Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1954
- Issue
- Heft 87 (Juli 1954)
- Date
- 1954-07-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 87 Seit«' 8 I) I K ST IM MF, WUdezyutincujUuhfy und Ahti&CfniU$fnus l)r. Wolf II e r / b r r g. Präsident :l.*s Zionislisdirn I,andrst rrbandes ..Hilficilani satiram non scribrre” F> ist wirklich schwer, .eine Satire nicht zu schreiben: allein, die uns seti ■1 ihren In h. rrrschende \ngelegenheit der \\ ie.lercutmaclmrm ist zu ernst und schwerwiegend. oL daß sie als Scherz! eh sndclt werden könnte. Scherzhaft ist nm* der \blauf der seit fast zwei Jahren sich hinziehenden Verhandlungen. Zweimal wurden die Verhandlungen unterbr dien. Nor einem halben Jahr das let/.tcmal. Fs schien sogar, dal.' die österreichische Kreierung von jeglicher \\ iedergutn:;a hung \hstand genommen hättet Dos Komite der jüdischen W eltorganisationen welche, die Haltung der Regierung erkannt und \erstunden hatte-, hat auch keinen Versuch unternommen, dieselben wieder auflcben zu lassen, und ruhig zugew artet, bis von der anderen Seite ein d'csbcziiel'chei Schritt unternommen werden würde. Fs soll hier unerörtert bl -ei - be.o. auf wessen Veranlassung und aus welchen Gründen dieösterreichische Regierung durch ihren Bundeskanzler plötzlich auf die Angelegenheit zuriiekgekommen war und den allgemein bekannt *ti. in der Presse veröffentlichten Brief an de 1 Präsidenten der Claim-Committees. Dr. Nahcim G o 1 d m a n n. gerichtet hatie. las kann nicht genug betont werden, daß de Bundeskanzler in diesem Schreiben \:e'r aussichtsreiche Hoffnungen erweckt und Versprechungen angedeutet hat. an deren Realisierung man diesmal nicht mehr zweifeln konnte. Allerdings stand die Reise des Bundeskanzlers nach England be\or. und niemand konnte auch nur ihnen, daß nach der Bückkehr die Regierung. eine dem Sinne des obernühnten Briefes w idersp. echcndo Stellung ein nehmen würde. Hie auf Grund der Einladung zustandegekommenen Verhandlungen wurden vom Claim-Committee auf einen Monat fixiert und dauerten auch tatsächlich so lange. Das Resultat dieser Verhandlungen ist w iedergegeben in einer Aussendung des ..Wiener Kurier” vom 8. Juli 1954, lanciert \om Delegations-Chef des Claim- Commitees. Herrn B e c k e 1 m a n n, der harte und nackte Tatsachen als Ergebnis der Verhandlungen wiedergegeben hat. und in den Aussendungen der Regierung \ oni 9. Juli 1954 im ,.Wiener Kurier" und in der übrigen Presse, was zum großen Teil mehr diszipliniert, als den Tatsachen entsprechend, gewertet werden kann. Die Regierung rechtfertigt das Nichtzustandekomme-n eines Ergebnisses mit dem ..verwickelten Sachverhalt" und mit dem für die österreichische Wirtschaft erwachsenden „erheblichen K >- sten". Daß Beckelmannn diese Entscheidung als „höchst enttäuschend" und „äußerst unglücklich" bezeichnet, ist selbstverständlich, ganz anders lautet die Rechtfertigung der Regierung und jedem fällt von vornherein der Verschleppungs- und Beschwichtigungsversuch auf. Ungefähr zwei Jahre besteht der Schwebezustand in dieser Sache. Und erst jetzt findet die Regierung als Rechtfertigung. daß zunächst das Parlamentt zu dieser Frage Stellung nehmen müsse, als ob bis jetzt hiezu keine Zeit gewesen wäre. Da es gilt, wiedergutzumachen dasjenige, was von der Mehrheit der Bevölkerung — teil aus Haßgefühl, teils aus Gewinnsucht — begangen worden ist, müssen die Mittel bereitgesHlt werden. Wie gern hat sich die österreichische Regierung entschlossen, entnazifizierte und minderbclustete Nazionalsozialisten in ihre Positionen wieder einzusetzen und ihnen Wiedergutmachung zu gewähren, in einem Ausmaß*, das den Betrag, den sie jetzt der jüdischen Wiedergutmachung angeboten hat ,übersteigt. Fs bedurfte hiezu nicht eines Verlaufes von Jahren, und dis Parlament wir zu diesem Zwecke freudig bereit. Das von der Regierung gemachte Anbot auf die Forderungen des jüdischen Verhundlungskomitees ist nicht nur sonderbar, sondern für uns erniedrigend: es schaut so aus, als ob uns ein Gnadengeschenk gewährt werden sollte. Es geht im vorliegenden Falle nicht bloß um die materielle Seite, sondern um die Ehre des ganzen jüdischen Volkes, welche mit einem Gnadengeschenk sich sicherlich nicht wird ahkaufen lassen dürfen. Deutschland hat dieser Krwügumig Rechnung getragen und hat seine Ehre auf diese W eise für alle Zukunft rehabilitiert; Osten eich rückt von diesem Gedanken ah. da es einen lächerlichen Betrag zur Mifindung anbietet und im übrigen tendenziös eine endgültige Beschlußfassung hiir.usscliicbt Beide Regierungspartei *n. O.A.P. und S.P.O.. sind in diesem Melange einig und die Sozialisten nehmen sogar auf ihre Freunde — siehe Majorität der Kultusgemeinde — keine Rücksicht, indem sie erklären, sie würden nur das tun. anerkennen und beschließen, was die andere Koalitionsnpartei für richtig findet. In vielen sein1 wichtigen Fragen, werden die \\ mische und Flitsch Hisse der anderen Koalitionspartei sehr energisch bekämpft, nur nicht in der Frage der Wiedergutmachung an Juden. In ihrer Aussendung vom 9. Juli 1954 kündigt die Regierung wieder Anregungen anderer Organisationen politisch \ erfolgter an. Das Hauptmotiv liiefiir ist bereits in melirerenn Artikeln der „Stimme" beleuchtet worden. Man will eben damit andeuten, daß nicht nur Juden bemhtigt wären, Wiedergutmachung zu verlangen, sondern auch andere Gruppen, und daß infolgedessen in Berücksichtigung der Ansprüche der Anderen die Gla.ibcnsjuden sieh mit einem sehr geringen Ausmaß begnügen müßten. Fs wird aber implicite zugegeben, daß bisher derartige Anregungen noch nicht erfolgt sind. Hat die österreichische Regierung auch nur einen .Augenblick darüber iiaeligcdacht, daß tausende von österreichischen Juden in freien Berufen, wie Arzte, Anwälte, Bankbeamte. Staatsbeamte. Handelsvertreter usvv. ein Jahrzehnt hindurch der Möglichkeit der Aus- Die Einstellung einer viermotorigen Cr.nstellations-Mascliine gab Anlaß zu einer Prrcssekonfcrenz, welche vom Israelischen Konsulat in Wien für die El AI-Fluggesellschaft veranstaltet wurde. Bei diesem Empfang führte der Direkter Herbert Crunko aus Tel Aviv u. u. folgendes aus: , „Aus dern bescheidenen Anfung von vier Jahren mit einer einmal wöchentlichen Verbindung zwischen Isrrucl und Europa mit einer zweimotorigen Flugmasehine hat sich bis heute ein vier Kontinente umfassendes Flugnetz entwickelt. Die von der El AI Israel, Air Lines beflogenen Linien erstreckten sieh über mehr als 12.000 Meilen. El AI verbindet Israel dreimal wöchentlich mit New Volk, wobei die Flugplätze fast aller ruropäisclien Hauptstädte atigcflogcn werden. Im Jahre 1958 beförderte die El AI Israel Air Lines über 81.000 Passagiere gegenüber 15.500 im Jahre 1950. Weiters beförderte sie im Jahre 1958 1850 Tonnen Fracht gegen etwa 400 Tonnen im Jahre 1950. Im Dienste der El AI fliegen heute vier viermotorige Constellations Lung- Ktrc kcn-Flugmuschincn, welch von erfahrensten Mannschaften bedient werden, die jahrelang im internationalen Flugdienst stehen. Der Komfort der Passagiere auf den Flügen der El AI hat in den kurzen Jahren des Bestehens der Gesellschaft höchsten internationalen Standard erreicht Übung dies« r Berufe in der brutalsten Weise entzogen wurden und kann sie es leugnen, daß au dieser Entziehung \ i w iegend österreichische Staatsbürger, genannt Arier, milgewirkt habend Zwischendurch hat hei diesen \ erhaiid- Itmgeii der eine oder andere Exponent der Regierung durchleuchten lassen, daß die Regierung und die Juden Österreichs darauf Rücksicht nehmefi müßten, daß ..übermäßige" Ansprüche auf Wiedergutmachung den Antisemitismus fördere. Bei der großen Frage einer moralisdicn und niateriellen Wiedergutmachung für die an einem ganzen Volk begangenen Verbrechen ist solcher Hinweis und eine solche Erwägung reaktionär und vergiftet die Atmosphäre. Der Antisemitismus der Ara der Cliristliehsozialen lebt wieder auf und erscheint verschärft in der Form und Auswirkung des Nazionalsozialismus. Davon daß die nationalsozialistische Hydra nicht zertreten ist. haben nicht nur Juden, sondern auch wohlmeinende und anständige Nicht-Juden die vollste Überzeugung. Nur die Regierung will darauf nicht Bedacht nehmen und ist allen Warnungen gegenüber taub. Die nuzionalsozialislisclic F»rm macht sieh in gewissen Kreisen bemerkbar. lis ist in diesem Blatt wiederholt betont worden, daß die in Österreich lebenden Juden als Staatsbürger an dem Gedeihen dieses Staat *s nach jeder Richtung hin interessiert sind. Allein, die Ehre der österreichischen und der im Auslände lebenden österreichischen Juden sowie tles gesamten Judentums erfordert es. daß ein Gnadengeschenk abgewiesen werde und es ist zu erwarten, daß die Vertretung der jüdischen Weltorganisationen ein solches ablelinen wird. und auf allen Linien der El Al wird die Zufriedenheit der Passagiere mit der individuellen Behandlung zum Ausdruck gebracht. Ich freue mich, Ihnen hei dieser Gelegeiilieit mitteilen zu können, daß die El AI Israel Air Lines ah Montag, den 2I. G VI. nunmehr auch Wien mit einer v ierniolorigen ConstellatioHsmusehine wölben lieh anfliegen wird und zwar auf einei neuen Linie, welche zwischen Tel Aviv—Istanbul—W’icn und Paris verkehren vird. Wir haben damit der wachsenden jedcutung Wiens als internationalen Flugplatz Rechnung getragen und hoffen, daß iiese neu:* Linie zu einer Erhöhung des llciscv erkehrs nach Österreich beitragej, sowie die Verbindung zwischen Oslertcich und Israel intensivieren wird.“ Die bisherigen Direktoren der El Al Israel Air Lims, die Herren Grimberg und Sei In, verlassen ihren Wiener Wirkungslieis und Herr Direktor Weißbrod hat di: Repräsentanz dieser isrraelisclien Fluggeiellscliaft übernommen. Wir wünschen dem neuen Direktor viel Erfolg hei seiner Tätigkeit. Präsident Theodor lleuss TIici-Idi* lleuss, der Nachkomme von Freiheitskämpfern aus dem Jahre I848 ,st zum Präsidenten der Deutschen BuuilesrepuHik wiedergevvälilt worden. In der näetxten Nummer werden wir (len großen Muisclienl'reimd würdigen. Chaim Weizmann: Memoiren Die Memoiren Glutini Weizmanns in (leulselier rbersetzung. betitelt: ..Das Werden des Staates Israel“, liegen nun vor. Weizmann entrollt ein Bild, das den Menschen, die Idee, die Mühen, die Erfolge. die Vielfalt des Lehens des Politikers und Gelehrten, die Zusammenhänge des eigenen und des Wollens und Sircbens komplementär handelnder Persönlichkeiten. darstellt. Die Idee der Wiedererrichtung des jüdischen Staates, die Seßhuftmachung des jüdischen Volkes auf dem Roden der alten Heimat, hat uns auf unserem langen, dornenvollen Weg beseelt. birst in den letzten Jahren ist diese Idee zur realen Gestalt gediehen, dank der giistigen, intelek tuellen, seelischen und moralischen Größe eines Weizmann. dem die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes, (las erhabene Streben seiner langjährigen politischen Tätigkeit u ar. Das politische Wirken Prof. Weizmanns erlangte den Kulminationspunkt, als der Rat der Völker die geschichtliche FiilsclieMung traf, den Juden die Souveränität über das Territorium des heutigen Israel zu übertragen. Weizmann, der mit allen Fasern seines Lehens an der Idee des Zionismus hing und zu deren Verwirklichung er entscli: idend beitrug, gebrach es au Glauben, daß die Juden ohne Hilfe Fnglands- "Imc slaalspolitisehe Routine und ohne finanzpolitische Kraft, das Land werden souverän verwalten können. Deshalb wirkt es wie ein Gesehiclrtswlinder, daß Chaim W eizmann über sieh gleichsam hinnuswuclis. als Mentor der neugeborenen jüdischen Nation in Israel auf die Bühne trat, das Amt des ersten Präsidenten, glorios repräsentierte, es mit seiner persönlichen Autorität und mit dem Rüstzeug seiner Erfahrung und Gelehrsamkeit bereicherte. Die Memoiren Weizmanns fesseln, an - gcsielils der detaillierten Schilderung der Phasen seiner geschichtlichen, auf die Verwirklichung gerichteten Arbeiten, aber auch nicht weniger die Vergegenwärtigung seiner Kindheit in Motyl hei Minsk, die Beschreibung des Milieus (lief,es kleinen Städtchens, die Begegnung mit der Studentin Vera in Genf, die später seine Frau w urde, die Konferenzen mit Staatsmännern, die l iitcrlmltung mit Wissenschaftlern, die vielen Reisen in zionistischer Mission, die Freude an den Besuchen hei seiner Mutter in Palästina, die Darstellung seines Lehens, seiner Mühen und die Hinweise auf seinen Geisteskonflikt, der dadurch zu Tage trat, daß er zu Gunsten seiner politischen Tätigkeit, die wissenschaftliche Arbeit in den Laboratorien v (rnuchläßigen mußte. Doch können wir unser Gefühl der Verwunderung nicht unterdrücken, daß die W ürdigung llcrzls im historischen Dokument Weizmanns nicht so ausgefallen ist, wie es die Welt ervvurtet , hätte. Das Buch Weizmanns wird sich naturgemäß in der L'teralur als hochinteressanter Bericht lange Jahre behaupten. Das oben besprochene Buch Gliuim Weizmanns, „Das Werden des Staates Israel“, ist in der Buchhandlung Alois Beiclimann, Wien IV, Wiedner Hauptstraße I«, erhältlich. Israe'isclir Staatsbürgerschaft für zwei in Bulbauil lebende Juden. Jerusalem (ZINS). Das israelische Innenministerium hat durch eine außerordentliche Verfügung an zwei derzeit in der Sowjetunion befindliche Juden die irsaelischr Staatsbürgerschaft verliehen. Im ersten Fall handelt es sieh um einen aus Polen stammenden Mann, dessen Frau in Israel lebt und auf deren Ansuchen ihrem Mann, der staatenlos ist, die Staatsbürgerschaft zuerkannt wurde. Im zweiten Fall handelt es sich um ein«* in Uzbekistan lebende staatenlose Frau, deren Angehörige in Israel für sie um die Verleihung der israelischen Staatsbürgerschaft angesucht haben. ScUuUfa^ciU Walter KOPPEL Wien VI, Mariahilferstr. 101 Telefon B 20214, B 24 2 76 Spezialerzeugnisse: Damen-Pelzschuhe, Apres-Ski, Damen-Galanterieschuhe, Sandaletten und California EL AL - Israels Fluglinie