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Die Stimme · 1954-05-01 · Heft 86 (Mai 1954) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 86 (Mai 1954)
Date
1954-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b.. b fimme lemeinen Zionisien in Usletteidt Zionistischer Landesverband Wien rrrin D'^rrr □ rrnrtNnrr Preis 2 Schilling Redaktion und Administration : 1 Wien IX, Universitätsstr. Nr. 4/4 3 Telefon A 26 4 73 | Postscheck-Konto Nr. 134.292 Mai 1954 | J Nr. 86 - 1954 JOM HAAZMAUTH 5714 Sechs Jahre selbstständiger Staat Von Dr. Israel Goldstein Der Staat Israel bestellt jetzt volle sechs Jahre. Das ist historisch gesehen nicht lang, aber selbst in dieser kurzen Spanne ticlcn gewisse deutlich? Errungenschaften hervor, Errungenschaften einzigartig in der Weltgeschichte. Die eigentliche Existenz des Staates demonstriert den unbesiegbaren Geist eines Volkes, das entschlossen ist frei zu sein. Israel gibt die Hoffnung den Menschen für einen schaffenden demokratischen Lebensweg, ohne Rücksicht auf Hindernisse, die sich diesem Wege entgcgcnstellen könnten. Die Errungenschaft eines jüdischen Stautes ist eines der begeisterndsten in der ganzen menschlichen Geschichte. Durch unumgängliche Notwendigkeit wurde er zur Wirklichkeit und dies gab ihm die Lebenskraft, durch einen heroischen Kampf hindurch seine Unabhängigkeit von der ersten Minute nn zu behaupten. Israel vollbrachte es, einen normal funktionierenden Staat zu errichten, begnadet mit der praktischen Umsicht, Erfahrung und Vision seiner Staatsmänner. In seiner Unabhängigkeitserklärung bestimmte Isrucl als eines seiner fundamentalen Staatsgesetze: Das Gesetz der Rückkehr. Die Tore der jüdischen Heimstätte wurden weit geöffnet und eine große Welle der Immigration strömte hinein. Sie begann mit der Rettung der Überlebenden uus den DP-Lagern und erfaßte ulle übrigen Länder in denen Juden verfolgt und unterdrückt wurden. Ende des Jahres 1953 sind über 718.000 in das ursprüngliche Heimatland ihrer Väter zurückgekchrt; die Bevölkerung hat sich mehr als verdoppelt^ Es war eine enorme Aufgabe für einen Staat der eben erst entstanden war, aber die Bevölkerung Israels zauderte nicht, diese auf sich zu nehmen. Die ersten Jahre seit der Bildung des Staates waren mit der Aufnahme von Immigranten ausgefüllt und die letztere Zeit ist deren ökonomischer und geistigen Einordnung in das normale Leben des Landes gewidmet. Die erste Phase bildete ein bewegendes Drama und gewann die Anerkennung und Bewunderung aller. Jedoch heule hat Israel ein neues Stadium in seiner Entwicklung erreicht, wobei die Konsolidierung seiner Wirtschaft und di’e politische Sicherheit eine noch viel st hwierigere Aufgabe durstellcn. Eine Juhrcstugfeicr ist ein Meilenstein an welchem inan innehulten muß, um sich Rechenschuft abzugeben über dus was geschafft wurde und um gleichzeitig die Rielrtunng für den zukünftigen Weg festzulegcn. in keinem Lande der Welt ist in solch einer kurzen Zeit und unter derart schwierigen Umständen solid erreicht worden. Betrachten wir was diese sechs Jahre gebracht haben. Wir sehen die Entwicklung eines modernen Staates mit einer wirksam funktionierenden Wirtschaft und Verwaltung. Ein Lund dus seine Lundwirtschuft entwickelt, seine Industrie uuf jedem Gebiet uusbuut, seine natürlichen Hilfsquellen uusnützt, öde Landstriche in produktive Felder verwandelt, neue Siedlungen gründet, Städte, Schulen, Hochschulen errichtet, Gesundheitswesen erweitert und besonderes Augenmerk auf Erziehung richtet und elementare Schulpflicht unentgeltlich einführt, in einem Teile der Welt, wo bisher Erleichterungen auf dem Gebiete der Erziehung und der technischen Ausbildung für jede Bevölkerungsschicht, faktisch unbekannt war. Wir müssen noch hinzufügen, daß besonders landwirtschaftliche Schulung organisiert würde, als Hilfe in dem Kampf für landwirtschaftliche Autarkie, daß besondere Fachausbildung geschafft wurde, daß der Handel und die Wirtschaft, Straßen und Eisenbahnen, Häfen, See und Luftverkehrsnetze ausgebaut wurden, kurz daß uuf jedem Gebiet ein Fortschrittt auf dem Wege zur ökonomischen Stabilität und Unabhängigkeit erzielt wurde. Statistiken sind erhältlich und lassen diese Fortschritte genauestens ersehen. Wir sehen bereits Anzeichen eines kulturellen Aufschwunges, in der Sprache, die in sich selbst einen großen konsolidierenden Faktor darstellt, in Literatur, Bibliotheken, im Kunstgewerbe, in der Musik und im Theater, in Schulen und Universitäten, wissenschaftlichen Instituten, in archäologischen Entdeckungen und in Forschungen, in der Presse, im Radio und Film — all dies drängt vorwärts und alle helfen dem Volke und dem Land die endgültige Formung zu geben. Das alte verbindet sich mit dem neuen, die Erinnerung an die Größe unserer Vorfuhren, gibt den vorwärtsgerichteten Bestrebungen der neuen Generation den notwendigen Antrieb, moderne Technik wird angewendet, um das zukünftige Leben zu gestalten. Es ist ein großer Prozeß, in welchem sich mannigfaltige Faktoren in ein harmonisches Ganzes vermischen. Wenn Israel in sein siebentes Lebensjahr eintritt, befindet es sich auf der Schwelle einer neuen Epoche und ist sich seiner historischen Aufgabe bewußt, ein neues und lebenskräftiges Land, das für die Nöte einer wachsenden, lebensbejahenden Bevölkerung zu sorgen hat. Und mehr denn je braucht Israel heute die fortgesetzte Hilfe und Unterstützung des Weltjudentums, um die wirtschaftliche Stubilitüt und die politische Unabhängigkeit zu erreichen und um sie durch dieses Stadium in ihrer Entwicklung sicher hindurch zu bringen und um ihre gesamte nutionule Wirtschaft zu konsolidieren. Keine zeitweiligen Rückschläge werden die Bevölkerung Israels einsdvüehtern. Sie sind sich ihrer Verantwortung dem Staate und dem jüdischen Volke gegenüber bewußt, und wir müssen uns unserer Verpflichtungen bewußt sein. Der Weg vor uns mag nicht leicht sein, aber, wenn wir zusummen vorwärts schreiten werden, stark und unerschüttert, dünn werden wir unser Ziel erreichen. Israel sucht Verbindung mit allen Völkern, die Freiheit und Demokratie, Frieden und Gerechtigkeit lieben. Sie streckt die Hund der Brüderlichkeit ihren Nachbarn aus und hofft uufrichtig, daß Frieden gestiftet und gegenseitiges Verstehen wieder hergestellt wird. In diesen Tugen des Appells an die freie Welt mug dieser kleine Staut lsruel 1 statt buh* feuß! Seid stark und guten Mutes in Eurer heiligen Aufgabe, beim Aufbau Israels und der Sammlung der zerstreuten Judenhcit mitzuhelfen. Izchuk Ben Zwi Der Jom Ilaazmauth ist der Tag, an dem die Juden der ganzen Welt der Gründung des Staates Israel dankbar gedenken. Seit der Zerstörung unseres Tempels und seit dem Verlust unserer nationalen Selbständigkeit, kannten wir kein Problem, das uns die Historie auferlcgt hätte, den politischen Willen der Masse der Juden in die Tat umzusetezn, um als einheitliches Volk auf eigenem Boden zu leben, das nationale Schicksal souverän zu gestalten und den sich wiederholenden Katastrophen zu entgehen, von welchen wir in der Galuth heimgesucht werden. Von der historischen Perspektive aus gesehen, sind sechs Jahre, die seit der Gründung Israels vergangen sind, ein fast belangloser Zeitabschnitt. Trotzdem dürfen wir die an Wunder grenzende Erscheinung hervorheben, daß die Medinath Israel zu einem Faktor der Geschichte emporgewachsen ist, die potentielle Kraft besitzt, innerhalb der Völkerfamilie ethisch, politisch und kulturell zu bestehen und das jüdische Schicksal souverän zu gestalten. Während der sechs Jahre des Bestehens darf sich Israel außerordentlicher Leistungen rühmen, die die Weltge- Fortsetzung auf Seite 2 (jlüxkwuHScU Aus Anlaß des 7. Jahrestages der Entstehung der Medinat Israel, übermitteln wir dem Staate Israel, dem Staatspräsidenten Izhak ben Zwi, der Regierung, den Bürgern Israels, dem jüdischen Volke in der ganzen Weit, der Zionistischen Bewegung und den Allgemein-Zionistischen Organisationen die herzlichsten Glückwünsche für ein Jahr des Friedens, des Aufbaus und der Stärkung unseres Staates. Die Exekutive der Europäischen und Nardafrikauisehen Konföderation der Atlgcm. Zionisten. Prof. Selig Brodezki gestorben Die Allgemeine Zionistische Bewegung betrauert den Verlust eines ihrer bedeutendsten Askanim, Prof. Selig Brodetzki. Brodetzki ist nur 66 Jahre ult geworden. Ehre seinem Andenken! ln der nächsten Nummer unserer Zeitschrift werden wir die Persönlichkeit des großen Toten würdigen. sehr gut als eine Quelle des Vertrauens und der Hoffnung dienen. An diesem sechsten Jahrestag des Staates Israel drücken wir in Demut gemischt mit Stolz, die Hoffnung aus, die Medinut Israel möge ein Hort der Hoffnung und des Glückes sein. Israels sechster Jahrestag Fine Botschaft von Dr. Nahum Goldmann, Vorsitzender der Jewish Agency. Es kann ohne Übertreibung gesagt werden, daß die Errungenschaften Israels in diesen ersten sechs Jahren vielleicht ohne Parallele in der Geschichte dasteht. Die Schaffung eines funktionierenden Staates aus einem Chaos heraus, durch die M.indatarmucht heraufbeschworen, der siegreiche Befreiungskrieg gegen eine riesige Übermacht und die Aufnahme von annähernd 800.000 Neueinwunderern stellen einen einzigartigen Rekord in der Geschichte dar. Trotz all dem hat der Staat seine volle politische und Ökonomische Konsolidierung noch nicht erreicht, was in einer derart kurzen Zeit auch unmöglich ist. Viele schwere politische und ökonomische Gefahren liegen vor uns aber die Errungenschaften dieser sechs Jahre lassen keinen Zweifel aufkommen, daß Israel diese Schwierigkeiten mit der Unterstützung des jüdischen Volkes überwinden wird, indem sie gefaßt den Tatsachen ins Auge sieht, in Staatsmann! - scher Weise an deren Lösung herangeht und vor allein in ihrer enthusiastischen Ergebenheit und in ihrem Glauben an unsere eigene Zukunft festhält. Anläßlich Israels sechstem Jahrestag schaut das jüdische Volk in der ganzen Welt, zusammen mit den Bewohnern Israels, in eine Zukunft, in der Israel ungestört sich entwickeln kann, mit dem Ziele, daß der junge Staat sich fest konsolidieren und die große historische Rolle ausüben wird, die ihm die Geschichte der einzigartigen Bestimmung des jüdischen Volkes zugctcilt hat. 11 e r z 1 s Vision w u r d c Wirklichkeit Die Zukunnft aber verlangt 2,500.000 Juden in Israel, Selbstversorgung und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Auch diese Vision kann verwirklicht werden W ENN IHR WOLLT, IST ES KEIN MÄRCHEN (Ilerzl) DAS WERKZEUG FÜR DIE VERWIRKLICHUNG IST DER KEREN 1IAJESOD VEREINIGTE ISRAEL AKTION W ien 1., Seitenstettengasse 4, Tel. U 29-0-55.

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