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Die Stimme · 1952-01-10 · Heft 57 (10.1.1952) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 57 (10.1.1952)
Date
1952-01-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 57 ZU DEN KULTUSWAHLEN Am 20. Jänner schreiten die Wiener Juden zur Urne. Anders als damals, wo Wien eine strahlende Gemeinschaft der Wiener Juden darstellte, sind die Verhältnisse heute. Zerrissen und durch den barbarischen Smus zu einem Bruchteil der dann. s i Kraft zusammengeschrumpft, erfOvicn wir unsere W ahlpflicht. Damals war Wien ein imposantes und zugleich achtunggebietendes Zentrum des jüdischen Lebens. Wir hatten Synagogen fast in jedem Bezirk, wir hatten glänzende Schulen von führenden Persönlichkeiten geleitet, wir hatten berühmte Bibliotheken von Weltruf, die Gelehrte aus der ganzen Welt anzogen. Wir hatten ein Krankenhaus, geleitet von international anerkannten Gelehrten. Forschungs- und Bildungsstätten. Wir hatten reiche Stiftungen und verfügten über Freunde, wir hatten alles, um den jüdischen Namen in der Welt auf allen Gebieten des Wissens, der Kunst, der Kultur und der Wirtschaft zur Ehre und zum Ruhme zu verhelfen. Wenn wir unsere ehemalige Pracht mit dem heutigen Verfall konfrontieren, wird uns unsere traurige Lage erst so recht bewußt. Eine Ruine ist von all der Pracht, der wir uns einst erfreuten , zurückgeblieben, insbesondere durch die bestialische Ausrottung in den Gaskammern und Todeslagern. Alle Schichten der Wiener jüdischen Bevölkerung haben die schwersten Opfer gebracht, geistige Kräfte gingen nicht weniger zugrunde als materielle, der Handwerker, der Kaufmann, der Fachmann auf jedem Gebiete des menschlichen Schaffens zum Wohle und zum Segen der Gemeinschaft sind den Brutalitäten zum Opfer gefallen. Der Wiederaufbau gestaltete sich deshalb so schwierig, weil das Wiederaufleben antisemitischer Regungen uns hindert, am gesellschaftlichen Leben feilzunehmen in dem Maße, als unsere Fähigkeiten und unser bester Wille, gepaart mit Loyalität, hinreichen würde. Die Treue der Juden zu dem Staate in dem sie leben, zu Oesterreich, war stets über jeden Zweifel erhaben. Wir haben immer unsere Pflicht vorbehaltlos erfüllt und erfüllen sie heute nicht in geringerem Ausmaß. Unsere Gefühle und unsere Arbeit für den österreichischen Staat, hindern uns keinesfalls, unsere Ergebenheif und Treue zum neugeschaffenen Staat Israel zu bekunden. Es scheint in keiner Weise ein W/iderspruch auf und ruft keinen Konflikt zwischen diesen beiden Bindungen hervor. Die Lehren, die wir aus der nasisfischen Aera, die uns das tiefste Leid, das die Geschichte kennt, zugefügf hat, geben uns doppelt und vielfach Veranlassung, Liebe und Anhänglichkeit zum Lande der Väter zu bekunden. Diese Bekundung darf jedoch nicht in Lippenbekenntnissen bestehen, sondern in der Betätigung des menschlichen aufrechten Charakters. Wir Juden sind historisch, kulturell, geistig und religiös ein bedeutsames aber zahlenmäßig kleines Volk. Die wüste STOFFE KLEIDER FÜR DAMEN HERREN UND KINDER (füi und peeiswect uom KeutfUaus Bcüdec Ho&CC Wien VII, Marlahllf«r»tral« 90 TaUphon: B 39 0 63, B 36 2 37 Reaktion hat uns um sechs Millionen Seelen ärmer gemacht. Die beiden zur Zeit entscheidenden Großmächte der Welt, haben sich in der Frage der Lebensexistenz des Judentums gefunden : Sic haben unseren Staat anerkannt, er hat Sitz und Stimme in der UNO und ist ein nicht wegzudenkender Faktor in der Völkerfamilie. Wir wollen immer das Volk der Versöhnung, des Friedens und des Fortschritts sein, wollen immer auf der hohen Warfe bleiben, auf der wir, vermöge der Lehren unserer Religion und unserer Philosophie, uns Jahrtausende lang erhalten haben. Dieser Geist soll jederzeit in der Kultusgemeinde herrschen. Bei den Wahlen in die Kultusgemeinde wiederholt sich leider seit dem Zusammenbruch immer das gleiche Spiel: Ehrgeizlinge, die in den Reihen ihrer politischen Parteien keinerlei Bedeutung haben und nur zu Handlangerdiensten herangezogen werden, treten in der jüdischen Gasse nur bei Gelegenheit der Wahlen als Retter des Judentums auf. So lesen wir in dem Organ des sozialistischen KZ Verbandes (Nr. 11—12 „Der sozialistische Kämpfer“) einen Aufruf, „An unsere jüdischen Kameraden“ „Die Zionisten dürfen nicht Eure Vertreter im nächsten Kultusvorstand sein“. Womit motivieren sie es V .Sie behaupten, daß durch die Schaffung des selbständigen jüdischen Staates Israel, der Zionismus erfüllt und damit überholt sei. Mit der Verleumdung, daß sich die Juden in Israel aufs äußerste bekämpfen, versucht diese Gesellschaft im Trüben zu fischen. Den Kampf in Israel deutet das genannte Organ dahin, daß persönliche Interessen mitspielen. Wo ln aller Welt, da es um die Wahlen eines Parlaments geht, kommt es nicht zu tiefgreifenden politischen Meinungsverschiedenheiten, die auch bisweilen ausarten V Mit mangelhaften Kenntnissen, die man aus Broschüren und Pamphleten schöpft, kann man die öffentliche Meinung nicht beeinflussen und bei ernsten Menschen, die die Geschichte des Judentums und namentlich die letzten 50 Jahre Entwicklung kennen, setzen sich solche verantwortungslose Behauptungen der Lächerlichkeit aus. Die Herren, die in der sozialistischen Partei die letzte Geige spielen, wollen sich in der Kulfussfube zu führenden Persönlichkeiten aufschwingen, um ihrem Geltungstrieb Rechnung zu tragen. Von jüdischen Gefühlen und wahrhaft jüdischem Empfinden sind sie wahrlich nicht beschwert. Nun zur Liste „Jüdische Einigkeit“: Wer sie sind und was sie wollen, ist der jüdischen Oeffentlichkeit klar. Ihre Parteigänger gehören dem Kultusvorstand seit dem Jahre 1945 an. Vor dieser Zeit hatten sie keinerlei Verständnis für jüdische Fragen. Sie wandelten;s ich als Kulitusvorsfeber je nach Bedarf; sie gaben sich einmal als Zionisten, das anderemal als Kommunisten, Liberale und Parteilose aus. Ihre Tätigkeit i,n der Kultusgemeinde beschränkte sich auf besondere Referate, über die man ein Lied singen kann. Was sonst an Listen bei den Wahlen aufscheint, kann man nicht als ernst bezeichnen. Wir Kandidaten der Jüdischen Konföderation, arrogieren uns nicht das Recht, die Herren, die aus nichtjüdischen politischen Parteien kommen, zu stellen, weil sie ihre Tätigkeit für ihre Partei ausüben, aber die Kultus-* gern [Tn de soll und daitf für sie nicht der Boden für Propaganda sein. Die Kandidaten der Jüdischen Konföderation kämpfen gegen das Unrecht, das uns Juden zugefügt wurde. Sie verlangen die gerechte Wiedergutmachung auf allen Gebieten durch) einwandfreie Gesetze. Die Kandidaten der Jüdischen Konföderation lassen sich nicht das Recht nehmen, als berufene Vertreter des gesamten Wiener Judentums aufzutreten. Sie wollen die Kultusgemeinde besser gestalten, vernünftiger verwalten, den Tagesbedürfnissen unserer Gemeinschaft in brüderlicher Liebe Rechnung tragen, gemäß unserer Lehre : Thora, Awoda, Gemilafh chesed (Lehre, Arbeit, Wohltuin 1) iwi Vzwz, CUaies zum (fcdcnktH Im Zentrum Tel-Avivs, 5 Minuten vom Mugrabi-Platz liegt der erste Friedhof Tel Avivs, wo seit vielen Jahren schon kein gewöhnlicher Sterblicher, sondern nur Auserwählfe zur ewigen Ruhe gebracht werden. Es ist also eine große Auszeichnung, weiin man im alten l-riedhof in der Trumpcldor-Sfraße beerdigt wird. In diesem hmedhof gibt es auch eine besondere Abteilung von Mejuchasshn (Bevorzugten). Meiir Dizengoff, der erste Bürgermeister von Tel Aviv, die Dichter Bialik und Tschernichowsky, Mitglieder der alten Tel Aviver Familien Supraski, Gluskim. — Als vor 3 Jahren der führende hehräischsoreebende Zionist, Alex Epstein aus Chicago, in Tel Aviv verschied, wurde ihm die Auszeichnung zuteil, in diesem Friedhof in dor Nähe der Gründer von Tel-Aviv bestattet zu werden. Ein Grabstein zeigt, daß auch Max Nordau, der in der Golah verschied, „among his people“ (unter seinem Volke) begraben ist. Genau so wurden vor einem Jahr d:e Gebeine des früheren Oberrabhincrs Prof. Chaies aus Wien nach Israel gebracht und im alten Friedhof auf einem Ehrenplatz begraben. In der Mitte an der Spitze der beiden Ehrenreihen überragt das Grab von Prof. Chajes alle anderen Gräber. Der Grabstein, der ein Gewicht von 10.000 kg hat, ist auch der höchste1 Stein, im Friedhof und wenn Kunstverständnis mich nicht trügt, ist er, von diesem Standpunkt aus gesehen! der am kunstvollsten verfertigte Stein am Friedhof. Am Fuße des Steines ist die hebräische Inschrift : „Ueber- “H-d beerdigt am 20. Kisslew 5711. Dies ist die einzige rein hebräische Insrchft. sonst ist die Inschrift zweisprachig (hebräisch und deutsch). Der Entwurf stammt von Prof. Aptowitzer aus Wien nach der Idee von Prof. Styrnad Wien, der in der Schrift mif die Vielseitigkeit und lebende Sprache von Prof. Chaies hindeutet Die Initiatoren der Ueberführung — Anita Müller Cohen und Herr Fiihrer — haben es verstanden, unter der aktiven Leitung von David Weiser, am Tahrestag eine sehr würdige Andacht am Friedhof zu veranstalten. Trotz des Unwetters versammelten sich am Friedhof nicht nur frühere Mitglieder der Wiener Gemeinde, sondern auch viele Verehrer und Freunde aus anderen Ländern. Ton Trau so rach Worte des Gedenkens und der Mitarbeiter und Freund' Prof. Chaies, der in Wien gut bekannte Dajan Blum, und Kantor Ungar verrichteten die religiören Gebete. Nachher wurde in der gegenüber liegenden Synagoge dasMincha-Gebet verrichtet. Äußer den Verwandte; Prof. Chajes, sah man die Nestoren der zionistischen Bewegung — Dr. Isidor Schallt und Dr Meyer Ebner —, frühere führende Wiener Zionisten, wie Frau Erna Patak, Oscar Grünbaum, Dr. Klaber, Dr M-if aS^k^S’ DrT- Fink eiste im, Anita Müller Cohen, Führer, Weiser, Dr. Eckstein, u. a. Von allen Seiten wurde die lei «nähme des österreichischen Konsuls, Hartei, der am Friedhof anwesend war, gelobt. In den den Amtsräumen Dr. Hertels war auch die Bekanntmachung der Feier ausgehängt. Es war auffallend, daß weder die Regierung, noch, die Jewish Agency, noch ein Vertreter des Axtion skomifees anwesend waren. Man sah auch nicht die Schlichen, die nach dem Kriege in Wien zionistische Arbeit verrichtet haben ., menkau Diener (Enrf|[jauö Adolf Reiss Erben & Co. Tuchgroßhandel Wien I., Rudolfsplatz 6 U 24 5 18, U 24 5 19 „ELSE” PARFÜMERIE WIEN I, STEINDELGASSE 1 (beim Tucblauben-Kino) TELEFON U 21 3 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U.S.A. FRANKREICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israeli Du atttytHeUtnsU Ttify mit ,,CaH$UUaü<M%" hocU 7stad WIEN - TEL AVIV JEDEN MITTWOCH Buchen Sie durch Ihr Reisebüro, das Sie bestens beraten wird, oder durch EL AL, ISRAEL AIRLINES LTD. Wien I., Hegelgasse 21 / Tel. R 20 0 66

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