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Die Stimme · 1955-02-01 · Heft 92 (Februar 1955) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1955
Issue
Heft 92 (Februar 1955)
Date
1955-02-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 92 Zur Frage der Wiedergutmachung Kampf als gewöhnlicher Bürger einz.utbon Er hat als solcher genug gute Wrarbeit geleistet, als Hauer gelebt und trotzdem hei keiner Versammlung gefehlt, in der vom Patriotismus die Rede war, er hat zündende Ansprachen an srnne Parteigen issen, an Frauenorqanisationen und Juqendvereiniqunqen gehalten und er konnte seines Erfolges so gut wie sicher sein Ohne Titel und ohne Machtposition als Kandidat aufzutreten, bot ihm viel größer:' Aussichten zu leussiereu, als er gehabt hätte, wenn er nie demissioniert, nie in die Wildnis gegangen und nie ein Rufer in der Wüste geworden wäre Nun hat sieh ihm aöer eine noch bessere Chance geboten Die Lage an den Grenzen Israels ist unsicher und wird immer unsicherer Die überfalle an den Grenzen, die Anschläge auf Zivilpersonen, die Gefangennahme israelischer Soldaten, die Einstellung der gemischten Waffenstillstandskommission zu Israel hat eine Atmosphäre der Spannung und der Depression geschaffen und es ist, wenn auch vielleicht nicht gerechtfertigt, so doch zumindest verständlich, daß man die Schuld an den sich häufenden Mißerfolgen, dem Mann zuschiebt, der für sie eigentlich die Verantwortung tragen müßte — dem Yerteidigunqsminister Ob Lavon mit Recht, oder mit Unrecht kritisiert wird, ob er verhindern konnte was geschehen ist oder nicht und oh er ein Opfer der Situation oder einer wirklichen Schuld geworden ist, darauf kommt es nicht in erster Linie an. Wichtig ist, daß die kritische Situation einen starken Mann erhält und es besteht kein Zweifel, daß Ben Gurion dieser Mann ist. Wenn sich also Ben Gurion vorzeitig aus der Wüste locken ließ, so tat er dies zweifellos in dem Bewußtsein, eine wichtige Pflicht erfüllen zu müssen Dies war bestimmt ausschlaggebend. Aber daneben hat er die große seltene Chance wieder einmal als Retter in höchster Not auf der Bildfläche zu erscheinen und die Lage zu meistern Daß er sich, wenn er Erfolg hat, die Herzen aller im Sturm erobern wird, unterliegt keinem Zweifel und dazu braucht er auch nicht mehr zu sein als nur ein . Verteidigungsminister,” Zum 13. März 1938 Am 13 März 1938 überschritt die brutalste Soldateska der modernen Geschichte die Grenzen Österreichs, löschte die Republik aus und richtete ein Terrorregime ein, das zur Demotaiisierung eines Teiles der österreichischen Bevölkerung führte Uns Juden nahmen die Nazi die Menschenrechte und stürzten uns ins maßlose Unglück Der Nazismus überzog die Welt mit Krieg und unterjochte viele Völker Europas Es gilt, niemals zu vergessen, daß Reaktion und Berserkertum zum Verderben der Menschheit führt KOSCHER SCHEL PESSACH Maxznth. Maz/nltuiirhl. Fett. Wein und »amtliche Lebensmittel Auch Original israelische Weine und israelische Mazzoth Wir bitten mn i eciiizeiti^c Hc-ti llnnp. Auf telefon. Anruf ‘•teilen wir jede» Onan tum ohne Speseii/.usebbie ■ in» Hau.» zu. S. GRAMER (Dauber) LeheuHmittelhamlluiie Wien IX, Servitengasse 4 - A 12 6 83 iiMiiiiiimiimmiiiiiiimiimimimimiimmimiiummiimmmiii leset und verbreitet „Die Stimme“ llllllllllltllHIIHllllllllllllllllllllllllllllllllIHtllllllHIIIIIItlllllllllllll Besprechungen in Paris Sifzung des Vereinigten Exekutivausschusses für jüdische Forderungen an Österreich. Am 7 Februar fand unter dem Vorsitz von Dr. Naluim Goldmann in Paris eine Vollsitzung des Vereinigten Exekutivausschusses für jüdische Forderungen an Österreich statt Die im Exekutivausschuß vertretenen Organisationen waren durch ihre hervorragendsten Persönlichkeiten repräsentiert: das American Jewish Commitee durch Jacob Blaustein, der World Jewish Conqress durch Dr. Israel Goldstein, das Jewish Labor Commitee durch Adolph Held, der Board of Deputies durch Barnett Jänner, das American Joint Distribution Commitee durch Generaldi,-ektor M. \V". Reckeimann. Die österreichischen Mitglieder des Exekutivausschusses waren unter Führung von Präsidenten Dr Emil Maurer vollzählig erschienen, als Zionistischei' Mandatar Josef Rubin Bittmann, Vizepräsident des Landesverbandes österreichischer Kultusgemeinden. Die Ergebnisse der Beratungen, in welchen Sprecher amerikanisch-jüdischer Weltorganisationen mit besonderer Schärfe das bisherige Verhalten Österreichs in bezug auf die Wiedergut mach unqsverhan diu ngqen tadelten, wurden in einer Presssekonferenz bekanntgegeben Den Wortlaut der Erklärung des Herrn Dr Maurer in dieser Pressekonferenz berichten wir nachstehend: ,,-Ms Präsident des Bundesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Österreich und Führer der österreichischen Delegation beim Pariser Meeting des Joint Executive Board for Jewish Claims of Austria, gebe ich dem stärksten Bedauern und unserer größten Enttäuschung Ausdruck, daß die vor zwei Jahren begonnenen AViedergutmachungsverhandlungen mit der österreichischen Regierung bis heute kein positives Resultat gebracht haben. Unsere Forderungen sind gerecht und bescheiden. Die Verantwortung für den bisherigen negativen Verlauf der Verhandlungen muß der österreichischen Regierung zugeschrieben werden. Wir bedauern insebsondere, daß die österreichische Regierung die Rehabilitierung der ehemaligen Nationalsozialisten betreibt, bevor deren Opfern Wiedergutmachung zuteil wurde In dieser Situation ist unsere Solidarität mit den Jüdischen Weltorganisationen nicht nur ein Gehot der Selbstverständlichkeit., nicht nur eine Herzenssache, sondern eine Quelle der Hoffnung, daß unser Kampf für Recht und Gerechtigkeit zum Erfolg führen wird " 1. P. N. Sondersitzung des Bundesverbandes der Kultusgemeinden Am 13. Februar fand in Wien eine Sondersitzung des Vorstandes des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs statt, an welcher als Gäste' die in Wien weilenden Vertreter des Coucils ol Jews trenn Austria -- der Organisation der Juden aus Österreich in Israel —, Dr. Jehoslma Guvrin und Dr Zwi Kraeiner, leilnahmen Dr. Jehoslma Guvrin, war früher Püisulonl ries Zionistischen Landeskomi'ee.s :n Wien und lobt in Israel Nach eingehende) Debatte wurde die unverbrüchliche Solidarität des österreichischen .ludenlums mit den Jüdischen Weltorganisalionen zum Ausdruck gebracht ,,\Vir werden unseren gemeinsamen Kampf für Recht und Gerechtigkeit gemeinsam fortsetzen In diesem Kampfe werden wir nicht erlahmen. Es geht nicht so sehr um die materiellen Ansprüche allein — mögen diese für die überlebenden Opfer auch noch so wichtig sein —, es geht vor allem darum, dem Prinzip des Rechtes und den moralischen Aspekten Geltung zu verschaffen. I.P.N. Regierung möchte mit Strohmännern verhandeln Vor kurzem i'ßen Regierungskrise in Wien befreundeten Journalisten und Zeitungen die Nachricht zukommen, daß sie bezüglich der Wiedergutmachungsverhandlungen die Jüdischen Weltorganisationen nicht als gleichbberechtigte Partner auf Regierungsebene ansehen Der österreichischen Regierung wird es also anscheinend angenehmer und leichter sein, mit Personen und Gruppen zu verhandeln, hinter denen niemand steht oder dö nur eine völlig unbedeutende Personenanzahl repräsentieren. Nach der Rückkehr von Bundeskanzler Raab aus den USA servierte der Ballhausplatz befreundeten oder subventionierten Zeitungen einen Bericht des sogar in New Yorker Emigranlenkreisen völlig unbekannten Blättchens ,, Austria”. Nach diesem Bericht, der vermutlich sogar von einem höherea Beamten des Ballhausplatzes se'bst stammt stünden die österreichischen Juden in den USA nicht hinter den Jüdischen Weltorganisationen. Selbstvertändlich enthielt der Bericht Angriffe gegen die Jüdischen Weltorganisationen und Dr. Nahum Goldmann, den Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses und der Jewish Agency Die so inspirierten Zeitungen sollten die Vorarbeit für die gleich nach der Rückkehr von Bundeskanzler Raab bestandene Absicht leisten, die Jüdischen Weltorganisationen, die sich als besonders einflußreiche und ,.unbequeme” Verhandlungspartner erwiesen hatten, auszuschalten, um sich dann mit Strohmännern an len Verhandlungstisch setzen zu können Ais im Juni 1953 die Jüdischen Weltorganisationen von der österreichischen Regierung begonnen hatten, wurden diese zum Teil auf höchster Regierungsebene geführt Die Regierung, die anscheinend geglaubt hatte, die Juden mit einem Pappenstiel abspeisen zu können, hatte nichts gegen die Weltorganisationen als Repräsentanten der geschädigten österreichischen Juden einzuwenden Erst als die völlig unbefriedigenden Angebot^ der Regierung abgewiesen wurden, als die österreichsische Regierung verschiedene Versprechen, welche sie abgegeben halte, nicht einhielt und es deshalb zu einer Reaktion der Jüdischen Weltorganisationen kam, versucht man einen Ausweg zu finden, indem man nach fast zweijährigen Abhandlungen plötzlich zu entdecken scheint, daß der Abhandlungspartner kein Partner ist. In informierten jüdischen Kreisen beurteilt man die plötzlich entdeckten Erkenntnisse der österreichischen Regierung wie folgt: 1 Die Regierung wird sich verrechnen, wenn sie über die Wiedergutmachung für Juden mit Gruppen oder Personen, die niemanden repräsentieren, verhandeln zu können vermeint. 2 Die Regierung wird sich ebenso verrechnen, wenn sie glaubt, das dun .Juden entzogene Vermögen auch anderen als jüdischen /werken zuliihren zu können 3. Es wird sich ohne Zweifel herausslellen, daß die Regierung schlecht beraten wurde, gegen die .Jüdischen Weltorganisationen und gegen die Wiedergutmachung im allgemeinen direkt oder indirekt Stimmung zu machen Die von Regierungskreisen an befreundete Blätter übei mit teilen Inspirationen würden sich letzten Endes für die Interessen Österreichs als abträglich erweisen Was soll man dazu sagen, daß die gleiche Regierung die Beschlüsse des Alliierten Rates in Österreich umgangen hat und den schwer belastet m Nazi Riesensummen auszahlen ließ? Anm. d. Red. Amerikanische Gewerkschaften zur Wiedergutmachung Als einen ebenso ungewöhnlichen wie beachtlichen Schritt muß man die Intervention bezeichnen, die durch den Präsidenten der American Federation of Labor, und den Präsidenten der CIO, in Sachen der österreichischjüdischen Wiedergutinachungs - Abhandlungen erfolgte. Die American Federation kabelte an Schärf, den Vizekanzler und A'orsilzenden der österreichischen Sozialistischen Partei, wie folgt: „Erfreut zu hören, daß Ihre Regierung Vorbereitungen trifft mit jüdischen Vertretern wegen Wiedergutmachungsansprüchen wieder zu verhandeln Amerikanische Gewerkschaften unterstützen diese gerechten Forderungen und hoffen aufrichtig, daß Pension Cosmopolite Haus ersten Ranges »Zentrale La«e Mältif'e FVeise Wien VIII, Alserstraße 23 Telephon A 25 II 60 unsere österreichischen Freunde sich für Erfolg der Verhandlungen einsetzen werden. Die freigewerkschaftliche Bewegung muß alles darandiese Opfer des Nazismus zu sichern " Der Präsident der CIO, kabelte an A Proksch, von der österreichischen Gewerkschaftsbewegung, wie folgt: „Ich brauche nicht zu betonen, was eine gerechte und billige Erledigung dieser Frage bedeuten würde." Reuthers Kabel drückte die Hoffnung aus, daß eine „annehmbare und freundschaftliche, endliche Entscheidung" getroffen werde Diese üherraschende Intervention der beiden prominenten amerikanischen Gewerkschaften ist aus folgenden Gründen von Bedeutung Dü* Sozialdemokratische Partei Österreichs — im Gegensatz zu ihrer deutschen Bruderpartei — hat sich bisher nicht für die \\7iedergutmachung an die jüdischen Naziopfer eingesetzt. Als die Regierung vor der Reise Kanzler Raabs nach den Vereinigten Staaten den jüdischen Organisationen ' in Angebot machen wollte, hat sü* das durch die Forderung verhindert, daß die eigenen Schuschnigg-Opioides Jahres 1934 in dir: Wiedergutmachung einbezogen werden sollte Inzwischen haben die Regierungsparteien ein Übereinkommen getroffen, wonach den Opfern des Jahres 1984 ein Betrag von angeblich S 75,000 Ohl) aiishezahlt wurde (Red.) . . . und die evangelischen Kirchen in Deutschland Die gesamtdeutsche Synode der evangelischen Kirche in Deutschland beschloß einen dringenden Appell an die Westdeutsche Bundesregierung zu richten, daß die praktische' Durchliihrunq der Wiederqulmdrliunq des nnzist ischen Unrechts beschleunigt, und insbesondere den Entschädiqungs, berechtigten rasch geholfen werde

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