Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 80 (November 1953)
- Date
- 1953-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. lim me &c$*h du AtfyemtiHtn ii&Histcn in ÖsiutticU Zionistischer Landesverband Wien m rrrrarn Preis 2 Schilling ^pPSVMI Redaktion und Administration : Wien IX, Universitätastr. Nr. 4/4 Telefon A 26 4 73 1 Postscheck-Konto Nr. 134.292 L i November 1953 | Nr. 80 - 1953 Schuld ohne Sühne ä' Die Spannung an den Grenzen Israels Am 10. November 1938 brannten Heute aber will man uns Juden glauben Der Leiter der SD-Außcnstclle Wien 8 berichtete seiner Vorgesetzten Partei- Dienststelle am IL November 1938: „Die heutige Aktion wurde von der Bevölkerung geradezu erwartet und ohne Opposition aufgenommen ...” Obersturmführer Riegle r \on der Standarte 89: .... in Mattcrsburg, Kiscnstadt, W'r. Neustadt, Baden. Mödling und Liesing wurden die jüdischen Schandobjekc restlost zertrümmert .. ." Außenstelle Baden: Mitleid für die Juden wurde nirgends festgestellt, auch nicht bei den sogenannten besseren Kreisen.” Gerade wir Juden wissen aus unserer langen Geschichte, was eine ungerechte Verallgemeinerung bedeutet und wie ein ganzes Volk zu leiden hat, weil ihm die Taten Einzelner zur Last gelegt werden. So wollen auch wir nicht das gesamte österreichische Volk verurteilen, müssen aber feststellen, daß der Großteil der Ocsterrcichcr sich an den Schandtaten des Naziregimes nicht nur beteiligt, sondern auch bereichert hat. und daß die Zahl der Mutigen und Hilfreichen unendlich klein war, im Vergleich zu der großen Masse der Brutalen und der Nutznießer jüdischen Unglücks. Nicht minder zu verurteilen sind jene, die diesem Unglück tatenlos zusahen und gerade die Ocsterrcichcr mußten aus den Vorgängen in Deutschland wissen, wie brutal und rücksichtslos das Naziregime die Menschlichkeit mit Füßen trat. Alle denkenden Menschen mußten sich darüber im Klaren sein, daß mit der Machtergreifung in Oesterreich alle jene menschlichen Werte verlorcngchcn würden, die uns der Begriff des humanen Wesens vermittelt. 'Pausende und Abertausende österreichischer Bürger nahmen zur Kenntnis, daß ihren jüdischen Mitbürgern das Recht zur Berufsausübung genommen wurde, daß jahrzehntelang bestehende Betriebe und Geschäfte von einem Tag auf den anderen in ,,arische Hände” übergingen, sie sahen in den Straßen zerschlagene Fensterscheiben jüdischer Läden und verschmierte Firmentafeln. Sie sahen wie verschreckte jüdische Männer, Frauen und Kinder, Schwerkriegsbeschädigte, eskortiert von johlenden Nazibcngeln gezwungen wurden, auf der Straße niedrigste, sinnlose Arbeiten zu verrichten. Sic sahen, wie die ehemals befreundeten Nachbarn plötzlich verschwanden, sie sahen die brennenden Synagogen, sie sahen die Lastwagen voll verzweifelter Menschen, von denen sie wissen mußten, daß sic nie wiederkehren würden. Waren an dieser jüdischen Massenvernichtung wirklich nur die SS und die Gestapo beteiligt, mußten nicht Tausende von Eisenbahnern Tug und Nacht das Klugen der Zusummengepfcrchtcn, dus Schreien Verhungernder, das Jammern Sterbender hören, haben nicht überall Wchrmuchtsangchörige an der Errichtung der Vergusungsunstalten mitgearbeitet und haben dann die Urlauber über all dies gegenüber ihren Angehörigen, Freunden und Nachbarn w irklich geschwiegen V machen, daß keiner unserer Mitbürger um all diesen Greueln gewußt hat. Man muß zu der traurigen Erkenntnis kommen, daß sieh der Großteil des österreichischen Volkes nicht aus Abscheu vor diesen Greuel taten vom Nazismus abgewendet hat, nicht, weil Adolf Hitler und seine Kreaturen gemordet, geraubt und gestohlen haben, sondern nur deshalb, weil schließlich die versprochenen Erfolge ausblieben und das Volk in Nor. und Elend geführt wurde. Man muß weiter zu der traurigen Erkenntnis kommen, daß statt der zu erwartenden Sühne der begangenen Unmcnschlichkciten, neuer Antisemitismus in Oesterreich Platz greift und daß unsere Mibiirgcr für all das Unglück und Elend, das sie mitverschuldet haben, nicht das geringste Verständnis aufbringen. Die primitivste Pflicht der Schadensgutmachung: die Rückstellung geraubten Gutes, wird nur widerwillig und gezwungen erfüllt, die Regierungsstellen verzögern bewußt die Entscheidung über das erblose Vermögen. 60.000 Wohnungen wurden den Juden w'eggenommen und keine Stelle bemüht sich, den wenigen zuriickgckchrlen Juden menschenwürdige Ersatzwohnungen zur Verfügung zu stellen. Gewiß wollen wir nicht in den Nazifehler der Verallgemeinerung verfallen und annehmen, daß alle, alle der 600 letzthin zurückgekehrten Kriegsgefangenen tatsächlich Kriegsverbrecher sind und wollen ihnen die Wohltaten, die sic von allen öffentlichen Stellen genießen nicht mißgönnen, auch nicht, daß ihnen goldene Brücken gebaut werden, cs drängt sich uns aber gerade in diesem Zusammenhang die Frage auf, wer sich in den Jahren 1945 und 1946 der ausgemcrgelten und an Leib und Seele gebrochenen Juden angenommen hat, die viele Jahre lang unschuldig in Konzentrationslagern Unmenschliches erduldet haben. Welche Regierungsstelle hat die vor dem mörderischen Klima Shanghais Zurückflüchtenden, auf Erholung geschickt und wer hat dafür gesorgt, daß den zurückkehrenden Vertriebenen durch Zuwendungen aus öffentlichen Mitteln die ersten Sorgen des Alltags abgenommen werden? Selbst die Tempel den zurückgekehrten jüdischen Schwerkriegsbeschädigten, wurde die Nachzahlung der Rente verweigert 1 Wenn es auch für das unendliche Unrecht, das dem jüdischen Volke zugefügt wurde, gar keine Sühne gibt, so wäre doch wenigstens zu erwarten gewesen, daß das österreichische Volk und seine Regierung alles dazu tut, das Los der wenigen Ueberlebenden zu erleichtern. Wir aber wollen die Hoffnung nicht aufgeben, daß uns Gerechtigkeit widerfahren wird und daß unsere Mitbürger doch noch einsehen lernen, daß letzten Endes alles Unglück, das in der Folge das österreichische Volk betroffen hat, mit dem Fanal der brennenden Tempel am 10. November 1938 seinen Anfang nahm. Fritz Müller David Ben Gurions Demission Wochenlang wurde das Gerücht verbreitet, daß der Ministerpräsident Israels, David Ben Gurion amtsmüde sei und zu demissionieren gedenke. Nun meldet der „Haarez“, daß der Entschluß Ben Gurions gereift und seine Demission am Sonntag, den 8. November 1953 erfolgt ist. Es verlautet, daß die Demission nicht auf den schlechten Gesundheitszustand Ben Gurions, sondern vielmehr auf die von ihm mißbilligte gesellschaftspolitische Atmosphäre im Lande zurückzuführen wäre. Die Meinung Ben Garions geht dahin, daß cs den führenden Persönlichkeiten Israels an hohen Idealen gebricht, wodurch der staatserhaltende Geist geschwächt wird und die Krisen schwer einzudämmen sind. Ben Gurion glaubt nicht, daß der Materialismus der Spezialisten geeignet wäre, der Medinath Israel jenen Inhalt zu geben, der für das Gedeihen des jüdischen Staatswesens lebenswichtig ist. In der nächsten Nummer „Die Stimme” werden wir die Persönlichkeit Ben Gurions würdigen. Br. Die gegenwärtige Spannung zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten wurde durch drei verschiedene Zwischenfälle an der ägyptischen, syrischen und jordanischen Grenze ausgelöst. deren letzter zur Folge hatte, daß das Problem der israelisch-arabischen Beziehungen wiederum in den Mittelpunkt weltpolitischen Interesses rückte und sowohl von der Konferenz der Außenminister der westlichen Großmächte in London als auch vom Sicherheitsrat der V ereinten Nationen in New York behandelt wurde. Sohr ernsthafte Zwischenfälle ereigneten sich an der jordanisch-israelischen Grenze. Diese Grenze wurde 1949 nach dem Waffenstillstandsvertrag von Rhodos gemäß dem de facto-Zustand bei Beendigung der Kämpfe im Jahre 1948 festgesetzt und später an einigen Stellen im Zentrum des Landes abgeändert. Seit am 25. Mai 1950 die drei westlichen Großmächte angekündigt hatten, sie würden, „wenn einer von diesen Staaten Vorbereitungen trifft, um die Grenzen oder Waffenstillstandslinien zu verletzen, gemäß ihren Verpflichtungen als Mitglieder der Vereinten Nationen sowohl innerhalb wie auch außerhalb der Vereinten Nationen unverzüglich Maßnahmen treffen, um jedweder Verletzung vorzubeugen“. w aren allein im jordanischisraelischen Grenzabschnitt 421 israelische Bürger von arabischen Eindringlingen aus Jordanien getötet worden. UeDcrdies wurden von jordanischen Banden 128 Sabotageakte, 866 bewaffnete Uebcrfälle und 3263 Raubaktionen auf israelischem Gebiet durchgeführt. Seit Beginn dieses Jahres wurden hier von jordanischen bewaffneten Eindringlingen 49 israelische Bürger getötet und 34 verwundet. Die Spannung an der Grenze, die seit Beginn des Jahres nahezu unaufhörlich ungehalten hatte, nahm im Zusammenhang mit den auch von Syrien und Aegypten geschürten Konflikten noch sichtlich zu. Am 7. Oktober wurde ein von Haifa nach Jerusalem fahrender Personenzug bei Tul Karcin von jordanischer Seite aus beschossen. Auch in den folgenden Tagen kam es an verschiedenen Stellen im Grenzgebiet zu L eberfällen auf jüdische Siedler. Am 13. Oktober nachts wurde in der Siedlung Yalnid bei Lidda die jüdische Bäuerin Suzanna Kanyas und ihre beiden ein- und vierjährigen Kinder von jordanischen Banden im Schlaf durch eine Handgranate ermordet. Ein Polizeihund verfolgte die Spuren der Mörder direkt bis in die Polizeistation des jordanischen Grenzdorfes Rantis. Durch diesen Mord, der nur ein Glied in einer langen Kette ähnlicher Gewaltaktionen darstellt, war die Stimmung in den jüdischen Grenzsiedlungen sturk gnstiegen und führte am 14. Oktober zu dem V ergeltimgsukt in dem jordanischen Grenzdorf Kibya. südlich von Rantis. das als Zentrum der bewaffneten Banden bekannt ist, die seit Jahren von hier aus ihre Einfälle in das israelische Grenzgebiet organisieren. Ein Sprecher des israelischen Außenmmisteriums erklärte am 18. Oktober in Jerusalem: „Die Regierung und Bevölkerung Israels sind von einer tiefen Trauer ZIONISTISCHER LANDESVERBAND IN ÖSTERREICH Wien IX. Universitätsstraße 4. 'Fel. A 26-4-73 Einladung zur ‘ Wir machen unsere Mitglieder auf die Armierung des Dutums und des Ortes freundlichst aufmerksam. Sonntag, 22. November 1953 um 10.30 Uhr im Kaffee Altes Rathaus, Wien I, Wipplingerstraße 24 Gastrefereiit: (Moshe Kalehlieini. Generalsekretär des Wcl tverbandes Allgemeiner Zionisten (Paris) W olf Tisihenkel Dr. Wolf ller/berg Heinrich Keller gesell f. Vizepräsident Präsident Vizepräsident 171434349004