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Die Stimme · 1952-10-01 · Heft 67 (Oktober 1952) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 67 (Oktober 1952)
Date
1952-10-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 im : stimme Nr. 67 SYNHEDRION IN ISRAEL ln der letzten Zeit werden wieder Stimmen laut, die nach Schaffung eines Sanhedrin in Israel rufen. Es wird darauf hingewiesen, daß viele Sitten und Gebräuche, die sich im Verlaufe der Jahrhunderte im Judentum einbürgerten, dem Leben der Gegenwart nicht mehr entsprechen und die Ursache der Entfremdung vieler Juden von der Religion sind. Eine Umformung würde ihr neue Kräfte zuführen, viele von ihr Abgefallene ihrem Schoße zurück bringen. Es wird mit Genugtuung die Nachricht verzeichnet, daß es dem früheren Religionsmini- JAKOB TANNENBAUM Doch stößt die Schaffung eines Synhedrions auf schier unüberwindliche Schwierigkeiten. Der Fragenkomplex, der vorerst gelöst werden muß, ist vielfältig : 1. Semicha, Ordinatio. Ein Mitglied des Synhedrion durfte nur der werden, der von dem früherem Synhedrion eine Befähigungsdeklaration und Weihe erhielt, die in einer Handauflegung (Semicha) bestand, analog der bei der Ueberfragung der Machtbefugnisse des Mosche auf Jeschua. Nach Entscheidung des Maimonides könnte die Ordinatio in Israel wieder Alle Präsidenten der Zionistischen Weltbewegung waren Allgemeine Zionisten: Herzl, Wolffsohn, Warburg, Sokolow, Weizmann (ctiS S--«») ster Raw Meimon gelang, viele maßgebende Persönlichkeiten von der Dringlichkeit der Errichtung eines Sanhedrin zu überzeugen. Auch wir teilen die Ansicht einer Notwendigkeit der Schaffung eines Sanhedrin zum Zwecke der Neubelebung und Fortentwicklung der Religion. Der Kultus jeder Religion dient dem Zwecke, durch Symbole das Denken auf das Uebersinnliche anzuregen. Doch besitzt der Kultus auch eine negative Seite. Die Formen erstarren mit der Zeit und büßen ihre symbolische Kraft ein . Sie werden zum Selbstzweck, dienen als Ersatz für moralische Handlungen, ia als Deckmantel für Delikte. Aus diesen Erfahrungen heraus, führten die Propheten einen heftigen Kampf gegen die äußerlichen Kultusformen. Sie verfochten gegenüber der Priesterschaft, die der Träger der orthodoxen Richtung war, die Idee einer vergeistigten Religion, deren Grundforderung die Sittlichkeit ist. Diese Idee harrt noch der Verwirklichung. Die Umstände in der Periode des zweiten Staatswesetns zwangen die geistigen Führer des Volkes, den Kultus in den Mittelpunkt des Geisteslebens des Volkes zu stellen. Ja, ihn noch zu erweitern. Das Eindringen fremder, heidnischer Kulturen in Israel bedrohte die Existenz des Volkes und seine monotheistische Kultur. Das Zeremonialgesetz sollte als Damm gegen Assimilation dienen. Man gab ihm auch den Sinn eines Erziehungsmittels als Zaun (Sejag) zur Moral. In der Neuzeit aber hört es auf als nationales Palliüativmittel zu wirken. Die Mehrheit des Volkes in der Diaspora, insbes. im neuerstandenen Israel scheint den alten Formen keinen Geschmack mehr abzugewinnen, in ihnen kein Erbauungs- und Erziehungsmittel mehr zu erblicken und verlangt nach einer Reform. Die einsichtigen Führer der Orthodoxie erkennen, daß hier etwas getan werden müsse. Namentlich sind es zwei den Jischuw tief bewegende Fragen, die dringend einer Regelung bedürfen: Die Sabbathfrage und der Frauenmilitärdienst. Die letztere führte bekanntlich neuerdings zu einer Ministerkrise. Im Sinne des talmudischen Ausspruches: „Besser, daß sie Versehens), als mutwillig die Gesetze übertreten." (Beza 29), wird nach einem Synedrion gerufen. ^ovefie^sekerifa WIEN i., HABSBURGERGASSE 14 Feine Juwelen Handgearbeiteter Goldschmuck Silberwaren Bestecke und Chanuca-Leuchter erneuert werden, wenn alle Gelehrten Israels ihre Zustimmung dazu gäben. Daß aber die Rabbiner der „Neture Kartha“ ihre Zustimmung verweigern werden, unterliegt keinem Zweifel. 2. Spaltungsgefahr. Sollte auch ein Modus gefunden werden, die Semichafrage befriedigend zu lösen, u. zw. im Sinne des Bei Rab, der zur Semicha nur eine Stimmenmehrheit als zulässig erklärt, oder im Sinne des Raw Hirschensohn, der die Semicha als überhaupt nicht zwingend erachtet, mit der Begründung, daß der Aeltestenrat, als Vorgänger des Sanhedrin, von Mosche nicht durch Semicha Verschiebung des Neujahrsfestes von Nissan auf Tischri und seine Verwandlung von einem Freudentag (Jom Tberua) in einen Gerichtstag (Jom Hadin), die Verwandlung des Festes der Erstlinge jn eines der Gesetzg - bung, sowie auch auf die verschiedenen Veränderungen seitens der talmudischen Gelehrten, wie: die Abschaffung des Talion-Gesetzes, der OrdaUeii, (Mischus Sota, IX, 9 -10% die Schaffung des „Prosbol“, „Eruw“, „Schetar Mechira“, .„Hetter Tska“ etc. Die anderen dagegen bestreiten die Befugnis eines heutigen Synhedrion, irgendwelche Aenderungen des Gesetzes vorzuinehmen, mit dem Hinweis darauf, daß: „Eiin Gericht den Beschluß eines anderen nur dann aufheben kann, wenn es jenes an Weisheit überragt.“ (Megilah, 2a). Nur ein Synhedrion, in dem die fortschrittlichen Rabbiner die Mehrheit bilden würden» könnte eine solche durchgreifende Umgestaltung herbei führen, wie es die Propheten anstrebten. Doch ist die Schaffung eines Synhedrion eine Notwendigkeit der Zeit, da es viel zur Milderung der Gegensätze beizutragen vermöchte. Die Konstituierung eines Synhedrion wäre ein Ereignis von historischer Bedeutung. Es könnte sich mit der Zeit zu einem wertvollen kulturellen Faktor entwikkeln. Für unsere Generation, die ein Uebergangsgeschlecht ist, würde auch ein bloßer Anfang schon eine Tat bedeuten. Die nächsten Generationen' Allgemeiner Zionismus: Volkswohl höher als Partei-Interessen! ordiniert. Sondern vom Volk gewählt werde, so muß doch mit der Opposition der orthodoxen Rabbiner der „Diaspora“ gerechnet werden. 3. Statusfrage. Gemäß der gegenwärtigen Verfassung, kann die Errichtung eines Synhedrions nur durch eine Beschlußifassuing der Knesseth durchgeführt werden. Wenn es demnach auch gelingen sollte, alle Bedenken der Konservativen zu zertreuen, so werden wahrscheinlich die Linken und die fortschrittliche Mitte dagegen stimmen, da für diese Volksvertreter die Knesseth als die einzige legislative Körperschaft gilt, neben der kein anderes gesetzgebendes Organ, wie es das Synhedrion zur Zeit des 2. Staatswesens war, Platz finden kann. Ueberdies geben sich diejenigen, welche von einem Synhedrion in der gegenwärtigen Zeit eine durchgreifende Reform in ihrem Sinne erwarten, einer schweren Täuschung hin. Bekanntlich herrschen über die Kompe tenz eines Synhedrion Meinungsverschiedenheiten. Die einen berufen sich auf Deutr. 17, 9—12 und Sifre zur Stelle, sowie Talmud b. Ro&ch Haschanah, 25a und b, wo es ausdrücklich heißt, daß die Gelehrten in jeder Generation befugt sind, über die Auslegung und Umgestaltung der jüdischen Gesetze zu entscheiden. Sie weisen auch auf viele Veränderungen, die Esra und die große Synode Vornahmen, wie z. B. die Aenderung der althebräischen Schrift auf die assyrische, würden schon mehr Mut aufbringen, das Geistesleben des Volkes so zu gestalten, daß es den Bedürfnissen der Mehrheit des Volkes entspricht. Die Statusfrage könnte so gelöst werden, daß ein Synhedrion als oberste religiöse Behörde statuiert wird, deren Verordnungen noch einer Ratifizierung durch die Knesseth bedürfen. Uns scheint es, daß die Hauptaufgabe eines Synhedrion nicht so sehr auf dem Gebiet einer Reform des Zeremonialgesetzes liegt, als vielmehr im Bereiche der Moral. Hier gibt es viele Schäden auszubessern, die durch die abnormalen Zustände In. der Ga- 15 JoU* WIZO - SCHULWESEN Das fünfundzwanzigjährige Jubiläum der Tätigkeit der WIZO auf dem Gebiete der Schulung und Heranbildung der Jugend Israels erscheint so recht geeignet, die Geschichte ,pnd Entwicklung dieses Zweiges der WIZO-Tätigkeit im allgemeinen da.rzu.legen. Nach und nach hat WIZO in ganz Israel, den »Städten, Dörfern, Kolonien, Empfangszentren und Einwanderungslagern Wunder vollbracht, lange bevor „die Einordnung der Neuankömmlinge in das Leben des Landes“ ein Schlagwort auf den Lippen Aller geworden ist. Die ungeheure Bedeutung des Unterrichtes, welchen WIZO in Gartenbaukunde, Kochünd Haushaltungslehre, Geflügelzucht, sowie in elementarer Hygiene und Kinderpflege seit 25 Jahren zur Aufnahme der Masseneinwanderung organisiert hat, kann nicht besser erfaßt 'werden als durch die Tatsache der Glückwunschschreiben, der an der Tätigkeit der WIZO am meisten interessierten Ministerien, des Ministeriums für Handel, Industrie, Ackerbau und Volksgesundheit. Das Schulwerk der WIZO umfaßt 150 Sozial-Fürsorgeriinnen, von denen jed edie ungeheure Aufgabe der Befürsorgung von 350 Familien zu bewältigen hat. Das bedeutet, daß mehr als 200.000 Personen der Wohltat des Unterrichts und der Schulung durch WIZO teilhaftig werden. WIZO hat 256 Spezialinstitutionen geschaffen, die von ihr erbalten und geleitet werden und betreut in diesen mehr als 26.000 Kinder. WIZO besitzt insbesondere 3 Anstalten für Neugeborene, 3 weitere für Kleinkinder, 4 Anstalten für Kinder im vorschulpfliehtigen Alter, Kinderkrippen und Kindergärten, Spielplätze und Schülerklubs. WIZO bereitet Hunderte von Jugendlichen, Burschen und Mädchen in ihren 6 landwirtschaftlichen Schulen, in ihren 2 Berufsschulen, in den Schulen für Haushaltskunde und Kunstgewerbe, ferner in den Schulen zur Heranbildung von SäuglingsundKinderpflegeschwestern vor. WIZO hat durch Schaffung von Handwerkstätten, Verkaufsläden und anderen Werkstätten den Frauen vorgerückten Alters ohne Berufsausbildung die Möglichkeit geschaffen, ihren Lebensuntterhalt zu verdienen und Israel konstruktive Hilfe zu leisten. Für diese Frauein hat WIZO 4 Aufnahme- Zentren geschaffen. WIZO spielt Im gesamten jüdischen Leben der Welt die Rolle der Beleberin durch ihre Erziehumgs- und Propagandazentren, durch ihre Publika¬ Allgemeiner Zionismus keißl reiner Herzl-Zionismus! luth entstanden sind. Es gilt, die Arbeit, namentlich den Ackerbau, im Sinne der Bibel, als heilige, sittlichreligiöse Handlung und als Bestimmung des Menschen auf Erden, erneut und feierlich zu proklamieren. Noch viele andere Aufgaben harren einer Regelung, durch ein Sanhedrin, so die Bestimmung des Verhältnisses der Religion zum Staate,, zu anderen Religionen, der Diaspora zu Israel usw. Solche Aufgaben könnte schon ein Synhedrion der Gegenwart der Lösung zuführen. tionen und Korrespondenz, die sie mit den 55 Föderationen in der ganzen Welt unterhält, iin denen 15.000 Frauen zur Bewältigung der ungeheuren Aufgaben der WIZO in Israel auf dem Gebiete der Erziehung und Heranbildung von Kindern und Erwachsenen vereinigt sind. Fördert die Bestrebungen der WIZO Wien für die Kinderheime Israels! Besuchet die Bridge-Nachmittage der WIZO, jeden Donnerstag ab 16 Uhr im Cafe Gartenbau, Souterrain. Uhren unerschöpllch In Auswahl Prachtstücke Wiener Goldschmiedekunst I., Kohlmark! 1 I., Kärntnersfraße 12 wie Omega, Schaflhausen, Doxa u. a. Schweizer Marken f. Damen und Herren, letzter Schöpfungen VII., Mariahilferstr. 114 VII., Kirchengasse 9 Selo Gutlmann St Franz Austerlitz G r o ß b (‘tri e b von putentumtlich geschützten Neuheiten Wien I, Helferstorferstr. 8 Tel. U 21-2-95 0494

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