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Die Stimme · 1952-06-01 · Heft 63 (Juni 1952) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 63 (Juni 1952)
Date
1952-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Nr. 63 DIE vSTIMME A*ttt$e*nitisinu$ u. ilyttiffnus Uhi Schlangt tautet Un (fast \\ Irr VI. Mai Im Rubrik Verpflichtung zur Wiedergutmachung „iVr Montag meint" folgendes : ..Die Sv 1mach beginnt erst dort, wo man za UV.e ist. dar besseren Einsieht 7.u folgen“ : >I?t diesen, seinen eigenen W erten, schlafen wir den Antisemiten. \uf unseren Artikel ,,Nazi- Virulenz", bringt der ,,Wiener Montajj“ am lih Mai eine Replik, betitelt u Ausgabe liegt: ein Prospei d der Wi ner Wechselseitigen Krr; akrnv ersieh :rung, eines Kon- 7 _ n u t ri v’hmen.s <F r Vierer" Städtische n Versicherungsanstalt V R wosert. daß zahlreiche un- SC'.T Abi ' mu nten dieser Krank e ir¬ .crs:ci- „ru n gs an s ta 11 an ge h ö - ren. Wcr noch keinen oder keieen ausre i eh :nden Krankcnversieher u nass. ehutz hat, möge sich übet - die ’ o. r s ehr e d e n e n VA r s i eh e - rum 'smogl i eh k e i t e n u n t; rr I eh t *e n lass :n. Er ne Riickartwortpostkarte 1 legt d [em Prospekt bei. „Den Zionisten gesagt“. Diesen Titel wählt der Sbirre zu dem Zweck, um se’ne Nazileser und „Rückstellungsbetroffene“ anzulocken und ihnen zu offenbaren, daß man sich Juden gegenüber schon etwas leisten darf. Der Wiener Montag“ leistet sich tatsächlich folgende Extravaganz : „Wir haben zuviel Menschenkenntnis, um nicht aus der Art des Angriffes zu erkennen, daß unsere Feder gute Wirkung tut und haben daher aus dem Gefühl der absoluten LÜberlegenheit, nicht die mindeste Veranlassung, auf „Die Stimme“ zurückzuschlagen.“ Gerade die Ueberlegenheit ließ es ratsam erscheinen, im konkreten Falle zurückzuschlagen und unsere „Unwissenheit“ zuschanden zu machen. Aber das tut ein Nazienthusiast nicht, weil ihm das Zurückschlagen das Kcnzept verderben und seine bösen Lügen kurze Beine bekommen hätten. Was soll der „Wiener Montag“ darauf erwidern, wenn seine Behauptung, die jüdischen Flüchtlinge im Rothschildlager hätten gegen den österreichischen Staat Wiedergutmachungsansprüche gestellt und ihn ausgepowert, eine infame Lüge ist und geeignet, die nichtjüdische Bevölkerung gegen die Juden aufzureizen V Das arrogante Spiel mit der „Leberlegenheit“ soll die Verlegenheit dekken und den Weg für weitere Gemeinheiten ebnen. Die reaktionäre Gesellschaft des „Wiener Montag“ versteigt sich zu der Behauptung, daß sie sich über die Psychologie des jüdischen Volkes und über die Folgerungen, die es aus den jüngsten Erlebnissen und Erfahrungen zu ziehen hätte vielleicht mehr Gedanken mache, als mancher Jude. Nach ihrer Meinung wird auch die Stellung, die das jüdische Volk künftig in der W eit einnehmen wird, entscheidend dazu beitragen, ob „wir“ zu einer Harmonie der Völker gelangen werden. Diese Gemeinplätze, dem Vokabular der Goebbelspresse entnommen, zeigen eindeutig, daß der „Wiener Montag“, das Sprachrohr der Ariseure, von allen guten Geistern verlassen ist und Israel-Abteilung Capri-"1 Wien I, Graben 10 Telephon R 26100 Offizielle Verkaufsstelle aller Flug-, Schiffs- und Bahnlinien Paß- und Visabesorgung enter Hc.rmonk' „Judenhatz“ ver- -t.ht. Wir glauben dem Schreiberling i.tifs Wort, daß er sich über die Folgerungen, dir die Juden aus den jüngsten Erlebnissen und Erfahrungen zu zieh. n hiitt.n, Gedanken gemacht hat I ad sagen es ihm auf den Kopf zu, öaß er uns in kanibaliseher Anwandlung hundertfach verwünscht, daß ein kleiner Rest aus den Nazilagcrn zurückgekehrt: ist. Auf unsere Frage, was Arier getan haben, als die Juden, während der Nazizeit, gepeinigt und gemordet wurden und um Hilfe riefen, ,ibt der Häscher von „D*, r Montag ncint“ folgende obskure Antwort : Da möchten wir dem jüdischen Volk len Rat geben, nicht an die Vergangenheit fixiert zu bleiben und nicht u glauben, daß heute irgend ein Mensch oder irgend ein Volk mit Mm tvrertum Realpolitik betreiben kann.“ Abgesehen davon, daß dem „Guten“ die Zusammenhänge fremd sind, greift er das Wort „Realpolitik“ heraus, um auf irrealem Wege unsere Märtyrer zu insultieren. Der Finsterling vom „Wiener Montag“ gibt dem Judentum den Rat, die Vergangenheit zu vergessen und nicht zu glauben, daß unsere Märtyrer Bedeutung haben. Damit hat sich der „Wiener Montag“ selbst gerichtet. Er schützt Ueberlegenheit vor, versucht die Hand vor die Augen der denkenden Leser zu halten, und betreibt Handel mit antisemitischem Gift. Das Organ der Ariseure heuchelt, daß seine Gesinnungsgenossen den Antisemitismus aus der Welt schaffen wollen und spricht nebulös von zwiewertiger zwielichtiger Stellung der Juden, die sie in unwürdige Situationen bringt und unter den anderen Völkern Antisemitismus erzeugt. Darunter versteht es die Verleumdung der Judenschaft im allgemeinen und der Wiener Juden im besonderen. Wie ist es um den Willen des „Wiener Montag“ bestellt, den Antisemitismus aus der Welt zu schaffen V Aus Gründen der „Realpolitik“ sagen sich die Juden von ihren Märtyrern, die die Nazis in Warschau, Maidanek, Auschwitz, Treblinka, Theresienstadt und Mauthausen gemeuchelt haben, los und pflichten dem Naziförderer bei, daß der Nazismus frei von Schuld sei. Hinterhältig schützt der „Wiener Montag“ Philosemitismus vor, um sich an ein Problem heranwagen zu können, das sein Redaktionsstab nicht versteht. Er zeigt vielmehr die Tendenz, mit rassischen Mitteln zu agieren. Die Unanständigkeit dieser Handlungsweise geht daraus hervor, daß sich der „Wiener Montag“ auf die Insassen eines jüdischen Flüchtlingslagers stürzt und sie der Fchäd'gung des österreichischen Staates bezichtigt, obwohl ihm kein diesbezügliches Material zur Verfügung steht. Es ist dem „Wiener Montag“ ebenso wie uns bekannt, daß es in Oesterreich weitaus mehr nichtjüdische als jüdische Flüchtlingslager gibt, wo das Gesetz hundertfach verletzt wurde. Was haben die Rechtschaffenen des „Wiener Montag“ bis auf den heutigen Tag unternommen, um den „Erreger“ zu vernichten? Nichts! Zur Illustration der Moral dieses Heuchlerblattes zitieren wir folgende Ergüsse, die wir im „Wiener Montag“ vom 5. Mai finden. Die W'rncr Festwochen wurden mit einem Violinkonzert des berühmten Geigers Jehudi Menuhin eingeleitet, der nicht nur d e Hörer begeisterte, sondern den Ruhm Wiens als Musikstadt emportrug. Wien verdankt seine hohe Musikkultur nicht zuletzt den genialen Juden Mahler, Oskar Straus, Leo Fall, Leon Kalman, Alfred Grünfeld, Elisa Elizza, vSeltua Kurz, Lotte Lehmann, u. n., derer das kulturelle Oesterreich oft ehrend gedacht hat. Das rückschrittliche, vom Nazismus Infizierte Oesterreich hingegen, zeigt in der letzten Zeit den Juden gegenüber, eine niederträchtige Haltung, die geeignet ist, dem I ein de schweren Schaden zuzufügen. Die unbelehrbaren Antisemiten, schützen patriotische Gefühle vor, um die Juden zu verunglimpfen und zu denunzieren, auf die Gefahr hin, daß es offen zu Tage tritt, daß in Oesterreich Sitte und Kultur mit Füßen getreten wird. Ein Teil der österreichischen Presse bemächtigt sich gierig unliebsamer Fälle, wie z. B. Gcldscbieburrgen jüdischer Talmudschüler von Hohenems „Damals wars Recht! Philipp Auerbach, der frühere Leiter des bayrischen Entschädigungsamtes für rassisch verfolgte Opfer des Nationalsozialismus, der jetzt wegen verübter Millicncnbetrügereien vor einem Münchner Gericht steht, protesti r e kürzlich gegen 3 Mitglieder des Gerichtshofes, weil sie ehemals der NSDAP a.ngehört haben .... Wir aber fragen, wer damals protestierte, als in Gerichtshöfen auch in österreichischen Volksgerichtssenaten und heute noch in den Rückstelluingskommissionen — die über ehemalige Nationalsozialisten urteilten, Angehörige des jüdischen Volkes saßen, von denen mancher cs sich leisten konnte, in der Verhandlung seiner feindseligen Gesinnung gegenüber den Angeklagten wenig Zwang aufzuerlegen. Wenn im Fall Auerbach die befangen erscheinenden Richter Unrecht sind, waren sie es auch im Fall der vor Gericht stehenden Nationalsozialisten“. Welch ein niederträchtiger Vergleich! Der Jude Auerbach steht vor Gericht, um sich wegen angeblich oder tatsächlich begangener Verbrechen zu. verantworten. Seine Richter sind nachgewiesenermaßen Nazi und waren Angehörige der SA. Der Jude hat die Gewißheit, daß die Nationalsozialisten iim Richtertalar seine Todfeinde sind und ihm gegenüber keine Gerechtigkeit üben werden. Der Angeklagte Auerbach, der m ehrt re Jahre seines J.ebcns, nur weil er Jude ist, in Gestapogefängnissen und Konzentrationslagern verbracht hat. lehnt Peiniger des Judentums ab. Oh, welch ein Verbrecher in den Augen des „Wiener Montag“!! Antisemitismus und Zynismus paaren sich in diesem Schundblatt zur höchsten Potenz. Der „Wiener Montag“ mißbraucht die Pressefreiheit, indem er sieh auf die Juden stürzt, sie verleumdet und damit hofft, seine Transaktionen mit den Ariseuren glatt abwickeln zu können! Die Schmach beginnt erst dort, wo man zu feige ist, der besseren Einsicht zu folgen! und Razzia im Rothschild lager und besudelt geifernd das gesamte Judentum. Bis heute verschwieg es die österreichische Presse geflissentlich, daß die Wiener Fcstwochenveranstaltungen mit den Darbietungen des Juden Menuhim glänzen durfte, der auch den Juden Mendelssohn-Bartholdy zu Gehör brachte. Aus (In Emigration zurückgekehrt, habe ie h mein Gesi ■bä F1 niedereröffnet. Kaufe und verkaufi e gebraucht e Herrenu nd Damenkleider. Im •ldsteehcr. IN iähmasel liuen. ßellfetlt *rn u. s. w. HERMANN WOLF W i e n II. Holla n d s t r; aßc 7 Tel. A 41 7 74 Oesterreich genießt die wirtschaftlichen und kulturellen Wohltaten, die tüchtige und geniale Juden bieten, aber es vernachlässigt die Pflichten gegenüber den jüdischen Opfern des Nazismus. Die Rückstellungsgesetze werden rücksichtslos verwässert uind Rückstellungsvorlagen, die der parlamentarischen Behandlung bedürfen, bleiben einfach liegen. Die in Aussicht genommene Haftentschädigung läßt auf sich warfen und kein demokratischer Nationalrat hat bis zur Stunde die Stimme zu Gundsten der KZ-Häftlinge erhoben, außer Frau Jochmann. Dem amerikanischen Hochkommissar Walter I. Domelly blieb es Vorbehalten, im Zusammenhang mit der vom österreichischem Parlament geplanten „Heimkehreramnestie“ (lies „Kriegsverbrecher-Ämmestie) öffentlich folgendes zu erklären : „Es ist die Politik der Vereinigten Staaten, die Wunden des Krieges zu heilen, statt sie weiter offen zu halfen. Damit dies jedoch in gerechter Weise geschieht, ist erforderlich, defß alle jene, die von den Kriegsanstiftern zu leiden hatten, volle Berücksichtigung finden. Obgleich ich die humanitären Beweggründe der Proponenten dieses Gesetzes nicht in Zweifel ziehe, muß ich mich dennoch fragen, warum sie weiterhin die Verabschiedung von Gesetzen hinausschieben, die den von den Nazi in Oesterreich verfolgten Personen eine angemessene Wiedergutmachung gewähren würden •.. Um der einfachen Gerechtigkeit willein, müssen wir Oesterreich weiter dringend auf fordern, dieser Verpflichtung nachzukommen.“ Der Ratschluß des österreichischen Nationalstes scheint unerforscht ich zu sein; oder hat man es mit Volksvertretern zu tun, die alles vergessen, und nichts gelernt haben? Bernhard Braver STOFFE KLEIDER FÜR DAMEN HERREN UND KINDER (füi und (vceiswect u<un ICaufUaüs Bcüdec Ma&u Wlan VII, MarlahlllardraSa M „ELSE” PARFÜMERIE WIEN I, STEINDELGASSß 1 (beim Tuchlauben-Kino) TELEFON U 21 3 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. FRANKREICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israeli 85

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