Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1952-10-01 · Heft 67 (Oktober 1952) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 67 (Oktober 1952)
Date
1952-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2431292-2431356-2431367--0466-2432089
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Pr«is 2 Schilling Wii ii IV I niversitätsstr. Nr. 4 4 Piislscliccl, Kmilo Nr. 134.292 Oktober 1952 Otyan d#c Atlq&ntintn O&UsUh in ÖsieccticU rilMmilfiaallKIMMIMHIUUIIIIMMM Nr. 67 - 1952 Zionistischer^ Landesverband Wien nm DM^rrr o^rsrn nr,nNn: Hoffnungen und Ziele Der Allgemeine Zionismus in Israel Herr C c o r g I'I c s c li weilt für kurze Zeit in Wien und gewährte unseren Mitarbeitern. Krau l)r. Ilansi Berger und Redakteur K r i t z M ii I I e r, ein Interview und beantwortete bereitwilligst die :m ihn gestellten Kragen: \\ ir sind stolz, daran!*, daß Sie. ein \\ jener Jude. Abgeordneter di r Knosseih sind und bitten Sie. uns etwas über ihren Weg zur jüdischen Politik zu sagen. Ich fand 'den Weg zum zionistischen Gedanken schon frühzeitig in W ien. Kin groben 'Peil des Lebensinhaltes meiner •lugend war die zionistische Tätigkeit bei den jüdischen I loehschülern und die sportliche Betätigung bei der llakouh. Ich besuchte das Chu jesgymnasium und war dort einer der wenigen Wcsljud.cn. so halte ich also Gelegenheit, wie selten ein Mensch in jungen Jahren, das Gemeinsame im Judentum entdecken zu können. Schon mit 20 Jahren sprach ich perfekt l\rith und anfangs 1933 labte ich den Kntschlub. meine A li j ah an/.u- Irelen und war zwei Monate später in Krcz Israel. Dort angekommen, suchte und fand ich sofort Kontakt mit der Sportbewegung und wurde kurze Zeit darauf, zum Generalsekretär der Mae<abihew egung berufen, bekanntlich ist die Maeeahihewegung kein reiner Sportverband. sondern betätigte sieh in der llagauahbew egung. der W/elirbew egung, also auch auf nationalem Gebiete. Während des Krieges wurde ein block der bürgerlichen Stadt- und Gemeinderälc gebildet, auch diesem gehörte ich als Generalsekretär an. Präsident dieses bür gerlirhen \ erb indes war Israel bokaeli. der bürgermeister von Tel-Aviv. \ls dann der israelische Staat kam. war aller unser Weg vorgr/.ciehnet: Alle liberalen Klemmte vereinigten sieh innerhalh der Organisation der Allgemeinen Zionisten — der Partei der Mitte — die unter Kühlung von Perez bernstein stand, beim vorletzten Parteikongreb wurde ich in die Exekutive der Allgemeinen Zionisten gewählt und bei den letzten W alilen ins Parlament. W ie sehen Sie. Herr Abgeordneter, den neuen israelischen Menschen '( Langsam entwickelt sieli in Israel aus dem jüdischen Volk eine jüdische Million. Es ist die Jugend, die den Krieg gewonnen mul bewiesen hat, dub sie tatsächlich eine neue Generation durstellt. Ks sind die ersten .,Jungen Juden", die aus llcrzls ..Judenjungen1' entstunden sind, lud ohne l chcrheblichkcit können wir sagen, dub der neue Israeli ein guter Menschenschlag ist. Seine Leistlingen und sein Werden im und nach dem Kreiheilskricg, war etwas Einmaliges. I nser bestreben soll dahin gehen, dub der neue israelische Mensch das beste von allen Komponenten, die ihn geprägt haben, in seine Zukunft mitnimmt und sieh in Krieden wie im Krieg bewährt. Die zionistische Oeffentliehkeit W iens möchte Authentisches über Jen heutigen Stand und Ihre persönliche Ansicht über die Zukunft des Allgemeinen Zionismus wissen. (bei den Wahlen zu dem ersten Paria ment von Israel im Jahre 1949, hatten "ir in dem Kinkummrrpurlumcnt von 1211 Mitgliedern sieben Mandate mit 23.000 für uns abgegebenen Stimmen. Wir waren damals die fünftstärkste Partei, bei den Wahlen im Jahre 1951 war die Zahl unserer Mandate auf drei u n d z w a uziu gestiegen, nachdem uns 130.000 Bürger gewählt hatten. W ir waren die zweitstärkste Partei des Landes! Das Wahlergebnis war für viele eine grobe l eberrasi hung und der grobe Stimmenzuwachs wäre nie zustande gekommen, wenn nicht zehntausende Stimmen der Arbeiter und Angestellten, die die Vlapei verloren hatte. zu uns gestoben wären. Ks wird Sie interessieren, dub vor einem Monat W ahlen in den Kaehverband der Staatsangestellten staüfanden und das Wahlergebnis dieser kleinen aber wichtigen Gruppe zeigte dasselbe Bild wie bei den Parlamentswahlen. auch hier stunden wir an der zweiten Stelle. Bedenken Sie dabei, dnb es nicht leicht ist. bei dieser Hegi - rung als Allgemeiner Zionist tätig zu sein. Was erscheint Ihnen das Wichtigste aus unserem Programm betreffend Erziehung. Wirtsdrift und Arheiterschaft '< Natürlich kann ich dies nur in kurzen Schlagworten. Was die Erziehung der Jugend betrifft, erstreben wir das Prinzip der nationalen Einheitsschulen, eine absolute Entpolitisierung der Schulen und damit die Abschaffung der Parteischulen. Das Lernen vom Kindergarten angefangen bis zur Hochschule, muß.sieh zum Ziele setzen, lebenstüchtige Israeli und gute Staatsbürger heranzubilden. Der gute Staatsbürger und nicht der Mann mit dem Parteibuch, ist unser Israel. I nser \Y i r t s e Ii a f t s p r o g r a m m beruht auf den Prinzipien der freien W irt,schuft und der Privatinitiative. In den Ländern mit freier Devisenwirtsclnft. wie Schweiz, Lruguav und dem uns benachbarten Libanon, hat die Aufhebung der Beschränkungen und der übertrieb - neu Kontrollen, den Kapitalzustrom und den Wohlstand immens gefördert. \Y as die G e w e r k s e h a f t e n betrifft, stellen wir auf dem Standpunkt, daß die sc Institutionen dazu da sind, die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen zu den bestmöglichen zu machen. Wir sind aber dagegen, daß die Organisation der Arbeiter (Ilistadruth) dus Aushängeschild und die politische Waffe einer Partei ist. und ihre Hauptaufgabe darin sieht, di.' Machtstellung dieser Partei zu festigen. Die heutige Situation, bei der die Arbeiterorganisation mit ihren Großunternehmungen auf kapitalistischer Grundlage sieh in unlauterem "Wettbewerb zu allen Privatunternehmern befindet, muß von uns als für die W irtschaft und den Staat schädigend, abgelchnt werden. Der Begriff Kreihcit ist für uns Allgemeine Zionisten keine leere Phrase, sondern der Inbegriff unserer staatspolitischen Anschauung. Inter Kreihcit verstehen wir nicht nur die Unabhängigkeit des Staates nach außen, sondern die Freiheit der einzelnen Bürger in der Gemeinschaft. Nur ein Staat von freien Bürgern ist ein wirklich freier und demokratischer Staat! Zusammenfassend können wir sagen, daß wir heule die Partei der jungen Menschen, der breiten Massen aus allen Schichten sind, die Partei des wahren Kortschrittcs, die Staats wohl über enges Parteiinlcrcssc stellt. Was erwarten die Allgemeinen Zionisten von den nächsten knessethw,ah len ( Inscr Ziel ist. zur Majoritätspartei zu werden, wir hoffen, daß in der Zukunft eine Kegiernngskoalition ohne Allgemeine Zionisten unmöglich sein wird. Das Ideal einer Regierung wäre, meiner Meinung nach, eine Regierung der nationalen Konzentration. die alle positiven zionistischen Kräfte umfaßt. Wir haben jetzt in erster Reihe Israeli zu sein! Aus diesen Erwägungen und zum Wöhle des Staates, sind wir für eine Koalitionsregierung. W as ist Ihre Meinung über die künftige Alijah V VN ir legen W ert auf jeden Juden, egal woher er kommt, ob aus dem Westen oder Osten und bekräftigen immer wieder. daß es zu den natürlichen Beeilten eines jeden Juden gehört, nach Israel zu kommen, um dort in Krieden und Freiheit zu leben. Es müßte zu den Grundregeln aller friedenis- und freiheitsliebenden V ölkern gehören, den Juden, die es wünschen, die Ausreise nach Israel zu gewähren. Leider ist derzeit die Ein,wandet ung aus l ngarn und Rumänien fast vollkommen gesperrt und wir müssen mit vereinten Kräften alles daran setzen, diesem Zustand abzuhelfen. Es ist uns bekannt, daß Sie der Kommission für Außenpolitik und V erteidigung in der knesseth angehören und da ist es naheliegend, Sie zu bitten, uns etwas über das Verhältnis Israels zu den arabischen Ländern zu sagen. Es ist ein Kehler, unter dem Wort ..die Araber“ einen politischen Sammelbegriff zu verstehen. Die arabischen Länder sind untereinander durchaus verschieden in ihren Interessen, in ihren politischen Zielen und damit auch in ihrer Einstellung nach außen. Mit Aegypten, zum Beispiel, hätten wir keinen wirklichen Konfliktstoff. Den nördlichen Nachburen, wie dem Libanon und auch anderen arabischen Ländern, bringt die derzeitige Lage, die zwar nicht Krieg aber auch nicht Krieden ist. mehr Sein den aK Nutzen. Isead itn JaUce- 5712 September 1951 : Die Regierung in Bonn erklärt sich bereit, in Verhandlungen mit Israel wegen Schadensgutmaehung einzugehen. Oktober 195( : Die neue Regierung Ben Gurions tritt in Aktion, sie ist zusammengestellt aus Mitgliedern der Vlapei und des religiösen Blocks. November 1951 : Die Konferenz der Palästina-Kommission der 1 MO in Paris, zwischen den arabischen Staaten und Israel, findet ihr Ende, ohne daß es zu einem Resultat gekommen wäre. Die Knesseth wählt neuerdings Dr. Cliaim Wei/mann zu ihrem Präsidenten. Dezember 1951 : Der Kinanzminister kündet eine neue Wirtschaftspolitik in Israel an. Jänner 1952: 174.000 Einwanderer sind in Israel im Jahre 1951 eingetroffen. Stürmische Debatten in der Knesseth über dit deutschen Reparationen. Die Knesseth autorisiert die Regierung Israels, in Verhandlungen mit der Bonner Regierung einzutreten. Keliruar 1952: Die Regierung gibt die neuen wirtschaftlichen und finanziellen Maßnahmen bekannt. Mürz 1952: Die Reparatinnsbe.spreclnmgen zwischen Israel und der Bonner Regierung beginnen in W assenaur. in der Mähe um Den Haag. April 1952 : Die Siedlung Gliedern feiert ihr bO-jährigcs Gründungsfest. Die Orangensaison in Israel ist beendet: 3 Millionen 700.000 Kisten sind versandt w oiden. Mai 1952: Die Regierung gibt die demnächst slattfindendc l cbersiedlung des Außenministeriums vom jetzigen Standort Tel-Aviv .nach Jerusalem bekannt. Kinanzminister Elieser Kaplan, demissioniert aus Gesundheitsrücksichten, jluni 1952: Josef Sprinzuk wird bis September die Kunktionen des Staatspräsidenten von Israel ausühen. du der Präsident erkrankt ist. I miauseh der Banknoten in Israel. Lewi Kslikol wird Kinanzminister, Cliaim Cohen, Justizminister. Juli 1952 : Die sterblichen Leberreste von David Wolffsohn, gewesenem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, werden in Israel beigesetzt. Elieser Kaplan, der frühere Kinanzminister. stirbt plötzlich und unerwartet. Israel erhält eine Subvention von Amerika in der Höhe von 73 Mill. Dollar August 1952: 'Tod des Ministers für Verkehrswesen I). Z. Pinkas. Die Militärdienst/eit in Israel wird von 2 Jahre auf 21 .j .Jahre verlängert. September 1952: Am 10. September winden in Luxemburg die Verträge betreffend der Schadensgutmaehung zwischen Israel und Westdeutschland unterzeichnet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.