 82. Lebensjahr. Die Verblichene galt im Kreise ihrer Freunde als Mensch von vorbildlicher Güte, die darin ihren Ausdruck fand, daß sie der Wohltätigkeit besondere Aufmerksamkeit schenkte und die Würde desjenigen Menschen, der auf iiilfe angewiesen war, weitgehend zu schonen verstand. Im Hause frommer, zionistisch eingestellter Eltern erzogen, dachte, fühlte und handelte Frau Barasch zionistisch und nahm jede Gelegenheit wahr, um ihr Schärflein zur Festigung des jüdischen Selbstbewußtseins beizutragen. fm hohen Alter von 80 Jahren ließ sie sichs nicht nehmen, eine für sie immerhin anstrengende Reise nach Erez Israel anzutreten, um einerseits das Heilige Land physisch zu erleben, andererseits ihre Kinder, die in Israel leben, auf geheiligtem i jüdischen Boden in die Arme zu schließen und mit ihnen gemeinsam der Freude über die wiederstandene Medinath Israel Ausdruck zu verleihen. Der Zionistische Landesverband drückt den Hinterbliebenen sein tiefgefühltes Beileid aus. Wir danken innigst für die uns aus Anlaß des Ablebens unserer geliebten Mutter bzw. Schwiegermutter Frau Rosa Barasch erwiesene Teilnahme. Sulo n. Eugenie Gutlinanii WItMl Familie Dekalo Familie liuraucli liui/.'iu, Isra I

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