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Die Stimme · 1952-10-01 · Heft 67 (Oktober 1952) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 67 (Oktober 1952)
Date
1952-10-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 67 Sri Ir 1)11, STfMMK Kleine Nachrichten aus Israel PRODUKTION UND EXPORT Dir industrielle [Produktion des Landes erreichte im Jahre 1951 die flöhe von 280 Millionen Pfund mehr als das Doppelte des Jahres 1949. Der Industrieexporf betrug 68" o des allgemeinen Exports und erreichte 16 Millionen [Pfund, gegenüber 10 Millionen im Jahre 1949. Die potentielle Kraft der Schwerindustrie ist 44 Mil lionen Pfund, und Israel ist imstande, Ware für 130 Millionen [Pfund, mit einem Reingewinn von 51 Millionen Dollar zu produzieren. Israel hat aufgehört, Glas, Teekessel, Gummisoh len, feiler usw., aus dem Auslände zu importieren. Glasfabrik Pliaenicia" Die im Jahre 1934 gegründete Glas fabrik ..Phoenicia“, in der Nähe von Haifa, wurde letztens mit einem ultra-modernen Brennofen versehen, der in diesen 'lagen zum ersten Mal angezündet wurde. In der neuen Installation dieser Fabrik wurden 600.000 Dollar von der amerikanischen Subvention und 700.000 Israel-Pfund an lokalem Kapital investiert. Die Fabrik ist imstande 150.000 Quadratmeter Plattglas monatlich zu produzieren und so den ganzen Bedarf des Landes an diesem Artikel zu decken. WÄSSER Trinkwasser im südlichen Neg,ev. Die letzten Bohrungen im südlichen Negev und in der Arava ergaben ein ungewöhnlich großes Quantum von Trinkwasser. Das neue Wasserreservoir in Ramath-Gain. Das neue 6000 Kubikmeter große Wasserreservoir liefert bereits Wasser für die Bevölkerung von Ramath Gan. Das Reservoir, nach dem Pristker System gebaut, 'wird etwa 70.000 Pfund kosten. Das Reservoir ist mit einem 17 Meter hohen Turm versehen. Auf dem Dach wird eine riesige Plattform gebaut, die für Massenversammlungen von bis zu 2000 Personen geeignet ist. ZUCKERRÜBENERNTE Die diesjährige Zuckerrüben ernte ergab 3000 Tonnen Rüben, die in der Fabrik „Assis Lekohal“ zu 250.000 Liter Alkohol verarbeitet wurden. Im nächsten Jahr beabsichtigt man die Zuckerrübenfläche zu vergrößern und die Ernte auf 20.000 Tonnen Rüben zu bringen. THEATER Im Laufe des Jahres 5712 gab die „Habima“ 373 Vorstellungen, die von 300.000 Personen besucht wurden, davon fielen 228 Vorstellungen mit 173.000 Theaterbesuchern auf die Stadt Tel Aviv. Der „Ohel“ veranstaltete im Laufe des Jahres 320 Vorstellungen mit ca. 300.000 Besuchern. Das „Kammertheater“ hat 535 Stücke aufgeführt, die von 400.000 Personen besucht wurden. SCHULEN Anfang September wurden hier die Schulen eröffnet; ca. 320.000 Kinder beginnen jetzt ihr neues Schuljahr in den Schulen und Kindergärten des Landes im Jahre 1937 war das die Gesamtzahl der jüdischen Einwohnerschaft Palästinas. Schreibmaschinen (auoti Iwrit) liechenu. Addiermaschinen. I)ik tiermuseliinen, Büromasrhinenrcpnrulurw cikstätle Büromöbel — Bürobedarf Wir liefern für Ihre Angehörigen Biironrtikel und Papierw uren nach Israel KontorEinrichtungsGesellschaft Erwin Braun & Co. Wien. I., Esehcnbuchgusse 9— II B 26 061 B 26 0 71 Hmim Ltd. Tel Aviv. Ilerlstr. 1.3 OBST Cifriisfrüchfe nach .Moskau. Der erste Teilversand der von der USSP in Israel bestellten 140.000 Kisten Orangen (gleich ca. 5000 Tonnen) und anderer Citrusfrüchte wird Ende Dezember von hier abgehen. Die Israel-Gesandtschaft in Moskau hefciligf sich an den Unterhandlungen für den Verkauf von weiteren 10.000 Tonnen von Citrus an Moskau zum Preis von 5.80 Dollar in har, pro Kiste. J\. Siehe auch Stimme 62. 64. 65 Aus der trüben, allzu trüben Welle der Wiener Aliali leuchten die drei letzten Mohikaner einer heroischen Epoche her- \ar. wie Blitzlichter aus einem fernen Gestade. l)r. Isidor Schallt. Erna Patak und Berta Berger: Sinnbilder des Wiener Judentums um die Zeit llerzls und Zeitgenossen, die in dessen Schatten wandelten. Alle drei gesegnet mit einem seltenen Patriarchenalter und beglückt im strahlenden Gefühl der Verwirklichung. I)r. Sehalit trat aus dem Halbdunkel der Wiener Parteiränke und Intrigen erst in Erez ins Rampenlicht der Geschichte. In Wien mußte er noch in letzter Stunde um ein ,,W atik“-Zertifikat kämpfen, in Israel gilt er als Wegbereiter jüdischer Staatlichkeit und als einer der letzten Augenzeugen Herzlscher Vision. Ein Leben von Basel bis Jerusalem, über den Hand gefüllt mit Erlebnissen und schwerem Bingen mit der aformen Masse des assimilatorischen Judentums in Wien, mit all den INiedcrungen und Höhen, mit persönlichen Enttäuschungen auch im Jischuw und sieghaftem Triumph der letzten Jahre. Aufrecht und stolz wie anno dazumal auf der Ringstraße, wandelt Dr. Sehalit tagaus tagein in den Straßen Tel-Avivs, allzeit zu einem Plauscherl gelaunt und immer noch resch und fesch wie einst in der Kneipe oder vor einer Mensur mit Band und Kappe seiner Verbindung. Ein „T a ni b o u r‘* — wie er selbst schmunzelnd zugibt — bei allerlei Umzügen und als sagenhafter „Parade - i u d" bei allen möglichen und überflj,üs - sigen Kundgebungen, zu denen er sich gerne hinzerren läßt. Zögernd und doch im richtigen Element, bejubelt und doch mit einem verzeihenden Lächeln eines Wissenden, blickt er von der Ehrentribüne aufs profane Volk herab, auf sein Volk, das er heimzufübren verholfcn bat. W ic ein eigenes Denkmal, erstarrt im Sturmwind seiner sechsundachzig Jahre. Eine im Wesen hedonistische Natur dieses geborenen Bohemien, scheint aus zwei grundverschiedenen Elementen zeitlebens zu schöpfen : Aus der Wiener Gemütlichkeit des „Fiakerliedes4* und aus den Adlerschwingen der prophetischen Vision llerzls. Lcs extremes se tuehent. Vielleicht ist die s d er letzte Sinn seines Werdeganges v o n Wi c n na e h T e 1 - A <v i v. Aus einem ganz anderen Holz geschnitzt ist E r n a P a t a k. Sie scheut gerade das Rampenlicht der Oeffcntlichkoit, verbirgt sich zeitlebens in einer Anonymität ihrer Tätigkeit, d,ie nur die Nächsten zu lüften wissen, ln ihrem Alter weiß man erst recht den Firlefanz der Popularität zu t>rüöer IDeufdö TEXTILGROSSHANDEL UND MANIPULATION WIEN I., WERDERTHORG. 11 TELEPHON U 27 3 71 Gute Bamnenernte. Die. Landwirte sehen mit beende, der diesjährigen guten Banancnernte entgegen. Schätzungsweise werden die kooperativen Siedlungen, 11.000 Tonnen und die Privatwirtschaften ca. 1000 Tonnen liefern können, wobei mit einer F’xporfmöglichkeif zu rechnen ist. Datteln aus dem Negev. Der „Nahal“ (die im Rahmen der Armee für die Landwirtschaft mobilisierte Jugend) hat im südlichen Negev die ersten 4 Tonnen Datteln bereits auf dem Markt von Tel-Aviv gebracht. werten und dis Fm und Auf des Erfolges. das wie ein Fl,itterding \erfliegt. Sie erlebte einst springlebendig und mit dem Enthusiasmus ihrer Jugendjahre den leibhaftigen Herz! in der Mitte ihrer Gesellschaftskreise in Wien und wie ein Feuer brennt noch heute in ihrer Seele das Fluidum, das aus den zwei großen, traurigen Augen des Propheten auszuströmen pflegte. Herz! — Schnitzler — Beer lloflman — Jakob Wassermann — ach! wie weil spannt sich der Bogen ihrer Erinnerungen. Sie lebte und erlebte. ln der kleinen Behausung Tel Avivs. die ihr die Stadt zur Verfügung stclllte. wirkt Erna Patak wie eine leibhafte Wachsfigur aus dem Museum der seligen Madame Tis,saut. Von einer beklemmenden Dürre 'der Gestalt, spinnwebenartig die Haut des Gesichtes, aus dem nur zwei erstaunlich junge Augen hervorstrahlen. Nichts als die Augen und der Mund, der sich wie eine Schleuse im Erinnerungsvermögen nicht schließen will. Bewundernswert die geistige Frische und ein l'ebermaß von Verständnis und Hingabe an all das Schöne, was das Leben einer Greisin Inoch zu bieten hat. Man übersieht plötzlich die Matronenfigur und erschauert förmlich im Anblick einer Personifizierung des Herzischen Vermächtnisses. Zwei Jahre des Wiener Infernos unter Hitler, drei Jahre der schrecklichen Erlebnisse kim K. Z. Theresienstadt : das übermenschliche Leid einer ganzen Generation, konnte kaum diese lleldenfrau aus ihrer Sendung der Hilfe und Menschenliebe hinausdrängen. Unvcrsicglieh ihr Glaube und ungebrochen überwand sie Bestialitäten ihrer Zeitgenossen in Wien, besonders in Theresienstadt, bis sie in strahlender Freude der Umkehr und Wiederkehr in Erez landete. Wie viele wissen hier um ihre Existenz? Winzig ist sie und armselig ihre Behausung, doch weit hinaus strahlt hier menschliche Größe einer stolzbewußten Jüdin, die die Erfüllung ihrer Sendung erlebt. Juden, die ein Sturmwind des deutschen Satans in alle Weltteile vertrieb, denken wohl noch an die Erna Patak. Doch in Erez wandelt eine unbekannte und unerkannte Heilige über das brennende Pflaster Tel Avivs. Ais letzte aus dieser Garde darf wohl Berta Berger gelten. Eine verhuzelte Greisin mit einer weltumfassenden Seele der unentwegten Idealistin. Zeit- und Weggenossin Herzls, wie die zwei anderen, und eine der weinigen Jüdinnen Wiens, die der Ruf zum Judenstaat zutiefst erschütterte und den Lebenslauf vorzeichnete. Er, dieser Einzige, blieb bis zum heutigen Tage lebend und belebend in ihrem Gedankenreich haften. Eine Art Alter ego des Meisters, kennt sie fast jede Zeile, die er geschrieben hat. Ihr Erinnerungsvermögen jauchzt förmlich „TABU” W;iitnli<i11<lolsgt'hOIIst■ haft \\ . Hiiiv/i\ n WIEN VI, MARIAHILFERSTR. 51 TELEPHON B 24 204 TEXTILIEN UND HERRENKONFEKTION auf, wenn man diese Saite berührt. Ge breclilieh und trippelnd besucht sie noch jetzt immer die \ ersamml(ingeri und Sit zungen der ihr nahestehenden Partei der ..Allgemeinen“ und erst bei den letzten W alilen zur knesseth. warb sie um die Wälder wie einst \or fünfzig Jahren, als xon llerzl der Ruf zur Eroberung der Wiener Kultusgemeinde ausging. N ier/.ig. fünfzig und auch sechzig Jahre unermiid liehen Bemühens um ein neues und erneutes Judentum — was weiß noch da- \on die Jugend Israels, die ins Fertige eines Judenstaates hinein wächst V Ein ewiges R'Jp'n geschichtlicher Wandlungen, die auch ins persönliche Schicksal hiniilx i spielen. Berta Berger wuchs im Schatten des Titanen auf und dieser Schatten umhüllt noch die Vchzigrrin bis zum heutigen Tage. E i n e Art Mumie des einstig e n W i e n e i .1 u fl e n t u m s. Zu II e r z I s Zeiten.... Die drei letzten Mohikaner. Wo sind die Geister, die llerzl einst gerufen hatV! Nur Irrlichter persönlicher Erinnerungen flimmern in allen dreien, während der gewaltsam vorwärtsstürmende Jischuw diese Geister llerzls i n d i e h a r - t e Realität eines h e i m k c h r e n - den Volkes lim w a n d c 1 t. An dieser Realität zerbrach oben die starke Persönlichkeit A n i 11 a M ii 11 e r s. Von der mimosenhaften Anonymität einer Patak und Berger bis zum bramarbasiei enden Geltungstrieb der Anittu. ist allerdings ein weiter Abstand. Eine urwüchsige Wiener Jüdin, die nur ein Hauch der heroischen Epoche llerzls umwehte. Stets originell, aufrecht, volH überflutender Energie, jagt die Müller förmlich durch die Straßen Tel-Avivs. >'ots beladen mit tausend Plänen und Ideen. Doch blieb sie in Israel auf halbem Wege haften. Irrungen und Wirrungen bezeichnen hier ihren politischen Werdegang und mit ihrer prachtvoll-flutenden Beredsamkeit findet sie hier kein Echo. Eine Art Tragik umgibt diese ungewöhnliche jüdische Frau, die gerade in der Realität des hiesigen Lebens keine Erfüllung fand. Diesem Bednertalent Kat exoelien gebricht es gerade in Israel an der Geläufigkeit der hebräischen Sprache und dieser Kampfhahn von großem politischen Format schlängelt sich hier in den engen Pfaden der Parteipolitik — von der strengen Ortodoxie bis zur Anhängerschaft eines Menachem B e i - g i n. Sie leitete eine Zeit lang die Organisation der österreichischen Olim, hilft und wirkt in einer Handvoll Vereinen, spricht und wirbt, hadert mit aller Welt und begeistert mitunter wie einst — in ihrer unvergeßlichen Glanzzeit — in Wien.... Ein Golgatha-Weg ohne Ausweg und Kampf mit Windmühlen der Vergangenheit... Diese stolze Jüdin Wiens, die vor Jahrzehnten mit einer überschäumenden Tatkraft hunderttausend im Kriege gestrandeten Juden den Weg ins Freie ebnete, fand nur einmal auch in Israel Vollendung und Erfüllung, als sie aus eigenem Antrieb ihren toten Meister und Lehrer, Zwi Perez Chajes, nach Israel zur letzten Buhe heimbrachte. Dies^war ihr persönlicher Triumph und vielleicht eine s i e g h a ft e Abkehr von den lebenden Größen des J i s c h u w, die A n i 11 a M ii 1 1 e r k aurn b e a e h - teil: die modernen Schlichim triumphieren! An der Heimkehr eines großen Toten wuchs die Müller plötzlnch zur wahren Größe verklungener Jahre heran.... Ein allzu trüber und trauriger Ausklang der Wiener Alijali. die einst viel versprach . Z. F. F1NKKLSTE1N Heinrich STEIN Telephons U 49 0 84 ERZEUGNISSE: Selbstroller Rollvorhänge Verdunkelungen Bretterjalousien Holzrollbalken Durchsichtige Schaufensterroilos WIENER IN ISRHEL

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