Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 81 (Dezember 1953)
- Date
- 1953-12-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 I) 1 K S T 1 M M K Nr. «I „‘Die Stimme” interviewte Prof. Heinrich Schur Der Herausgeber des in Jerusalem erscheinenden ..Israel Economist“, Herr Ing. kollck. der derzeit in Wien weilt, gab unserem HB - Mitarbeiter ein informativ, es Interview über die momentane wirtschaftliche Situation in Israel. \ oii österreichischer Seite wurden Israel bis jetzt zwei Kredite gegeben. Den ersten erhielt im Jahre 1951 die Jewish Agency \mi österreichischen Einanzinstituten. Dieser Kredit erstreckt sich auf 50.000.000 österreichische Schillinge. Es war ein kurzfristiger, auf drei Jahre gewährter Kredit, allerdings revolvierend. Zweck des Kredites war der Einkauf österrei- ( bischer W ai eil für Israel. Der zweite Kredit ist auch bereits vollständig ausgeniitzt. besonders durch Ankauf von hier erzeugten präfahrizierten l lolzhausern. Die geschäftliche Gestion für die Jewish Agency wiici von der „Allgemeinen Waren Tieuhand \. C»." Wien ausgeübt. Ein /.weiter Kredit \ >n S 100.000.000 wurde im vorigen Jahr von der österreichischen Negierung der Negierung Israels gewährt. Kür diesen Kredit hat die Bank Leumi le Israel (Israelische National - bank) die Garantie übernommen. Auch dieser Kredit ist schon fast zur Hälfte ausgeniitzt. Er unterscheidet sich von dem ersten dadurch. daß er langfristig ist und außerdem durch seine besondere Eigenheit. Es werden nämlich von der israelischen Nationalbank im Nahmen dieses Kredites nur solche Importe finanziert. welche die Möglichkeit von Reexporten nach valutastarken Ländern in '■ich schließen. Es werden zum Beispiel Garne importiert, die dann als verarbeitete Textilien in Länder mit harter Währung exportiert werden können. An dem Beispiel des Importes aus Oesterreich zeigt sich, welche Maßnahmen notwendig sind, um der äußerst gespannten Devisenlage Israels begegnen zu können. Die trotz des großen Warenbedarfes im Lande selbst und trotz der vorhandenen Exportmöglichkeiten bestehende Arbeitslosigkeit ist ebenfalls auf den durch die gespannte Devisenlage bestehenden Mangel an Rohstoffen zurück- Zufuhren. Was die Arbeitslosigkeit selbst betrifft, erhofft man sich jetzt eine Besserung mit Beginn der einsetzenden Zitrussaison. 60.000 Kisten Orangen gehen nach Oesterreich. Die Industrie ist derzeit ganz auf Export eingestellt. Die Investitionstätigkeit des Auslandes hat in ihrer bisherigen Form zwar nachgelassen, erfährt aber in veränderter Weise eine Wiederbelebung. Vor allem sind es die kleineren Investoren, die statt der großen jetzt herangezogen werden und außerdem sucht man Investitionsmöglichkeiten zu schaffen durch Aktiengesellschaften, deren Aktionäre Ausländer sind. Ein Erwerbszweig, der sich belebt hat. ist der Fremdenverkehr. Die Einlösung des Dollar mit 1P 1.80 statt IP 1.— hat wesentlich dazu beigetragen, den Fremdenstrom nach Israel, der alljährlich im Früjahr und um die Zeit der großen Feiertage einsetzt. zu vergrößern. Der heimatliche Zustrom allerdings, die Emigration nämlich, hat jetzt ihre übernormale, gigantische Form gestoppt und ist zu einer normalen Erscheinung im täglichen Leben des Landes geworden. Die Einwunderung geht weiter, aber in einem durch die von der Jewish Agency ausgeübten Selektion gegebenen kleineren Ausmaß. Der größte Teil der Emi- VERBILLIGTE FAHRTEN ANMELDUNGEN BEI REISEBÜRO CAPR/ PACE gntion wird in der Landwirtschaft untergebracht. Nach wie vor, werden Anstrenmmtien gemacht, in landwirtschaftlichen Produkten möglichst autark zu werden. Die Rationierung ist im allgemeinen aufgehoben und beschränkt sich in der Hauptsache auf bestimmte Lebensmittel, die importiert werden müssen. wie Fleisch. Fette. Mehl. Zucker. Heinrich Allina \m II). Dezember 1955 \ erschied. knapp nach \ ollendung seines 75. Lebensjahres, der ehemalige Nationalrat und Generalstkretär der Bankbeamtenvereinigung. Ihre Heinrich Mlina. ln Zusammenarbeit mit dem genialen Finanzreferenten der Stadl Wien. Hugo Breitncr. gründete Allin i um die Jahrhundertwende den Nciehsv ei ein der Bankbeamten. dessen Leitung es nach überraschend kurzer Zeit gelang, dem Bankpersonal eine ansehnliche Besserung der materiellen und moralischen Position zu erkämpfen. Sein \ erdienst war es. daß die Bankbeamten zu der bestbczahl ten Beamtenkategorie, «i hörten. Mlina .als Mitglied des österreichischen Nationalrates hatte außerordentliches Interesse für jüdisch.' Fragen gezeigt, war über die chaluzische Bewegung bestens informiert und begrüßte mit großem Enthusiasmus die kolonisatorischen Errungenschaften in Erez Israel. Jahrelang gab er Beiträge für die zionistischen Fonds. Bravei' Gegen Antisemitismus ln dem Fhrcu.be!eidigungsprozeß. den der Chcfi c dakteur de.-. ..Wiener Montag”. Josef P uv. gegen den verantwortlichen Redakteur unserer Zeitschrift ..Die Stimme”. Fri/z Müller, angestrengt hat. fand die I iauptv erhandluug am 5. Dezember beim Strafbcyirksgericht statt. Gegenstand der \ erhandlung war ein \rtikcl der ..Stimme” vom Juni 1958. worin die fortgesetzten wüsten antisemitischen Acußerungcn des ..Wiener Montag” als ..bewußte Lügen” und „spekulative Irreführung” etc, gebrand tmarkt wurden. Zweck der antisemitischen Hetzartikcl und Notizen im „Wiener Montag” war und ist: Die Oeffcntliehkcit gegen die Juden zu stimmen, bewußt unrichtige Behauptungen zu lancieren und die Opfer des Nazismus zu verleumden, daß sie durch das Begehren der Rückstellung des ihnen von den Nazis geraubten Vermögens. die österreichische Republik ausplündern wollen. Nach einem rhetorisch hervorragenden, inhaltlich interessanten Plädoyer unseres \ erteidigers. Rechtsanwalt Dr. Ernst Brande, der die, spekulative Irreführung der Leser des „W iener Montag” und die Ifet/artikel geißelte, stellte sich Josef Pav plötzlich auf den juristisch formellen Standpunkt, daß er diese lletzartikel weder geschrieben noch gelesen hätte. weshalb die erste Instanz zunächst mit einer Verurteilung unseres Redakteurs Vorgehen mußte. Gegen diese Entscheidung haben wir die Berufung angemeldet und werden dann über den Ausgang des Verfahrens berichten. \ or Erreichung seines 88. Lebensjahres verschied der große Arzt und Wissenschaftler Professor Dr. Heinrich Schur. Prof. Schur war nicht nur eine Autorität auf medizinischem Gebiete, sondern auch einer der seltenen Menschen, die über ein universelles Wissen verfügen. Er kannte die Geschichte des jüdischen \ olkes von Grund auf. interessierte sich mit der Lebhaftigkeit eines Jünglings für die \ orgängc in Israel und war immer volll neuer Ideen für den Ausbau der medizinischen Schulte in Israel, die er angeschlosscn haben wollte, an die große Tradition eines Prof. Neumann. Prof. Pineles. ProI. Schnitzler u. a. Ich habe es mir stets als große Ehre angerechnel. von Prof. Schur mit „men. lieber Freund” angesprochen zu werden und seine Besuche in der Redaktion der ..Stimme”, zähle ich zu den bemerkenswerten Ereignissen meines Lebens. ln der Nummer 51 unseres Blattes, würdigten wir die Verdienste des großen Almsdien Heinrich Schur aus Anlaß seines 80. Geburtstages. Am II Mai 1871 wurde er in Nacliod als Sohn eingesessene; jüdischer Eltern geboren, seine Vorfahren waren berühmte Rabbiner in der C. S. R. Er promovierte im Jahre 1894 in Prag, arbeitete dann in Wien unter Prof. Hering und Pal tau. Im Jahre 1915 erhielt er den Professorentite!. Nach« Einbruch des Ilitlerismus leitete Prof. Schur die Abteilung für Innere Medizin im jüdischen Spital in der Malzgasse. In der schwersten Zeit der 1. K. G. — nuch dem Zusammenbruch des Naziregimes — übernahm Prof. Schur die Leitung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und seine größte Sorge galt der l nterbringung der zurüi kgekehrten KZler. A iele Schüler des großen Gelehrten wirken heute als bedeutende Aorzte in der ganzen Welt, so Dr. Plaschkes in Israel und Dr. Kornfeld in den l. S. A. Seit vielen Jahrzehnten gehörte Prof. Dr. Heinrich Schur dem 1 lumanitätsverein B'nai B'rit als Mitglied an und war zuletzt Präsident dieser Vereinigung. Mit uns trauern viele seiner dankbaren Patienten. Schüler und Freunde. Fritz Müller In memoriam Der große Gelehrte Professor Dr. Heinrich Schur, der durch seine Forschungen die medizinische Wissenschaft wesentlich bereichert hat, ist für immer von uns geschieden, l’nsere Trauer gilt aber vor allem dem gütigen Menschen, der sich für ulles. was ethisch und geistig wertvoll war. wie ein Jüngling begeistern konnte und alles Rohe und Gewaltsame verabscheute. Wir betrauern in ihm unseren Präsidenten, der durch sein profundes jüdisches Wissen und seine hohe sittliche Einstellung unsere Bewunderung und Verehrung erworben hat. Er war uns ein leuchtendes Vorbild: sein Andenken wird von uns in hohen Ehren gehalten werden. Fr. Iluinanitüfsvemn „Wien” B'nai B'rilh „ELSE0 PARFÜMERIE WIEN 1, STEINDELGASSE I T.-im Ti.rlilimli.'ii-Kinoj TELEFON U 21 3 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN ALS U. S. A. PHANKHEICH, SCHWEIZ. DEl TSCIILANI) Wir schicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israel! Bernhard Braver Ehrenmitglied des Zion. Landesverband» Mil der Ernennung zum Ehrenmitglied des Zionistischen Landesverbandes wurde unserem hochverdienten Mitglied B e r n h a r d B r a v c r eine längst fällige W iirdigunu seiner \ erdienste um die Interessen des Wiener zionistischen Lebens zuteil. Herr Bernhard Braver war es. der. im Jahre 1945 kaum aus dem KZ zurückgekehrt, sofort mit der uns »dien bekannten Tatkraft ans W erk ging, um •ms dem Chaos neues jüdisches Leben zu erwecken. Es fehlten zu dieser Zeit alle \ oi aussel/ungcn dafür: es gab weder Geld, noch arbeitsfähige Menschen, noch waren die Kräfte vorhanden, dir imstande waren, etwas Produk liv es zu schaffen. Bernhard Braver gelang es. den Zionistischen Landesverband neu zu gründen, und ihm Bedeutung zu verschaffen. Die schönen Bäumliehkcitcn unseres Verbandes erwarb er damals zum Teil aus eigenen Mitteln. Zugleich gründete er dir Zionistische Föderation, deren erster Generalsekretär er war. Die Gründung des Keren Ilnje>sod ist Bravcrs Werk, woran die Herren Dr. Rosner und Prob Dr. Ilirschl besonderen Anteil haben. Seine Arbeit war jedoch nicht nur politischer Natur, sondern bezog sich auch auf die praktischen Notwendigkeiten des Tages. So rief er gemeinsam mit dem Altpräsidenten Dr. David Sehapiru die Jüdische Spar- und Kreditgenossenschaft ins Leben. In dankbarer Erinnerung ist bis lieute Bravcrs Tätigkeit als erster Amtsdireklor der neu erstandenen Kultusganeinde. In seine Amtstätigkeit fiel der W iederaufbau des zerstörten Hauses der Kultusgemcinde in der Seitenstettcngasse des Stadttempcls, der von den Nazi devastiert wurde und die 120-Juhrfcier des Stadttempels. Alle die genannten Leistungen vollbrachte unser neues Ehrenmitglied in vollkommener l neigenniitzigkeit und Selbstlosigkeit. W7ir grüßen in Bernhard Braver nicht nur einen der ältesten Zionisten Wiens, sondern einen zionistischen Vorkämpfer nach der Prägung des HerzEsehen und Boroclmu 'scheu Ideals. „Jugendaliah ’ ’ Das Komitee der „Jugendaliah für Oesterreich“ brachte am 18. Dezember im Kreuz-Kino einen ausgezeichneten Film zur Aufführung, der die Geschichte eines jungen Juden erzählt, der aus einem KZ-Lager durch die Jugendaliuh direkt nach Israel gebracht wurde und sich begreiflicherweise nur sehr schwer den neuen Verhältnissen anpassen konnte, dann aber freudigen Herzens die neue Freiheit seines jungen Lebens doch erfaßte. Die einleitenden Worte sprach Frau Hilde Leilncr, die die Bedeuutng der Jugtndulijnh in kurzen, aber prägnanten Worten darlegte und an die /Anwesenden den Appell richtete, bei diesem großen zionistischen Werk tatkräftigst mitzuaibeiten. Den englischen Text übersetzte meisterhaft Frl. Yvonne Leitncr. 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