Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1954
- Issue
- Heft 85 (April 1954)
- Date
- 1954-04-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 85 DIE STIMME Seite 9 Interessantes aus Israel Aus einem Brief von Chava Kishon-Klamer Wir sind uuf l rluub in Jcruschulaim, es hat sich so ergeben, daß wir durch die Aufführung und die damit in Zusammenhang stehende Einladung des Staatspräsidenten nach langen Verhandlungen den verlangten Urlaub bekommen lul.e.i und nun will ich Euch verschiedene, Euch bestimmt interessierende Details erzählen. Aniuß zu den verschiedenen Einungen, die wir erhalten haben, ist, daß das Theater „Malaie“ sein 25-jährigcs Jubiläum, feiert. Da Israel ein noch junger Staat ist, feiert man Feste, die in europäischen Ländern, die auf eine alte Tradition zurückblicken, ziemlich sang- und klanglos übergangen werden. Es wurden bei dieser Gelegenheit 8 Einakter von Ferri aufgeführt, der ganze Stab, bestehend aus Schauspielern, Regisseur und Autor und ich als Draufgabe, waren nachher zu einer Party beim Präsidenten geladen. Vom Hotel, wo wir uns versammelten, holten uns Taxis ab. Das Haus des Staatspräsidenten ist sehr schön, von einer unaufdringlichen Eleganz, komfortabel und gediegen eingerichtet. In der Vorhalle empfingen uns 2 Polizisten, die uns aus den Mänteln halfen, dann wurden wir durch den Adjutanten begrüßt und in einen Raum geleitet, wo wir uns in das Gästebuch eingetragen haben. Der Raum, in dem wir empfangen wurden, . ist das Arbeitszimmer des Präsidenten, Nachdem uns der Adjutant namentlich angemcldet hatte, traten wir ein, worauf uns der Präsident und seine Gattin stehend empfingen. ich fühlte mich sehr befangen, Tränen traten mir in die Augen, als ich dem Haupte unseres Staates gegenüberstand. Aus meiner Verlegenheit retteten mich die Worte der Präsidentin: „So kommen Sie doch näher und sugen Sic mir Schalem“, sie streckte freundlich die Hand zur Begrüßung aus und sagte: „Nun sagen Sie auch dem Präsidenten Schalom.“ Da reichte ich auch ihm die Hand und würgte brav meine Tränen herunter. Alle Teilnehmer des Empfanges hatten ähnliche Gefühle wie ich und alle waren entzückt von der schlichten Art, in der man uns half, unsere Verlegenheit zu überwinden. Natürlich habe ich einen großen Fehler begangen, ich hätte zuerst den Präsidenten und nachher seine Gattin begrüßen müssen, die Anderen haben cs dünn auch richtig gemacht. Es war!cin zu erhubencs Gefühl, vielleicht bei mir durch meine zionistische Erziehung besonders unterstrichen, ich mußte daran denken, wie Ihr, liebe Eltern, vor 2 Jahren hier wäret und wir in Safcd mit den Delegierten aus ullcr Welt die „llulikwuh“ gesungen haben, damals kamen auch Euch wegen des großen Augenblickes die Tränen in die Augen, und ich schämte mich nicht meines Gefühles wegen, denn es war nicht Rührseligkeit, sondern das Bewußtsein, dem Präsidenten unseres jüdischen Stautes gegenüber stehen zu dürfen. Der Präsident trug einen schwurzcn Anzug und dunkle Kra- Schreibmaschinen (auch Iwrit) Rechen- und Addiermaschinen Diktiermaschinen BUROMOBEL, BOROBEDARF Büromaschlnenreparaturwerkstätfe HERMES Günstige Zahlungskonditionen Kontor- Einriehtungs - 8oso llschaft ERWIN BRAUN & CO. Wien I, Eschenbachgasse 9-11 B 26 0 61 B 26 0 71 Braun Ltd., Tel Aviv, Herzlstraße Nr. 13 walte, seine Gattin ein einfaches schwarzes Kleid, das sehr elegant wirkte. Es kam nach der anfänglichen Befangenheit eine angeregte Unterhaltung zu stände, bei Tomaten- und ürungensuft, Likören und Cognac und kleinen süßen uiiu gesalzenen Backereien. Bin rhotograph machte eine Menge Aufnahmen. Einige Zeit nachher kam auch Ministerpräsident Sharct, der sich lebhaft an der Unterhaltung beteiligte und als man sehr angeregt in einen leichteren Ton verfiel, sagte er: „Vorsicht, die Zeitung ist hier, iporgch wird alles zu lesen sein!“ Jupettdoliiak - ZO }aUcc Am 19. Februar 1934 wurde eine erste Gruppe von Jugendlichen in Ejn Charod angesiedclt. Von da ab datiert die kontinuierliche Arbeit dieses großen liettungswerkes, das ohne Beispiel ist. Ais in den Jahre 1932/33 die Verfolgungen der Juden durch den Nationalsozialismus in Deutschland ihren Anfang nahmen, wurde Recha Freier von dem Gedanken erfaßt, jüdische Jugendliche ,die ihr Galuthscin mehr und mehr zu spüren bekamen und deren Lebensraum sich rapid verengte, aus Deutschland nach Israel zu verbringen. Dort sollten sie in geistigseelisch gesunder Umgebung am Aufbau des Landes teilnehmen. Diesem Plan standen damals, soweit es sich nicht um Waisenkinder handelte, große Schwierigkeiten entgegen. Viele Eltern nahmen leider die Drohungen des Hitlerregimes nicht ernst genug, glaubten nicht an die so schnell Wirklichkeit werdenden Greuel, und ließen sich nicht von der Notwendigkeit einer Auswandcrunng ihrer Kinder überzeugen. Man wollte sich nicht entschließen, die Erziehung der Kinder den jüdischen Siedlungen in Palästina anzuvertrauen. Besser wurde dies, als hrau Henriette Szold die Leitung der Organisation übernahm und die Kinder in den ersten Tagen betreute. Als der Nazismus immer mehr die hangarmc ausstreckte, wurde die Jugendulijuh auf die Kinder in Österreich, in der Tschechoslowakei, in Polen und auf dem Balkan ausgedehnt, auch aus Rußland konnten Kinder gerettet werden. Einwanderungsbeschränkungen der Mandatsrcgicrung hatten es notwendig gemacht, daß die während des Krieges von Deutschland nach England verlegte Zentrale viele Jugendliche vorübergehend in England, Schweden, Dänemark oder in der Schweiz unterzubringen. Nach Beendigung des Krieges holte die Jugendalijuh diese Kinder allmählich nach. Israel wie auch die Kinder aus den vielen Lagern in Europa und aus den verschiedenen Verstecken. Sie wurden gesammelt, bekleidet, gepflegt und körperlich wie seelisch betreut. Wir gratulieren Frau Joscfinc Rado Leserin der „Stimme“, zu ihrem 80. Geburtstag. Zionistischer Landesverband DIE D1AMAINTEN1NDUSTRIE ISRAELS Nach den Zitrusfrüchten stehen Diamanten an zweiter Stelle der israelischen Exportliste; im Export in die USA nehmen sie sogar die erste Stelle ein. lieber 100 Diamantcnschlcifereicn arbeiten zur Zeit in Israel ausschließlich für den Export. Uebcr die Hälfte von ihnen beschäftigen 20 bis 70 Arbeiter. In der Diamantcnindustric sind 2500 Arbeiter beschäftigt. Zu den Abnehmerländern für in Israel geschliffene Diamanten gehören die USA, Kanada, Schweiz, Hongkong, Finnland und Frankreich. NEUER MARKT FÜR ISRAEL-AUTOS Die Kaiser-Frazer-Werke erhielten im Februar 1954 den ersten Auftrag aus Dänemark auf Lieferung von 25 Autos. ISRAEL-BLEISTIFTE IN DIE TÜRKEI Die „Jerusalem Pencils Ltd“-Fabrik erhielt aus der Türkei eine Bestellung auf Lieferung von Bleistiften im Werte von 165.000 Pfund, das ist das Vierundeinhalbfachc der gesamten Bleistiftausfuhr Israels in die Türkei im Jahre 1953. ISRAEL-GRAMMOPIIONPLATTEN Die Grammophonplatten-Firma „Columbia - Ilis Masters Voice“ wird im kommenden Monat einige Platten mit dem Israel-Philharmonie-Orchester in Israel aufnehmen. Das Orchester wird für diese Aufnahmen unter der Leitung des Dirigenten Paul Kletzky die Vierte Symphonie von Brahms, die Schottische Symphonie Mendelssohns, Schönbergs „Verklärte Nacht“, die Staatshymne Israels „Hatikva“ und einige Werke israelischer Komponisten spielen. ISRAELISCHE FILME In den Kinos Israels werden zur Zeit die vier von den „Israel Motion Picture Studios“ in Herzlia bei Tel Aviv hergestellten Filme „Zeltstadt“, „Jonatan und Tali“, „Hirte und Hirtin“ und „Alt- und Neu-Jaffa“ vorge^ührt. Der Film „Zeltstadt“ wTurde im vergangenen Jahr mit großem Erfolg in Berlin, Bonn, Düsseldorf und Hamburg aufgeführt. In den Studios in Herzlia werden in Kürze zwei neue Filme: „Keine Antwort vom Hügel 24“ von den englischen Regisseuren Thorald Dickenson und Peter Fry und „Jede Meile ein Stein“ von Arie Luhola gedreht werden. DIE SCHAFZUCHT ISRAELS Ende 1953 umfaßten die Schafherden Israels 81.000 über acht Monate alte Schafe; im Laufe des Jahres 1953 waren die Schafherden um 16.000 Stück vermehrt. Der größte Teil der Schafe stammt aus eigener Zucht, die auf türkischen Ursprung zurückgeht. In letzter Zeit wurden jedoch auch Zuchtschafe aus anderen Ländern cingcfjührt. Die größten Schafherdenbesitzer sind die genossenschaftlichen Landw irtschafts - sicdlungen mit 37.000 Schafen, die arabischen Dörfer 20.000, die privaten jüdischen Siedlungen 14.000, während der Rest sich auf alle übrigen landwirtschaftlichen Siedlungen und die landwirtschaftlichen Versuchsstationen der Regierung verteilt. k k k HERAUSGABE EINES SAMMELWERKES VON RAMBAM In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen wird ein Sammelwerk mit Fotokopien der Originalmanuskripte und alten gedruckten Raritäten von Rambam \ erlegt. Die Initiative hierzu ging von dem Leiter der jüdischen Abteilung der Königichcn Bibiothek uus. WOLLE UND GARNE größte Auswahl ADOLF BOMZE V, Reinprechtsdorferstraße 48 XX, Wallensteinstraße 17 Telephona32Oos XVI, Neulerchenfelderstraße 20 II, Rotensterngasse 5 Die Idealsten Schulterauflagen aus Watte, beste Paßform, fOr Damen-, Herren- und Klnder- Bekleldung „HAPO” Achselpolster-Erze ugung RU DICH <& Co. Wien II, Aspernbröckeng. 4 Telephon R 45 5 63 UJ i e n DAS GELD LIEGT AUF DER STRASSE Dieser Wahrsprucb gilt heute mehr denn je, man muß es nur sehen und darnach greifen. Die kommende Lotterie zahlt so viele und hohe Gewinne an tausende Menschen, daß es einen Versuch lohnt. Die Geschäftsstelle J. ,Prokopp, Wien, VI., Mariahilferstr. 29, bekannt durch die vielen und hohen Gewinnauszahlungen, denkt und wirbt mit beiliegendem Prospekt um Sie. Helfen Sie sieb mit einer Bestellkartc aus allen Sorgen. Los und bald auch der Gewinn folgen. i Zollfreie LiebesgabeDpakete j| nach Ungarn und dar GSR, auch Medikamente I KFI PM-I TR WIEN I., ESSLINGGASSE NR. 2/5 | HtLtWUU.>TELEpH0NU 29,0 5? Die Vorgänge im Rothschildspifal Die Redaktion der „Stimme“ muß sich es diesmal versagen, zu den Inzidenzfall im Rothschildlager in Wien kritisch Stellung zu nehmen. Da wir aber dem Vorwurf begegnen müssen, daß eine jüdische Zeitung über den traurigen Vorfall hinweggegangen ist, werfen wir folgende Fragen auf: Wußte die Israelitische Kultusgemcindc in Wien nichts davon, daß die Delogierung des kranken Familienvaters Neumann und seiner hochschwangeren Frau, unter Assistenz der Polizei erfolgen wird? War es dem Kultusvorstchcr Dr. Wolken, der als Obmann des Fliichtlingskomitecs im Rothschildlager fungiert, nicht möglich, den Zornesausbrüchen rechtzeitig einen Damm zu setzen? Stellt die Kultusgemeinde, die allerdings das Rothschildlager nicht verwaltet, den jüdischen Insassen derart fremd gegenüber, daß sie es dabei bewenden ließ, was das österreichische Innenministerium für oder gegen die unglücklichen, gejagten Insassen verfügte? War cs nicht seit eh und je die vordringliche Aufgabe der Israelitischen Kullusgcmeindc sich um arme und verlassenen Juden zu kümmern, ihnen in der Not beizustehen und sie vor Unbill zu schützenV Koscher Sehet Pessach Mazzoth, Mazzothmehl, Fett, Wein und sämtliche Lebensmittel. Wir bitten um rechtzeitige Bestellung. Auf telefonischen Anruf stellen wir jedes Quantum - ohne Spesenzuschlag - ins Haua zu. S. GRAMER (Dauber) Lebeesmlttelhandlung Wien IX, Servitengasse 4, Tel. A 12683