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Die Stimme · 1955-04-01 · Heft 93 (April 1955) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1955
Issue
Heft 93 (April 1955)
Date
1955-04-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 9.3 DIE STIMME Seite 5 Jo in Haatzmauth 5715 Jacob Tannenbaum: Die Idee der Auserwähltheit (Die Bibel, e. Fortsetzung) Der Universalismus der Propheten hat eine doppelte Bedeutung. Er ist ein sozialer und ein religiös-sittlicher Begriff. Der soziale Universalismus ist gleichbedeutend mit dem Begriff des Humanismus oder Humanität.. Er bedeutet nicht nur die Priorität des Ganzen und der Gemeinschaft, vor dem Teil und dem Einzelnen. In diesem Sinne ist Aristoteles auch Universalist. Dessen Univer a ismus a' er beschränkt sich nur auf den Stadtstaat Athen und innerhalb desselben lediglich auf die Patrizierklasse. Der prophetische Universalismus dagegen strebt nach einem über die Volksgemeinschaft hinausgehenden Gemeinwesen, das alle Menschen umfassen soll. Das Ideal der Propheten ist die Vereinigung aller Nationen zu einer großen Völkerfamilie, zu einer Gemeinschaft von Brüdern, zum Zwecke der gegenseitigen Hilfe, um mit gemeinsamen Kräften die Natur zu beherrschen (1. B. M. 1, 28), das Leben zu erleichtern und zu verbessern. Die Existenz einer Mannigfaltigkeit von Völkern ist eine Bereicherung der Kultur der Menschheit, in der sich der Weltgeist auf vielfältiger Weise widerspiegelt! Wie das Weltall ein geordnetes, einheitliches Ganzes, ein in sich geschlossenes System, ein Kosmos, ein gegliederter Organismus ist, deren Teile für das Ganze Zusammenarbeiten, so bildet auch die Menschheit einen Organismus, in dem jedes Volk (und im Rahmen der Volksgemeinschaft jedes Individuum) eine besondere Funktion und einen eigenen, ihm von der Natur zugewiesenen Platz besitzt, wo es seine Aufgaben zu erfüllen hat, entsprechend der ihm verliehenen Kräfte und Anlagen. Jede Nation hat eine besondere Berufung, ist zu etwas auserwählt (Arnos, 9, 7). Dies ist der eigentliche Sinn des Begriffes Auserwähltheit. Die Auserwähltheit des jüdischen Volkes, von der in der Bibel die Rede ist und dessen Begriff aus Unkenntnis ihrer Bedeutung zu heftigen Angriffen gegen das Judentum Anlaß gab, betrifft die Aufgabe des jüdischen Volkes im Rahmen der Völkergemeinschaft. Sie bedeutet nicht ein Besser-, sondern ein Anderssein, zu etwas nach eigener Art berufen sein, wie bei anderen Völkern Sie ist nicht im rassischbiologischen Sinne zu verstehen, wie Antisemiten behaupten und die Juden als die Schöpfer der Rassentheorie hinstellen, sondern im religiös-sittlichen Sinn, worin das jüdische Volk seine Aufgabe für die Welt erblickte Das Bewußtsein, das einzige Volk auf Erden zu sein, das sich zur reinen Gotfesidee und zur fdee der Einheit des Menschengeschlechtes erhob (auch heute, nach 3000 Jahren hat dieser großartige Gedanke noch keine allgemeine Anerkennung gefunden) einerseits und der religiös-sittliche Verfall der heidnischen Welt andererseits, ist die Wurzel dieses Glaubens von der eigenen Aufgabe innerhalb der Völker. Die vielen Leiden, die das jüdische Volk seit seiner Geburt auszustehen hatte, die Unterdrückung in Ägypten, die vielen Entbehrungen, Drangsale, und die besten aus seiner Mitte, die Ausplünderungen, die es durch die zahlreichen Invasionen heidnischer despotischer Großmächte über sich ergehen lassen mußte, machte das jüdische Volk feinfühliger, für Gerechtigkeit und Sittlichkeit empfänglicher Propheten fühlten in sich den unüberwindlichen Drang, ihre Gefühle der ganzen Welt mitzuleilen, sie zur Gerechtigkeit, Brüderlichkeit, Menschlichkeit aufzurufen Sie verkündeten die Botschaft des ewigen Weltfriedens, das Heraufkommen eines goldenen Zeitalters wo die Vereinigung aller Völker zu einer brüderlichen Gemeinschaft der gegenseitigen Unterstützung, der Solidarität. Diese große Idee von der Einheit und Vereinigung aller Völker und des Menschengeschlechtes sowie der Ruf nach dem Weltfrieden, der damals im Rausch der Völker nach Genuß und Vergnügen und im Getöse der nach Beute und Macht lechzenden Despoten der Antike einerseits und im Wehklagen der Erschlagenen und Verwundeten andererseits verhallte, ist später vom jüdischen Volke als heiliges Vermächtnis übernommen worden. Das jüdische Volk war in allen Zeiten der Herold der Gerechtigkeit, Gleichheit, Freiheit und Menschlichkeit. (Dazu verpflichtet es sein Schicksal in der Zerstreuung in der es stets das unterdrückteste Volk, der Sündenbock war. Die Erwählung ist also kein Privileg, macht die Juden nicht zu Herrschern über die Völker, sondern zu ihren Dienern Die Mission des jüdischen Volkes ist noch nicht erfüllt, wie die christliche Welt behauptet daß mit der Entstehung des Christentums die Mission des Judentums ihre Erfüllung gefunden hätte Nicht nur auf religiösem Gebiet hat das jüdische Volk einen bedeutenden Beitrag zur Kultur der Menschheit geleistet, sondern auch auf allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst. Die Welt ist noch sehr weit entfernt von der Verwirklichung der Ideen der jüdischen Propheten Noch nie war die Gefahr eines Weltkrieges, der die Menschheit mit dem Untergang bedroht, so groß, wie in unseren Tagen, trotz des Bestandes der UNO, deren Entstehung die bessere Menschheit und besonders die Juden mit Jubel begrüßten, da sie in dieser Vereinigung der Nationen den Anfang der Verwirklichung der Vision der Propheten erblickten. Die Idee der Erwählung des jüdischen Volkes und die Hoffnung auf die einstige Verwirklichung seiner Grundidee von der Einheit des Menschengeschlechtes war eines der Hauptursachen, die das Volk durch die lange Galuthzeit erhielten und ihm die Kraft zum Durchhalten verliehen. In dieser Hoffnung schöpft es Kraft auch für die Zukunft, die durch die Wiederherstellung des jüdischen Staates auf dem Boden seiner Väter, wo die Propheten und andere Geistesheroen lebten und wirkten, gesichert erscheint- Das jüdische Volk wird durch die Entstehung der Medinath Israel, dessen Jom Haatzmauth wir am 5. Ijar zum siebenten Mal feiern, in größerem Maß in der Lage sein, einen neuen Beitrag zur menschlichen Kultur zu leisten. Durch die Eigenstaatlichkeit und die Verbindung mit dem Boden erwächst dem Volke neue große Aufgaben, deren Erfüllung auch zum Wohle der Menschheit und der arabischen Nachbarn zum Segen gegereichen wird. ZIONISTISCHE FÖDERATION IN ÖSTERREICH Jom Haafzmaufh 7 Jahre Israel FESTVERANSTALTUNG! Es spricht ARIE ESHEL Konsul des Staates Israel Es wirken mit die WIENER SYMPHONIKER unter Leitung von F. Charles Adler (New-York) L. van BEETHOVEN: EGMONT-OUVERTURE - V. SYMPHONIE - C-MOLL HATIKWAH, instrumentiert von BENJAMIN LEES (U. S. A.) - Österr. Bundeshymne GROSSER KONZERTHAUSSAAL.Mittwoch, 11.Mai 1955,20Uhr Platzkarten erhältlich: a, t *| Hasehomer Hazair-Mapam XV. Storchengasse 23/II, 15-19 Uhr Tel. Keren Hayesod I, Seitenstettengasse 4/1II. Tel. U 29 0 55. 10-13 und 15-17 Uhr Misrachi I, Judenplatz 8,1. Tel. U 20 4 09, 8- 11 Uhr Zionistischer Landesverband IX. Universitätsstraße 4, Tel. A 26 4 73. 10- 17 Uhr Zionistisch-Revisionistische Union III. Salesianergasse 33 25, Tel. B 52 9 16. 10-13 Uhr und an der Abendkassa! Wir gratulieren Louis Bakschicmski Die Zionistische Föderation und mit ihr die Zionisten Englands, feierten das Jubiläum der 25 jährigen zionistischen Tätigkeit des Generalsekretärs Louis Bakschtanski. Wer Bakschtanski ist, welchen Wert er für den Zionismuß hat, weiß jeder Zionist, der die zionistische Geschichte studiert hat. Bakschtanski ist zionistische Geschichte in persona, schon deshalb, weil dort wo er die zionistische Bewegung aufgebaut und geführt hatte, die Wiege des politischen Geschehens im Inte- Tesse {jüdischer Selbsständigkeit stand. Die Stätte, wo Bakschtanski wirkte, darf als eine der Zellen, die entscheidend für die Enstehung der Medinath Israel war, bezeichnet werden. Der iZonistische Landesverband gratuliert unserem Freund Bakschtanski herzlichst und wünscht ihm recht viel Kraft für seine weitere Tätigkeit. ln unserer nächsten Nummer werden Wir Gelegenheit nehmen, die Persönlichkeit Bakschtanski entsprechend zu würdigen. Richard Lichtheim Richard Lichtheim hat am 17. Februar seinen 70. Geburtstag gefeiert. Lichtheim, der aus Deutschland stammt, drückte dem deutschen Zionismus seinen Stempel auf. Diese markante Persönlichkeit, Analytiker des jüdischen Problems, nimmt im zionistischen Leben einen hervorragenden Rang ein. Wir richten an unseren Freund Lichtheim die herzlichsten Glückwünsche und hoffen, daß es ihm vergönnt sein wird, noch viele Jahre seine wertvolle Kraft in den Dienst unserer gemeinsamen zionistischen Sache zu stellen. Hofrat Dr. Hirsehl Am 31. Mai 1955 vollendet unser Freund, der bewährte Zionist Holrat Prof. Dr. Berthold Hirsehl, sein 65. Lebensjahr. Wir nehmen Veranlassung, dem Askan unsere aufrichtigsten Wünsche zu übermitteln und ihm ad mea w'esserim schanah zu wünschen. Schauspieler Max Brod Wir gratulieren dem allseits beliebten, populären Schauspieler und Komiker, der in diesen Tagen seinen 75. Geburtstag feierte. Max Brod, der aus gut jüdischem Hause stammt, war Gegenstand zahlreicher Ehrungen seitens der großen Anzahl seiner Verehrer und Kollegen. Viele unter uns verdanken dem großen Künstler freudige Stunden. Es ist uns ein Bedürfnis, dem hervorragenden Komiker und ausgezeichneten Menschen unsere besten Wünsche darzubringen. . und dem „Aufbau" Die in den Vereinigten Staaten von Amerika in deutscher Sprache erscheinende jüdische Wochenzeitung ,,Aufbau" feierte in diesen Tagen ihr zwanzigjähriges Jubiläum. Führende Staatsmänner und einflußreiche Persönlichkeiten, haben der Redaktion des ,,Aufbau" Glückwünsche zum Ausdruck gebracht. Der ,.Aufbau" entstand aus den Bedürfnissen heraus, den vom Nazismus bedrängten und vertriebenenMenschen beizustehen. Der ,.Aufbau" verfolgte das Ziel, der freien Welt die Auswüchse des Nazismus zur Kenntnis zu bringen, dessen Schandtaten gegen die Juden anzuprangern und dahin zu wirken, daß sich das jüdische Volk darauf besinnt, daß die Betätigung seiner Fähigkeiten im eigenen Staate Früchte tragen, die in der Galuth, namentlich im deutschen Sprachraum größten Undank eingetragen habe. 8. Teäec WIEN I, SALZTORGASSE 5 .TELEFON U 25-4-85 HERREN-, DAMENKLEIDER UND -MÄNTEL MODISCHE SPORT- UND REGENSCHUTZBEKLEIDUNGS¬ FABRIK . Erwerbet den Schekel und sichert Euch dadurch das Wahlrecht zum kommenden Zionistenkongreß. Erhältlich im Zionistischen Lande sverband, Wien IX, Universitätsstraße 4

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