Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1955
- Issue
- Heft 92 (Februar 1955)
- Date
- 1955-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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timme Öttyan dec Atlyemeinet* Üanisien in ÖsiecceicU Zionistischer Landesverband Wien ,1^13 E^an niTKn* Preis 2 Schilling V. b. b. ||||j|||lli|lll",l,|ill!lllii|ll,l|ni|||||iiii||mi|||||iiii'iMiii|||||||iiiiMiiiii|||||j||u I Redaktion u. Administration: 1 | Wien IX, UniversitHtsstr. 4 4 J f Telefon A 26 4 73 f Postscheck-Konto Nr. 134.292 I 1 Feber-März 1955 J ilflllllllllliiiiiilllllllllliiiiiilllllllllllimilllllllllliiiiiilllllllllliiiiiiiillllllllllll Nr. 92 Das Ringelspiel um die Wiedergutmachung kehrt zurück Endlich nach 2'Jahren beginnt sich das Geheimnis um die Verhandlungen die in der Frage der Wiedergutmachung in Österreich geführt wurde, zu lüften. Bisher hieß es immer ,Pst . .. wenn man an dieses heikle Thema rührte,- alle mehr oder minder Beteiligten machten rätselvolle Gesichter und zuckten mit den Achseln. Die Vertreter der jüdischen Organisationen hüllten sich in tiefes Schweigen und die österreichischen Behörden hatten auf jede Frage die stereotype Antwort: Die Angelegenheit befindet sich im Stadium der Beratungen. ’ Selbst die Mandatare der einzelnen jüdischen Parteien in Wien, die doch eigentlich ihren Auftraggebern Rechenschaft schuldig sind, weigerten; ich beharr ich Informationen zu geben, mit der Begründung es könnte dem Fortgang der Verhandlungen schaden. Es ist dies ein Verhalten von Persönlichkeiten, denen es an Routine gebricht, obgleich sie im guten Glauben handeln. Und nun stellt sich heraus, daß hinter der ganzen Geheimnistuer ei über die Verhandlungen überhaupt nichts steckt. Ja mehr noch, wenn man heute die Erklärungen der Reyierung und die Kommentare der für die Regierung verantwortlichen Sprecher hört, hat es bisher überhaupt keine Verhandlungen gegeben, höchstens Besprechungen. Der Standpunkt der Regierung ist — zumindest heute — ganz klar. Nachdem die Nationalsozialisten Österreich besetzt hatten, gab es überhaupt keine Österreichische Republik mehr und natürlich auch keine Österreicher. Schon aus diesem Grund kann Österreich für nichts was in jener Zeit geschehen ist (und woran die Österreicher auch nicht beteiligt gewesen sind, zumal sie ja keine Österreicher waren) verantwortlich gemacht werden und ist daher zu keiner, wie immer gearteten Schadensgutmachung verpflichtet Trotzdem wurden die privaten Rückstellungsansprüche fast zu 100"o erfüllt. Jeder ehemalige Österreicher der wieder in seine Heimat zurückkain, erhielt alles zurück (was übrig geblieben ist, ja sofern etwas übrig geblieben ist) und jeder dieser Rückkehrer muß wohl oder übel bestätigen, daß das ihm angetane Unrecht wieder gutgemacht worden ist. Doch nicht genug daran, ist die österreichische Regierung selbstverständlich aus freien Stücken und darüberhinaus bereit, weitere Beträge zur Linderung der notbedürftigen Österreicher gleichgültig welcher Rasse oder politischen Anschauung sie angehören, oder angehört haben mögen, zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zwecke und nur zu diesem Zwecke wurde in der Vergangenheit vollkommen unverbindlich und rein informativ Besprechungen mit verschiedenen ,,Privatpersonen", urivaten Organisationen geführt, die man über die Haltung der Regierung nie im Zweifel gelassen hätte (wie in jener berühmten Geschichte von dem Topf: also der Topf war zerbrochen, als ich mir ihn ausgeliehen, den Topf habe ich ganz zurückgegeben und den Topf habe ich überhaupt nicht bekommen). Für die österreichische Regierung ist somit der Präsident des Jüdischen Weltkongresses u. der Jewish Agency Dr. Nahum Goidmann nur eine ,,Privatperson" und die jüdische Weltorganisation nichts anderes als ..private Vereinigungen". Daß dieser Dr. Goldmann heute der anerkannte Sprecher des Weltjudentums in allen internationalen Fragen ist, daß seine Autorität bis heute von keiner Seite bestritten oder auch nur bezweifelt wurde, daß ihm die Staatsmänner in der ganzen Welt als gleichberechtigt betrachten und daß es der deutsche Bundeskanzler Dr. Adenauer nicht unter seiner Würde hielt, ihn als gleichberechtigten Partner zu betrachten, sagt der österreichischen Regierung gar nichts. Die private Meinung der österreichischen Minister und Sektionschefs über die ,.Privatperson" Dr. Goldmann's wäre auch völlig unwichtig und zwar sowohl dem jüdischen Volk wie wahrscheinlich Dr. Goldmann selbst, wenn es sich hier nicht darum handelte, daß man mit dieser sonderbaren Auffasssung ein bestimmtes Ziel verfolgen würde, nämlich der ganzen Angelegenheit der Wiedergutmachung einen privaten Anstrich zu geben. Das ist ein bequemer, ein allzu bequemer Standpunkt. Und ein neuer dazu, denn vor 2v, Jahren dachte man in Österreich anders. Damals sprach man uneingeschränkt von der Bereitwilligkeit, den den Juden verursachten Schaden wiedergutzumachen (damals ging man diesem ominösen Wort nicht geflissentlich aus dem Wege) damals schämte man sich nicht der moralischen Verpflichtung und der damalige Bundeskanzler sprach von dem erblosen Vermögen wie von einem Feuer, das in den Händen der Österreicher brennt und das sie deshalb je eher desto lieber los werden möchten Damals leugnete man auch nicht, daß man die Vertreter der jüdischen Weltorganisationen, die man ohne weiteres als die rechtmäßigen Vertreter des österreichischen Judentums anerkannte zu Verhandlungen nach Österreich einladen wolle und — wer weiß der weiß — man legte sehr großes Gewicht darauf, daß Dr. Nahum Goldinann diese Delegation anführen sollte Man weiß also, was die österreichische Regierung vor 2\ > Jahren dachte und wollte und man weiß,, was sie heute denkt und will. Man weiß aber sehr wenig darüber, was in der Zeit zwischen diesen 2<_> Jahren geschehen ist. Die Neonazistische und reaktionäre Presse hat das Vakuum dieser Zeit weidlich ausgenützt, um die phantastischten Gerüchte über die jüdischen Forderungen hinauszuposaunen,* Die von den Regierungskreisen inspirierten Parteizeitungen haben je nach Bedarf und Situationen beruhigende oder reservierte Artikel veröffenhicht und die Regierung selbst hat Erklärungen abgegeben, die an Widersprüchen nichts, aber schon gar nichts zu wünschen übrig ließen. Die Juden aber, die es am meisten angeht, die zehntausenden österreichischen Juden im Inland und im Ausland, die 2'- Jahre auf eine Linderung ihrer Not gewartet haben, die 2X'> Jahre auf einen günstigen Abschluß der Verhandlungengehofft haben, die vollstes Vertrauen hatten, zu den Organisationen die ihre Sache vertraten und zu den Behörden, die ihre Sache nicht minder vertreten sollten, die 2y2 Jahre im unklaren darüber gelassen wurden, was sich hinter den Kulissen abspielt, hören heute mit Erstaunen und Verwunderung, mit Bestürzung und Empörung, daß man in diesen 2>/2 Jahren überhaupt keine Verhandlungen geführt. hat. Sie hören heute nicht minder verwundert und empört, daß man heute einen Herrn Eisler aus USA, den niemand kennt, als Berater und Sachverständigen nach Wien eingeladen hat, um von ihm, ausgerechnet von ihm zu hören, was die Juden bekommen sollen und mit ihm zusammen einen Mann, der eine Gruppe vertritt, die, tatsächlich geschädigt und anspruchsberechtigt ist, aber mit dem Judentum nichts, aber schon gar nichts zu tun hat, weil sie sich von ihm loslöste. Die österreichischen Juden hier und in der ganzen Welt können und werden zu dieser Situation die ihnen erst jetzt in ihrem vollen Umfang klar wird, nicht schweigen. Es gibt keine Meinungverschiedenheiten und keine inneren Konflikte zwischen diesen Juden, mögen auch einzelne kleine unbedeutende Gruppen solche zu erzeugen versuchen. Es gibt nur eine feste Einigkeit, eine bedingungslose Solidarität gegenüber jenen Organisationen, die einzig berechtigt sind, Verhandlungen mit der österreichischen Regierung zu führen. Wenn die Regierung unsere Forderungen die so eindeutig sind, ablehnt, so werden wir sie so Vorbringen, daß sie gehört und erfüllt werden müssen. Im Gebiet von Ghaza an der ägyptisch-israelischen Grenze kam es am 28. Feber zu dem schwersten Zwischenlall seit Abschluß des Waffenstillstandes im Jahre 1949. Dabei sollen 22 Israelis getötet und 14 verwundet worden sein. In Tel Aviv erklärte ein Sprecher des Verleidigungsministeriums, daß So überraschend die Rückkehr Ben Gurions aus der ,,Verbannung" in das aktive politische Leben auch sein mag, hat es zweifellos in weiten Kreisen viel größeres Aufsehen erregt, daß der ehemalige Ministerpräsident sich mit der zumindest nach außen hin unbedeutenden Rolle eines Verteidigungsministers begnügen soll. Als Ministerpräsident und erster Politiker des Staates schmückte sein Haupt der Glorienschein des Ruhmes und er machte als Eremit und Wüstenbewohner, als Agitator und Propagandist, als Neuerwecker der Jugend viel von von sich reden. Als ein gewöhnlicher Minister am untersten Ende des Regierungstisches dagegen läuft er Gefahr, den ganzen Mythus einzubüßen, den er im Laufe der letzten Jahre um sich aufgebaut hat. Es muß schon ein sehr selbstbewußter Mann sein, der ein solches Risiko auf sich zu nehmen wagt. Ben Gurion weiß was er tut und er überlegt sehr wohl, ehe er einen Schritt, der für ihn und für seine Partei entscheidend sein kann, unternimmt. Ganz gewiß hätte er auch wieder als Ministerpräsident auf den Posten zurückkehren können, denn Sharett hat bei der Übernahme dieses Amtes ausdrücklich erklärt, daß er es jederzeit dem Mann zurückgeben werde, der nach seiner, wie auch nach aller Ansicht, der am meisten dafür geeignete ist. Aber trotz dieser Erklärung seinerzeit gewiß spontan abgegeben, heute aber ebenso gewiß in Vergessenheit geraten, wäre Sharett heute bestimmt nicht sehr erfreut darüber gewesen, wenn sein Vorgänger seinen Anspruch tatsächlich geltend machte und mit ihm eine Reihe von hohen Funktionären der Mapei, die wahrscheinlich ebenso denken würde. Das weiß Ben Gurion. Er weiß aber auch, daß darüberhinaus die Übernahme der Ministerpräsidentenschaft im gegenwärtigen Stadium auf Kosten seiner Popularität in weiten Kreisen gehen würde, die in Een Gurion etwas besonderes sehen, weil er es verstanden hat, als einfacher Mann nicht in Vergessenheit zu geraten. Darum verzichtet Ben Gurion auf die Führung in der Regierung, dies umso lieber, als er sie gar nicht braucht Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß es Ben Gurion's ursprüngliche Absicht gewesen war, in den angreifende ägyptische Streitkräfte in der Höhe von Ghaza zurückgeschlagen wurden Die Kämpfe haben die Ägypter auf israelischem Boden begonnen und sie pflanzten sich auf ägyptisches Territorium fort. Ägyptische Agenten haben in letzter Zeit eine Reihe von Sabotageakten und Morden auf israelischem Hoheitsgebiet verübt