Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1953-04-01 · Heft 73 (April 1953) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 73 (April 1953)
Date
1953-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2431292-2431345-2431348--0512-2432139
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

V. b. b Preis 2 Schilling lllllttMttttllllllltllMItMMMIIIIMIt l Redaktion und Adminislrntion : W ien l\. I niversitätsstr. Nr. 4 4 Telefon A 20 4 73 Postscheck-Konto iNr. 134.21)2 April 1953 iemeitten Zioitislen in Osletveicli Nr. 73 - 1953 Zionistischer Landesverband Wien Das große Werk in Israel Zum 5. Unabhängigkeitstag Der Dichter Bialik rief einst seinem Volke zu: ..Es ist /eit. sieh zu sammeln.” An allen in der Diaspora versuchten Lösungen seiner nationalen Existenz. ist das .Judentum gescheitert. Dem eigenen Hoden entfremdet, die seelische Kraft, unser gesamtes Kulturgut uneingeschränkt zu pflegen herabgemindert, konnten wir nicht zur Entwicklung der jüdischen Kultur mit jener Vollkommenheit gelangen, die im eigenen Lande seßhaften Völkern eigen ist. Die 'Tragik. daß die .Juden von der Natur losgelöst waren. hat zur abnormen Vojlksevistenz geführt. Diese Abnormität hat unseren Feinden die Möglichkeit geboten, die überragenden Leistungen der Juden in der Weltgeschichte zu verzerren. uns ständig unter Anklage zu stellen und \on dem uns abholden Forum verurteilen zu lassen. Gerät ein \ ulk in soziale Not, greifen die Antisemiten zum Mittel der betrügerischen Ablenkung und zum Yerleumdun.gsfeldzug gegen das .Judentum, welches zum Objekt des bequemen und gefahrlosen Angriffs wird. Als Bialik uns zurief: ..Fs ist Zeit, sieh zu sammeln”, erkannte er die immer mehr um sieh greifenden Gefahren und unterstrich die \ erneinung der Galuth. die Ablehnung der jüdischen Zerstreuung, aber die Bejahung des hehren Gedankens um Ercz Israel. Der 'Traum IlerzTs von der Auferstehung des jüdischen Volkes ging, muh nahezu 20(10 Jahren, in Erfüllung: die Neugestaltung' des staatlichen jüdischen Lebens, begann in unserem Lande, in Israel im Jahre 1048. Die Zionsliebe blüht und die W iederkehr nach Israel erhebt jeden Juden. Das größte Phänomen in der modernen jüdischen Geschichte, ist die Wiedergeburt der altneuen Heimat, der Medinath Israel, der schicksalhaften Gemeinschaft, aus der Krall und Lebensmut strömen und uns Selbstsieherheit \erleihen. Die Gestaltung des sozialen und kulturellen Lebens in Israel, die Schaffung der eigenen ethischen Existenz. ist naturgemäß mit schwerer Bürde \ erblinden, da der Jisehuw vielfältige Probleme zu lösen hat. die mit den Erfordernissen des 'Tages Zusammenhängen. Ein Prozeß um neue Lebensformen, neuen Lebensinhalt und um die Umwandlung heterogener Gruppen zu Gliedern einer nationalen Kette, geht vor sich. I'ebermächtig, elementar bieten sieh die Probleme dar. die allerdings nicht reibungs- und krisenlos gelüst werden können. Es ist aber klar, daß es gelingen wird, das Antlitz des jüdischen Volkes und seines Landes zu formen. Die Kultur. Indi\iduulilät. die Vitalität des organischen Körpers nehmen zusehends feste Gestalt an und der israelische Jisehuw stellt nun auf eigenen Füßen. D)ic W anderung im finstern Tal der uns feindlichen Welt hat unsern Volkskörper nicht zerstört: unsere Generation hat eine Benaissanee erlebt, die in der Historie, der \ ülker keine Parallele findet. Mit verhaltenem Atem betrachten wir die stürmische Dynamik Israels, das allmählich zu einem politischen Faktor im Völkerleben wird. W ir leben in einer furchtbaren Zeit, deren Probleme sieh immer mehr komplizieren. Die politischen Gegensätze verschärfen sieh, die Leidenschaften des Zorns werden bei vielen Völkern aufgcpeitseht und deren nationales, politisches Sein stark erschüttert. Das Land Israel ist von hemmungslosen Feinden umgeben. die darauf lauern, uns auszulüschen. Zu den vielfältigen Schwierigkeiten gesellt sieh bösartiger feudaler Imperialismus orientalischer Prägung, mit verlogener Auffassung von Genetik, die die Muftis und Paschas verleitet haben, mit den deutschen Nazis gemeinsame Sache zu machen. Der jüdische Genius, der sieh wunderbar entwickelt hat. hält auf exponiertem Posten W ache, schützt die w iedererriehtete Heimstätte vor nationalen Katastrophen und die Juden in der Welt davor, daß sie als Parias ein unerträgliches Leben fristen. Wir .Juden kämpfen für unser physisches Dasein, das immer stärker, immer raffinierter und heim tückischer bedroht wird. Non keiner Seite wird uns Hilfe zuteil. Demokratische Mächte, die berufen sind, die Ordnung der Welt zu lenken. verfallen der Macht der Sünde und begehen Fehler, die zur politischen Dekadenz führen, worunter Israel und mit ihm die Judenschaft zu leiden haben. Der .Jisehuw in Israel muß und wird mit dem Lande verwachsen, ein organisches Leben führen und die biologische) \ olksevistenz sichern. Israel sammelt seine Kraft, nährt seine, geistigen. kulturellen. zivilisatorischen und materiellen Werte und pflegt die Kontinuität des pulsierenden Lebens, eingedenk des Erbes der Propheten des Altertums und der Weisen der Neuzeit. W ir feiern den fünfjährigen Bestand der Medinath Israel. Für ein Staatsgefüge ist das eine sehr kurze Zeit, aber welche Wunder erleben wir! Das wüste Territorium wird mit atemraubender Schnelligkeit urbar gemacht, es entstehen in rascher Folge moderne Städte. Dörfer und Kolonien, keine Minute wird vergeudet, um je eher zum großen Ziel zu gelangen. I nsere alte Kultur, unsere in der Galuth und trotz der Galuth erworbenen Fälligkeiten und Erfahrungen, leben in Israel neu auf. Es wächst eine Jugend mit Kraft und Fälligkeit heran, um die uns hochstehende Völker beneiden müßten. Diese Jugend ist die Kraftquelle für das Dasein des jüdischen Volkes: sie war es, die den l eberfall der arabischen Staaten abgewehrt. den Sieg über den Feind errungen und die Existenz Israels gesichert hat. Im Lande begegnen wir dem neuen T\ p von Menschen, den eingesessenen, der mit Feuereifer den geheiligten Boden fruchtbar macht, sich die Freiheit wie das Leben durch harte Arbeit täglich erobert und aus der Verbundenheit mit der Mutter Erde Glück schöpft. Diese Viensehen schufen und schaffen noch weiter Baum für die Aufnahme neuer Einwanderer, die zur Stärkung Israels beitragen und die Integrität fies Landes sichern. Infolge des Zustroms großer Menschen m asson. ergeben sieh naturgemäß schwere Stagnationen, die aber mit übermenschlicher Kraft und mit heroischen Opfern überwunden werden. Allerdings gibt es Situationen. die unendliche Schwierigkeiten bereiten, worüber manchmal gestrauchelt wird, aber die Israeli richten sich wieder auf und allen Unbilden zum Trotz, gehen sie den schweren Weg weiter, der zum Ziele führen wird und muß. Wir erleben jetzt einen Umwandlungsprozeß, wie ihn die Geschichte noch nie verzeichnet hat. Wer von uns ahnte es vor etwa 2(J Jahren, daß im Leben des jüdischen Volkes eine epochale Umgestaltung kommen werde, deren Lenkung ausschließlich mit der Kraft der Juden möglich sein wirdV Wir trugen den Befreiungsgedanken in unserer Brust und als der Augenblick der nationalen Erlösung und die Rückkehr nach Erez Israel kam. zeigte es sich, daß das jüdische Volk seiner geschichtlichen Aufgabe gewachsen war. Es zeigte sieh als Riese an Energie und Arbeitskraft. Die Medina wächst mit ihren Aufgaben, die maßgeblichen Faktoren des Landes sind sich dessen bewußt, daß sie ein altes Vermächtnis, ein glänzendes, einmaliges Erbe zu verwalten haben. Jom Haazmauth. der Tag an dem wir die Geburt des jüdischen Staates, der Medinath Israel feiern, ist der 'Tag der1 Freude, des Dankes, der Verbundenheit und der V crpflichtung, worin sich alle Juden der Welt vereinen. 1 in Judenstaat sagt llcrzl Worte, die jetzt mehr denn je ihre Aktualität haben: ..Vlun wird in den 'Tempeln beten für das Gelingen des Werkes. Aber in den Kirchen auch!. Denn in unser aller Leben kommt ein neuer Inhalt.Und welcher Ruhm erwartet die selbstlosen Kämpfer für die Sache!.Und was wir dort nur für unser eigenes Gedeihen versuchen, wirkt machtvoll und begliikkend hinaus zum Wolde aller Menschen." Die Zionisten Oesterreichs beugen sieh vor dem großen Werke in Israel und erhoffen vom jüdischen Geschicke unserer 'Tage, einen weiteren Fortschritt auf dem eingeschlagenen Weg. B e r n h a r d B r a v e r Der MEDINATH ISRAEL aus Anlaß des Jom Haatzmauth die besten Wünsche Der Vorstand des Zionistischen Landesverbandes Österreichs Zionisten ÖstcweicUs! Erscheinet bei der feierlichen Kundgebung aus Ajilaß des Jom llaat/inaiith Sonntag, den R). April R)ö3 im Großen Konzerth iussaal! /1ONISTISCIIE FUDER ATI O ' Jugendfest! Die Zi »luetische Föderation in Österreich veranstaltet aus Anlaß des Jom Haatzmauth. Sonntag, den R). März. Iti Ihr. ein Jugendfest. Cafe Grillpar/rrhof, L. Bauernmarkt 10. Alle jüdischen Kinder VV iens sind herzlich eingeladen. Jause frei!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.