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Die Stimme · 1953-10-01 · Heft 79 (Oktober 1953) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 79 (Oktober 1953)
Date
1953-10-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Ni. 79 DIE STIMME .Seite 3 ZIONISTISCHES LEBEN IN WIEN Zionistischer Landesverband Zionistische Föderation in Österreich Verband der Allgemeinen Zionisten ckmxligfr abhind Der Zionistische Lundesv crlnmd m Orslcrrcirh veranstaltete am 20. September H. J. als Auftakt für die Arbeit im neuen Jnlire eine gesellige Zusammenkunft. bei welcher Präsident l)r. nerzberg an die Anwesenden einen Appell richtete, die Arbeit des Zionistischen Landesverbandes tatkräftigst zu unterstützen. ..Das l’i'iignimii) unseres Verbandes”, so führte der Redner aus. „ist sehr reich - lialtig: so wollen wir regelmäßige Vorträge ablialten, die Probleme des Zionismus zum Inhalt haben und die Aufgaben des Allgemeinen Zionismus einschließeii. Unsere Jugendgruppc „llanour fluzioni” wird reorganisiert werden. Die kommende Sehekelaktion muß einen vollen Ei folg für den Allgemeinen Zionismus in Wien zeitigen. Unsere Zeitschrift ..Die Stimme” werden wir erweitern und zu einem Wochenblatt gestalten.” Abschließend erklärte Dr. I lerzberg dezidiert, daß um einer Krise im Zionismus nicht die Rede sein könne. Die Aufgaben unserer Bewegung sind gerade durch die Gründung des Staates Israel größer und wichtiger geworden als sic bis dahin waren. Das Interesse unserer Gesinnungsgenossen ist äußerst wach, so daß wir die geselligen Zusammenkünfte der Allgemeinen Zionisten Wiens, zu einer ständigen Einrichtung machen werden. Am 5. September d. J. wurden wir im Mozartsua! des Konzerthauses Zeugen einer überaus erhebenden Veranstaltung, des Sportklubs llakoah. 20 jüdische Burschen, .‘3 jüdische Mädels, wurden mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, au die ruhmvolle Tradition llakoah anzuknüpfen und das Wiener Judentum von jetzt in Erez zu repräsentieren. Wenn auch beim Einmarsch der Mannschaft, an der Spitze die 4 Fahnenträger. sich das Herz zusammenkrampf(c, wie klein das einst so mächtige Häuflein durch den 11itiermord geworden ist, so ließen doch die prächtigen Mädels und Burschen die Hoffnung wach werden, daß uns um die Zukunft nicht bange sein müsse. Hier w ächst w ieder eine jüdischlugend heran, die sich stolz und aufrecht zum Judentum bekennt. Nach der Eröffnung ergriff Bundesminister Dr. Kolb das Wort mit dem Wunsch an die Mannschaft, daß sie mutvoll das W iener Judentum in Israel vertreten möge. Herr Bumlesminister Dr. Kolb hat in Wort und Tat sein außerordentliches Wohlwollen bewiesen, wofür ihm herzlicher Dank gebührt. Nach ihm hielt Konsul und Legationsrat Eshel die Festrede, worin er auf die Aufgaben der jüdischen Jugend hinwies. besonders aber das Augenmerk darauf lenkte, daß sich die Jugend bei ihrer Anwesenheit im Lande umschen möge, um die empfangenen Eindrücke ui ihre Bekannten weiterzugeben. Der Präsident der israelitischen Kultusgemcinde, Dr. Emil Maurer, gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Ju- G ENEIWI V FßSAfMYlLI NC Der Vorstand des Zionistischen Landesverbandes beschloß in seiner Sitzung vom I. September die fällige ordentliche Generalversammlung einzuberufen. Sie findet Sonntag, den I. November um 10.30 l lir im Festsaal der IKG. L, Sehottenring 25. mit folgender Tagesordnung statt: 1. Eröffnung 2. Wahl des Vorsitzenden für die Generalversammlung .‘5. Tätigkcitsberieht 4. Kassabericht 5. Bericht der Revisoren b. Das Kclcral: „Die Aufgaben der Allgemeinen Zionisten in der Gegenwart4' 7. Wahl des neuen Vorstandes ft. \Y uhI der Revisoren 9. Eventuelles Den Mitgliedern werden fristgerecht die für das Jahr 5714 gültigen Mitgliedskarten und persönliche Einladungen zugehen. Es sei auf die Pflicht unserer Mitglieder aufmerksam gemacht, dieser Generalversammlung beizu wohnen. Dr. Wolf Herzberg. Präsident Wolf Tischenkel, Gcschf. V izepräs. Heinrich Keller, Vizepräsident Zu der 4. Makkabiade in Ramat-G ui entsandte der Wiener Sportklub llakoah .30 Sportler. Nach einem überaus herzlichen Empfang im neuerbauten Stadion, fand der Einmarsch der 21 teilnehmenden Nationen statt. Die sportlichen Kämpfe waren überaus stark beschickt und in vielen Disziplinen wurden neue Makkabi-Weltrekorde erzielt. In diesem auserlesenen Feld schlug sich die Mannschaft der llakoah sehr ehrenvoll. Im Wosscrball wurde eine bronzene Medaille errungen, wobei insbe.ionders die unentschiedenen Ergebnisse gegen Israel und England hervorzuheben sind. Die Lciebtathicten errangen den 6. Platz und die Handballmannschuft eine silberne Medaille. Bei den Tischtennisbewerben erkämpft! die 1 lukoahvertretung den 4. Platz und in den Einzelbewerben Erl. Dukes einen zweiten und einen dritten und zusammen mit Grünberger noch eine bronzene Medaille. Eine eindrueksvoRe Absehiedsfeicr im überfüllten Stadion war der feierliehe Ausklang dieser Minifestation an sportliehem Können und Kraft der jüdischen Jugend. E. Sinai geiul sieh ihrer schweren Aufgabe bewußt sein und ihre Pflicht erfüllen wird. Als Sprecher der Jugend gab schließlich Hermann Wenkart die bindende Erklärung ab. ebenso dem Lande Oesterreich, wie dem Sportklub llakoah auf dem Boden des Landes Israel in Ehren zu dienen. Die überaus feierliche Vereidigung w or der Höhepunkt des Abends. VORTIUC Dr. DAVID GELLES Die Reihe der Kulturvorträge, veranstaltet von der Zionistischen Föderation Oesterreichs, wurde mit einem Vortrag des Herrn Dr. David Gelles am 29. September d. J. eröffnet. Dr. Gelles sprach zum Thema „Maimonides, der große Baumeister des Judaismus”. Der Feslsaal der Israelitischen Kultusgemcinde war bis auf den letzten Platz besetzt, wodurch das große Interesse der Zionisten manifestiert wurde. Nach vorgenommener Definition des Begriffes Judaismus im engeren und weiteren Sinn und nach Anführung einiger großer Meister vor und nach Maimonides ging der Vortragende von dem urulten Satz der l chcrlicfcrung aus, daß jede Generation in Israel die offenbarte Lehre so zu betrachten habe, wie wenn sie selbst am Sinai gewesen wäre. Die mögliche» zweifache Auslegung dieses Satzes führte zu einer Spaltung innerhalb der glaubenstrcucn Judenlieit. Während die Orthodoxie bis heute daran festhält, daß die offenbarte Lehre in der Geisteshaitung von damals zu betrachten und auszulegen sei, behaupten die anderen, daß die Auslegung stets in der Geisteshaltung der jeweils lebenden Generation zu erfolgen* habe. Diese Auffassung nahm bereits bei den alten Propheten (Arnos, Jesaia) ihren Anfang, führte dann zum Gegensatz zwischen Pharisäern und Sadducäern. spielte auch eine Rolle beim Widerstreit der Tnlmiidisehen Schulen von Schammai und Hillcl, beeinflußte die Wandlung in Maimonides und führte schließlich durch die späteren Jahrhunderte bis zu der 1926 erfolgten Gründung der World l nion for Progressive Judaism. Während nun Maimonides zur Zeit der Verfassung seines ersten Werkes, des Kommentars zur Mischna, offenbar noch auf orthodoxem Boden stand, indem er die berühmten 13 Dogmen der jüdischen Glaubenslehre formulierte (ani ma’amin), die jeder fromme Jude täglich im Anschluß an das Morgengebet zu sagen pflegt, hat er später im ersten Buch seines berühmten Werkes ,,VIi.sehne Thora44 und insbesondere in seinem philosophischen Werk „More Nebuchim“, offenbar unter dem Einfluß der griechischen Philosophie, insbesondere des von ihm geschätzten Aristoteles, die fortsehrittliehe Auffassung sieh zu eigen gemacht. Mit dem Werke ..Mischnc Thora4, hat Maimonides die erstaunliche Arbeit zustande gebracht, die schriftliche Lehre der Thora und die mündliche Lehre des Talmud zu einem einheitlichen System zu verschmelzen und solcherart jedem Lernbeflissenen das Studium zu erleichtern. Denn der Umfang des 63 Traktate umfassenden babylonischen Talmuds war schon damals nur .den besonders großen und begabten Gelehrten in seiner ganzen Bedeutung erfaßbar. Nur wer halbwegs durch den Talmud gegangen ist, kann die ungeheure tiefgründige und systematische Arbeit des großen Meisters des Judaismus richtig einschätzcn. ln der Einleitung erklärt Maimonides die Wahl des Titels dieses Werkes damit, daß er dieses Werk als zweite Stufe für die Studierenden gedacht hat, die die Bibel zuerst studiert haben. In seinem dritten und bedeutendsten Werk „Mene Nebuchim” versucht Maimonides die jüdische Glaubenslehre mit der Philosophie zu verschmelzen derart. daß er manche Glaubenssätze philosophisch zu erklären versucht, was ihm aber nur zum Teile gelungen ist. Hier nimmt er zu den meisten Dogmen in ra¬ S. C. HAKOAH VEREIDIGUNG ERFOLGE 3. Teller t£f WIEN I, SALZTORGASSE 5 ■TELEFON U 25-4-85 SINGER STOFFE HERREN-, DAMENKLEIDER UND -MÄNTEL IN ß[R ROnmuHMSlK 11 MODISCHE SPORT- UND REGENSCHUTZBEKLEIDUNGS¬ REINWOLLENE DAMEN- U. HERRENSTOFFE KAMMGARNE FABRIK TWEEDE IN NEUESTEN MODEDESSINS SEIDENNOUVEAUTfiS TEL. U 21-3-88 t intial istischer Weis; Stellung, wobei er den leinen Cottesbegriff. die Prophetie, die Bedeutung der mcssianischen Verheißung. das Leben und die Vergeltung im •Jenseits. \\ illenslieibeit und V orseliung zum Gegenstand der Erörterung machte. Die im ersten Buch der ..Mischnc I hört” bereits versuchte philosophische Erklärung mancher Glaubenssätze mul in-- besondere die im ..More Y-bucliim” \orgetragene Lehre sind vielfacher Gegner- .■srbalt in den Kreisen der Orthodoxie begegnet. Schließlich wurde aber seine \rbeit von allen anerkannt und das V o!k krönte ihn mit dem Titel eines ..zweiten Moses“. Im Liebt des derzeitigen Standes der Wissenschaft weist die Lehre von Vlaimonides manche Mängel auf. die begreiflich erscheinen. Die fortschreitende Entwicklung der Lehre von der Evolution und das physikalische Weltbild von heute lassen manche Anschauungen aus dem zwölften Jahrhundert überholt erscheinen und ein dritter Moses müßte erstellen. um manche Dogmen der Geisteshaltung der gegenwärtigen Generation anzup-asse/i. Im allgemeinen bleibt aber dir Riesengestalt des Maimonides auch für kommende Generationen unsterblich. Wir freuen uns sagen zu können, daß wir in De. Gelles nicht nur einen Mann mit profundem Wissen schätzen, sondern auch einen Redner mit hohen ()ualiiitäten. Der Präsident der Zionistischen Föderation, Gustav Leitncr. dankte im Namen des Begeisterten Publikums, DISKl SS1()NS\BEN(DE l eWr Anregung der Zionistischen Exekutive ti.n Jerusalem, finden derzeit im engeren Nahmen der Zionistischen Föderation (kstcrreichs Diskussionsabende :statt. die sieh mit dem Thema „Zukünftige Aufgaben .der Bewegung und Struktur der Zionistischen Föderationen” beschäftigen. Der erste dieser Abende war dem Einleitungsreferut des Generalsekretärs Dr. David Schlang gewidmet. An der darauffolgenden Diskussion beteiligte sieb Konsul Arie Eshel, der Präsident 'Gustav Leitncr. die Herren Dr. Herzberg. Dr. Weidenfeld. Dr. Sokal und Alfred Weishut. Der zweite Diskussionsabend fand am 14. Oktober statt, über den wir in der nächsten Nummer unserer Zeitschrift berichten werden. HERR AI SCIIKU ILSE Die von der Zionistischen Föderation veranstalteten Hebräischkurse für Anfänger und Fortgeschrittene haben bereits begonnen: sie finden jeden Montag und Mittwoch in der Zeit von 17.30 Ihr bi> 19.30 { hr im Sitzungssaal des Zionistischen Landesverbandes, 9.. I niversitätsstraße 4. sta<iU Als Lehrer fungiert der bekannte Pädagoge Jakob Taimenbaum. Anmeldungen finden zu den oben angegebenen Kursständen statt. Wir betonen nochmals, daß diese Kurse unentgeltlich sind. wizo Die Simchafh-Thora-Feier am 3. Oktober 1953 im Kursalon der Stadt Wien bedeutete einen höchst erfreulichen gesellschaftlichen Auftakt des neuen Arbeitsjuhres zu den Bemühungen der WlZO-Mitglieder und ihrer Freunde. Dem Sinn des Festes entsprechend war der allgemeine Charakter der Vrranstul- Entklasiige Stolle und Zugehör, sowie beste Verarbeitu bilden die Grundlage der bewäh TELLER-KLEIDUNG ///. HaüphträvtM- 90 U16 2 f6

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