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Die Stimme · 1953-10-01 · Heft 79 (Oktober 1953) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 79 (Oktober 1953)
Date
1953-10-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 l\r; 79 DIE STIMME Zu den Wiedergutmachungsverhandlungen: Enttäuschendes Ergebnis DU. WOLF IIKRZBKIU: IS iMieijt uns. nach einer geraumen /eit auI die W iedergutmarhungsutigelrgenlici t /uriiekzuk >mmen. \nlaß hiezu gibt das Bek um tu erden der Tatsache, dal.' die W icdcrgutm •ichurigsverhuiidlungen mit der Regierung unterbrochen und quasi abgebrochen worden wären. \ iele Wochen hindurch war dieses Thema in Schweigen gehüllt und es war gerade deshalb zu erwarten, dal.' die Wiederaufnahme der durch die Ferien unterbrochenen \ erhandlungen zu einem annehmbaren Erfolg führen würden. Leider muß festgestellt werden, daß dies nicht der Fall ist. Die Enttäuschung in allen jüdischen Kreisen nicht nur des In-, sondern auch des \uslandes ist sehr groß, weil der Auftakt zu den Verhandlungen und der Beginn derselben hier in Wien berechtigte Hoffnungen auf eine günstige Lösung des Problems ausgelöst haben. Mit den fortschreitenden Wochen wurde allgemein ein Abflauen der Stimmung bemerkbar, hervorgerufen durch das \ erhalten der kompetenten Faktoren in der Regierung. Nun drängt sich aber unwillkürlich die Fr age auf. welchen Zweck es hatte, daß die "Regierung bzw. der Herr Bundeskanzler eine offizielle Einladung an die Vertreter der Weltorganisationen einschließlich der lsraelitikultusgcmeinde Wien z.u \ erhandlungen über das Wiedergutmachungs-Problem ergehen ließ, wenn nicht die ernste Absicht bestand — und dies ergibt sich aus der gegenwärtigen Situation — dieses Problem so zu" lösen, daß zumindest auch \ am moralischen Standpunkt aus nicht nur das jüdische, sondern das Weltgewissen ganz oder teilweise befriedigt sei. Es ist doch nicht anzunehmen, daß die Einladung zu Verhandlungen und der Beginn derselben ausschließlich auf irgendwelche Einwirkung und nicht aus einem kategorischen Pflichtgefühl heraus erfolgte. East will es scheinen, als ob das Abflauen des guten Willens der österreichischen Regierung mit der politischen Entwicklung zugunsten dieses Staates im Zusammenhang stünde. Die Ansprüche des durch das Nazi-Regime betroffenen Judentums, deren Berechtigung niemand bezweifeln darf, stehen jedoch außerhalb aller weltpolitischen Erwägungen und die ganze gesittete Welt wird es verstehen, daß die betroffenen Teile des jüdischen Volkes nicht aufhören werden, das Weltgewissen aufzuri.itteln und ununterbrochen, ohne Rücksicht auf das W eltgeschehen, auf die Erfüllung ihrer berechtigten Forderungen drängen werden. Man wäre beinahe geneigt zu glauben, daß der oberwähnte Auftakt zu den Verhandlungen in einer Beziehung zu den finanz-politischen Bedürfnissen dieses Landes, die in eine große Anleihe auslaufen, steht, und daß das Abflauen bzw. der Widerstand der Regierung auf den fortschreitenden günstigen Verlauf der finanz-politischen Angelegenheit zurück - zuführen wäre. Die österreichische Regierung \ersucht, ihre moralische Verpflichtung von sich abzuwälzen, indem sie immerwährend behauptet, Oesterreich sei selbst ein überfallener Staat gewesen, ihn treffe gar kein Verschulden, infolgedessen sei er uueh nicht zu einer Wiedergutmachung verpflichtet. Es ist in dieser Zeitschrift wiederholt betont worden und soll auch jetzt wiederholt werden, daß der überwiegende Teil 77.. PACE VERBILLIGTE FAHRTEN NACH_ ANMELDUNGEN BE1 RESSEBÜRO , GRABEN 10 TEL R26100 CAPRI• des österreichischen Volkes an dem Nazi-Regime sowohl von oben als auch von unten mitgewirkt hat und daß somit jede österreichische Regierung, die doch das östen eichischc Volk repräsentiert. die Folgen des Verhaltens \on großen Volkstrilen zu tragen hat. Im teil weisen Zusammenwirken mit dem Nazi-Regime ist cs geschehen, daß Tausende von österreichischen Juden ihr Leben, und ebetisoviele rausende ihr Vermögen verloren haben und ihren Beruf mehr als ein Jahrzehnt nicht ausüben konnten. Der größte Teil von Letzteren hat ein Jahrzen t im Elend gelebt und war auf die äußerst karge l nterstützung durch jüdische Wohltätigkeits-Institute angewiesen. Fühlt nicht die österreichische Regierung, daß auch diese irgendwie entschädigt werden müssen!' Fühlt sich die österreichische Regierung nicht verpflichtct. all diese Menschen schadlos zu halten, die Wohnung. Einrichtung, wertvolle Sachen in unzähligen Massen verloren haben!* Wenn sich in diesen Belangen der österreichische Staat darauf beruft, daß hiofür nur Deutschland verantwortlich zu machen sei, so muß darauf hingewiesen werden, daß die Geschädigten gar keine Möglichkeit und kein Recht haben, von Deutschland die Entschädigung und W iedergutmachung zu begehren, da sie doch österreichische Staatsbürger waren und sind. Die W iedcrgutmachungs- und Entschädigungssummen. die wir von der österreichischen Regierung verlangen, kann dieselbe bei der sicherlich nicht ausbleibenden Auseinandersetzung mit Deutschland in Rechnung stellen, nicht aber die Geschädigten selbst. Der berechtigte Ruf nach Rückgabe der Wohnungen und Geschäftslokale ist sang- und klanglos verhallt, und was bisher von der österreichischen Regierung in sogenannter Wiedergutmachung geleistet worden ist, kann nicht einmal als .Minimum von dem, wozu sie verpflichtet wäre, bezeichnet werden. Die Lnterbrechung bzw. der Abbruch der Wiedcrgutmachungsv erhandlungen kann von den betroffenen Teilen des jüdischen V olkes nicht ohneweiteres hin - genommen werden. Es ist noch immer zu erwarten, daß unsere Regierung sich der Tragweite ihres V erhaltens und der Verantwortung vor der ganzen gesitteten Welt bewußt werden wird. Die Forderung, die wir an diesen Staat stellen, tut keineswegs Abbruch un unserer Anhänglichkeit an denselben. W ir erweisen uns als gute österreichische Bürger sowohl im Inals auch im Ausland, wenn wir an das Gewissen dieses Staates appellieren und die Erfüllung einer großen moralischen Pflicht begehren, durch welche das Ansehen dieses Staates in der ganzen Welt erhöht und die Wertschätzung desselben herbeigeführt würde. Das Ergebnis der ersten Entsehädigungsverhandlungcn zwischen Beckeimann als Vertreter der jüdischen Weltorganisationen und dein österreichischen Vizekanzler Schärf sowie Finanzrninister Karnitz ist enttäuschend, da sich die Meinungsverschiedenheiten über das Schicksal des erblosen jüdischen Eigentums in Oesterreich als so schwerwiegend lierausgesteilt hüben, daß eine Einigung zwischen den Verhandlungspartnern noch nicht ubzuschen ist. Die Gesetzcsmußnulimen der österreichischen Regierung zugunsten der im \usland lebenden jüdischen Naziopfer erscheinen den jüdischen Vertretern als ausreichend, die letzten österreichischen. Gegenvorschläge auf die jüdischen Forderungen nach einer —- herabgesetzt n - Globalcntsehädigung für die berechtigten Ansprüche lassen jedoch die Bereitwilligkeit Oesterreichs zu einer baldigen Lösung dieser Frage vermissen. Das nach den ersten Verhandlungen v eiöl feilt lichte gemeinsame Kommunique besagte lediglich, daß ein Meinungsaust iuseh stattgefunden habe. Im Laufe dieser \\ oche werden sieh die juristischen Sachverständigen beider Seiten an einen I'iseli setzen, um die noch ungelösten Probleme zu besprechen. Auf jüdischer Seite rechnet man jedoch nicht mit einem baldigen Lebcrcinkommcn, es sei denn, daß der österreichische Bundeskanzler Raab, der den jüdischen Ansprüchen wohlwollend gegenübersteht. den Widerstand einiger seiner Regicrungsmitglicdcr in nächster Zeit zu überwinden v ersteh t. Ls ist leider unverkennbar, daß der österreichische Verhandlungspartner eine Ermüdungstaktik cinsehlägt. damit man die Wähler aus den Kreisen des Antisemitismus nicht verärgert und überspitzte Politiker nicht reizt. Ein Wiener namens Josef Pav Der „Wiener Montag” mit seinem Chefredakteur Josef Pav hat es für notwendig befunden, uns wegen Ehrenbelcidigung vor den Richter zu zitieren. Gegenstand der Ehrenbcleidigungsklage sind unsere Berichte, die wir, als jüdische Zeitung, über die verschiedenen antisemitischen Aeußcrungen des „Wiener Montag” zu bringen genötigt waren und unsere Stellungnahme dazu, zu der wir uns berufen füllten. W'ir werden in der nächsten Nummer der „Stimme” unsere Leser mit der Wenigkeit unseres Gegners Josef Pav bekanntmuchen als eines Wiener Chefredakteurs, über dessen nationalsozialistische Betätigung uns Beweismaterial zur Verfügung stellt. Die Durchsuchung nach „Schmuggelware” im jüdischen DP-Lager Asten, die bekanntlich so gut wie ergebnislos verlief. wurde vom „Wiener Montag“ für einen berechtigten Anlaß gehalten, eine seiner antisemitischen Anpöbelungen, für die diese Zeitung nun schon eine traurige Berühmtheit erlangt bat, diesmal legal vom Stapel zu lassen. „Jüdische DP, gegen Razzia nach Schmugglern. — Sie rufen Weltorganisationen un, weil die Polizei Gauner suchte“ lauten seine l eberschriften zweispaltig in der Mitte der zweiten Seite. Der Ton spricht Bände und gemuhnt an die Zeiten des tausendjährigen Reiches. „Sie“ — nämlich die Herren vom „Wiener Montag“ werden sich über vergeblich bemühen, die österreichische Oeffentlichkeit unzurufen, um die zum Schwinden gebrachten subversiven Elemente wieder zu erwecken und ihnen Mut zu geben, die Juden zu besudeln. II. B. WOLLE UND GARNE größte Auswahl ADOLF BOMZE V, Reinprechtsdorferstraße 48 XX, Wallensteinstraße 17 Tauphon a 32 oo8 XVI, Neulerchenfelderstraße 20 II, Rotensterngasse 5 Samuel Inslicht Mittwoch, den 4. Oktober wurden die sterblichen Leberrestr Samuel Inslichts zu Grabe getragen. Ein großer Freundeskreis fand sich am Friedhof ein, um dem verdienten Mann die letzte Ehre zu erweisen. Der Seelsorger schilderte in seiner 'Trauerrede die Entwicklung Inslichts von der Jugend an. während sein Weggenosse Michael Kolm, die Erinnerung an die Zeit wachrief, da Inslicht die Poule Zion in Wien mitbcgriindetc und die Zeitschrift ..Der jüdische Arbeiter” redigierte. Inslicht war zuletzt Berichterstatter des ..Jcwish Chroniclc“. Für Literaturfreunde Paul Fechters „Kleines Wörterbuch für literarische Gespräche“ (Bcrtclmunn-V erlag. Gütersloh), ist eine Kostbarkeit, die man immer wieder mit Vergnügen in die Hund nimmt. Von A bis Z ein umfassendes Vudcmecum, bietet es dein Laien wie dem Fachmann eine unentbehrliche Hilfe. Allenberg. Hofmannsthal und Kafka sind ebenso vertreten, wie Werfel, Thomas Mann und Zuckmaycr. Bedauert haben wir. daß viele uns vertraute Namen fehlen. so unter anderem Karl Kraus. Trotzdem wird dieses Handbuch seinen Bcniitzcrn viel Freude bereiten und diverse literarische Begriffe dem Leser naherbringen. Efku Judaica-Sonderangebo* Em vclopädia Juduicu. 7 Bde. (Bd. 0. 9. 10 fehlt) S. II. Hirsch, Pentateuch, hehr. Text, deutsche Lebersetzung. Kommentar 5 Bde. S. IIcrzlicimcr. Bibel, licbr. Text, deutsche l cbersetzung. 8 Bde. illustr. Prachtbibel, hebr. Text, dsclit. I. ebersetzg. von Fürst, 3 Bde. Gef. Anfrügen unter „Juduicu 50f>“ an die Administration des Blattes. Hakenkreuz-Flugzettel in Graz In einigen Straßen in Gruz wurden im Abzichvcrfahrcn hcrgestcllte Flugzettel gefunden, deren Text auf die im Oktober 194b erfolgten Hinrichtungen in Nürnberg Bezug nimmt. Auf den Flugzetteln sind die Namen aller Hingerichteten angeführt mit der einleitenden Bemerkung: „Für Deutschland und Europa ließen ihr Leben.” Am Kopf der Elugzettcl befanden sich die Abbildung eines Eisernen Kreuzes mit einem Hakenkreuz. Herbert SCHELZER Generalvertretung und Niederlage der Firma K. JOS. OTTEN, Tuchfabrik in Hohenems, Vorarlberg Wien IX, Servitengasse 8, Tel. A 15 504 STOFFE KLEIDER EDR DAMEN HERREN UND KINDER Qut und preiswert vom ^Kaufhaus Bcüdec Nü&CC Wlan VII, MarlahllfartlraM «0 K 0 s G II E K E K V C II K 00276246

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