Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 64 (Juli 1952)
- Date
- 1952-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 2 Schilling V. b. b. tim me r-1 S Redaktion und Administration: 2 | Wien IX, Universitätsstr. Nr. 4/4 | | Telefon A 26 4 73 | 2 _ 5 | Postscheck - Konto Nr. 134.292? oftllgemein zionistischeJVochenschrift Juli 1952 Zionistischer Landesverband Wien nrn tr^rrr D^vyrr nnnxrn UIIMIIIIIIIMIliHIMMHIIIIIIIIIlir Nr. 64 - 1952 j Zum zwanzigsten Tamus Theodor Herzl Ch. N. Bialik Kaf Tamus —- Herzls Todestag ehren die Zionisten das Andenken Dr. Theodor Herzls, dessen geschichtliches Wirken Zeugnis ablegt von seiner menschlichen Größe. Nach seinen eigenen Worten, führte Herzl zunächst das Leben eines Träumers und es gedieh allmählich zu legendärer Kraft des Kampfes. Herzl verstand es, die Massen der Juden aus ihrer Lethargie zu wecken und sie in Verzückung zu versetzen. Sein Tun und Lassen war immer das Resultat seines glücklichen Selbstbewußfseins. Zionistische Föderation in Österreich t}edcHk^eicc für Theodor Herzl und Ch. N. Bialik Montag, den 14. Juli 1952 um 20 Uhr Schubertsaal Herzlgedenkrede: Dr. I. Unger, Tel-Aviv Bialikgedenkrede: O.-R. Dr.A.Eisenberg Mitwirkend: Kantor Franz Weiss, Gesang Erich Margo, Rezitation Eintritt frei! das ihm die Sicherheit verlieh, den Weg zur Schaffung des modernen Zionismus zu gehen und Recht zu behalten. In seinen Tagebüchern sagt Herzl: „Ich habe recht, so lange ich lebe, es wird sich selbst mach meinem Tode niemand finden, der mich Lügen strafen kann.“ Israel besteht und diie Juden sind ein Staatsvolk geworden. Nach dem Tode Herzls hieß es in einem Nachruf: „Jede noch so flüchtige Begegnung mit ihm mündete im kluge Worte und jedes seiner Worte hatte die Farbe und den Geschmack seines ganzen Wesens, gleichwie jeder Tropfen Meerwasser mach Meer schmeckt. . .“ Souveränität des Urteils kennzekhnete Herzl im hohem Maße. Als die Kunde vom Tode Dr. Theodor Herzls die Welt durcheilte, gerieten die Juden außer Fassung und ein Schmerz erfülllte sie, der geradezu herzzerreißend war. Die Sorge war Änderungen in der Zusammensetzung DER REGIERUNG ISRAELS Au Stelle des bisherigen Finanzministers Kaplan wurde beschlossen, Herrn Levy Eshkol zum israelischen Finanzminister zu ernennen. Herr Eshkol wird mich das Ministerium für Entwicklung übernehmen. Sein früheres Amt als Landwirtsehaftsminister wurde Herrn Perctz Nuftaly übertragen. groß, daß er eine Lücke zurückgelassen hat, die nicht zu schließen sein wird. Der weitsichtige Herzl lehrte immer wieder, daß die zionistische Organisation auf das Unpersönliche eingerichtet sein müsse und diese Lehre war klug und vollgültig. Ein neues Geschlecht wuchs heran und setzte die Arbeit des Visionärs fort. Diese Generation hat das Werk Herzls der Vollendung zugeführt. Wenn auch seinesgleichen bis heute nicht aufgeschienen ist, der Geist Herzls lebt in Israel und bei uns, seine politischen Erben haben das Judentum in die Gemeinschaft der freien Völker geführt. Fritz Müller Die erste Konferenz der Shnat-Sherut-Aktion wurde am 7. Juni d. J. in Paris eröffnet, im Beisein von Delegierten aus fast allen Ländern Europas. Oesterreich war am dieser Konferenz durch den Vize-Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes, Herrn Wolf Tischenkel vertreten. Man muß feststellen, daß die erste Konferenz der Shnat Sherut nicht zu jener Kategorie von Konferenzen gehörte, auf welchen man nach Diskussion mehr oder minder wichtiger Probleme mit der Wahl neuer Komitees seine Aufgabe beendet glaubt. Diese Konferenz war nichts anderes als der gute und nützliche Anfang einer erst vor kurzer Zeit entstandenen Idee, sie ist der erste Schritt auf einem neuen Weg, welcher bei der jüdischen Jugend Anklang gefunden hat. Die rasche und wirkliche Entwicklung dieser Idee hat selbst die Erwartungen der Optimisten übertroffen. Die bereits erzliefen Rcsulltate v- ,in Anbetracht der gegenwärtigen Krise der chalutzis ehern Bewegung, beweisen die unwiderlegbare Notwendigkeit der Shnat Sherut. Shnat Sherut bietet der jüdischem Jugend ein Jahr der Studiem und der Arbeit in Israel. Die Jugend hat Gelegenheit, nicht nur das Land Israel gründlich kennenzulernen, sondern auch seine wichtigste Lebensform, den Kibbutz, mitzuerleben. Die Tatsache, daß Delegationen aus beinahe sämtlichem europäischen Ländern zur Konferenz kamen und das Interesse, mit welchem sie die ihnen gestellten Probleme behandeten, beweisen die Bedeutung, welche diese Aktion in der Tätigkeit allgemeiin- Chaim Nachman B i a 1 i k galt als der bedeutendste hebräische Dichter des Jahrhunderts. Am 9. Jänner 1873 in Radv, Wolhynien geboren, war es ihm nicht vergönnt, in seinem Elternhause erzogen zu werden, da sein Vater frühzeitig starb. Im Hause seines Großvaters, eines hochbegabten, gebildeten Mannes, erwarb sich Bialik die grundlegenden Kenntnisse in der hebräischen Literatur. In Shitomir fand er Anschluß an gelehrte Persönlichkeiten, wodurch er Gelegenheit hatte, sich weiter zu bilden. Unter Leitung des Sprachforschers Lerner, entfaltete sich Bialik und leistete grundlegende bibliophile Arbeiten. Er eignete sich das Gedankengut Achad Haams an und fand den Weg zur modernen hebräischen Literatur. Im Jahre 1891 übersiedelte Biazioiniistischer Organisationen m verschiedeimen Ländern erreicht hat. Es ist nicht verwunderlich, daß alle Berichte die Gefahr der wachsenden Assimilationstendenz der jüdischen Jugend unterstrichen haben. Es war jedermann klar, daß man neue Wege finden muß, um diesem Prozeß Einhalt zu gebietein. Die Konferenz hat einen neuen Arbeitsplan ausgearbeitet. Die Shinat Sherut ist von der ZiomisFschen Exekutive offiziell anerkannt, sie kann und muß ihre Arbeit vergrößern. Die erste europäische Konferenz dieser Aktion wird zweifellos von großer Bedeutung für die Entwicklung dieser wichtigen Bewegung sein. Die europäische Exekutive hat ihrem Sitz in London, sie setzt sich aus Vertretern verschiedener Länder zusammen. Oesterreich ist durch Herrn Wolf Tischenkel vertreten. Interessenten für die Shnat Sherut erhalten alle Auskünfte Im Zionistischen Landesverband, IX, Universitätsstraße 4. Israel und Deutschland Die am 8. April abgebrochenen deutsch - israelischen Reparationsvcrhandlungen wurden am 24. Juni in der niederländischen Residenzstadt Den Haag wieder aufgenommen. Das von der Bundesregierung kürzlich unterbreitete Entschädigungsangebot in der Höhe von 3 Milliarden D-Mark (715.000 Pfund Sterling) bildet die Grundlage zu dein wiederaufgenommenen Gespräch zwischen den Verh an dl ungs pa r tnern. lik nach Odessa, wo er seine literarischen Fähigkeiten in die Tat umsetzen konnte. Seine Gedichte zogen die Aufmerksamkeit gebildeter Kreise auf sich und cs ward offenkundig, daß die Poesie Bialiks eine neue Epoche in der hebräischen Literatur eröffnete. In Bialiks Dichtungsweisc finden wir das geniale Streben, die Leiden des Individuums mit den Schmerzen des jüdischen Volkes zu verschmelzen. Nach seiner Verehelichung widmete sich Bialik dam Waldhandel, um wirtschaftlich bestehen zu können. Im Jahre 1897 übernahm er, auf Betreiben seiner Verehrer, die Stelle eines hebräischen Lehrers in Polen. Diese Tätigkeit füllte ihn naturgemäß nicht aus. Der Dichter schrieb bedeutende Werke, worin er sich besonders mit der Psyche der jungen und der alten Generation beschäftigte und das Leben und Wesen der Jünger im Beth Iiamidrasch einer Analyse unterzog. Er schilderte die seelische Kraft der Baehurim, die dein Thorastudium das Leben weihten und lehnte sich dagegen auf, daß die Jugend, des talmudischen Lernens wegen, persönliche Freiheiten einbüßte. In seiner bedeutenden Dichtung „Mete Mitbar“ bringt Bialik in klassischer Form die Tragödie des Galuthlebens zum Ausdruck. ßialik schöpfte aus einer tiefen Quelle des Wissens und bereicherte alle, die sich um ihn geistig scharten. Seine Aufsätze über die hebräische Poesie waren von außerordentlicher Bedeutung. Die außergewöhnlichen Fähigkeiten, die hebräische Sprache zu meistern, war Bialik wrie keinem andern eigen. Besonders hervorzuheben sind Bialiks Sammlungen geflügelter Worte und Sprichwörter, die der talmudischen Literatur entstammen. Bialik trat auch als Lebersetzer hervor, und es sei auch auf die Uebcrselzung „Don Quichote“ von Cervantes und „Wilhelm Teil“ von Schiller hingewiesen. Im Jahre 1904 besuchte Bialik zum ersten und 1908 zum zweiten Mal Palästina und legte seine Eindrücke schriftlich nieder. Im Jahre 1921 verließ Bialik Rußland und ging nach Berlin, wo er 2 Jahre lang lebte. Im Jahre 1924 übersiedelte der Dichter nach Palästina, wo er sein Leben zu beschließen gedachte. Von einer schweren Krankheit befallen, kam Bialik aus Palästina nach Wien, um sich hier einer Operation zu unterziehen. Sein Herz hielt der schweren Operation nicht stand und der Dichter sturb am 4. Juni 1934 in Wien. Die Gebeine des Denkers und Dichters, des Erziehers und Erw’eckers ruhen in der Erde Israels. Das Vermächtnis Bialiks ist dem jüdischen Volke heilig. B. Braver DER GROSSE MUSIKALISCHE FILM: IN JIDDISCHER SPRACHE (DEUTSCHE UNTERTITELN) SONNTAG, 6. JULI 1952 UM 10.30 UHR IM KREUZ-KINO „JIDL MIT’N FIDL II