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Die Stimme · 1952-01-10 · Heft 57 (10.1.1952) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 57 (10.1.1952)
Date
1952-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE STIMME Nr. Tn Seite 5 Unter zionistischer Führung Die Oeffcntl ich keif hat im allgemeinen ein kurzes Gedächtnis und ver gißt unter der Fülle der auf sie einstürmenden Ereignisse nur zu leicht die Entwicklung der Dinge. Das Spital in der Seegasse. Man vergegenwärtige sich nur die Zeit der bittersten materiellen Not, in der daran gedacht werden mußte, an Stelle des vollkommen unzulänglichen, provisorischen jüdischen Spitals in der Malzgasse, einen allen modernen Anforderungen entsprechenden Ersatz zu schaffen. Die zionistische Leitung unter der Präsidentschaft Dr. David Schapiras hat unter den denkbar größten Schwierigkeiten d'e-e Arbeit in Angriff genommen. Seine Initiative war für das Gelingen dieser Arbeit ausschlaggebend. Mit beispiellosem Eifer setzte sich schon damals die Leitung der Kultusgemeinde für die Ueberführung des Betriebes in das Altersheim in der Seegasse ein. Unzählige Beratungen, Vorsprachen und Verhandlungen waren nötig, und wenn jetzt dieses Werk der Vollendung entgegengeht, darf die zionistische Leitung von damals für sich die Ehre iin Anspruch nehmen, Beschaffung der materiellen Mittel und Planung so gestaltet zu haben, daß heute die reife Frucht von jedem objektiv Denkenden gewürdigt werden muß. Der Wiederaufbau des Seitensfeftentempels war in hohem Maße der Initiative der zionistischen Leitung zu verdanken. Die Baulichkeiten Seitenstettengasse 4, soweit sie in devastiertem Zustand von den Nazis zurückgelassen worden waren, waren durch Bombentreffer vollkommen unbenützbar. Obwohl der Kulfusgcmeinde keine pekuniären Mittel zur Verfügung standen, wurde der Bau in Angriff genommen und schon im Tahre 1946 konnte die altehrwürdige Synagoge ihrer Bestimmung wiiedergegeben werden. Dankbar muß die Oeffentlichkeit bei dieser großen Leistung der großzügigen Munifizienz eines Gönners gedenken, der die materiellen Mittel zur Verfügung stellte. Man muß hiebei auch der Tatsache gedenken, um wieviel teurer sich heute diese Arbeiten stellen würden, wäre nicht damals alles geschehen, um einen würdigen jüdischen Gottesdienst in Wien einrichten zu können. Das Friedhofstcr. In dieselbe Zeit fällt der Bau. des Riesenzauns beim 4. Tor des Zentralfriedhofcs. Der Zaun war von Friedhof sschändern gestohlen worden, er wurde durch einen Ziegelbau ersetzt und die schwersten, durch Kriegseinwirkung entstandenen Schäden wurden behoben. Die Mikwah in der Floßgasse, die gleichfalls unter den Bombardements vernichtet worden war, wurde unter den schwierigsten Verhältnissen wieder berge richtet und das rituelle Bad konnte nach Ueberwindung aller Hindernisse wieder seiner Bestimmung übergeben werden. Die Barmittel für alle angeführten Zwecke wurden durch die österreichische Regierung zur Verfügung gestellt. Der damalige Finanzminister Dr. Zimmermann zeigte nach wiederholten Eingaben und Versprachen der Herren Dr. Braun und Hofrat Dr. Fuchs und des früheren Amtsdirektors Braver Verständnis für Gemeinschaft. Die Koscher-Küche in der Haidgasse ist ebenfalls der Initiative und der rastlosen, mühevollen Arbeit zionistischer Funktionäre der Kiiltusgemeinde zu verdanken gewesen. In der damaligen Zeit, wo eine heute schwer vorstellbare Not an den primitivsten Lebensmitteln u. der auch zum Kochen nötigen Gegenstände fehlten, waren es zionistische Mandatare der Kultusgemeinde, die unterstützt vom Joint, einen nützlichen Betrieb einrichiteten, durch den unsere Glaubensgenossen vor dem Verhungern geradezu gerettet wurden. Diese Leistungen müssen umsomehr anerkannt werden, als nicht nur alle Mittel zum Bau fehlten, und auch keine Handwerker für diese Arbeit zu haben waren. Wenn man alles das ins Gedächtnis zurückruft, ermißt man erst die grandiosen Leistungen, die hier unter der Leitung zionistischer Menschen vollführt wurden, in der Erkenntnis der Notwendigkeit brüderlicher Hilfe, die für Juden eine Selbstverständlichkeit geworden war — in unserer Zeit wie in allen bösen Tagen, an denen die Geschichte der jüdischen Geschichte so reich ist... 5 Millionen Kredit. Als die finanziellen Mittel der Kultusgemeimde arg zusammenschrumpften und die Pflichten, die mit der Hilfe au die Befürsorgten und der Verwaltung der Kehila Zusammenhängen, an Umfang Zunahmen, galt es, Geld zu beschaffen. Der Tatkraft und dem zielsicheren Handeln des Präsidenten Dr. David Schapira ist es zu danken, daß die Regierung der IKG einen Kredit von fünf Millionen Schilling gewährt hat. Wer Prof. Lazar kennt, seine Tätigkeit, sei es als Vertreter der jüdischen Kriegsbeschädigten, sei es als Fürsprecher für in Bedrängnis geratene Juden, zu beobachten vermochte, der wird ihm uneingeschränktes Lob spenden. Als Mittelschüler i;n Czernowitz trat er der Misrachi bei und war für sie unermüdlich tätig. Auf der Wiener Universität focht er iin Gemeinschaft mit anderen zionistischen Hochschülern blutige Kämpfe mit den antisemitischen Studenten aus, wobei sein Mut auffiel. Lazar gehört zu. jenen jüdischen Persönlichkeiten Wiens, für die es bei Ausübung der sozialen Pflichten, kein beschränktes Gebiet gibt. Er dient der großen Idee des Zionismus ebenso wie dem ethischem Gedanken der religiösen Lehre und opfert Zeit und Geld den Interessen der Wiener Kultusgemeindemitgliieder. Eine von ihm übernommene Pflicht, erfüllt er geradezu, bis zur Selbstcntäußerung., Als der Nazismus über uns hereinbrach und wir nach Hilfe Ausschau hielten, begegneten wir dem Prof. Lazar. Er nahm sich der Juden, der jüdischem Kriegsbeschädigten in einer Weise an, daß er von manchen Menschen mit Vorzug verehrt wurde. Was die damalige Kultusgemeinede nicht zu Wege brachte, das gelang Prof. Lazar, allerdings unter Lebensgefahr. Wie oft begab er sich iin den Rachen der Bestie am Morzlnplatz und entriß ihr das Jüdische Kreditkasse* Jüdische Gewerbetreibende und Handwerker kehrten nach Wien zurück und versuchten ihre Existenzen aufzurichten. Es galt nun ein bescheidenes Kapital aufzubringen, um die Gründung vollziehen zu können. Die Bemühungen dieser Kreise bei der einstigen Leitung der Kultusgemeinde einen Kredit zu erlangen, schlugen fehl. Erst als Dr. Schapira an die Spitze der Kultusgemeinde trat, nahm er ernste Verhandlungen mit dem Joint auf und unter dessen Aegide, gründete er gemeinsam mit dem früheren Referenten für Kreditwesen Bernhard Braver die Jüdische Kreditkasse, die eine segensreiche Tätigkeit entfatet. Die Mandatare der Jüdischen Konföderation werden ihre ganzen Kräfte dafür ein setzen, der Wiener Kultusgemeinde eine feste Basis zu schaffen, um die bereits geleistete gute Arbeit fortsetzen zu können. Opfer? Nach dem Zusammenbruch des Nazismus, trat Lazar neben Prof. Schur am die Spitze der Wiener Kultusgemeinde und tat alles, um die jüdische Gemeinschaft wieder aufzurichten. Bis auf den heutigen Tag gehört er dem Kultusvorstand an und gilt als Muster der Pflichterfüllung. Zu seinem siebzigsten Geburtstag wünschen wir Prof. Lazar ad nieah w’essrim schanah! Israelitische Kultusgemeinde Wien Wir bringen der jüdischen Bevölkerung zur Kenntnis, daß unser neues Spital, Wien IX, Seegasse 9, mit 2. Jänner 1952 eröffnet wurde. Das Spital entspricht den modernsten Anforderungen und steht unter der Leitung von Primarius Dr. Matthias Reich. Tel. Nr. A 12 0 93 und Ä 12 094 Anmeldungen oder Ansuchen um Aufnahme sind an die Spitalskanzlei, Wien IX, Seegasse 9 zu richten. ÖSTERREICHISCHE SAMENZUCHT HeUftettsaU & C&. WIEN I, GETREIDEMARKT 12 TELEFON A 33-0-91, B 22-0-65 Samenzucht-, Vermehrungs- und Vertriebsfirma, Samen-Großhandel Alle Arten Feld-, Gemüse- und Blumensämereien, Blumenzwiebel und Blumenknollen Eigene Samenzuchtbetriebe in: Gut Brunn, Post Bad Flschau, N.-ö. Gut Lindegg, Post Straß, Steiermark L liegen Sie mit KLM nach Israel WIEN Flugdienst ab Mittwoch 16 Uhr höchsten Standards LYDDA fAlCLMo nach 61 Ländern an Donnerst. 4.20 Uhr 'ROyai eure« Mw A auf allen Kontinenten Koscher-Mahlzeiten auf Wunsch J Exquisite Küche BUCHEN SIE BEI IHREM REISEBÜRO ODER BEI KLM Königlich Miederländische Luftverkehrsgesellschaft WIEN I., SCHUBERTRING 14 / TELEPHON R 20-6-84 SERIE Prof. Benzion Lazar - 70 Jahre / ITALIENISCHE SCHIFF^HRTSLlL (FINMARE GRUPPE)k LI A LLOYD TRIESTINO AD RI ATI CA TI RR ENI A NORD-, SUDu. ZENTRALAMERIKA AUSTRALIEN, AFRIKA, INDIEN, PAKISTAN, OSTASIEN ÄGYPTEN, LIBANON, ISRAEL, GRIECHENLAND und TÜRKEI LIBYEN, TUNIS, SIZILIEN, SARDI¬ NIEN, KORSIKA, NORDEUROPA. Auskünfte und ßtirhtmgcn bei der Zweigstelle in NX i e n I.. Kiirntncrring 6. Tel. U 47 5 60 Serie. bei der Filiale in G r a z. Annenstraöe 10. Tel. 67 Ol. sowie bei allen Reisebüros. Frarhtenabteilung W ien I., Kämt liefst raiie 30 (Föngang Johannesgasse l) Tel. \\ 24 5 60 Serie Dichterlesung bei der WIZO Im Rahmen des Kultur- und Vortragsprogramms der „WIZO“ im Arbeitsjahr 1951 52 las die Dichterin, Frau Martha Hofmann, mehrere Gedichte, die auch von Frau Maria Ott vom Akademietheater rezitiert wurden. Besonderen Eindruck machten die Dichtungen “A u f b a u einer Stad t“, „C h a 1 uz o t h“, und „H u. 1 e h - S ii m p f e“. Das Fragment aus der Erzählung „Die Rose von S a m a r i n“ begegnete höchstem Interesse und die Darbietungen zweier Lieder nach Texten von Martha Hofmann in der Vertonung von Georg J o k 1 und Felix Rosenthal bildete den Flöhepunkt des ersten Teiles der Vortragsfolge. Im zweiten Teile fand die Vorlesung einer dichterischen Szene aus dem Drama „Theodor Herzl“ (Oroth Verlag, London, 1948) höchste Anteilnahme. Berichtigung Die „Mapam“ sendet folgende Berichtigung, der wir loyalerweis-e Raum geben : „Sie schreiben in Nr. 56 Ihrer Zeitschrift: „Als Kuriosum sei erwähnt, daß die „Mapam“ gegen die Präsidentschaft Dr. Weizmanns gestimmt hat.“ Wahr ist, daß die Mapam trotz der politischen Meinungsverschiedenheiten für die Wiederwahl des verehrten Präsidenten Dr. Chaim Welzmann gestimmt hat." Hiezu stellen wir redaktionell fest, daß „Die Stimme“ vom 6. Dezember 1951 nicht geschrieben hat, daß die Mapam gegen die Wiederwahl des Präsidenten Weizmann gestimmt, sondern, daß sie Jizchak Grünbaum zum Staatspräsidenten kandidiert hat. Allerdings müssen wir jetzt nachholen, daß die Mapam die Kandidatur Grünbaums zurückgezogen und für Weizmann gestimmt hat.

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