Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1954
- Issue
- Heft 82 (Januar 1954)
- Date
- 1954-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 2 Schilling V. b. b. lim me ÖtfyOH du AU^CtnÜnin HohUIch in ÖslccttkU W*""* Redaktion und Administration Wien IX, Universitätsstr. Nr. 4/4 Telefon A 26 4 73 1 Poatscheck-Konto Nr. 134.292 Jänner 1954 Zionistischer Landesverband Wien rrrn c'^rrr D'ivvrT m-trann Nr. 82 - 1954 Wiedergutmachung — heute ein Politikum Ist es eine Vcrmögensliquidution? Ist cs eine moralische Geste? Oder ist es eine Fürsorgemaßnahme? Seit Beginn der Verhandlungen waren es bereits alle diese drei Gesichtspunkte, von denen aus die österreichische Regierung das Problem beleuchtet wissen wollte. Als im Sommer vorigen Juhres das aus den Vertretern der jüdischen Weltorganisationen bestehende Komitee in Wien weilte und von Mitgliedern der Regierung empfangen wurde, wurden eine Menge schöner Worte gewechselt, die tatsächlich den Eindruck hervorriefen, als ob die produktive Aufbauarbeit, in deren Zeichen das gegenwärtige Oesterreich steht, außer Industrie, Export und Fremdenverkehr auch die Regionen der geistigen Einstellung zu Gegenwart und Zukunft beinhalten würde. Diese Einstellung hätte von vornherein gefordert, daß man sich sichtbar von der jüngsten Vergangenheit distanziert und ihr Erbe nach Möglichkeit auslöscht. Damals war man sich prinzipiell über eine Schadcnsgutmachung einig, das nächste Wort in der Angelegenheit sollten die Experten haben, denen die nötigen Berechnungen für die vennögensreehtlichc Auseinandersetzung obliegen sollten. Man schied in bestem Einvernehmen und damit war die erste Phase der moralischen Geste beendet. Die erste Dissonanz brachte ein Nein des Finanzministers. Das ist nichts Ungewöhnliches. Es gehört zu den hauptsächlichsten Pflichten eines Finanzminiwerten noch existiert. Wir butten die zweite Phase der Vcrmögensliquidution, zu der die „Wiedergutmachung4, — ein Wort, das die österreichische Regierung nicht hören will — geworden war. Ins Licht einer Fürsorgemaßnahme kam die Sache durch die Haltung der Regierung, die die Verwendung einer eventuellen Globalabfertigung unbedingt auf die Unterstützung hilfsbedürftiger österreichischer Juden beschränkt wissen will. Das letzte entscheidende „Nein4* der Regierung stand in einem Bericht des Finanzministers, der die Antwort auf eine Anfrage sozialistischer Abgeordneter im Parlament war. In diesem Bericht ist die Absicht ausgesprochen, die ganze Angelegenheit auf einen Zeitpunkt zu verschieben, der ein halbes Jahr nach dem österreichischen Staatsvertrag liegt. Darauf gab es einen Briefwechsel zwischen Bundeskanzder Raab und Dr. Nuhum Goldmann, dessen Resultat Goldmann in der Londoner Pressekonferenz bekunntgab: Aus der Siedlung des Verhandlungspartners wurden die Juden in die Offensive und Defensive zugleich gedrängt. Es folgte eine Zusammenkunft einer Delegation der Wiener Israelitischen Kultusgcmcinde mit Naluim Goldmann in Zürich, worüber vom Dachverband der österreichischen Israelitischen Gemeinden, der ein Glied des Exekutivausschusscs des Komitees für jüdische Forderungen ist, folgendes Komtmmiquee uusgegebm wurde: sters nein zu sagen. Karnitz sagte nein zum ersten und zum zweiten Vorschlag einer Ablöse für das erblose Vermögen. Die völkerrechtliche Stcllunng Oesterreichs kam jetzt zur Sprache, das sich selbst hundertprozentig als Opfer des Nazismus bezeichnet. Aus der Wiedergutmachung des Schudens wurde eine Rückgabe dessen, wus un Vermögens- KLUB DER ZION. JUGEND HANOAR IIAZIONl IX., Univcrsitütsstraßc 4 Samstag, 23. Jänner. 17 Uhr, in den Räumen des Zion. Landesverbandes ONEG SCHABBATII Als Gast spricht der Generalsekretär der Konföderation der Allgemeinen Zionisten Europas und Nordafrikas MOSHE K AL CH HEIM Wir bitten unsere Mitglieder zuverlässig zu kommen und Gäste mitzubringen! Kleines Buffet ilebr. u. yiddische Schallplatten. ,.Dr. Goldmunn berichtete, daß die so plötzlich geänderte Haltung der österreichischen Regierung in Bezug auf das Problem des erblosen jüdischen Eigentums in jüdischen Kreisen eine starke Erbitterung hervorgerufen hat. Dr. Goldmannn stellte mit Nachdruck fest, daß das Komitee für jüdische Forderungen an Oesterreich, welches seinen Sitz in New York hat, den Kampf für die Durchsetzung der jüdischen Wicdergutmachungs- und Entschädigungsforderungen mit aller Entschlossenseit systematisch weiterführen wird. Das Komitee für jüdische Forderungen a«i Oesterreich werde die Weltöffentlichkeit über die vollkommene Unrichtigkeit der von österreichischer Seite vorgebrachten Argumente, betreffend das Wiedergutin ach ungsproblem, in entsprechender Weise informieren.” Von der am 25. Jänner in Berlin beginnenden Konferenz erwartet die Welt und Österreich eine große Wiedergutmachung. Oesterreich geht nach Berlin, um die Wiedergutmachung der durch die Besetzung erlittenen Unbilden zu erwirken. Was unsere „Wiedergutmachung" anbelaugt — unsere vermögensrechtliche Forderiiniig ist winzig, aber unsere Forderung auf moralische Restitution liiRt sieh wohl der üsterrcichiseheu Forderung auf Wicdcrgutniacliunng der durch die Naziwelle hervorgerufeiieii ebenbürtig au die Seite stellen Die Tagung des Aktionskomitees beschloß den nächsten Zionisten-Kongreß im Jahre 1955 in Jerusalem abzuhalten. Die Tagung genehmigte das Budget für das kommende Jahr mit 116.8 Millionen Pfund. Der Keren Hajessod in Amerika soll hierzu 50 Millionen Dollar beisteuern. Aus den deutschen Reparationen und der Lrso sind 28 Millionen Pfund zu erwarten. Das Komitee, das den „Kontakt mii der Oeffcntlichkeit“ beraten sollte, schlug eine Anzahl politischer Resolutionen vor. Das Aktionskomitee bringt die Besorgnis zum Ausdruck, daß eine Reihe von Großmächten die Sympathien der arabischen Staaten auf Kosten des internationalen Rechts erkaufen. Das Aktionskomitee wendet sich an die Bewegung, das jüdische Volk und die Weltöffentlichkeit mit dem Appell, die aggressiven Bennihunngen der arabischen Staaten gegen Israel zu vereiteln. In einem weiteren Beschluß wird dem jüdischen Volk der Dank für die Haltung bei der letzten politischen Prüfung ausgesprochen und zur Verstärkung der jüdischen Solidarität mit Israel aufgerufen. In einer weiteren Resolution wurden Rußland, Rumänien, Ungarn und die Tschechoslowakei aufgefordert, die verhafteten Zionisten freizulassen und ihnen Pässe nach Israel zu geben. Eine Resolution verlangte die Freilassung der wegen zionistischer Aktivität in den arabischen Ländern verhafteten Zionisten. Ein Beschluß betraf die verstärkte zionistische Arbeit unter der Jugend und die Entsendung von Lehrern und Erziehern in die Länder, die solche nötig haben. Zum Schlüsse der Tagung wurde beschlossen, das Jahr 1954, in dem sich zum 50. Male der Todestag Herzls jährt, zum Hcrzljahr des Weltzionismus zu proklamieren. Die Sitzunng des Aktionskomitees dauerte zehn Tage lang. Einer der wichtigsten Beschlüsse liegt in der Erhöhung des Budgets für die Erziehung und Kultur. Konsul Arie Eshel aus Israel zurückgekehrf Nach einem dreiwöchentlichen Aufenthalt in Israel, kehrte der Konsul des Staates Israel, Arie Eshel, nach Wien zurück. Herr Konsul Arie Eshel wurde nach Jerusalem berufen, um im Außenministerium über die zwischen Oesterreich und Israel schwebenden Angelegenheiten Bericht zu erstatten. In liebenswürdigerweise erklärte sich Herr Konsul Eshel bereit, in der nächsten Nummer unserer Zeitschrift seine Eindrücke in Israel zu schildern. Großer Erfolg der Allgemeinen Zionisten Tel Aviv. Die organisierte Mitgliedschiill der Zionim Klalliim hat nach einer hier erfolgten Veröffentlichung mm die Zahl von 50.000 überschritten. Im Jahre 1949 betrug die Mitgliederzuhl 12.000 1 Ein Drittel sind neue Einwunderer. Diese Mitglieder bilden 161 Ortsgruppen in den verschiedenen Landesteilen. iüc jUpiecuHpsöädühf' in Iscact .Jerusalem. Zwischen Dr. Bernstein und Joseph Saphir namens der Zionim Klalliim und L. Eschkol und A. Govrin (Mapai) wurde ein Abkommen über die Ilauptbedingungen für die Bildung der neuen Koalitionsregierung unterzeichnet. Darnach werden die Allgemeinen Zionisten einen Vizeminister im Erziehungsministerium haben — wahrscheinlich Dr. Rim alt —, eine ständig von den Allgemeinen Zionisten erhobene Forderung, deren Durchsetzung ihnen ermöglichen soll, die Durchführung des neuen Schulgesetzes in der Praxis zu überwachen. Der Mindestanteil an Wählerstimmen, der zu einer Vertretung in der Knesset berechtigen soll, wurde auf vier Prozent festgesetzt. — Dieser Abmachung waren schwierige Verhandlunngen mit und innerhalb der Progressiven Partei vorangegangen, in deren Mitte zwei Richtungen miteinander kämpften. Die Tageszeitung „Haboker“ berichtet, daß die Hauptgruppe mit Justizminister Rosen der 4»/o-Klausel schließlich zustimmte, nachdem sie vorher nur eine Mindestzahl von 20/0 zugestehen wollte. Die Minderheit wünschte überhaupt keine Minimalzahl für die Vertretung der Parteien in der Knesset; ihr Sprecher war Mosche Kol. Die Zustimmung der Progressiven Partei wurde schließlich durch persönliche Intervention von Dr. Nah um Goldmann herbeigeführt. Die Knesseth feiert ihren 5. Geburtstag Am 19. Jänner d. J. feierte die Knesset in Jerusalem ihren fünften Geburtstag. Aus diesem Anlaß fand eine Festsitzung statt, bei der alle zionistischen und jüdischen Organisationen vertreten waren. Ein großer Teil der in Israel akkreditierten Diplomaten erschien in der Knesset. Ben Gurion sandte aus Sde Roker ein Begriißungstelegrnmm. ZIONIST. LANDESVERBAND IX.. Univcrsitatsstraße 4 Wir laden Sie höfliehst zu dem Vortrag des Generalsekretärs der Konföderation der Allgemeinen Zionisten Europas und Nordafrikas •M O SII E KALCIIIIEIM (Puris) ein. T hema: Zionismus vor neuen Problemen. Samstag, 23. Jänner 1954, 20 Uhr Festsaal des Kaffee Laiidtmaiiii L, Karl Luegerring Gäste willkommen1 Eintritt frei!