Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 66 (September 1952)
- Date
- 1952-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 2 Schilling V.I.I. fimme Redaktion und Administration: * WienIX, Universitätsstr. Nr. 4/4 | Telefon A 264 73 | Postscheck-Konto Nr. 134.292 - Ötfyot% du ÜohLsUh u% ÖsUcceUU September 1952 •SI(MMIia«CCICl9IIMtSI«CSMfl<M«CMiCM s «utl Zionistischer Landesverband Wien nra c"bbzrt d^twt nr,nxrn Nr. 66 — 1952 /fi» - * y Rosch-Haschanah 5713 des Konsuls Arie Eshel, Vertreter des Staates Israel in Österreich Blick nach Israel Von Bernhard Braver Grotte und schicksalsschwere Fragen konfrontieren den Staat Israel an der Schwelle des neuen Jahres. "Protz der Probleme, die auf wirtschaftlichem Gebiete bestehen, rücken in der letzten Zeit wieder politische Fragen in den Vordergrund. Die überstürzenden Entwicklungen in den Grenzländern unseres Staates und besonders in Aegyptc.tf und Syrien erfordern eine Verstärkung unserer politischen und militärischen Wachsamkeit. Nach wie vor glauben wir. datt die arabischen Staaten über kurz oder lang den Ausgleich mit Israel suchen werden und müssen. Aber wir geben uns keinen Illusionen darüber hin, daß bis dahin die andere Seite noch einmal versuchen kann, den Weg der Gewaltlösung zu gehen. Zwar streckt Israel seinen Nachbarn eine Friedenshand hin, aber noch muß die andere gepanzert bleiben. Noch ist auch für uns eine starke Armee die beste Friedensgarantie. Noch ist für uns die unaufhörliche Defensivaufrüstung der einzige Weg. dein Yishuv ein weiteres friedliches Gedeihen zu garantieren. Hollen wir, daß unsere Verteidigungskräfte auch im nächsten Jahre nicht in Aktion treten müssen und daß es uns auch weiter vergönnt sein möge, die mobilisierte Jugend des Landcjs am friedlichen Aufbau teilnehmen zu lassen. Natürlich kann die schicksalhafte Einwirkung der militärischen Situation auf die wirtschaftliche Lage nicht übersehen werden. Weitaus stärkere Mächte als Israel sind gezwungen, ihre Militärbudgets zu verkleinern, um die negativen wii (schallliehen Ausw irkungen 'der Aufrüstung abzuschwächen. Jedoch Israel, obgleich seine ökonomische Lage angespannter ist als die der Großmächte, kann es sich nicht erlauben, diesen Weg zu gehen. Aber wir wissen, daß der Yishuv, der kürzlich der Erhöhung der Wehrpfliehtszeit auf zweieinhalb Jahre zustimmen mußte, alle anderen Konsequenzen seiner 'militärischen Zwangssituation in Kauf nehmen wird. Doch zugleich dürfen wir hoffen, daß auch das jüdische Volk in der Diaspora, das so viel Großes geleistet hat, auch weiterhin unerschütterlich an der Konsolidierung des Staates mitarbcilen wird. Die Einheit des jüdischen Volkes war und bleibt eine der wesentlichsten Garantien für die Zukunft jedes seiner Teile und das Gedeihen seines jungen Staates. Wenn auch in der letzten Zeit nicht jene gefehlt haben, die in manchmal unfairer Weise an den Zuständen im Staate Israel Kritik geübt haben — und cs leider auch Fälle gab, wo die Kritik nichts weiter als ein Mäntelchen war, das man seiner eigenen Unwilligkeit, am Photo : Gollloiii Aufbau milzuhelfen, umhing — so hat auch der abgeflossene Zeitraum bewiesen, wie tief die Beziehung unseres VoK kes zu Israel ist. Laßt uns hoffen, daß das kommende Jahr die fruchtbare Wechselwirkung zwischen Israel und der Galuth verstärken und daß das jüdische Volk im Vertrauen auf seine Zukunft die großen Aufgaben lösen wird, die noch seiner harren. In dem Jahrtausende währenden Kampf ums Dasein, den das jüdische Volk in der Galuth führen muß, haben seine intellektuellen Fähigkeiten eine Verfeinerung erfahren, mittels der cs auf vielen Gebieten des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens erfolgreich wirken und der Umwelt Beachtenswertes bieten konnte. Wir stehen im Kampf einer Ihn weit gegenüber, die uns feindlich begegnet und uns Lebensbedingungen aufzwingt, die wir sehr schwer zu tragen vermögen. Die Feinde des jüdischen Volkes sind sieh dessen wohl bewußt, daß wir über gute Fähigkeiten verfügen und daß uns nützlich Kräfte innewohnen, mit denen wir die Kultur bereichern. Aber man brandmarkt uns in der Galuth zum Fremdkörper, den man mit verwerflichen Mitteln bekämpft. Man wirft uns nicht etwa vor, daß wir nutzlose Elemente wären, sondern man erhebt gegen uns den Vorwurf, daß der Jude nur mit dem Intellekt alles <zu bewältigen bestrebt ist, woraus Gefahren für die Grundlagen des natürlichen Zusammenlebens /erwüchsen. Bei sehr penibler Betrachtung dieses Problems, mag es zutreffen, daß die Juden des europäischen Westens, als sie noch in Deutschland die vollen bürgerlichen Rechte genossen, dem Intellektualismus stark zugewendet waren, und die Eifersucht des nichtjüdischen autoehthouen Menschen hervorgerufen haben. Aber wie war es mit der Masse jener vom Nazismus ausgerotteten Juden des europäischen Ostens? Dort konnte von einer übermäßigen Verfeinerung des Intellekts der Masse der Juden keine Rede sein. Der Ostjude betrieb den Kleinhandel, der für die rückständige östliche Bevölkerung geradezu ein Segen war. Die überwiegende Mehrzahl der russischen und polnischen Juden befaßte sich mit dem Handwerk: sie waren Schlosser, Spengler, Schuster. Schneider, Tischler, Maurer, Anstreicher, Holzfäller, Hilfsarbeiter und Lastenträger. Sie nahmen am geistigen Leben der Wirtsvölker keinen Anteil, störten nicht ihre Kreise, besaßen keine Güter und expropriierten nicht das fremde Volk. Als sich der Nazismus in Deutschland voll entfaltete und zum Schlag gegen andere Völker ausholte und sie in Ketten legte, fragten erlesene Kreise der Wissenschaft und Kultur, womit es der Hitlerismus rechtfertige, daß er die Juden Polens und Rußlands, gleich den deutschen Juden völlig ausrotte. Hat die deutsche Barbarei die unbarmherzige Lüge aufrechterhalten, daß die Juden Deutschlands die deutsche Kultur der Auflösung entgegentreiben, konnte sie die gleiche Beschuldigung den Ostjuden gegenüber nicht erheben, weil sie sieh dem Deutschtum nicht assimilierten und mit ihm keinerlei Gemeinschaft gepflogen hatten. V ollte aber der Nazismus das slawische .. Ariertum" rächen, durfte er es weder unterjochen, noch seinen Auflösungsprozeß einleiten. Also weshalb die unvorstellbaren Mordtaten am Judentum Polens, weshalb die scheußlichen Untaten gegen das Judentum anderer Länder? Nun. die deutsche Reaktion haßt den wahren Fortschritt, die Freiheit der Völker. die alte jüdische Kultur, die schon blühte, als die Teutonen noch in Höhlen hausten und auf Bärenhäuten lagen. Auf der Religion der Juden bauten sieh die Religionen anderer zivilisierter Völker aul und die jüdische Gesetzgebung ist bis auf den heutigen "Pag Vorbild für ethische Auffassung vieler menschlichen Gemeinschaften. Die jüdische Lehre sagt: „Du sollst den siebenten "Pag ruhen und deinen Knecht,