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Die Stimme · 1953-07-01 · Heft 76 (Juli 1953) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 76 (Juli 1953)
Date
1953-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Ötfyatv Alt Allgemeinen Zionisten in ÖsUtctick Zionistischer Landesverband Wien rrm □"fei c^ryrr m^rrrNnrT Preis 2 Schilling Redaktion und Administration : Wien IX, Univcrsitatsstr. Nr. 4/4 Telefon A 26 4 73 1 3 3 - i S Postscheck-Konto Nr. 134.292 p I Juli 1953 I II Jk IMIMHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIiaiMIMlII Nr. 76 - 1953 Gedenktage im Tamus Theodor Herzl Kal-Tamus fiel dicsmull auf den 3. Juli, an dem wir zum 49. Mal des Todestages Theodor llcrzl’s gedenken. Als Herzl erst 2 Jahre alt war, schrieb Moses Hess im Jahre 1862: „Die jüdische Volksmasse wird sich an der großen geschichtlichen Bewegung der modernen Menschheit erst dann beteiligen, wenn sie ein jüdisches Vaterland haben wird. Solange aber die Masse der Juden in ihrer Ausnalimsstcllung verharrt, werden auch die relativ wenigen Juden, die vergebens alles aulbieten, um dieser falschen Stellung des jüdischen Volkes individuell zu entfliehen, weit schmerzlicher von derselben berührt sein, als die Masse, die sich nur unglücklich, aber nicht entehrt fühlt. Daher kann sich der Jude, gleichviel ob orthodox oder nicht, der Aufgabe nicht entziehen, au der Erhebung des Gesamtjudentums mitzuwirken. Jeder Jude, selbst der getaufte, haftet solidarisch für die Wiedergeburt Israels ...“ Hess focht als Einsumer gegen eine geschlossene Front von Widersuchern einen Kampf, den spätere Generationen im Verlaufe von Jahrzehnten durchstehen und zum Siege führen sollten, im Geiste des Visionärs Herzl! Die aus der Zeit der liaskalah liervorgegungene nationale jüdische Bewegung, gebar die Probleme des politischen Zionismus, der die Anspannung starkcil Kiäfle und unbeugsamen Willens erforderte. Vorkämpfer unserer staatlichen Wiedergeburt waren vorwiegend jüdische Gelehrte des 19. Jahrhunderts, die allerdings Vorläufer iin nichtjüdisclien Lager hatten und von ihnen entscheidende Impulse erhielten. Förderer zionistischer Bestrebungen waren auch jüdische Philantn.pen und hochgebildete kluge, einsichtige, aufgeschlossene Rabbiner, die die Gebote der Schrift logisch erfaßten, die Wiederbesiedlung Erez Israels als eine Lebensfrage betrachteten und die Aufrichtung des heiligen Landes mit der Hände Arbeit als mit der messianischen Idee durchaus vereinbar bezcichnetcn. Eine der interessantesten und aufgeschlossensten Persönlichkeiten unter den zionistischen Rabbinern war Rabbi Mohilewcr, der die „Chowewc-Zion“ mitbcgründctc und sich damit ein Ruhmesblatt in der jüdischen Geschichte erwarb. Für ihn war die messiunische Idee ein Begriff der Realität, der zur Befreiung der Juden von Leid und Verfolgung führen muß. Als 'Theodor Herzl auf den Plan trat und sich politisch zu entfalten begann, stieß er auf Schwierigkeiten, die zu meistern eine andere Persönlichkeit nicht imstande gewesen wäre. Es galt, eine jüdische Massenbewegung zu schaffen, dynamische Kräfte zu entfalten und auf die Verwirklichung des Zionismus hinzusteuern. Wohl gab es vor Herzl zionistische Aktivität, die von hochgebildeten, interessanten Persönlichkeiten geistig genährt wurde, aber die moderne zionistische Bewegung, wie wir sie kennen, hat nur Herzl geschaffen. Er lehrte, daß die Juden ihre eigene Politik zu machen und sich zu einem politischen Machtfaktor zusammenzuschließen haben, um die Befähigung zu erlangen, einen autonomen jüdischen Staat aufzubauen. ln Anlehnung an Moses Hess, den hohen, edlen Geist, ging Ilerzl daran, das jüdische Volk aufzurütteln, es zu einer politisch handelnden Nation zu gestalten und von seinen unerträglichen Leiden zu befreien. Sein politisches Denken fand seinen Niederschlag im „Judenstaat“, wobei er sich zunächst nicht auf ein bestimmtes Territorium festlcgte, da ihm die Erlösung des jüdischen Volkes über alles ging. Hcrzl’s Einstellung zum Uganda-Projekt ist zu begreifen, wenn wir sein Streben nach Gewinnung eines Territoriums würdigen und uns seine Forderung ins Gedächtnis rufen: „Man gebe uns die Souveränität eines für unsere gerechten Volksbedürfnisse ausreichenden Stückes der Erdoberfläche, alles andere werden wir selbst besorgen.“ Allerdings konnte Ilerzl, der Visionär, aus assimiliertem besten jüdischen Milieu kommend, die Judnfreage zunächst nicht verläßlich aufzeigen. Erst nach einer Reise durch die Gebiete Osteuropas, wo der große Teil des Judentums lebte, erlangte Herzl die Erkenntnis, daß die jüdische Seele von der Sehnsucht erfüllt ist, in das Land der Väter zurückzukehren, wo die ethischen und politischen Kräfte entflammen können und der zweitausend Jahre alte Traum Erfüllung finden muß. ln seinen Handlungen befolgte Herzl die lateinische These: „In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibuß caritas.“ (In notwendigen Dingen: Einheit, in zweifelhaften: Freiheit, in allen aber: liebevolle Duldung.) So kam es nach harten, aufreibenden Kämpfen zu einer Konzentrierung der verschieden denkenden Elemente, somit zur Aufrichtung der zionistischen Bewegung im Geiste llerzls, der die Judenfrage als Machtfrage erkannte und ihr Impuls verlieh. Auf dem ersten von Ilerzl cinbcrufenen Zionistenkongreß, der am 29. August 1897 in Basel stuttfand, wurde das „Busler Programm“ geschaffen und folgendermaßen eingeleitet: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öfcntlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina.“ Nach seiner Rückkeh" nach Wien, schrieb Herzl in sein Tagebuch: „ln Basel habe ich den Judenstaat gegründet.“ Er prägte tatsächlich dem Zionismus den politischen Charakter ein und gab ihm die Mittel zur Durchführung der praktischen Aufguben in die Hund. Vierundvierzig Jahre nach dem Ilinscheiden Ilerzl’s wurde der selbständige jüdische Staat proklamiert. In der Geschichte finden wir kein Analogon zur Persönlichkeit HcrzPs, seine prohpetischcn Gaben muten wie Legenden aus antiker Zcic an. Sein Antipode Achad Ilaam, schrieb nach HcrzPs Tod: „Mit dem lebendigen Geist konnte man polemisieren, der tote Ilerzl aber wird in der Phantasie und in der Legende des jüdischeen Volkes immer größer und mächtigcr.“ Die Ehiung Ilerzl’s, der Tag Kaf-Tanuis, bekam nach der Aufrichtung des jüdischen Staates neuen Inhalt. Hcrzl’s Geist schwebt heute über Israel, sein Traum ist reale Wirklichkeit, das jüdische Volk ist heimgekehrt und zeugt für die Unsterblichkeit der großen Iferzlschcn Gedanken. Nach dem Tode llerzls hielt ihm Ma\ Nordau einen Nachruf und sprach zum Schluß felgende Strophen einer Trauerkantate, die er verfaßt hat. „Ewig in des Volkes Gedächtnis Lebt dein Werk und lebt dein Bild. Sieh! Wir hüten dein Vermächtnis Treu, den stolzen Davidschild ln der Zionsfahne Falten Wird dereinst dein Sarg gehüllt. Was du schwurst, wir werden’s [halten, Und dein Sehnen wird erfüllt...“ BERNHARD BRAVER Der Einladung der österreichischen Re gierung Folge leistend, kam Mitte Juni d. J. die Repräsentanz jüdischer Einigkeit bestehend aus Dr. Nahum Goldmann, Dr. Israel Goldstein, Jacob Blaustein, Moses Bckelman, Adolf Held, Barnett Jänner und Eugen Weill nach Wien, um im Namen und im Aufträge der vom Nazismus beraubten Juden, Wicdergutinachungsverhandlungen einzulciten. Gestützt auf die von Bundeskanzler Ing. Raab abgegebene Erklärung, geben wilder Hoffnung Ausdruck, daß die Verhandlungen günstig gedeihen werden. Als Repräsentant der österreichischen Juden, nimmt der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Maurer, an den Besprechungen mit der Regierung maßgebend teil. Die Wiener Judenschaft hat Veranlassung genommen, den Delegierten der jüdischen Weltorganisationen in einer Massenversammlung im Großen Musikvcreinssaal einen würdigen Empfang zu bereiten. Bei diesem Meeting unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten der Israelit’schen Kultusgemeinde Wien, Herrn Gustav Leitner, ergriffen sämtliche Notabein das Wort und versicherten uns der unverbrüchlichen Treue, Chaim Nachman Bialik Einer der Hauptfaktoren der Erhaltung des Judentums durch die 2000jährige Gallith, ist die hebräische Sprache und Literatur. Die Römer konnten den jüdischen Staut zerstören, aber nicht den hebräischen Geist, der im Bewußtsein jedes einzelnen Juden in der ganzen Zerstreuung lebte und sic über alle Grenzen der Galuthländcr hinweg zu einer Einheit verband. Von diesem hebräischen Geist beseelt, schufen Dichter und Denker in allen Epochen philosophische und poetische Werke von wunderbarer Schönheit und Weisheit und von bleibendem Wert. Dieser hebräische Geist war es auch, der die Chibuth Zion Bewegung hervorbrachte, deren geistige Richtung in zwei genialen Männern ihre Hauptrepräsentanten fanden: Achad Ilaam und Bialik, jener in der Philosophie, dieser in Poesie. Bialik ist ein nationaler und in der Hauptsache ein lyrischer Dichter. Eine große Anzahl seiner Gedichte haben nationale Themen zum Inhalt, in denen eiserne Gefühle über das traurige Schicksal des jüdischen Volkes in der Galuth zum Ausdruck bringt. Auch dort, wo er über sein eigenes Geschick klagt, kann man den bitteren Schmerz der kollektiven Seele heraushören. In Armut geboren, jung verwaist, streng erzogen, früh mit Fortsetzung auf Seite 2 der Hilfe und der Stütze. Dr. Nahum Goldmunn hielt eine großangelegte Rede, deren Quintessenz wir nachstehend wiedergeben : ( Ich glaube, ich kann im Namen dieses ganzen Tisches und aller derer, die hinter diesem stehen, sprechen und Ihnen sagen: Das, was man „Wcltjudentum“ nennt, hat Respekt, Sympathie und ein Gefühl der Solidarität für Sie, die auf diesem schweren Posten stehen, und wird seinerseits alles tun, um Ihnen das Leben und Ihre Position zu erleichtern! Die Tatsache, daß wir hier sind, ist der erste konkrete Beweis der Hilfe des Joint, und andere haben schon viele konkrete Beweise dafür gegeben. Aber es ist der erste dramatische, wenn ich so sagen darf, sichtbare Ausdruck dieser Bereitschaft, mit Ihnen im Kampf eine Front zu bilden. Ich werde nicht, meine Damen und Herren, die Probleme, über die wir morgen früh mit den Leitern der österreichischen Bundesregierngu zu sprechen haben werden, zum erstenmal hier ausführlich darkgen. Falls einige von Ihnen erwartet haben, daß ich das tue, werden Sie, auch wenn Sie keine professionellen Fortsetzung auf Seite 2 Wiedergutmachung ein moralisches Problem Neujahrswünsche in der Zeitschrift „Die Stimme" sind wirkungsvoll und erreichen Ihre Freunde in aller Welt! Sie ersparen Druckkosten, das hohe Porto und die Mühe! Entgegennahme von solchen Inseraten auch telefoniach unter A 26473 (10—14 Uhr) Administration: Wien IX, Universitätsstr.4

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