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Die Stimme · 1951-09-21 · Heft 53 (21.9.1951) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1951
Issue
Heft 53 (21.9.1951)
Date
1951-09-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME ' . " ‘ aus Lebensversicherungen Als Referent der Versicherungsberatungsstelle für die Mitglieder der Wiener Ist*. Kultusgemeinde werde ich des öfteren gefragt, welche Ansprüche rassisch Verfolgte aus Lebensversicherungen stellen können,, die sie entweder seinerzeit als sic emigrierten, in der Heimat zurücklassen mußten oder aus einem sonstigen Grunde verloren haben. Diese Frage kann nicht so ohne weiteres beantwortet werden; es müssen vorher die näheren Begleitumstände in jedem einzelnen Falle untersucht werden. Jede reguläre Lebensversicherung, die zumindest drei Jahre bestanden hat, besitzt einen bestimmten Wert, den sogenannten Rückkaufswert, der durch die Ansammlung von Prämienreserven im Laufe der Jahre entstanden ist. Diesen Rückkaufswert hat der Nazistaat in der Regel zu seinen Gunsten bei Emigranten, Deportierten, Justifizierten, Vergasten, Untergetauchten, ja selbst bei in Oesterreich verblie-benen Juden eingezogen oder zumindestens beschlagnahmt. In vielen Fällen allerdings war dem Staat gar nicht bekannt, daß der Verfolgte Lebensversicherungen besaß oder daß der Versicherte Jude gewesen ist. so daß er nichts veranlassen konnte. Wie die Dinge im Einzelfall liegen, kann durch eine kurze Anfrage bei der Versicherungsanstalt geklärt werden. Reguläre Lebensversicherungen, d’e mindestens drei Jahre bestanden haben, werden, falls aus irgendwelchem Grunde die Prämien nicht fortbezahlt werden, prämienfrei gestellt. Dies bewirkt, daß di? Versicherung auch ohne Prämienzahlung fortbesteht, allerdings mit einer entsprechend verminderten Versicherungssumme. Sobald die Versicherungsdauer abläuft oder der Versicherte ablebt, hat die Versicherungsgesellschaft die prämienfreie Versicherungssumme an den Empfangsberechtigten auszubezahlen Die Höhe dieser Summe wird einerseits durch den Versicherungsvertrag, andererseits durch das seit der Befreiung erschienene Versicherungsüberleitungsgesetz und die hiezu ergangenen 4 Verordnungen bestimmt. Wem?) somit der Nazistaat seinerzeit die Rückkaufsumme weder eingezogen noch beschlagnahmt hat, gebührt den rassisch Verfolgten zum Zeitpunkt der Fälligkeit die vorgenannte prämienfreie Summe. "Wurde jedoch die Versicherung seinerzeit beschlagnahmt: aber vorn Staat nicht eingezogen, kann der Geschädigte sich wegen Freigabe der Versicherungssumme an die zuständige Rückstellungsbehörde wenden und es wird selbstverständlich diesem Begehren entsprochen werden. Da dies längere Zeit beansprucht, empfiehlt es sich, daß die Geschädigten nicht erst zuwarten, bis die Versicherung fällig wird, sondern schon jetzt um die Freigabe eiokommen. In Ausnahmsfälllen wurde seinerzeit auch von der Devisenstelle rassisch Verfolgten gestattet, ihre Ansprüche ganz oder zum Teil dritten Personen zu zedieren. Die Gründe hiefür waren verschiedener Art. Falls die Voraussetzungen des 3. Rückstellungsgesctzes vorliegen, kann Rückübertragung vom Zessionär verlangt werden. Für dieses Verfahren sind die Rückstellungskommissionen zuständig. Hat jedoch der Nazistaat die Rückkaufsumme zu seinen Gunsten eingezogen, ist damit die Versicherung erloschen und es ist die Versicherungsgesellschaft selbstverständlich nicht verpflichtet, noch ein zweites Mal Zahlung zu leisten. In diesem Falle besteht zwar theoretisch ein Regreßanspruch an das Deutsche Reich, der jedoch unter den derzeitigen Verhältnissen nicht realisiert werden kann. Ob etwa zu einem späteren Zeitpunkte greifbarere Ansprüche gestellt werden können, w erden der künftige Friedensvertrag einerseits und etwaige zwischenstaatliche Abkommen andererseits zeigen. Die Republik Oesterreich ist nicht zur Zahlung verpflichtet, da sie weder Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches noch der „Alpenländäschen Reichsgaue“ ist. Die Städtische Versicherung hat mich mit diesem Spezialreferat betraut und ich berate Interessenten gerne in jeder Angelegenheit, die Lebensversicherungen betrifft. Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis * 1 .12 Uhr im Alten Rathaus, I., Wipplingerstraße 8, Hausflur links. Salo Stanger I'.ii'cntümer. II<rau-,i>fber u. Ver|e»ir : Zionistischer Landesverband in Oesterreich, IX. I ni\eisitiitsstraße 4. Hcdit>icrt von einem Hedahtionsknlletrium. Hedaktenr : Fritz Midier, W ien II, Kriimmbaum^asse I. — Druck : l)<>- naustadt, Wien II, Max-Winterpl. 5 U 47 0 T) S. K. UaUoaU Aus den Sektionen Beachten Sie die neue Adresse unseres Sekretariats : L, Scitcttsfcettengass'c 4, Tel. 11262 00 Schwimmern : Jeden Mittwoch ab 19 Uhr im Jörgerbad, Wien XVII., Jörgersfraße. Tisch-Tennis : Jeden Abend ab 19 Uhr in der Halle Wien II, Malzgasse 7. Handball! : Jeden Dienstag von 18 bis 20 Uhr am Cricketerplatz (Hauptallee). Leichtathletik : Jeden Mittwoch und Freitag ven 18 bis 20 Uhr am Cricketerplatz, neben Stadion. Touristik : Den Mitgliedern steht die Hakoahhütte am Semmering, eine der schönsten in Oesterreich, zur Verfügung und eine 25"oige Fahrpreisermäßigung auf allen Bahnen Oesterreichs. Fußball-Sektion : Meldet Euch sofort im Sekretariat, eine neue Fußballsektion soll gegründet werden. Kiinderschwimmkurs : Jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr, IX., Brünnlbad, Lazarettgasse 20 6000 Rückstelluingsanträge in Oesterreich* Sechstausend jüdische Rückstellungsanträge in Oesterreich befinden sieh noch in Bearbeitung verschiedener Gerichtsinstanzen. Die den Ariseuren gut gesinnte Presse, vor allem die „Salzburger Nachrichten“ appellieren an die Regierung, die Novellierung des dritten Rückstellungsgesetzes im raschester Zeit vorzunehmen, noch bevor diese sechstausend Anträge nach dem alten Gesetze behandelt werden. Magbith Meuchedeth Vereinigte Aktion für Israel Das jüdische Jahr 3711 geht seinem Ende zu. Der Erfolg des Magbith Meucledcth ist im Vergleich zum vorigen Jahr ein viel größerer gewesen; dennoch entspricht es nicht den großen Anforderungen, die Israel infolge der großen Einwanderung jetzt benötigt. Der größte Teil der Judenheit Wiens hat leider seine Pflicht durch einen Beitrag für den Magbith Meuchedeth noch nicht erfüllt. Es ist daher zu hoffen, daß die Aktion für das neue Jahr 5712, für die eben die Vorbereitungen getroffen werden, einen größeren Erfolg zeitigen wird. Nach den letzten Berichten vom Zionistenkongreß — über die demnächst genaue Einzelheiten mitgeteilt werden -- haben sieb die zu erfüllenden Aufgaben bedeutend vervielfacht; man erwartet daher, daß auch die Aktion im kommenden Jahr, ein diesen erhöhten Anforderungen entsprechendes Ergebnis bringen werde. Gedenket zu den Feiertagen Eurer Brüder mnd Schwestern in Israel 1 Veranlaßt Eure Verwandten und Freunde im Auslande Geschenkpakete nach Israel bei der Fa. „LIGA“, Theo Karasek, Zürich I, Talackerstr. 33 (Thalhof) zu bestellen. Luffversaind; in 48 Stunden beim Empfänger. Auskunft und Versand erfolgt durch die Fa. Josef Rubin Bittmann, Wien IX*, Frankgasse 1, Part., Tel. Ä 25 2 23 Jiddisches Theater in Israel Drei israelische Schauspieler erhielten vor kurzem die Erlaubnis zur Errichtung des ersten jiddischen Theaters in Israel. Bisher batte sich die israelische Regierung dagegen gesträubt, öffentliche Darbietungen in jiddischer .Sprache zuzulassen, um dem Hebräischen kein Abbruch zu tun. Die Genehmigung eines dahingehenden Einspruchs der drei Schauspieler gegen eine Verfügung beim Obersten Gericht ist daher umso bemerkenswerter. Die Schauspieler bringen seit einiger Zeit in einem Halfaer Garten zwei jiddische Stücke, „Grüne Felder“ von Hirschbein und „Herscheie Ostropoler“ von Gerson, zur Aufführung und fanden damit beim Publikum und Kritikern eine ungeteilt begeisterte Aufnahme. (ÄjW.) SpodUtufr Hoko.aU Unterhaltungsabende mit Tanz Samstag, 22. September Mitwirkend: Marianne Schönauer, der bekannte Filmstar Martin Lang, der zaubernde Conferencier Samstag, 29. September Mitwirkend: Maria Luise Tichy, Koloratursängerin Charly Carter, Negersänger, Jiddische u. hebräische Lieder Cafe Landtmann / Erstklassige Jazz / 20 Uhr Eintritt frei Konsumation und Baustein Herr Katz und seine Forellen Man stelle sich einen freundlichen, älteren Herrn vor, der versonnen duren die Straßen einer Stadt schleicht und wo er geht und steht, mit wem er spricht, etwas aus den Taschen zieht, was den andern, falls er nicht ganz fest auf den Nerven steht, in ein leises Gruseln vers-etzt. Ls handelt sich nämlich um kleine, gläserne Eprouvetten, in denen er etwas aufbewahrte, das so aussieht, wie kleine Schlangen. Mit fortschreitendem Sommer wuchsen die Viecher i,n den Eprouvetten so, wie die Rosinen im Kopf des Herrn Katz so sagten die liehen Bekannten. Das war vor sechs Jahren. Herr Katz, damals Beamter der Sochnut und heute Fiscbereiexpertc beim Landw irtschaftsministerium, hatte bei seinen Inspektionsreisen in die hochgelegenen Kibuzzim an den Jordanquellen schon immer »eine Gedanken gehabt: An Ort und Stelle wissen die Duellen des Jordan absolut nichts von ihrer biblischen Ueberlieferung und kommen vom Gebirge herunter, wie irgendwelche Wildbäche in Europa oder Amerika, mit klarem, durchsichtigem, kaltem Wasser. 'Ideale Lebensbedingungen für Forellen. Eine Laune der Natur, daß keine da waren. Herr Katz, dessen Beruf und Lebensarbeit die Fischerei w ar, vermißte das Der Weg von einer Idee bis zum bewilligten Budgetanfrag ist, wie jeder glauben wird, lang und dornenreich. Aber eines Tages beugten sich die Offiziere und Stewardessen in Ludd über eine geöffnete Kiste, die aus Kalifornien gekommen war. Sie enthielt eine gelafinartige Masse mit schwarzen Punkten : Forelleneier. Herr Katz packte die Kiste aufs Auto und hinauf damit zu den Jordanquellen. Dagania war der erste Kibbuz, der mit Begeisterung bei der .Sache war. Schon das erste Jahr war ein Erfolg. Die Fische hatten hervorragende Qualität uud absolut keine Anzeichen von künstlicher Aufzucht. Heute hat man schon vergessen,, daß es einmal in Israel keine Forelllen gab. Die Forellen sind allerdings der Stolz,aber nur eine Spielerei in der Süßwasserfischzucht Israels, das, was in die tausende Tonnen geht, und ein wichtiges, devisenfreies Nahrungsmittel darstellt, ist der gezüchtete Karpfen. Es ist ebenfalls erst einige Jahre her, daß Herr Katz auch für diese Experimente, um jeden Dun am Boden zur Anlegung von Karpfenteichen kämpfte, wie ein Löwe. Da er aber mit sandigem Boden zufrieden ivvar und da sich zum Schluß herausstellte, daß man durch die Fischzucht sonst unbrauchbaren Boden kultivieren konnte, bedecken die künstlichen Fischteiche heute große Gebiete und ganze Kibbuzim befassen sich mit Fischzucht. Dr. Hansi Berger Kongreßberichte erschienen bereits in der vorigen Nummer. Weitere Berichte, Reden u. Resolutionen folgen in der nächsten Ausgabe (28. September 1951) 60

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