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Die Stimme · 1952-01-16 · Heft 58 (16.1.1952) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 58 (16.1.1952)
Date
1952-01-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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So*uieccius^a&e fiic die JUsie „Jüdische lUnfödecaiito*' MfMMIIIItlKMItIttlllHIMHIItllllllllf/ Redaktion und Administration:^ S Wien IX, Universitätsstr. Nr. 4/4 S S Telefon A 26 4 73 s a/hlgemein zionistischeJVochenschrifi k eher Landesverband Wien r,:">z z"^zn nrrwm Postscheck-Konto Nr. 134.292 2 16. Jänner 1952 Nr. 58 - 1952 WÄHLT JÜDISCH! Ä'A fett*} if i ■ ■■ ■ a i aU Lln-fiifnrtrntAr” Dr. Wolf Herzberg, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Nicht mit ganzem Herzen hin ich der Hinladung der Redaktion der ,,Stimme" gefolgt, als Listenführer der „Konföderation der Zionisten und traditionstreuen Juden“ zu der bevorstehenden Wahl in die Israelitische Kultusgemeinde Wien Stellung zu nehmen. Ich habe wiederholt in diesem Blatte Artikel veröffentlicht, die allerdings nur all gerne'ne jüdisch-politische und nationale Angelegenheiten zum Gegenstände hatten und mich stets von kämpferischer Behandlung innerer Angelegenheiten der Gemeinde ferngehalten. Hs hatte dies auch seinen guten Grund und Hrfolg, indem es mir durch konciliantes Verhalten tatsächlich gelungen ist, Vieles für unsere religiös-rituellen und nationalen Belange sowie für unseren .Staat Israel zu erreichen. Wenn icli dennoch in dieser Wahlkampagne das Wort in diesem Blatte ergreife, geschieht es, weil ich angesichts der Stellungnahme einzelner Gruppen einiges zu sagen habe, was mir besonders am Herzen liegt. Tn einer Zeitschrift, welche sich „Der Kämpfer" nennt, befaßt sich ein Artikel mit der zionistischen Bewegung im allgemeinen und Implicite minder in Oesterreich und kommt zu dem Schlüsse daß die Zionisten, nachdem sie ihr Ziel, die Staatsgründung, erreicht haben, kein, wie immer geartetes innerpolitisches Interesse an der hiesigen Kultusgemeinde haben. Ob der Verfasser dieses Artikels, welcher die Idee und das Ideal der zionistischen Bewegung vor der Staatsgründung niemals verstanden hat, noch verstehen wollte und als internationaler Sozialist von anno dazumal spezifische jüdische Belange nicht gelten lassen wollte, sich das Recht herausnehmen darf, ein Urteil über die Berechtigung oder Nichtberechtigung der jüdisch-politischen Betätigung der Zionisten hierzulande abzugeben,bleibe dahingestellt. Da aber diese Stellungnahme ein Wahlschlager sein soll und gewiß auch bis zum letzten Moment der Wahlkampagne als solcher ausgeschrottet werden wird, geziemt es sich, ganz kurz, wie es eben der enge Rahmen eines Blattes zuläßt, 'darauf folgendes zu erwidern : Gerade die nach harten Miihsalen und schweren Kämpfen durch mehr als ein halbes Jahrhundert zustandegebrachte Gründung des jüdischen Staates erfordert den aufrechten Bestand einer zionistischen Organisation in der Golah. Nach kaum dreijährigem Bestand bedarf die Medinnh der Förderung des Judentums der ganzen Welt, also auch Oesterreichs. Nur eine stramme zionistische Organisation vermag die Förderung zu bewerkstelligen und keineswegs einzelne Personen, weil letztere einer Stimmulanz durch einen befugten Mentor bedürfen. Dieser Mentor ist eben die zionistische Organisation, nicht nur für die außerhalb der Organisation stehenden Finzel persomen, sondern auch für die Kulfusgcmei.nde, als den gesetzlichen Sachwalter der jüdischen Interessen im österreichischen Staate, als der einzigen Institution, die mit einiger Aussicht auf Erfolg die Gefährdung unserer Interessen hintanhalten und unsere Wünsche wirksam zum Ausdruck zu bringen vermag, insbesondere die Wiedergutmachung in allen ihren Sparten. Mit der Wiedergutmachung in engem wirtschaftlichem Zusammenhang steht auch Israel, insbesondere soferne es um den Restitutionsfonds geht, an dem Israel in erheblichem Maße beteiligt sein muß. Aber auch hinsichtlich der übrigen Aufgaben der Gemeinde, wie Sanierung der Finanzen, Kultus im engeren Sinne, Fürsorge, Spital, Altersheim, etc., ist wohl in erster Linie unsere Gruppe zur aktiven Tätigkeit berufen, weil sie nach keiner Richtung hin hierzulande an eine Partei gebunden ist und nur ihrem Gewissen und der öffentlichen Meinung Rechenschaft schuldig ist, während die anderen Gruppen, — sei es nun die sozialistische oder kommunistische — gewissermaßen unter Parteidikfat oder, milder gesagt, unter Parfeiaufsicht stehen. Wie power es um die sozialistischen Kandidaten zur IKG bestellt ist, geht dar aus hervor, daß sie ihre Wählerverj Sammlungen mit nichtjüdischen Reddern bestreiten. Wer mich kennt, weiß, daß ich den Boden der Objektivität selten verlasse und auch den Antipoden gerecht begegne. Aber das Auftreten von nichtjüdischen Rednern in jüdischen Versammlungen, wo spezifisch jüdische, ebenso wie religiöse Fragen zur Erörterung gelangen, zeugt davon, daß die Herren vom „Bund demokratischer Juden" in einem Abhängigkeitsvcrhälb nis stehen, und parteipolitisch unmündig sind. Diese Feststellung werden die in Frage kommenden Herren nicht zu widerlegen vermögen. Hs zeigt sich dies ganz besonders bei der Besetzung von vStellen, bei einem geplanten Abbau, wo der Grundsatz eilt : „Haust du meinen Juden, schlag' ich deinen“. Ich habe zu wiederholten Malen meine Stimme erhoben und erhebe sie auch in diesem Zusammenhänge, daß der Bestand von extremen Parteien im Vorstände und in der Angestelltenschaft, das Gedeihen und die Entwicklung der Jüdischen Gemeinde behindert und nolens volens schädigt. Es gibt auch noch eine zweite Seite, die mich bedrückt und weshalb ich es für notwendig erachte, in diesem Blat- ■e meine Stimme warnend zu erheben. Ich sehe hier in unserer Stadt das Werden eines „Neo-Unionismus", eine ganz besondere Art der Assimilation im Gewände einer mehr oder weniger zur Schau getragenen Israel- Freundlichkeit. Viele sind nicht einmal dies. Schon der Umstand, daß man die zionistischen Gruppen bekämpft, deutet darauf hin, daß ein Unterschied gemacht wird zwischen den „Bodenständigen“ und den Änderen. Früher waren es die „Zitagrasten“, jetzt die Zionisten. Auch hier besteht eine große Gefahr für Israel und auch nicht zuletzt für die jüdische Gemeinschaft im Oesterreich und in der ganzen Welt und darum muß dieses Bestreben, wenn es auch getarnt ist, bekämpft und wirkungslos gemacht werden. Diese Aufgabe fällt ausschließlich der zionistischen Gruppe zu. Wir sind nicht parteimäßig gebunden, wir pochen Fortsetzung auf Seit!* 4 FESTAKADEMIE SAMSTAG, den 19. Jänner 1952 veranstaltet von der „jüdischen Konföderation“ Es wirken mit im ernsten Teil: HILDE ZADEK, Kammersängerin Dorota OBUCHOWSKA Josef FRUCHTER Klaviervirluosin Oberkantor Im heiteren Teil: KARL FARKAS Cissy Craner und Hugo Wiener Eva Morin, Konzertsängerin Hansi Land, Heiteres Großer Musilcvereinssaal Eintritt frei! Saaleröffnung: 19 Uhr Beginn: 19’30 Uhr dlö NulIVdi IIGlCl Ein plumpes kommunistisches Wahlmanöver F r v i (1 e r u n g. Herr l)r. Iknid Schuipra bat uns ermächtigt. zu der unter der l eberselirilt ..kulluspräsidcnt als Nazi Vertreter" im V aMorgan der Jüdisch-demokratischen Liste (Billigkeit). Neuer Weg. Jiinnerhcli 19o2 erschienenen Notiz nachstehende Erklärung zu veröffentlichen : ..I nter ßezugnnhmc auf die im Wahlorgan der .Jüdisch-demokratischen Liste—Billigkeit, unter der l eherschrift : ..kultuspräsident als Naziici tretcr" erschienenen Notiz stelle ich folgendes fest : 1. .Meine Klientin, Frau Paula K. ist die Witwe des im April 1947 \ erstorbenen Postbeamten Karl K. und ist daher in dessen Mictrechte kraft Gesetzes cingclreten. ln die Wohnung des Karl K. wurde im April 194ä in Abwesenheit des Wohnungsinhabers der Informator des \orangeführten Wahlorgans, Anton T. \orläufig eingewiesen. Da Karl K. nicht registrier•ungspflichtig war. wurde diese Hinweisung iivi Verwaltungswege aufgehoben. Nach Hechtskraft' des Aufhebungsbescheides habe ich die anwaltliche Vertretung der Frau Paula k. übernommen. Frau Paula k. wurde laut Bescheinigung der Ucgistiierungsbcbörde aus der Bcgistricrungslistc gestrichen. 2. Der Prozeßgegner meiner Klientin ist weder Jude noch Naziopfer; die Behauptung Naziopfer zu sein, hat Anton T. weder vor. noch nach Einleitung des Prozesses aufgcstcllt. Diese Behauptung entspricht. muh meinen, an kompetenter Stelle gemachten Bestsiellungen, nicht den Tatsachen. Ich hatte daher keine Veranlassung. die Vertretung der Frau Paula k. abzulehnen, und kann mir aus meinem Verhalten objektiver Weise bei dieser Sachlage kein wie immer gearteter Vorwurf gemacht werden." Die .Jüdische Konföderation hat dieser sachlichen Berichtigung ihres Spitzenkandidaten Dr. David Sehnpira nichts anderes hinzuzufügen, als daß sieh die gegenständliche Notiz im „Neuen V\ eg" würdig an die bisherige VVahltaktik und Kampfesweise der kommunistischen ..Einigkeit" anschließt. Jeder, der Dr. Sehnpira kennt, weiß, daß er nie einer Handlungsweise füllig ist. die mit seiner V\ iirdc als Jude und Anwalt unvereinbar wäre. Wir alle haben zu Dr. Sehnpira auf Grund seiner untadeligen Haltung in allen Angelegenheiten das größte Vertrauen. Dieser \ ersuch, in letzter Minute die Wähler durch i crleumderische Angriffe '<>n Kandidaten gegnerischer Listen zu beeinflussen, stellt sieh somit als nichts anderes dar, als ein durchsichtiges, plumpes Wahlmauöi er. das seinen Zweck ebenso verfehlen muß. wie die ganze marktschreierische Demagogie der demokratisch getarnten Liste der kommunistischen „Billigkeit". Jüdische Konföderation ^3826799

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