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Die Stimme · 1953-04-01 · Heft 73 (April 1953) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 73 (April 1953)
Date
1953-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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.Seite i) 11: s t i iyi m i: Nr. 75 BEFREIUHG Der deutsch-israelische Vertrag D:< VV o rlri c-ri:inLi11nu dt r Selbständig - keil und I ri-i111'it des jüdischen \ olk." im Linde der Väter. nach einer zw ei laust tui jäIn int'ii Li rmilhen schal t und l ntrrdi iickuii:;. ist t'iri< außergcw ühn - iit hi-, in der (irsrliicht(' (Irr \ölkrr einzig dastehende Ki seheitiimg. W»Id kennt die Gt schieltte lalle der IioTrci11n^ nach einer Iaiig jährigen l ntcrjochung mich bei linderen Völkern. I) >eb bandelt es sieh bei diesen nur um bloße \\ iedcrhersL'lltmg der v tu Inrengegangeneu Souveränität über einen Buden, aul dem sie sitzen blieben. Kine Erscheinung aber, wie die Rückkehr eines aus seinem Lande vertriebenen V olkes. in welchem sieh andere \ ölker i('sl- -et/.ten. stellt etwas "an/. Eigenartig» s. Außerordentliches dar. Nur diejenigen, welche über alles Grobe und Lrhabene in der Welt und in der Geschieh le mit Gleichgültigkeit hinwegsehreiten. können auch \ »r dieser einmaligen historischen Erscheinung ihre Augen schlichen. Kür den nicht an der Oberfläche haltengebliebenen Denker aber bildet die Erhaltung des jüdischen \ olkes. der beispiellose Sieg über die weit überlegenen \raber. die Einsetzung einer jüdischen Regierung. ihre Anerkennung durch alle \ ölker. hat einen komplex. soll w uniiersaiiier historischer Phänomene. Sie erscheinen ihm als etwas so Grandioses. L nfaßliehe.s. daß er nicht umhin kann, sic als die Erfüllung der um den Propheten xerkiindeten ..Erlö- > u n g" zu erblicken, als W irkung eines dem \ olke in besonderem Mähe innewohnenden geistigen Agens. Der Geist der Propheten, der unerschütterliche Glaube an die \ erw irklichung der Ideale der Gerechtigkeit und Freiheit, die die Erlösung mit sich bringen wird, waren es. die dem \olke die kraft verliehen, alle Leider und Verfolgungen zu überwinden und so lange auszuharren, bis die Stunde der Befreiung schlug. Der Erlösttngsgedanke ist einer jene»' Begriffe des Alten Testamentes, der zu vielfachen Mißverständnissen und Mißdeutungen. zu Anwürfen und Verleumdungen gegen die Juden Anlaß gab. Antisemiten aller Völker, aus allen Lagern bedienten sich der Methode des Mißbrauchs des Alten Testaments, um ihren Haß und ihre Verfolgungen gegen die Juden theoretisch zu begründen und. sieh und ihre Religion in ein schöneres Lieht zu stellen. So wird auch die Idee der Erlösung als partikulär., nur auf das jüdische V olk und auf äußerliche Güter beschiänkt bezeichnet und ihr der Sinn des Strebens nach \\ eltherrsehaft untergeschoben. VV er sich aber im Alten Testament vertieft, weiß, daß der Begriff der Erlösung (Geulah), nicht nur die Bcfieiung aus dem Exil und die Besitznahme des Landes bedeutet, sondern auch die Kettung aus Not. Leid und dem Bösen. nicht die bloße Rückerstattung von äußei liehen Gütern, sondern auch die Erlangung der höchsten inneren Werte, und daß die Erlösung sich nicht nur auf die Juden beschränkt, sondern auch auf die ganze Menschheit erstreckt. Lj. Buch Moses. dB. 5—7: Jesaja, 2—5 . Gewiß sprechen die Propheten auch \oii Wiedergutmachung äußerer Güter und der Rehabilitierung der tief verletzten Ehre des jüdischen V olkes. Die jüdischen Propheten waren, trotz ihres hohen Idealismus und l niversalismus. keine Götter und wußten, daß ein Volk auch äußere, materielle Güter zum Loben besitzen muß. Angesichts der durch die Zerstörung und Verwüstung des Landes und der Vertreibung vom eigenen Boden ganz gesunkenen Mutes d s Volkes. war cs auch notwendig, starke selbstbewußte Töne anzuschlagen, um das Volk zu trösten. Bei ihrer humanistischen und Eisen- und Maschinenlager BRÜDER DEUTSCH GROSSHANDEL und EINZELVERKAUF von Maschinen, Motoren, Werkzeugen, Transmissionen, Blechen nach Maß, Eisenmaterialien sowie allen technischen Bedarfsartikeln Einkauf von Fabrikseinrichtungen, Eisen, Alteisen und Metallen Wien XX.Engelspiatz 21 / »47-4-68 um v ci salLtisclieft VV rlt ansrhatuiiig. w aren die Propheten auch treue Sühne ihres Volke-., und ihr l.erccli tigkei tsgcl iilil ließ den Gedanken einer vollständigen Vernichtung des Prägers einer holleren Gotte>-erkeinitnis unu Moral (Inreh die i leiden nicht zu. mir weil diese militärische wacht besaßt n. ideale Liehe zum eigenen Volke und V atcrlande ist kein t»egeiisaU zum l niversalismus. wie manche i he »logt n glauben. Ins scheint, dal.. der l nivcrsalismus der Propheten überhaupt nicht kosniopoliiisiiiii' bedeutet, hindern identisch »st um dem. was wir heule edlen Internationa- I i s 111 (i s nennen. Vber seihst, wenn die i’i opheten ein kosmopolitisches Ideal vor Vogen halten, so waren sie Realisten genug. dieses ideal erst am Ende der Zeiten verwirklichen zu lassen. Bis dahin hat das jüdische Volk, haben alle kleinen. schwachen Völker dasselbe Reell t zu icbcii. wie die großen, starken. Sieh der Macht des Stärkeren unterwerfen, hieße das Recht der Gewalt und nicht das des (wüstes und der Freiheit aller Volker anerkennen, ihr Gerechtigkeitsgefühl war es auch, das nach einer gerechten Strafe für die Grausamkeiten gegen (las jüdische Volk, aber auch für die l ugerech tigkei teu des eigenen V olkes forderte. Von demselben Geist der Gerechtigkeit. W alirhcit und Freiheit waren die Juden dureli die ganze Zeit der GuLith beseelt. Die Behauptung der Antisemiten. daß einzig lind allein die Hoffnung auf Erfüllung der verheißenen materiellen Güter und der Weltherrschaft das Vlotm der Nichtussimilierung und der Vusdauei der Juden im Exil war, ist lächerlich. Kür v e r s p r o c li e n e leibliche Güter der späten Zukunft, am Ende der Tage, die schwersten Leiden und Verfolgungen zu ertragen, wäre sinn- und erfolglos. Das zähe Festhalten am eigenen Volkstum, trotz größter Marter. Qual und Difiamierung kann nur idealen Motiven entspringen. In der Kultur des Heidentums im Altertum und im bildervei-ehrenden Christentum des Mittelalters. sali die Judenschaft keine ihrer eigenen überlegene Kultur. Assimilation' - erst lieiiiungen sind daher bei den Juden erst in der Neuzeit w ahrzmiehmen, die aber auch nicht zum Heil, sondern zum V erderben geführt haben. Von verschiedenen Seiten wird die Gründung des Staates Israel bagatellisiert.W el - ehe Bedeutung ist dem kleinen Staate Israel auf der Arena der Weltpolitik beizumes- '-en V W as spielt ein an Zahl so geringes Völklein von I bis 2 Millionen Juden für eine Rolle im Kreise der Großmächte L fragt die eine Seite. Was ist dies für eine Erlösung, ohne Erfüllung aller Ideale und der Verheißungen der Propheten. die mit der Erlösung in Verbindung stehen L fragt man auf der anderen Seite. Jene rekrutieren sieh aus (len Reihen der sogenannten Realisten, Materialisten. Positivsten. Es sind dies Leute, die jeden Sinn für das Ewige. I ebcrsinnlirlie einbüßten und die Geschichte mit dem Maßstabe einer Eintagsfliege messen. Diese gehören zum extrem-i eligiösen Flügel. Es sind Vien - -ehen. die den Regriff des W unders mißverstehen und glauben, daß Häuser. Straßen und Fabriken vom Himmel fallen. Vneli die Erlösung ist ein langsamer Prozeß, in dem die Gründling des Staates Israel nur einen Anfang bedeutet. Wir wollen hoffen, daß der Prozeß der politischen und geistigen Erlösung in einem schnellen Tempo vor sieh gehen und daß. nach der Krlö Mau kann die 1 n tcrzeichuuug des deuiseh-e-raelisenen Vertrages, der aul l.ruml in i Haager Verhandlungen im •luhrr pui zustande gekommen ist, als e,reii historischen Vkt bezeichnen. Auch -elli -t das Datom seines Inkral ttretens Ueiilet s<» etwas wie eine historische Zäsur an. Es scheint, als unterlege dieWeltge-t liieliie ihren eigenen Sinn dem Ablauf der Geschehnisse, denn zumindest rem äußerlich ist es doch wohl von Bedeutung. daß fast genau 20 Jahre nach begann des Feldzuges gegen die Juden ( in \v i(uh rgiitmachimgsaltKammen mit neu Juden geschlossen wurde. Der westdeutsche Bundestag hat mit großer Mehrheit dieses Abkommen mit Israel und den jüdischen Weltorganisationen gutgeheißen. Selbst die Opposition, die im allgemeinen, und insbesondere in großen politischen Fragen den Vorschlägen von der Begicrungsbank nicht znstimmt. hat in diesem Falle die Regierung unterstützt und mit ihren Stimmen die Mehrheit geschaffen. Durl mau die heutige Zusammensetzung des deutschen Bundestages noch als den Ausdruck der Volksmeinung der Westdeutschen Bundesrepublik anschen, so hätte sieh das deutsche Volk in seinen w csentlichen Tei - len für eine W ieder-gnt-maehuiig seiner seihst und für eine Entseliädigungszahluiig ..an die Juden'' entschieden. Aber amu m Deutschland hat sieh diese Erkenntnis nicht so leicht und einfach durrhgcsrtzt. Es geht um erhebliche Beträge, die das deutsche Volk aufzubringen mul zu zahlen hat. Es bedurfte einer licilie von Männern, deren moralisches Gewissen sieh in diesem Falle mit sittlichem Wut und politischer Entschlossenheit paarte, um das deutsche Volk zu der hi keiintnis zu bringen, deren Folge dieser Vertrag ist. Gewiß, auch politische Klugheit spielt dabei eine Bolle, aber wer in eine Gesellschaft wieder aufgenummen werden will, wird wohl tun die Einsicht nicht herumkommen, daß er sieh zunächst seiner Schuld entledigen müsse und Sühne zu zahlen habe. W ir sollen, gerade in Hinblick aut die moralische Bewertung dieses Abkommens, nicht der Männer vergessen, deren ethisch-rechtliches Empfinden sie trieb, für eine W icdergulmachung an die Juden cinzutrelcii. An erster Stelle ist der Bundeskanzler Dr. konnte! Adenauer zu nennen, ein Mann, der schon vor 25 Jahren als Mitglied des deutschen Komitees Pro-Palästina mit der zionistischen Bewegung in Berührung kam. ln seinem Geiste und mit seinem besonderen Aufträge wirkte im Haag als Leiter der deutschen V ei hainllmigsdelegution Prof. Franz Boelmi. ohne dessen 'Pakt und einfühlendes Verständnis wohl die Verhandlungen selber viel schwieriger gewesen wären. Bechtsauwalt Otto Küster, den stellvertretenden V crharidlmigsleitar der ersten Phase im Haag, hat man in Deutschland (len ..Anwalt des Gegners” genannt, und es mag wohl auch der Einstellung dieses Mannes entsprechen, daß er auf diesem Posten sich nicht wie ein gegnerischer*' Vnwall fühlte, da gerade er ja die Schuld seines Klienten als eigene Schuld, empfand. Auch Männer wie Erich Liith und Pfarrer Hermann Maas haben nicht geringen Anteil an der Vorbereitung der sung des jüdischen Volkes, auch die der ganzen Menschheit aus Leid. Not und (hin Bösen folgen und, im Sinne der Propheten, eine Völkerversöhnimg und Verständigung noch in unseren Pagen reale I »iinen aiinelimen wird. Atmosphäre, die diesen V ertrag zustande kommen ließ. W ir begrüßen die l iitcrzcichnimg des V ertrages als einen Beginn. Er ist (las V er,sprechen zu einer Erfüllung. Die Erfüllung kann vieles bedeuten. Denn nur sie zeigt den Willen zur Wiedergutmachung. die nicht nur für Israel im materiellen. sondern auch für die Deutschen im moralischen Sinne von hoher Bedeutung ist. Zwei Briefe an die Redaktion... Ein Freund aus Schweden sandte u:is einen Brief, dem wir folgendes entnehmen : .Die Schwedische Israel-llilfc hat eine Million Schwedenkronen gesammelt und diesen Betrag um 27. März 1955 zugleich mit 2 schwedischen Flüggen dem israelischen Gesandten Nissan in Stockholm überreicht. Diese Summe soll für die Errichtung einer landwirtschaftlichen Kolonie mit 75 Häusern verwendet werden. Leber der zu errichtenden Kolonie sollen die blau - gelben Fahnen Schwedens wehen. Gesandter Nissan dankte in herzlichen Worten und erklärte, daß diese Siedlung eine Heimstätte für Flüchtlinge aus der Tschrchoslow ukischcn Bepublik. Biimünien und l ngurn werden wird. Gesandter Nissan hob in seinen Dankesworten hervor. daß die dem Staate Israel von Seiten der Schweden gewährte Hilfe um so höher einzuschätzen ist, als sein Volk nun unter großen Schwierigkeiten den Grund für einen ..Dritten Tempel" lege." Aus Sydney; .Ich freue mich aufrichtig, dem ausgezeichnet redigierten Blatte zu entnehmen. daß das zionistische Leben in Wien wieder im Aufblühen ist, trotz politischer und wirtschaftlicher Hemmungen. die Ihre Arbeiten erschweren. Es war für mich interessant festzustellen, daß Ihre Zeitung an demselben Platze redigiert und gedruckt wird, an dem ich vor 15 bis 20 Jahren die „Jüdische Front" heruusgab mul wo auch die ..Neue W elt" Kotiert Strickers s. A. gedruckt wurde. — Tempi passati! — .Die Einwanderer aus Mittel- und Osteuropa, die seit 15 bis 40 Jahren hier in Sydney sind, zeigen zum Teil reges Interesse für zionistische und soziule Tätigkeit. haben aber die Leitung und Führung der Bewegung monopolisiert und schließen sich gegen die Einwanderer jüngeren Datums ab. Nur wenn bei irgendeinem Anlaß Not an Mann und .or allem Not an Mitteln ist. tritt man an diese ..Greenhorns" mit dem Ersuchen tun Mitarbeit heran. Als dies vor 2 Julireu anläßlich des Israels Appeals der Fall war. haben Dr. Parnes und ich eine zionistische Versammlung der Sliangliaier cinbcrufen. die sehr gut besucht war undauch in materieller Beziehung einen großen Erfolg zu Gunsten des Appeals zeitigte." Dar Komponist Naftali H. Imber Die sterblichen l cberreste des im Jahre 1909 in New Volk verstorbenen Naftali Herz Imber, des Komponisten der hebräischen Nationalhymne „llatikwa", wurden vor einigen 'Pagen nach Israel übrige führt. STANDARD Verlangen Sie bei Ihrem Schuhmacher "ur „STANDARD” ai.,:u„ Sie werden zufrieden sein WOLLE UND GARNE größte Auswahl ADOLF BOMZE V, Reinprechtsdorferstraße 48 XX, Wallensteinstraße 17 Telephon A 32 008 XVI, Neulerchenfelderstraße 20 II, Rotensterngasse 5

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