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Die Stimme · 1953-12-01 · Heft 81 (Dezember 1953) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 81 (Dezember 1953)
Date
1953-12-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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I) I K STIMME K/ic JüeU*r und DeuisdUand Motzkin zum Gedenken ■ m X. I' . FINK ELSTKIN (Jerusalem Die gegenwärtigen und künftigen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. smie zwischen dem jüdischen Volk in seiner Gesamtheit und dem deutschen \ >lk sind in der letzten Zeit \ nn verschiedensten Gesichtspunkten aus vielfach erörtert worden. Die Betrachtungen hahen den \ usging spunkt. die lleparatians'erlmndlunaen. bald hinter sich gelassen. tun zu dem Problem in seiner allgemeineren tun! umfassenden Gestalt \ or/iislnßen. \uf deutseher. mehr offizieller. Seite ist mehrfach der Erwartung Ausdruck gegeben wrden. daß die pekuniäre Wiedergutmachung begangenen l nrcehts wohl die \ oraussctzima einer Gestirntrevisinn der gegenseitigen Beziehungen sei. daß aber eine s »Ich Normalisierung eben auch die erwünschte Enlge der deutschen Zahlungen bilde. \ m privater Seite. die sieh um die christlich-jüdische \nnäherung bemüht, ist dieser Erwartung. daß die Hcparatimen nur der erste Schritt sei. dem andere folgen sollten. n>eh konkreter formuliert worden. Natürlich ist die Debatte über dieses Thema auch auf jüdischer Seite nicht ohne Echo geblichen. Im Staate Israel gab es Stimmen, die den Tag der \ufnahmc diplomatischer Beziehungen 'zwischen Jerusalem und Bonn zwar für verfrüht erklärt haben, aber doch meinten, cs handle sieh um einen ..dies certus an. incertus quando". einen Tag. dessen Kommen gewiß sei. dessen Eintritt jedoch zeitlich noch nicht bestimmt werden könne. Auf der anderen Seite stehen die. denen jede Beziehung zu Deutschland unvorstellbar ist und die nicht bereit sind, auch nur ein Jota eines Kompromisses in Betracht zu ziehen. Sehr verschiedenartig ist die Haltung der jüdischen Welt außerhalb Ercz Israels. kein Wunder, daß aus den Kreisen der jüdischen Gemeinden Den teillands selbst manches Argument zugunsten einer positiven Entwicklung der gegenseitigen Bezieluingn vorgebracht wird, von denen sich die Juden in Deutschland — Leherlebende. Zurückgekehrte, in vielen Fällen durch Zufall dorthin Verschlagene — eine Verbesserung einer Situation versprechen, die keinesfalls ohne Zwiespalt ist. Aber auch der Widerspruch dagegen, daß es an der Zeit sei, das Verhältnis zwischen Juden und Deutschen im Sinne der Aussöhnung zu gestalten, ist nicht stumm geblieben: beide Tendenzen und alle denkbaren Zwischenstufen sind erst kürzlich auf der Tagung des Jüdischen Weltkongresses in Genf zum Ausdruck gelangt. Das Problem — so gestellt — hat nichts zu tun mit jenem anderen, mit dem cs leider mitunter verbunden worden ist. nämlich der Haltung der Judenheit und ihrer Organisationen zu den wieder entstandenen jüdischen Gemcindn in Deutschland. Sie sind wieder da. und dieses Faktum muß von uns respektiert werden. Niemals in unserer Geschichte haben jüdische Gemeinden ihre inneren Beziehungen zu einander davon abhängig gemacht, oh die einen in den „Toren der Feinde" lebten, und die andreen außerhalb. Gegenseitige soziale Hilfe, kultureller Austausch, Mitarbeit am Aufbau Israels und alle anderen gesamt jüdischen Werke müssen den Juden in Deutschland < benso zugänglich sein wie anderen Juden. Heinrich STEIN Wl«n IV, FavoriUnttratm 24 ERZEUGNISSE! Salbatrollar Rollvorhäng« Vardunkslungen Bretterjalouelen Holzrollbalkan Durchsichtige Schaufanstarrollos Diese Frage aber stellt grundsätzlich auf einem anderen Blatt als die allgemeinen Beziehungen der jiulischn Welt zu Deutsehland und von Staat zu Staat. Zunächst hüte man sich, die Reparationen als \rgument gegenseitige \nniihi’- rung zu weiten. Alles, was Israel und die jüdischen Org misati men erhalten. ist jüdisches Ihb und Gut! Die Zahlen sind zu oft veröffentlicht worden, als daß cs nötig wäre, sic hier zu wiederholen. Das von .Juden in Deutschland zuriickgelassene oder ihnen geraubte Vermögen mit dem gewaltigen jüdischen W irtscliatfspotrntial. das in allen anderen von Deutschland besetzten Gebieten geraubt und in die deutsche \A ii tsehaft hineingepumpt wurde — also jüdisches llab und Gut aus Holland und Belgien. Dänemark. Norwegen. Frankreich und Italien. ausGric- (hcnland. Nordafrika. Rumänien. Bulgarien. Jugoslawien. Ingarn, der Tschechoslowakei. aus Polen und den baltischen Ländern, aus dem Westen Rußlands und aus — Oesterreich — aber nicht nur der Besitz der Juden, sondern auch ihre Arbeitskraft als Zw angsarbeiter bilden einen viel höheren Wert, als Deutschland je an Reparationen zahlen wird, sogar wenn die Luxemburger \ ertrüge bis zum Pfennig erfüllt werden. Israel und die jüdische Welt erhalten -also nur einen Teil des jüdischen Vermögens zurück, ohne daß deutsches Gut auch nur in kleinstem Maße hierfür herangezogen wird. Faktisch handelt es sieli ausschließlich um reine Rückerstattung, nicht um irgend einen Beitrag zur Sühne für die verübte Gewalt. Raub und Mord! Wenn also dieses \rgumcnt für die W iederhcrstellung normaler Beziehungen wegzufallcn hat. — was bleibtV Gibt es irgend einen erkennbaren Grund. der uns Juden eine W indhing der in Deutschland vorherrschenden Gesinnung wahrscheinlich und unser Mißtrauen unbegründet erscheinen lassen könnte Lnscre Friedhöfe werden geschändet wie (inst, die „Rumkes" und „Naumanns" (hängen an die Oberfläche, die „von Mnnteuffel" heißen „Demokraten". Die große Partei des Kanzlers Adenauer umfaßt auch diejenigen Element, die man früher ..Harzburger Front" zu nennen pflegte, soweit sic nicht bei den „Freien Demokraten" 1 ntcrsehlupf gefunden haben. I nscr Mißtrauen bleibt wach, und nicht nur aus dem Erlebnis unserer eigenen Generation heraus. Die Menge der Nazi Landsknechte. Gefolgsleute, Spießgesellen und Häscher in Deutschland, hält den Kopf hoch und nimmt am politischen Geschehen aktiven Anteil. Wir müssen daher in Erfüllung unserer Pflicht warnend die Stimme erheben, nicht einem Volk ein unbegründetes, durch keine innere Wandlung oder eindeutige Gcsinnuiigsbckundungen verdientes \ ei trauen entgegenzubringen, dessen erstes Opfer, wie wir erlebt haben. zwar die Juden, deren zweites aber die Kirchen, die Freiheit, die Demokratie. die Menschlichkeit wieder werden kann. An einen solchen W andel der Gesinnung bei der Mehrheit der Deutschen zu glauben, bestellt bis heute kein Grund. Eine Elite hat auch in der Zeit des tiefsten Sturzes die Ideale der .Menschlichkeit liochgehallcn — und tut es heute wieder —, über es waren zu wenige, um Sodom zu retten. Quidquid it est, timeo Gcrmanos - auch wenn sie Preise verleihen. In der Geschichte gibt es kein „Niemals". Deshalb wäre es sinnlos mul im historischen Sinne überheblich, wollten wir die heutige Beziehung zum Maßstab aller Zukunft machen. Wenn ('inst eine lange Periode vorüber sein wird, die in Deutschland ein neues Geschlecht liervorgchrucht haben sollte, erzogen im Immunen Denken, im Respekt vor dem Nächsten und seiner Menschenwürde, friedfertig und anfbanwillig — dann mag ein Weiserer kommen mul richten. Das jüdische \ olk, das noch heute wie in den 'Pagen seiner Propheten daran glaubt und darauf waltet, daß einmal Frieden unten Menschen und Völkern einkeliren weide, wird dann nicht die aufrichtige Stimme eines anderen Volkes überhören, wenn es sieh zu diesem Ziele ehrlich bekennt. Hans Klee Die Pogromw eile einer russischen Kleinstadt schleuderte den blutjungen Juda Leib Motzkin mich dem Westen. \n der Grenze /.wischen Ost und West reifte er zum Vorkämpfer, Organisator und zum \ orbild des europäischen Galutjudentums heran. Der als mathanitisehes Genie bekannte lloehschülcr an der Berliner Universität versucht bereits lange vor llcrzl eine Brücke zu .schlagen von der philuntropischen Romantik der Clmwcwc Zion Bewegung zur revolutionären Judenstuutstheorie. So gilt der von ihm gegründete A erein jüdisch-russischer Iloehsehiiler bereits als bewußter Wegbereiter nach Zion. Liest man heute all die bereits vermoderten Reden. Schriften. Memoranden und Protokolle eines Motzkin und der von ihm geführten Lernbeflissenen wie Schanijalm Lev in, L u r i c. 11 e in r L c Ii L o ewe und in weiterer Folge auch W eizm a n ii. so ist man erstaunt über die Hellsichtigkeit und politische Reift* dieser zionistischen Avantgarde, um die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Motzkin. einer der l Itimusse des verebbenden AssimilanteiiUims iin Osten, erfaßte im Bereiche des im deutschen Liberalismus dahinsinkendeu Judentums mit aller Schärfe die Totalität des jüdischen Schicksals. Den Deutschen mosaischer Konfession, die im Siegestaumcl 'Dis - marks voranritten und von einem kosmopolitischen Weltbürgertum träumten, stellte er einen neuartigen Judentypus gegenüber, voll stolzer Eigenart und Bewußtsein einer geschichtlichen Sendung. G r a e t z und P e r e z S m o 1 e n s k i bc- < influßteil hiebei den „Iluj-Aug1, aus Kiew und so schufen der unerschöpfliche \ erkiincler der jüdischen Vergangenheit und der Künder der Zukunft die historische Synthese, aus der die geschichtliche Bedeutsamkeit eines Motzkin hervorging. Hiezu kam eine übcrsehauniende Vitalität eines Ta tnicnsclien, gepaart mit einem voll schlagenden Herzen, die Motzkin aus seiner Studierstube .schnurstracks in die Kampfarena jüdischer Beeilte hinausschleudcrtc. ln der jüdischen Gasse brannte es lichterloh. Im Osten Pogrome der Finsterlinge mul im Westen der deutsche überhitzte Antisemitismus in bewußt veidunkcltcr Deutung eines Trcitsclikc und Chambcrlain überfluteten das europäische Judentum, gleichermaßen als äußere Symptome des Kranken Judcnproblcms, das nach Lösung und Erlösung schrie. So ists verständlich, daß bei Motzkin die Aktualität der Tagesnot über seinen Studiendrang siegte und er von Berlin aus den Weg ins Freie mitral. der nach Zion führte. Motzkin schloß sich bereits am ersten Kongreß I lerzl au und focht gleich sein Maximalprogramm in Basel durch: der Zusatz „öffentlich-rechtliche Heimstätte1“ geht auf Motzkins Idee zurück. I) irser Synthetische Muximulisinus brach vielfach in .Anschauungen und Aktionen Motzkins durch. Ms llerzls erster Sendbote mich Ercz. durchschaute er den Wert eines integralen Zionismus, der einer radikalen Umwertung aller jüdischen Werte gleielikonuut. Kolonisation und kulturelle Erziehung. Politik und praktische Arbeit. Propaganda und neuartige Kampfnietliodcn — all dies sollten nur Mittel zur Erneuerung eines uralten \ oNves sein. Sein Kampf gegen A e Ii a d II a ’ A m. der das Jtidenprobleni zu einem K uHurzentrum lierabzudriieken versuchte, sein Gegen wurtsprogramm. das auf der ganzen Front des OPTIKER KARL DRUKS Atelier für moderne Brillen-Optik Wien IX, Universitätsstraße 12 Telephon A 27 9 70 Gegen Vorweisung dieser Anweisung 10 % Rabatt Galutlijudcntmns den Kampf um seine Rechte beinhaltete. — blieben klangvolle Parolen, die Jahre hindurch den zionislfisc heil Werdegang beeinflußten. Auch I lerzl sollte zu solch integralem Zionismus gedrängt werden und als dies nicht gelang, schuf Motzkin die „d e m o k r a - t i s e h e F r a k t i o n" als Opposition und \nsv. cg aus einem Leerlauf der Diplomatie und Selbstherrschaft seines ansonst« ii v ('i götterten Idols. Da stieß Motzkins vorwürtsstürmemlc Kampfnatur zum ersten Mal mit dem soiiv n iiüien Adlcrflug eines Staatsmannes zusammen, der die brennende l ngeduld seiner Generation mit V ganda zu heilen vcimeinte. Motzkin blich dem l ganda- Kongreß aus nicht erklärlichen Gründen ferne. Motzkin halte keinen anderen Beruf als den eine- Politikers. Er pendelte zeitlebens zwischen Ost und West, halte eigentlich kein Heim und kein Familienleben in bürgerlich geordneten Bahnen. Das geradezu überdimensionale jüdische (■ewissen. gepaart mit Hilfsbereitschaft, trieb ihn förmlich in die kampfumio. wo jüdische Interessen im Spiele waren. Nach dem ersten Weltkrieg kamen erst die entscheidenden Friedensp amten Motzkins und damit eine schier über - menschliche Tätigkeit als Präsident des \ktionskomitees. \ls Kongreßlei ter von sieben Kongressen, als Leiter der „Delegation Juivc" in Paris und als Wegbereiter der Mindcrlieitsrrclite im Friedensvertrng von \ crsnillcs u. s. w. u. s. w. \ on seinen Sechsundsechzig Lebensjahren verbrachte Motzkin fast ein halbes Jahrhundert im Dienste seines \ o|kes. \ erbrachte und verbrauchte sieh im wahrsten Sinn»' des Wortes bis zum letzten Lebenstug. Jüdischen \ olksnnssen galt Motzkin Jahrzehntelang als Fahnent'äger eines selbstbewußten Judentums. das die Golali nur als geschichtliche Not und die Umkehr nach Zion als naturgegebene Notwendigkeit erachtete. Daher sein Kampf um Minderheitsreehle, \ orhereitung eines jüdischen Weltkongresses. sein immerw ährender Kampf um Demokratie und Gleichberechtigung und schließlich sein Kreuzzug gegen den Antisemitismus in Ost und W est. An die Juden aus der Bukowina! Der Verlag „Olamcini". vormals Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Ma\ Hickl. Brünn, in Tel-Aviv (Israel) bereitet ein großes, illustriertes Sammelwerk uni r dein Titel „Die Juden der Bukowina in Wort und Bild" vor und wendet sieh au alle aus der Bukowina stammenden Juden in der ganzen Welt mit der Bitte, ihre \dressen dem \ erlag mitzuteilen und bittet um Einsendung interessanten Dokumenten- und Bildmaterials. Die Redaktion des Welkes liegt in den Händen führender Persönlichkeiten der 'Bukowina. Mle Zuschriften erbeten an: Edition „Olamenu" Tcl-Aviv POB 3002 (Israel). Alle ehemaligen Mitarbeiter und Freunde des Jüdischen Buch- und Kunstverlag Max iliekl, Brünn, welche an «iner Neuauflage der großen illustrierten Standardwerke über die Geschichte der •luden in Mähren. Böhmen und Preßlnirg interessiert sind, bitten wir uni Mitteilung ihrer gegenwärtigen Adresse an den Verlag „Olamenu“ (Dr. Hugo Gold) Tel-Aviv POB 3002 (Israel). / BUROBEDARF EINKAUF VERKAUF Maschinen mit hebräischer Schritt lagernd AUGUST GUNYIS WIEN IX. SCHLICKGASSE 2 TELEPHON R 63-0-76 Eigene Reparaturwerkitätte 35440930

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