Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 61 (April 1952)
- Date
- 1952-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 61 DIE STIMME Wir gedenken der Warschauer Ghettohelden Riedergutmochung Deutschlands Dr. Hains Klee, Genf Sehreit aus Gedärmen wilder Tiere, aus den Tischen schreit im Teich! Sie haben euch gefressen. Aus den Todesöfen schreit! Denn schaut : Ich brauche euren Ruf nacli Hilfe und den Todesschrei von euch. Schreit, Juden, Ausgerottete, schrei, ausgelöschtes Volk, schrei laut! Aus einem Gedichthand von Jischnk Katzenelson, welcher den Ghettoaufstand mitmachte und dann nach kurzer Haft in Vittel in Auschwitz von den Nazischergen vergast wurde. Aufgefunden im KZ Vittel, Nachdichtung von Hermann Adler, Basel. Der Aufstand der Juden im Warschauer Ghetto ist nicht nur in die jüdische Geschichte, sondern auch in die Geschichte der Menschheit überhaupt eingegangen. Die Juden des von den Deutschen besetzten Warschauer Ghettos, kämpften zunächst ums nackte Leben, und dann um einen würdigeren Tod, als Hitler und Himmler für sie Gaskammern und Krematorien bereit hielten. Als deutsche Soldaten in das Warschauer Ghetto eindrangen und Juden mißhandelten, verschleppten oder aus reinem Sadismus an Ort und Stelle ermordeten, wurde es jedermann klar, daß die Gestapo es darauf abgesehen hatte, alle Insassen des Ghettos völlig auszurotten. Lnter Führung tapferer und zielbewußter Warschauer-Ghetto-Juden wurden Vorbereitungen getroffen, um den Kampf mit den Todfeinden aufzunehdas Judentum vice versa für den KKL, der bis auf den heutigen Tag das erhabene wahre nationale Gefühl wachhält. Im Jahre des 50-jährigen Jubiläums kann der KKL auf einen ungeahnten Aufstieg und auf achtunggebietende Erfolge zurückblicken. Dieser Fonds Ist es, der die Voraussetzungen für die Gründung der Medinath Israel dadurch geschaffen hat, daß er den Boden in den wichtigsten Teilen des Landes erworben und ihn der Nation zugeführt hat. Der Keren Kajemeth ist es, der die Wüste in fruchtbares Ackerland verwandelte und das kahle Gebiet aufforstete. Mit der Gründung der Menidath fielen dem KKL neue große Aufgaben zu, die er vorbildlich erfüllt. Er sorgt für die Absorbierung der Massen- Alijah, für die Festigung der Sicherheit des Landes, für die produktive Lmschichtung unserer Olim und gleichermaßen für die Trockenlegung der Sümpfe von Chule. Die Trockenlegung der Chule-Sümpfe ist eine unendlich große Aufgabe, die das Symbol für weitere imabsehbare soziale und kultur-politische Leistungen darstellt. Zur Feier dieses stolzen Jubiläums stellen wir uns mit den innigsten Wünschen für die Zukunft ein und neigen uns vor den geschichtlichen Leistungen des Keren Kajemeth Leisrael, der am 17. Januar 1952 seinen 50-jährigen Bestand gefeiert hut. Bernhard Braver Israel-Abteilung Capri-" ‘ Wien I, Graben 10 Telephon R 26100 Offizielle Verkaufsstelle aller Flug-, Schiffs- und Bahnlinien Paß- und Visabesorgung men, den nazistischen Unmenschen eine Schlacht zu liefern, die nichts anderes war, als die Bekundung des letzten großen jüdischen .Stolzes. Am 18. Jänner 1943, um 6 Uhr früh, hallten die Ghettostraßen von wilden Rufen, Salven, Gewehrschüssen und lärmenden Hupen der Motorräder und lanks wider. Die deutschen Mörder rasten in die Häuser und Höfe und zerrten die Menschen aus ihren kümmerlichen Behausungen heraus. Jene Juden, die nicht schnell der Aufforderung mitzugehen Folge leisteten,wurden an Ort und Stellle erschossen oder mit Gewehrkolben erschlagen. Die U Überrumpelung geschah mit solcher Heimtücke, daß nur wenige jüdische Kampfgruppen in Aktion treten konnten; sie schossen und warfen mehrere Handgranaten auf die Nazimörder, von denen eine Anzahl getötet w'urdc. Die Nazi waren über diesen unerwarteten Widerstand der Juden überrascht. Etwas Derartiges war im Ghetto noch nie vorgekommen. Das erste Auftreten der Ghettokämpfer übte einen ungeheuren Eindruck innerhalb und außerhalb des Ghettos aus. Die jüdische Kampforganisation wurde nun zur bestimmenden Macht im Ghetto. Sie säuberte das Judenviertel von allen jüdischen Helfern der Gestapo, verhängte und vollzog Todesurteile an Verrätern des Judentums und Kollaborateuren. Leider sind einige Verräter entkommen, darunter die entartete Sylvia SchapLra. Die Stimmung im Ghetto kennzeichnet ein Zeuge, der Kämpfer war, namens Bernhard Goldstein, in seinem Buch, beti'.elt ,.Die Sterne sind Zeugen“, folgendermaßen : „Wir sind dem Tode verfallen. Laßt uns ihm mit der Waffe in der Hand begegnen. Wir wollen an unseren Folterknechten Revanche üben und unser Leben teuer verkaufen.“ Ein Kampf begann, in dem jedes Haus, jedes .Stockwerk und jeder Raum verteidigt wurde : auf der einen Seite die schlecht bewaffneten, vor Hunger sterbenden Juden, auf der anderen, die wohlausgerüsteten und gutgenährten SS-Menschen-Schlächter. Dennoch dauerte der Kampf mehrere Wochen! Die Deutschen feuerten von außen mit Artillerie auf das Ghetto und schossen es in Brand, wobei sie Giftgase in großen Mengen verwendeten. Goldstern schreibt in einem seiner Kapitel des oben angeführten Buches : Jene von uns, die den Opfergang der Juden überlebt haben, sind erstaunliche Beispiele des unbezwingbaren menschlichen Willens zum Leben. Aber wir sind auf unsere Weise ebenso tot, wie unsere glücklicheren Brüder, die den ewigen Frieden gefunden haben. Wir leben weiter, aber unser Leben ist dahin. Wenn unser Ueberdauern einen Sinn haben soll, dann liegt er vielleicht darin, Zeugnis abzulegen. Es ist eine Schuld, die wir nicht nur den Millionen gegenüber zu. erfüllen haben, die zu ihrem Tod in die Gaskammern und Krematorien geschleppt worden sind, sondern auch allen gegenüber, die Menschenantlitz tragen, und die brüderlich zusammen auf der Welt leben wollen. Zum Jahrestag gedenken wir in Ehrfurcht der Ghettohelden. Es ist nicht nur begreiflich, sondern unvermeidlich, daß die Frage der Wiedergutmachung seitens Deutschlands für die den Juden in der Nazizeit zugefügten Schäden, auch von moralischen und gefühlsmäßigen Betrachtungen beeinflußt wird. Die Rückerstattung des identifizierbaren Vermögens hat keinen großen Fortschritte gemacht. Ueber die Gründe ist manches durch den O’Sullivan- Bericht bekannt geworden. Fs ist bisher in diesem Zusammenhang verabsäumt worden, die Entwicklung des westdeutschen Volksvermögens richtig einzuschätzen. Die Wirtschaftspresse veröffentlicht regelmäßig Zahlen über die deutsche Produktion und Ausfuhr, ohne daß eieren Bedeutung stets ganz klar wird. Die offizicllfien deutschen Ziffern über den monatlichen Industrie-Umsatz etwa für Juli 1951, also eine Periode von eher schwächerer Leistung, lauten auf ca. 2.1 Milliarden Dollar, so daß die Jahresproduktion etwa 25 Milliarden Dollar erreicht hat. Die Exporte im August und September betrugen — laut Wochendienst des Statistischen Bundesamts vom 26. Oktober 1951 — 1320 Millionen bzw. 1369 Millionen Mark; man darf den Wert des Jahresexports daher mit ca. 5 Milliarden Dolllar annehmen. Die offiziellen Ziffern sind freilich nur auf Monatsbasis veröffentlicht, und deutsche Sprecher unterstreichen gern die Schwierigkeiten, auf die ihr wachsender Expert stößt, um pessimistische Voraussagen daran zu knüpfen. Ausfuhr und Produktion können dem Auf- und Abstieg unterworfen sein, während das Volksvermögen Entwicklungen von dauerhafterer Natur anzeigt. Schätzungen des Volksvermögens lassen stets dem Irrtum einen bedeutenden Spielraum» aber alle verläßlichen Schätzungen (das Statistische Rekhsamt 1945, €as Institut für Weltwirtschaft, die „Bremer Gruppe“ 1947 und Dr. O. Schörry im „Finanzarchiv“ 1949, S. 397) stimmein überein, daß das Volksvermögen innerhalb der deutschen Grenzen von 1937 etwa 475 bis 500 Milliarden Mark betrug. 23()'o dieser Totalsumme fanden sich im Gebiet der heutigen Russischen Zone und weitere 13° o In den Gebieten jenseits der Oder-Neiße-Linie, die nun zu Polen und der Sowjetunion gehören. Im Verlauf des Nazikrieges wurden große Teile dieses Volksvermögens in West- und Ostdeutschland zerstört. Infolge der Währungsabwertung und von Neuinvestierungen aus laufenden Einnahmen seit 1945 sehen sich deutsche Fachleute zu eiper Schätzung des westdeutschen Volksvermögens von 420 bis 500 Milliarden Mark veranlaßt. Das Institut für Wirtschaftsforschung der deutschen Gewerkschaften kommt zu einer Schätzung von 430 bis 490 Milliarden. Danach wäre das Volksvermögen Westdeutschlands nach einer Abwertung, die rund derjenigen des Pfundes Sterling seit 1945 entspricht, gleich dem Volksvermögen Deutschlands in seinen Grenzen von 1937. Diese Schätzung von deutscher Seite wird in erheblichem Maße durch die Produktionsziffern beglaubigt. Der Gütertransport auf den westdeutschen Bahnen ist mit einem Monatsvolumen von 17.4 bis 18.4 Millionen Tonnen nicht viel niedriger, als die entsprechende Ziffer für das ganze Reich im Jahre 1936; die Industrie-Produktion erreicht bereits 135—138" n der Zahlen für 1936. Beides wäre unmöglich,wenn das Volksvermögen — in Zahlen der ahgewerfeten Währung — erheblich hinter dem der Vorkriegszeit Zurückbleiben würde. 1938 erfaßte die Zwangsregistrierung der jüdischen Vermögen in Deutschland ca. 8 Milliarden Mark, wovon die Nazi-Regierung die „Strafzahlung“ von 1 Milliarde erzwang. Zwangsregistricrungen erfassen nie die Gesamtheit der Vermögen, aber das jüdische Vermögen in Deutschland betrug 1939 wenigstens noch l1'., bis l1 i0n des deutschen Volksvermögens, nachdem die ersten 5 Jahre der Naziherrschaft zu einer Enteignung eines großen Teiles des jüdischen Besitzes geführt hatte. Der jüdische Anteil am Volksvermögen Westdeutschlands nach dein Kriege, kann daher wenigstens nicht geringer als lV.o'o gewesen sein; in Zahlen würde das einem Gegenwert von 7.5 Milliarden Mark entsprechen. Volle Wiedergutmachung in Form der Rückerstattung von Werten oder Ansprüchen sollte keine Unmöglichkeit darstellen, wobei die Frage der Umwandlung in fremde Währungen hier noch nicht entsteht. Allen, die sich mit der Frage der jüdischen Stellung zum deutschen Problem beschäftigen, muß ein Punkt klar sein : Solange Westdeutschland nicht mindestens 7 Milliarden Mark an jüdische Berechtigte zuirückerstattet hat, behält Westdeutschland einen Teil des Raubgutes, das die Naziregiieruing den Juden in Deutschland entrissen hat. Solange Rückzahlungen und Entschädigungen unterhalb der Grenze v.on Milliarden bleiben, ist es müßig, von „Wiedergutmachung gegenüber dem jüdischen Volk“ zu sprechen. Eine solche Wiedergutmachung würde nämlich aus den Vermögen bezahlt werden, die den deutschen Juden geraubt wurden — also aus Vermögen, die den rechtmäßigen Eigentümern zurückgegebein sind. Schluß in der nächsten Nummer. Das Konsulat des Staates Israel teil! mit, daß, den gegenwärtigen Verhältnissen in Israel licchmmg tragend, dieses Jahr anläßlich des israelischen Unabhängigkeitstages keine Empfänge durch das Konsulat veranstaltet werden. Es wird jedoch an diesem Tage (5. ljar .30. April 1952) von 9 bis 13 l hr und von 15 bis 18 Uhr im Konsulat, Wien XIX, Beter - Jordan - Straße 66, ein Gästebuch auflicgcn, in welches sieh Israelis in Oesterreich, Kepräsen tan len der jüdischen Organisationen und alle Freunde des Konsulates eintragen und somit ihre Solidarität mit dem Staate Israel zum Ausdruck bringen können. STOFFE KLEIDER FÜR DAMEN HERREN UND KINDER (füt und peeiawut uotn HaüfUuus Bcüdec Habe» Wlan VII, MarlahllfaratraBa 90 Talaphom B 36063, B 36237 „ELSE” PARFÜMERIE WIEN I, STEINDELGASSE 1 (beim Tuchlauben-Kino) TELEFON U 213 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. FRANKREICH, SCHWEIZ. DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israeli 75