Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 64 (Juli 1952)
- Date
- 1952-07-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 64 ISRAEL AM MEER l nst'r Korrespondent in Israel Herr David Klinghoffer. sendet uns nachstehenden Beisebericht: \iif dem Wege nach Hause über Italien. bejTtam’t man Bekannten. Touristen aus aller lleiacu Ländern, die entweder \erwandte besuelien oder Israel, sein Land und Leben kennen lernen wollen. Besteigt man das jüdische Schiff „Kcdmah*'. gerät man in eine frohgemute Stimmung, man empfindet gleich israelische Atmosphäre! Die Freundlichkeit und Höflichkeit des Schiffspers mals wirkt außerordentlich wohltuend. Der Vorgeschmack der jüdischen Mcdinah wird schon am Meer wahrnehmbar. Die aufmerksame Bedienung und die ausgezeichnete Küche entzücken den Reisenden. Am Schiff trifft man Juden aus l SA und aus europäischen Ländern, die ihr Kapital in Israel zu investieren beabsichtigen: sie alle verbindet die gemeinsame, noch immer populäre Sprache : Jiddisch. Man hört den jüdischen Witz, hic und da wird eine jüdische Melodie angestimmt. die allgemeine Resonanz findet. Ls entsteht eine gesellschaftliche Intimität. die an das Milieu der Chassidim gemahnt. Im großen bequemen Saal versammeln sich die Passagiere, man stößt auf schachspielende Gruppen, die es sich wohlgehen lassen bei einem guten Tropfen Karmelweine. Aach dem reichhaltigen Nachtmahl, beginnt die Unterhaltung mit Musik und Tanz, wobei die Schiffskapelle jiddische und hebräische Weisen spielt. Auf Deck tauchen Arm in Arm junge Pärchen auf, die in romantischer Verklärung das Rauschen der .Meereswellen auf sich einwirken lassen. Die Frühaufsteher am Schiff machen einen Rundgang, bei dem sic Gelegenheit haben, den Fleiß und die Tüchtigkeit der Matrosen zu bewundern. Bemerkenswert ist die psychologische Kinstcllung des Schiffspcrsonals zu den Bciseuden. das über verschiedene Umstände und Ereignisse im schwimmenden Hotel Informationen erteilt, die lehrreich sind. Ein aus Litauen stammender Jude hält muh einem Diskussionspartner Ausschau, den er aber nicht findet. Nun beginnt er einen lauten Monolog : ..Verdammte Menschheit! Eine so prachtvolle Welt! Gott! Welch ein Vergnügen das Leben zu genießen! Man könnte so schön leben! Aber die verdammte Menschheit!“ — worauf ein Nachbar unvermittelt stammelt: „Krieg will sie! Sonst fehlt ihr nichts! Die Schädlinge ins Konzentrationslager, wie man cs mit uns getan hat, die wir — Gott ist unser Zeuge — unschuldig waren, dann wird ihnen die Lust vergehen, zum Krieg zu hetzen!“ Auf der andern Seite des Decks sitzen gemütlich und zufrieden zwei katholische Geistliche. Aus ihrem Gespräch höre ich: ..Ich bin auf die Kibbuzim im heiligen Lande sehr neugierig, wie das Leben dort aussieht und ob diese Institutionen den Kolchosen gleichzusetzen sind.“ Ein Jude, der gleich mir diese Worte hört, schreitet gemächlich auf die Geistlichen zu, verbeugt sieh respektvoll und gibt ungefragt folgende Antwort: „Hochwürden, unsere Kibbuzim sind fast nach urchristlichcm Vorbild eingerichtet. War doch Christus im Kreise der Assyrier aufgewachsen, die zu jener Zeit das Zusammenleben und die Kommune gepredigt und gefordert haben. In unseren Kibbuzim lebt jedermann frei von jeglichem Zwang, int Geiste großzügiger Demokratie“. Die Betreuung der Schiffspassagiere ist vorbildlich, die medizinisch-hygienischen Einrichtungen sind mustergültig, der Schiffsarzt, aus Wien stammend, erfreut sieh großer Beliebtheit, umsomehr, als er ein Zionist alter Hcrzlprägung ist. Anläßlich der 100. Ausfahrt der „Kedmah“ aus Marseille nach Haifa, findet während unserer Reise ein intimes Fest statt. Junge Menschen, darunter Studenten und Sabres treffen Vorbereitungen, um die Unterhaltung fröhlich zu gestalten. Alles wird geradezu auf den Kopf gestellt, man hört Rufe und Witze in allen Sprachen: das Jiddische dominiert. Die Zeit vergeht mit Blitzeseile und ehe man sieh cs versieht, nimmt man die Konturen des Karmelgebirges wahr, bald wird man das Land in seiner ganzen Pracht schauen können. Alle Passagiere versammeln sich auf Deck, halten neugierig Ausschau und schon erblickt man den Grünen Karmel! Ob des überwältigenden Eindruckes, den wir im Hafen von Haifa empfangen, können wir unsere Tränen nicht unterdrücken und jene, die das Land zum erstenmal betreten, sagen das Schehechejanu wekimanu. Im Hafen Haifas pulsiert ein reges Leben, Freunde und Verwandte haben sieh zur Begrüßung cingcfunden, es herrscht Jubel, Jubel, nichts als Jubel. Ein alter Jude entledigt sieh seiner Schuhe und murmelt vor sieh hin: „Legt die Schuhe ab, küsset die Erde, die heilige, die geheiligte Erde Israels!“ Wer ist israel. Staatsbürger? Verleihung der Staatsbürgerschaft endgültig geregelt. Wien (WK.) Die seit der Gründung des Staates Israel ungeklärt gebliebene Frage der Voraussetzungen und Modalitäten für die Erwerbung der israelischen Staatsbürgerschaft, eine Frage, die im Laufe der letzten Jahre bereits zu den verschiedensten oft einander widersprechenden Mutmaßungen geführt hat, findet mm mit dem neuen israelischen Staatsbürgersehaftsgesctz seine endgültige Klärung. Das Gesetz, das am 14. Juli 1952 in Kraft tritt, besagt, daß jede Person, die auf Grund des israelischen Rüekwandel ungsgesetzes nach Israel einwandert, mit dem Tage des Eintreffens in Israel die Staatsbürgerschaft erwirbt. Ferner bestimmt das Gesetz, daß jeder Einwohner Israels, der zur Zeit im Ausland weilt, die Staatsbürgerschaft am Tage des Inkrafttretens des Staatsbürgerschaftsgesetzes automatisch erhält. Einwohner Israels fremder Staatsbürgerschaft, die sieh zur Zeit in Oesterreich aufhalten und die israelische Staatsbürgcrschaftt nicht annehmen wollen, müssen sieh auf Grund einer offiziellen Verlautbarung des Wiener israelischen Konsulats bis zum 11. Juli dieses Jahres im Konsulat (Wien, XIX., Peter-Jordan- Straße 66) unter Beibringung der Dokumente, welche die fremde Staatsbürgerschaft belegen, melden. Jeder Person, die das 18. Lebensjahr erreicht hat, obliegt die Meldepflicht persönlich. UM HAMERSFELD I [0. Textilgroßhandel Import — Export Wien 1., Franz Josefs-Kai 37 To 1 II Ol O O o Modt* Enfyel Wien III, LandstraSe-HauptstraOe 48 Telephon U 16-4-37 ,,Wir schicken offiziell Pakete mit Schokoladen und Bonbons Realitätemkanzlei Alois Mayrhofer Wien I, Bräunerstr. 4, R 29183 u. R 29 2 47 (Auslandsvertretung) Jtaufl bei unseren iH&ecewUn! I6I. U nach Israel und allen Staaten”! Herbert SCHELZER Generalvertretung und Niederlage der Firma K. JOS. OTTEN, Tuchfabrik in Hohenems, Vorarlberg Wien IX, Servitengasse 8, Tel. A 15504 Slparte Schuhe im Stil der neuen Jtftode Schuhhaus OPERA Autoreifen neu und gebraucht und deren Reparaturen WALTER BECK vormals Paula BECK GROSSHANDEL mit TUCH- Pelichower Wien II, Obere Donausfr.41 Telephon A 41-4-46 und SCHAFWOLLWAREN lUlan I UlAlWail« 94 Tal R 9119 WIEN I, TEGETTHOFFSTRASSE 5 Jüdische Spar- und Kreditgen. m. b. H., Wien I, Franz-Josefs- Kai 7—9, Tel. R 27 5 55 T7 n T? T\ T HP T? Wien i) wouzeue «i» 1 ei« it «o juj APPELLKUNDEN KREDIT KUtUl1b an jüd. selbständige Kaufleute, Studieinten suchen Arbeit Gewerbetreibende und an freie Berufe. „TABU” Kohle-Koks-Holz als Nachtwächter, Reisebegleiter, sowie alle Arten von Arbeit, stündlich bezw. halbtägig. Vereinigung jüd. Hochschüler Wien I, Seitenstetteng. 2, Tel.: U 27 113. 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