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Die Stimme · 1952-06-01 · Heft 63 (Juni 1952) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 63 (Juni 1952)
Date
1952-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 63 Wir werden unsere Märtyrer Mörder gestehen 1 Gedenkfeier in Mauthausen Am 18. Mai 1952 hat die Wiener Kultusgemeinde zu Ehren der in Mauthausen von den Nazis ermordeten nahezu 121.300 Tuden einen Gedenkstein enthüllt. An dieser weihevollen Feier nahmen 650 Personen aus Wien und den österreichischen Bundesländern teil, darunter die offiziellen Persönlichkeiten : Landeshauptmann Dr. Heinrich Gleißner, der das Land Oherösterreich repräsentierte und den Unterrichtsminister Dr. Kolb vertrat, Konsul Arie Eshel als Vertreter des Staates Israel, Min. Rat Dr. Franz SobeF in Vertretung des Bundeskanzlers. dessen Tochter, die die Familie Figl vertrat, Min. Rat Dr. Oskar Berger in Vertretung des Innenministers, Hofrat Dr. Paul Pollak :n Vertretung des Polizeipräsidenten Holaubek, die Präsidien der Kultusgemeinden Graz, Linz und Salzburg, Vertreter der Jewish Agency, die Vertreter des Schwarzen Kreuzes, der Bürgermeister von Mauthausen und als Repräsentant der russischen Armee, die Mauthausen befreit hat, Oberst Jakowczuk. An dieser Gedenkfeier nahm auch eine ansehnliche Deputation der Wiener Zionisten teil. Als erster trat Landeshauptmann Dr. Gleißner vor und sprach tiefempfundene WTorte des Gedenkensund der Mahnung, worauf ein Gottesdienst stattfand, der erste jüdische auf dem Bedien, der mit jüdischem Blut getränkt ist. Tränen flössen ob des großen Unglücks, des Schmerzes um die Erschlagenen, Vergasten unseres Volkes. Der Oberrabbiner von Wien, Dr. Äkiba Eisenberg hielt die Trauerrede, die, inspiriert von unseren Propheten, einen tiefen Eindruck hinterließ. Der Kultuspräsident Dr. Emil Maurer nahm die Enthüllung des Gedenksteines vor. An die Trauerfeier für Mauthausner Märtyrer schloß sich eine Trauerkundgebung zum Gedenken an die Warschauer Ghettohelden. Nachdem eine orthodoxe Gruppe Trauergebete verrichtet hatte, ergriff Konsul Eshel das Wort. Er gedachte in tiefempfundenen Worten der Helden die in Warschau nicht allein für die eigene, sondern auch für die Ehre des jüdischen Volkes gekämpft haben und gefallen sind. Die Kämpfer entzündeten die Fackel, die uns voran ge leuchtet hat auf dem Wege, den wir in unser eigenes Land, in das Land Israel gegangen sind. Die Welt möge es wissen, daß die Juden in ihrem eigenen Lande stark genug sind, um alle Versuche uns anzugreifen, uns unser Leben streitig zu machen, wirksam abzuwehren. Gunskirchen Am 11. Mai 1952 hielt das Jüdische Zentralkomitee eine Gedenkfeier am Massengrabe der von den Nazis in Gunskirchen ermordeten 6000 Juden ab. Der Leier wohnten bei : Die Insassen des Lagers Asten, die Vorstände der Kultusgemeinden Linz und Salzburg, der Landesgendarmeriekommandant Oberst Mayer, als ehemaliger KZ-Häftling, der die Leiden der .jüdischen Opfer geteilt hatte, der amerikanische Chaplain jüdischen Glaubens, Ernst Hein, in Vertretung der Wiener Kultusgemeinde, Ing. Wiesenthal als Vertreter des Jüdischen Zentralkomitees in Linz und Bernhard Braver als Vertreter der zionistischen Bewegung Oesterreichs. Eine weihevolle Feier, die den Willen manifestierte, der toten Brüder und Schwestern niemals zu vergessen! Der Rabbiner von Linz, Herr Mynski, hielt eine von ethischen und sozialen Erkenntnissen getragene Rede, die alle Anwesenden tief beeindruckte. Der Schreiber des Artikels im „Wiener Montag“ vom 5. Mai 1592 „Damals wars Recht“ behauptet unter anderem, daß bei den seinerzeitigen Volksgerichtsverhandlungen gegen Nationalsozialisten Juden saßen, welche sich nicht vom Gerechtigkeitssinn sondern von Haßgefühlcn gegen die Angeklagten leiten ließen. Der Schreiberling ist der Meinung, daß diese Angeklagten unschuldig seien. Die jüdisch-historische Dokumentation in Wien hat sich seit 1946 die Aufgabe gestellt, Kriegsverbrecher, welche Ln der Nazizeit Juden mißhandelt und umgebracht haben, zu eruieren Zeugenaussagen beizustellen, und ihre Verhaftung zu erwirken. Weiters obliegt ihr die Sammlung von Dokumenten über die JudenvernLchtung. Der Judenrat in Stryj Zahl: 1/55277 47 Wien, 11. Nov. 1947 NIEDERSCHRIFT auf genommen mit Schiaffiner Johann geb. 14. 7. 1898 in Wien Zuständig nach Wien Familienstand : verheiratet Sonstige Sorgepflichten : keine Religion : r. k. Kinder : keine Wohnungsanschriften seit 1. I. 1930: Wien 13., Hütteldorferstr. 287 bis 1932 Wien 14., Linzerstraße 264 Schulbildung : 5 Kl. Volksschule, 3 KL Bürgerschule, 2'A. Kl. Marineschule. Erlernter Beruf: Seemann Ausgeübter Beruf : Sicherheitswachbeamter s. 1919, letzter Dienstgrad : Rev. Inspektor. Auszug aus dem Geständnis. Im Jahre 1943 erhielt unsere Dienststelle den Auftrag, die Liquidierung der Angehörigen des Judenrates von Stryj durchzuführen. Ich kann mich erinnern, daß zur Durchführung des Auftrages Hptm. Klarmann mit Vcnhoda, Christament, Garber und einem Bayren ‘(BahnSchutzpolizei) ausrückten. Nach Durchführung dieser Liuqidierung kehrten die Genannten zur Dienststelle zurück und erzählten, daß die Erschießung der Angehörigen des Judenrates, ca. 10 bis 12 Personen, durch geführt hätten. Bezüglich des Gemetzels bei der Glasfabrik ASA war der Vorgang folgender : Die jüdischen Arbeiter der Glasfabrik sollten von der gesamten Dienststelle mit Ausnahme von Schöpf und der Wache zum Gefängnis geführt werden. Als die Juden aus der Fabrik herausgeführt wurden, stand der Hptm. der ukrain. Miliz Waczuk gegenüber dem Fabrikstor. Ein jüdischer Arbeiter verletzte ihn durch Steinwurf im Gesicht. Als plötzlich Garber „hinlegen“ kommandierte und mit seiner Maschinenpistole auf die Juden zu schießen begann, gebärdete sich Garber wie ein Besessener und schoß so lange, bis alle Juden auf dem Boden lagen. Erwähnenswert ist, daß sich die vorerwähnten Schutzpolizisten in beson- Itn Jahre 1941 wurden 1500 Schutzpolizisten aus Wien nach dem Osten (Polen) dirigiert und auf verschiedene Ortschaften verteilt. Die Hauptaufgabe der Schupo bestand unter anderem darin, Massenliuqidierungen von Juden durchzuführen. Der „Wiener Montag meint“, daß sich jedes Inrecht iim Laufe der Zeit von selbst aufklärt und den Nutznießern den Boden unter den Füßen wogzieht. Nachstehend bringen wir einen kleinen Auszug aus der Sammlung von Kriegsverbrech r raussagen, (aufgenommen von der Polizeidirektion Wien, Abt. 1). Es handelt sich hier nicht um jüdische Aussagen, sondern um originale Schilderungen der Massen-Liquidationen durch die Schupo. derem Maße und mit Sadismus an den Erschießungen beteiligten — -- — — Vor allem Garber schienen die Erschießungen besondere Freude zu bereiten. A*uch Hick war besonders roh und brutal. Sonst kann Ich zur Sache nichts angeben. v. g. g. Unterschrift : Schaffner Johann Ghetto von Stryj Zahl : 5527 7/47 NIEDERSCHRIFT über die Vernehmung des Angezeigten. Aufgenommen am iö. Okt. 1947, um 14.00 Uhr. Vor- und Zuname : Garber Alexander geb. am 11. 1. 1897, in Steyr, O.-Oe. Zuständig nach Wien Familienstand : verh., Kinder: keine Sonstige Sorgepflichten : Elfern Eltern : Johann Garber und Maria, geb. Steiiner Wohnungsanschriften seit 1. Jänner 1930 : Bei jeder anzu führen von wann bis wann, bei der Wohnung zur Zeit des Umbruchs 1938 und den folgenden Jahren auch kurze Angabe der Räume. 1926 bis 1938 Wien, 19., Solingergasse 18/39 1938 bis 1945 Wien, 19., Silbergasse 25 (vorher jiid- Mieter durch die Partei zu ge wiesen) 1. 12. 1946 Wien, 19., Birkergasse 1 Schulbildung : 5 KL Volksschule Erlernter Beruf : Feim Bäckerei Ausgeübter Beruf seit 1920 : ab 1920 bei der Bundespolizeii, letzter Dienstgrad Ray.-Ins p ektor Auszug aus dem Geständnis. Am 7. Oktober 1941 wurde ich mit ungefähr 20 anderen Wiener Kameraden nach Stryj abkommandiert. Zu Anfang wurden wir, d.. h. unsere gesamte Dienststelle zu Absperrungsmaßnahmen zu gewissen jüdischen Häuserblocks verwendet. Die Juden wurden innerhalb der Absperrung zusammen ge trieben und unter Bewachung von Schutzpolizei, Gendarmerie, ukrainischer Miliz, zum Bahnhof nach vStryi gebracht, wo sie. in bereif stehen - de Waggons zusammengepfercht zum Abtransport verladen wurden. Oberleutnant Klarmann, der Leiter unserer Dienststelle, versuchte sich mit der Gestapo aus Drohobyez dahingehend ins Ihn vernehmen zu setzen, daß er beantragte, ebenfalls an Liquidierungen mit seinen Leuten aktiv teilzunehmen. Die erste Liuqidierung im Holobutow wurde ungefähr im April 1942 durchge führt. Ich, sowie Redner, Hick, Seheiflinger, Venhoda, Heinrich, Zeman standen am Rande der Grube. Die Juden, die sieh vorher nackt ausz Lehen mußten, wurden nun immer 20 zur entgegengesetzten Seite der Grube hingeführt und mußten den Rücken uns zugekehrt, am Rande derselben Aufstellung nehmen. Ich sowie die erwähnten Personen schossen nun mit russischen Maschinenpistolen, einige von uns hatten auch russische Karabiner, die vor uns Aufgestellten aus einer Entfernung von ungefähr 6 m in den Kopf. Wenn Ich sah, daß einer von den in die Grube Stürzenden nicht tot war, gab ich ihm noch den Genickschuß. Auf diese Art wurden bei der ersten Aktion ungefähr 300 Frauen, Kinder und Männer von uns liquidiert. Es kam des öfteren vor, daß unsere Dienststelle verständigt wurde, daß sich Juden in Verstecken aufhielten. Wiir erhielten den Befehl, dieselben aufzuspüren und an Ort und Stellle zu liquidieren. u. s. w. Ende 1943 erfolgte in der Gegend der Glasfabrik eine Judenrazzia. Bei dieser Aktien war die gesamte Dienststelle beteiligt. Während der Aktion sprang ein jüngerer Bursche mich an, um mir mit einem langen Messer einen Stich zu versetzen. Daraufhin wurde er von Oberlt. Klarmann zusnmmengeschossen. In diesem Augenblick versuchten die anderen Juden nach allen Richtungen auszubrechen. Der Haupfmamn der ukrainischen Polizei namens Waschtsuk Wurde von Juden verletzt, dies war auch das Signal, daß nun von sämtlichen Seiten das Feuer in die Menge eröffnet wurde. Ich selbst schoß nun ebenfalls mit meiner Maschinenpistole blindlings In die Menge hinein .... v. g. g. Unterschrift : d. Garber Alexander Ghetto von Kolomea Zahl : I '45.447/b 47 NIEDERSCHRIFT über die Vernehmung des Angeklagten aufgenommen am 19. 9. 1947 um 9.25 Uhr Voru, Zuname : Kleinbauer Othmar geb. 18. 5. 1893 in Wien Zuständig nach Wien Stand : verh., Rel.: r. k. Wohnungsanschriften seit Januar 1930: Inzersdorf bei Wien, Dr. Schoberstraße 11 (Eigenheim) bis heute. Schulbildung : Volksu. Bürgerschule, Realschullyzeum, Beainten-Matura u. Obergymnasium in Klosterneuburg. Äusgeübter Beruf seit 1920: Sicherheitswachbeamter, letzter Dienstgrad Re v ier- In spek tor. Auszug aus dem Geständnis. Am 6. Oktober 1941 wurde ich zusammen mit anderen Kameraden der Schutzpolizei nach Kolomea kommandiert. Ich hatte damals den Dienst grad eines Polizeimcisters inne. Vorerst wurden unsere Leute zu dem sog. normalen Exekutiv dienst, Absperrungsmaßnahmen u. s. w. her angezogen. Erst nach einiger Zeit wurde unsere Abteilung durch Komm. Lei tteiLfz der Gestapo um Kolomea der Be fehl erteilt, daß sämtliche unserer Leu te aktiv an den Liquidierungsaktioneu tc i 1 zunehm e 11 ha ben. Ich gehe zu, zweimal das Komm an du über das LiuqLdieruingskommando am Judenfriedhof geführt zu haben. IMPRIME SHANTUNG KLEIDERRIPS WOLLSTOFFE DULDNER & DEUTSCH Wien VII, Neubaugassc 10 Gegen Vorweis dieses Inserates gewähren wir vom 3. bis 16. Juni einen Spezialrabatt von 5%

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