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Die Stimme · 1954-03-01 · Heft 84 (März 1954) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 84 (März 1954)
Date
1954-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 84 Man kann das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen l-'nrIsi-l/ni’ü von Seit.' B Israel sirli in erster Linie uut sieh seihst verlassen muü umi verpflichtet ist. duraul zu achten. daß das mobile Kräfteverhältnis zwischen Israel und seinen arnhisehen Nachbarn nicht zu l nguiisten lsruls verschoben werde. Die Entw ick hingen in den letzten Wochen im Zusammenhang mit den ägyptisch-englischen \ erhnncllimgen w egen des SuezkanaL und der Bestrebungen Iraks, eine \ ereiiiigaiig mit Syrien und Jordanien hcrbeizufiilimi. sind tatsächlich dazu geeignet, in Israel schwere Besorgnis herv orzurufeii. Vorderhand ist nicht anzunehmen, wovon Eingangs bemerkt wurde. daß die innere Situation in den einzelnen arabischen Ländern diesen gestatten könne, kriegerische Vbcn - teuer zu suchen, aber im Laufe der Zeit wird sieh die Verstärkung des kriegerischen Potentials dieser arabischen Siaiten zu l ngunsten Israels auswirken. Diese \ erstärkung kann aber menschlit her Voraussicht nach nur erfolgen, wenn \merika den angekündigten Plan durchführt, den arabischen Staaten oder einzelnen von ihnen, militärische Hilfe zu gewähren. Von einer Durchführung dieser amerikanischen Absicht kann aber vorläufig keine Hede sein, weil vorerst innerhalb der arabischen Liga die Krage geklärt werden muß. ob die arabischen Staaten den ägyptischen Standpunkt völliger Neutralität gegenüber Ost- und W<stbh>ck akzeptieren oder verwerfen. Im Augenblick kann kein Zweifel darüber bestehen. daB Israel militärisch im Vergleich zu seinen arabischen Nachbarn, und zwar von allen zusammen genommen, viel stärker ist. Israel ist auch in politischer und sozialer Hinsicht in einer ganz anderen Situation als seine arabischen Nachbarn. Es repräsentiert den einzigen Stabilitätsfaktor im Mittleren Osten, abgesehen natürlich von der Türkei. Aber wirtschaftlich ist die Lage Israels schwierig. Sie ist natürlich unvergleichlich besser als die Situation in Aegypten oder in Jordanien, aber die Lebenshaltung in Israel ist eine ganz andere als die in den rückständigen arabischen Staaten. Auf die Dauer kann es keine echte politische Unabhängigkeit, gefestigte Selbständigkeit und auch militärische Stärke geben, wenn ein Staat nicht imstande ist sich durch seine Wirtschaft selbst zu erhalten. Israel hat, objektiv gesehen, die Gegebenheiten eine derartige Entwicklung zur wirtschaftlichen Inabhängigkeit durchmachen zu können. Dazu benötigt Israel drei Dinge: Zeit, Kapitalien und qualifizierte Arbeitskräfte. Die Hauptsorge Israels in den kommenden Jahren inuB also darin bestehen, die nötigen Kapitalien zu mobilisieren und eine fachlich ausgebildete Einwanderung ins Lund zu ziehen. In dieser Hinsicht muß Israel in erster Reihe von der zionistischen Weltorganisation unterstützt werden. Eine Gefahr. daB der Staat Israel von den Großmächten geopfert werden könnte, um auf diese W eise die arabischen Sympathien zu erwerben, bestellt nicht. Denn was soll in einem dcnu'tigcn Falle mit den eineinhalb Millionen Juden geschehen, die bereits in Israel leben? W erden sie sich einer arabischen Herrschaft unterwerfen? Diese eineinhalb Millionen Juden werden jedem V ersuch, eleu Staat Israel zu liquidieren, den größten W iderstanci entgegensetzen. Es bleibt also nur ein Weg: Israel, welches bereits besteht, stark und uuahhänuig zu machen. Heinrich STEIN Wien IV, PavoritanitraBa 3« Telephon: U 49 0 64 ERZEUGNISSE: Selbstroller Rollvorhänge Verdunkelungen Bretterjalouslen Holzrollbalken Durchsichtige Schaufensterrollos __D IK ST I M M E_ •I \KOB T VNNKNRAl M DIE BIBEL Zu Purim 5714 — Gleichheit 4. Fortsetzung. Dir s../iulcn Mißstände. die von den Propheten ang-'oraiigert wurden, h dum ihre l "suche, nach Meinung '.lei* Propheten. im Willen des Menschen, im Eg *ismus. insbesondere im überspannten Besitz- und Ehrtrirb. im Herrsch- und Mac hin illen Einzelner, die die regierende Gewalt im Staate besitzen. Die soziale Kritik der Propheten ist daher in erster Reihe gegen die Herrscher gerichtet, die. in Nachahmung des monarchistischen Absolutismus der Nachbarvölker, sieh zu Dc.-moien entwickelten und das arme \ ulk unterdi iicktrn uncl ausheuteten. ln der l cherxcugung. daß die sozialen Verhältnisse zum größten "Peil vom politischen ganzen sogenannten Bic heerepoene. hcirschtc die' republikanische* Staatsform. Die unausgesetzten Angriffe der Feinde c rlurderten aber eine starke. zentrale Macht. Das Volk faßte daher den Beschluß. auf die eigenen Freiheitsrechtr teilweise' zu verzichten, worauf die Monarchie trotz des anfänglichen VVidrst'indes der Propheten entstand. Die Propheten suchten Einfluß auf di«' Politik der Monarchen zu gewinnen, um deren Maclitw illen zu zügeln. Durch ihr großes Ansehen beim Volke bildeten die Propheten einen starken Marhtfuklor im Staate und hatten hei allen politischen l mwälzungcn ihre Hand im Spiele. Kraft ihres großen Anhanges vermach¬ IN MODE-TWEED SHANTUNG UND IMPRIME DULDNER & DEUTSCH Wien VII, Neubaugasse 10 Beginn’ abhängig sind, forderten sie die Gleichheit alle,- vor dem Gesetz. Sie sahen in dieser eine Voraussetzung zur ökonomischen Cleichhcit. Das Ideal einer vollständigen Gleichheit w ir unter den Bedingungen der Kulturstufe. die die Hebräier schon erreicht hatten, ein utopisc her, undurchführbarer Gedanke. Im Hinblick auf die natürlichem I nterschicde in den individuellen Fähigkeiten. war auch eine unterschiedslose Gleichheit nicht in den Intentionen der Propheten gelegen. Es kann nur von einer relativen Gleichheit die Rede sein. Das Prinzip der Gleichheit soll nach beiden Richtungen hin. nach oben, wie nach unten, zur Geltung kommen. In ( :stcr Reihe sollen die Schwachen vor gänzlicher \ crunmmg und l ngerechtigkcitcii geschützt werden. Zu diesem Zwckke ist. außer dem schon genannten Gesetze die Verstaatlichung von Grund uncl Boden und deren gleichmäßige Verteilung. noch das ..Sehe inita-Gesetz" zu nennen, nach welchem eine Restitution des Bodenbesitzes statthaben soll, in dem durch äußere l Anstände eine eventuelle A ci Schiebung einlrcten w ürde. Auch die Arbeiterscluitzgesetzc. das Sabbathnihcgesetz, das A erhol von Zins und Wucher, das Fremdengesetz usw. dienen diesem Zw ecke. Auf der anderen Seite soll durch die demokratflsche Wahl der Richter und Beamten, sowie durch das Königsgesetz, vorgebeugt werden, daß Männer zur Regierung gelangen , die das VOlk unterdrücken uncl ausheuten könnten. Nach cbm Königsgesetze muß der König aus dem Aolke stummen, er darf keinen reichen Haushalt führen uncl keinen Frauenharem haben, nach der Art der orientalischen Monarchen: ..damit er sich nicht über seine Brüder erhebe und nicht ubwciche vom Gesetz“... Jede Willkür und absolute I Icrrschcrgcwalt soll dadurch ausgeschlossen werden. Durch dieses Gesetz soll überhaupt jede!' I nterscliicd nach Gehurt uncl Abstammung aufgehoben werden. Stand und Bau;«, sollten nur naeli Fähigkeit und Aerdienst bestimmt werden. Audi das Königsgesetz des Dcutronomiums war nicht nach den Idealen der Propheten, die überhaupt Gegner des monarchistischen Regimes waren. Dieses Gesetz ist nur als Konzession an die veränderten Bedingungen geschaffen worden. I rsprümglich herrschte ein patriarchalisches Gemeinwesen, in dem vollständige politische Gleichheit obwaltete uncl die lh giei ungsgew alt von der Gesamtheit des Volke, ausgeiiht wurde. Auch lange Zeit nach Besitznahme des Landes, in d-r teil sic manchen Monarchen zu beseitigen. der sich erkühnte, vom Prinzip de" Gleichheit abzuweichen. Trotz alledem artete die Monarchie in eine despotische Macht aus. Die isracliseh-judäisehen Könige (mit .Ausnahme einiger) gebärdeten sich nach Art der Tyrannen der Nachbarstaaten, wie die Autokraten, schalteten und walteten nach Willkür und Laune. Ohne Rücksicht auf die geographische und ökonomische Luge des kleinen Landes und ungeachtet der seelisch-geistigen Verfassung des Volkes, entfalteten diese Regenten eine luxuriöse, prunk-uncl prachtvolle Hofhaltung und fröhnten einem verseilwetidcrisehen. sinnlichen Genußb’hcn, das sie nur durch Ausbeutung des armen Volkes, resp. durch Kriegsbeute zu bestreiten vermochten. Wie Sokrates, Plato und Aristoteles in Griechenland. so versuchten die jüdischen Propheten vergeblich, der Entartung und dem Verfall Einhalt zu gebieten. Der l ntergung des Staates war die unvermeidliche Folge der Eitelkeit und des unbändigen Herrschuncl Mach tw illeus der unfähigen Monarchen, die größtenteils aii der sozialen und politischen L11glciehheit Schuld trugen. Das Prinzip der Gleichheit wird in der Bibel auch gegenüber Ausländern gefordert. ..Ein Gesetz und ein Recht für Euch alle und den Fremden’ . ..Gleich dem eigenen Bürger sei Euch der Ausländer, der bei Euch wohnt, liehe’ ihn w i e I) i eh sc 1 bs t!” Dieses Gleichheitsgesetz auch gegen Fremde ist eine logische Folge des l niversalisnius. der allgemeinen Menschenliebe. Sie wird als ein natürliches, unzerstörbares Gut jedes Individuums betrachtet, das Mcnschrmmtlitz trägt, ohne I nterscliicd der Busse und des Glaubens. Dieser Grundsatz der Gleichheit aller Menschen wurde’ zu einer Zeit ausgesprochen, als mau noch in allen anderen Eändern der Welt in dem Fremden lediglich einen l'Vind erblickte. So wird im Buc he Esther von einem Vernichluiigsbefehl gegen das ganze jüdisc he Volk berichtet, der damit begründet wird, daß die Juden einer anderen Nation uncl Religion ungc hören, als das Wirtsvolk: „Es existiert“, sagte Hain an zum König Achuschweroseh, „ein Volk, zerstreut und g< trennt lebend unter den Völkern der Eäncler deines Reiches, deren Gesetze von ebnen der anderen Völker verschieden sind... Es lohnt nicht, sicam Lehen zu lassen.“ Gewiß ist dieses Argument nur (in Vorwand, um sieh das Vermögen des Volkes anzueignen und Rache* an Mordecliaj zu iiehinen, der sich weigerte, vor ihm lüeclcrzukuien. chi es ihin aus Der Zionismus auf nauen Wegen Fortsetzung von Seite B fein an der Wichtigkeit des Prohlemes für das zionistische Programm. Ich glaube, daß die Mehrheit mit mir einstimmig ist. wenn ich sage, daß es keine zionistische Bewegung heute geben kann, ohne daß man einen großen 'Peil seiner Anstrengungen im täglichen Leben dem widmet, sieb mit Israel zu verbinden, dessen Kulminationspunkt’ die Alijali ist. Es kann sich aber auch in einer Reihe anderer weniger radikaler und kompletter Formen als die Alijali. ausdiiiekcn. Zum Beisipe! Investition in Israel machen oder mit l litenielinningen bi Israel verbunden zu werden, oder hebräisch zu lernen und das kulturelle Leben in Israel zu verfolgen, oder auf ein oder mehrere Jahre dorthin zu fuhren. um persönlich zur Entwicklung des Landes licizusteuern — dies alles sind die verschiedenen Formen des Programms einer persönlichen Verbindung mit Israel, dessen Kulminationspunkt natürlich wieder die Alijali ist. Wenn man aber sagt, daß niemand ein Zionist sein kann, wenn er nicht ein Olcli wird, bedeutet, die zionistische Organisation zu einer kleinen Einheit von Chu- Litzim zu machen. Es ist niemals so gewesen. auch nicht zu Zeiten der großen zionistischen Bewegung, die die Alijali gepredigt und die Jugend beeinflußt hut. Die ganze Bewegung ist auch seinerzeit nicht zur Alijali gegangen, sondern sie hat aus sic h nur eine Avantgarde — die Chain tzirn — illiminicrt, welche dann naeli Israel gefahren sind und das Land gebaut haben. Arm diesem Standpunkt aus gesehen, hat sieh im Prinzip nichts geändert. Ali - juh muß ein Teil des zionistischen Programms sein. Ich bin sicher, daß in den westeuropäischen Eändern und uuf dem amerikanischen Kontinent sieh eine wirkliche clmlutziselu’ Bewegung entwickeln wird, und daß dann eine Alijali und diesmal keine Massenalijah sondern eine Alijall von einer kleineren Zahl Jugendlicher. die nach Israel werden fahren wollen. sieh entwickeln wird, um dort ein vollkommenes jüdisches Leben zu führen und sich mit dem großen schöpferischen VA erk in Israel zu identifizieren. religiösen Gründen untersagt war, einem Menschen göttliche Ehren zu erweisen. Der ehr und herrschsüchtige, geldgierige Human, brauchte auch keine größere Mühe tmzuwenden, um den schwachen, wankelmütigen, launischen König für seinen Mordplan zu gewinnen, da dieser wegen seiner vielen Kriege, des großen I lofaufw undes, der Prunk- und Praehtcntfaltung und der versehwenderischen Trinkgelage leicht oft in Geldverlegenheiten geraten war. Die Tatsache aber, daß mau in einem Staate ganz offiziell öffentlich vor dem eigenen Volke und vor der ganzen Welt ein Todesurteil über i in g mzes Volk fällen darf, nur uns dem ( inzigen Grunde, weil cs anders ist als die anderen Völker, zeigt, um wieviel höher die jüdische Geistcskultur über die der anderen Völker des Altertums stund. (Auch heute noch ist dus Gleichheitsprinzip inbe/ug auf Ausländer, selbst in den zivilisierten I.ändern nicht durchgefülirt.) Aon diesem Gesichtspunkt aus gesehen, hat das Buch Esther für uns heute eine besonders große Bedeutung, weil in ihm das Problem der Gleichheit aller Menschen behandelt wird und diese durch die Aufhebung des Vernichtungs-lJrteils auch zum Siege’ gelangte, wobei noch gezeigt wird .daß auch ..Fremde“ gute, loyale Bürger sein können, wie Mordcrclmy. der das Leben des Königs vor den Verschworenen errettete. Die Juden, die gegen die Pogromisten bewaffneten Widerstand leisteten, kämpften nicht nur für ihr eigenes Lehen, sondern für die Idee der Gleichheit aller Menschen. ALLES AUS PRIVATHAND! Zentrale: V, Wiedner Hauptatr. 87 Filialet II, Ausstellungsctraße l

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