Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1951
- Issue
- Heft 53 (21.9.1951)
- Date
- 1951-09-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Sondernummer V.b. b. iimme e/lllgemeiti zionistischeJVochenschrifi Redaktion und Administration: Wien IX, Universitätsstr. Nr. 4/4 Telefon A 26 4 73 Postscheck-Konto Nr. 134.292 21. September 1951 Nr. 53a Zionistischer Landesverband Wien “rn e'jrrr nrnanrr Israels Mission ln seiner Begrüßungsrede auf dem 23. Zionistenkongreß in Jerusalem faßte Ben Gurion seinen Gedankengang folgendermaßen zusammen : ..Das hehrste und höchste Ziel Israels ist und bleibt, seinem Geiste treu zu dienen, die große Mission seiner Propheten fortzusetzen, der Welt und dem Frieden zu dienen.“ Im vierten Jahre des Bestehens der freien Medinath Israel ist cs völlig ausgeschlossen, reif zu urteilen über die Fülligkeiten des israelischen Jischuw und seiner Regierung, eine staatliche Gemeinschaft ideal aufzurichten, die in sozialer, ökonomischer und kultureller Beziehung ein Vorbild sein soll. Doch erleben wir es, daß eine Reihe von Parteien in- und außerhalb Israels in ihrer Kritik gegenüber der israelischen Regierung sehr weit geht, ja nicht Maß zu halten versteht, wodurch dem Staate uneinbringlicher Schaden erwächst. Die moralische Erbschaft des Galuthlebens, die ein großer Teil der Olim ins Land mitgebracht hat, macht sich bei einigen Gelegenheiten nachteilig bemerkbar und beeinträchtigt die Erfüllung der selbstverständlichsten Bürgerpflicht. Es darf' keineswegs geleugnet werden, daß die Umstände im Lande eine kritische Einstellung erfordern und daß manche Geschehnisse eine gesunde kritische Beleuchtung, sowie eine logisch handelnde Opposition rechtfertigen. Dies aber nur, wenn das Gesamtinteressc des Volkes nicht zu Gunsten des Partikularismus hintangesetzt wird. Die Aufrichtung der Mcdinah hat übermächtige Probleme aufgerollt, deren Realisierung in derzeit nicht übersehbare Konsequenzen münden wrcrden. Jahrzehntelang vor der Gründung Israels haben sich Pioniere bemüht, das Land zum Leben zu erwecken und es wirtschaftlich und kulturell auf ein Niveau zu heben, das die Grundlage für eine ausgedehnte Besiedlung bilden sollte. In der Tat gelang cs den Chaluzim relativ weite Bodenstriche zu kultivieren und die Voraussetzung für ein gesundes, nationales Leben zu schaffen, wodurch die Epoche des rudimentären Zustandes ein Ende fand. Das damalige Palästina trat in das Stadium des Aufschwungs und gedieh im Nahen Osten zur nufbauenden Kraft mit guten Aspekten. Der Gründung der Mcdinah folgt nunmehr eine Aufbauarbeit, die die kühnsten Vorsätze der vorangegangenen Generation in den Schatten stellt. Das Antlitz des Landes verändert sich in raschem Tempo äußerst vorteilhaft. Der noch nicht benützte Boden wird rastlos besiedelt. Mit modernsten Geräten wird die landwirtschaftliche Arbeit gefördert, und soweit es die klimatischen Verhältnisse und d:c Bodenbeschaffenheit gestatten, gute agrikulturelle Erfolge erzielt. Die Bautätigkeit geht in einem atemberaubenden Tcm - po vor sich und ruft die Bewunderung in- und ausländischer Fachleute hervor. Die Entwicklung und der rasche Fortschritt auf dem Gebiete der strategischen Sicherheit, auf dem der Landwirtschaft, der Industrie, des Handels, der Schiffahrt, des Wolmimgs- und Straßenbaues, der Alijah, der Melioration, der Aufforstung, der Auffindung von Wasserquellcn und der Neugründung von Siedlungen, absorbiert gewaltige Kräfte und Unsummen Geldes. Mit neuen Begriffen und kühner Phantusie wird ans Werk gegangen, wodurch unsere Hoffnung und Sehnsucht in ungeahntem Ausmaße Erfüllung findet. Knapp nach der Gründung des jüdischen Staates, als er sich anschicktc die eisten Schritte des Aufbaues zu unternehmen, wird er von unbarmherzigen und neiderfüllten Feinden überfallen, die den Versuch unternehmen, ihm das Lebenslicht auszulöschen. Erez Israel steht völlig unbewaffnet zahlenmäßig und waffentechnisch überlegenen feindlichen Heeren gegenüber, die noch dazu die Gunst eines europäischen Staates genießen. Die israelische Führung stampft die Armee gleichsam aus dem Boden, versorgt sie mit Waffen, und mit unfaßbarem Mut und Zuversicht stellt sich fast der ganze Jischuw Israels zum Kampf, der mit dem Siege des Judentums endet. Israel erlangt zusehends Achtung und Anerkennung und steigt zu einem Faktor im internationalen politischen Leben auf, trotzdem die Auspizien, unter welchen der Judenstaat ins Leben trat, keinesfalls günstig waren. Wir verstehen nun die oben zitierten Worte Ben Gurions : Das höchste Ziel Israels ist und bleibt, seinem Geiste treu zu bleiben. Diese Treue ist die Grundlage unseres Lebens, unserer Zukunft und des sozialen und physischen Gedeihens. Eine heimatlose, von allen bösen Geistern gepeinigte Masse, ist wieder zu einem Volk geschmiedet worden. Die Schrecken, denen wir in der Galutli ausgesetzt waren, können und werden sich nicht mehr mit solch tierischer Hemmungslosigkeit wiederholen, weil uns Israel schirmt. Die jüdische Welt versteht das Zeichen der Zeit und leitet den Prozeß ein, der zu ihrer Identifizierung mit der Medinalh Israel führen muß. Wir stellen etwa auf tauchende Gegensätze keineswegs zurück; aber wir richten in erster Reihe unseren Blick auf das lichtausstrahlende Zion. Die Weltanschauung wollen wir niemals verleugnen, den Mut zur Kritik nicht verlieren, aber die Liebe zu Erez müssen wir jederzeit wachhalten, damit wir in der Welt einen ehrenvollen Platz zu behaupten vermögen. Bernhard Braver. Wiedergutmachung in Österreich gefordert Der Exekutivrat des gegenwärtig in Genf tagenden Jüdischen Weltkongresses hat die alliierten Mächte am Donnerstag aufgefordert, ihren Einfluß bei der österreichischen Regierung geltend zu machen, damit das den österreichischen Juden zugefügte Unrecht wieder gutgemacht werde. ln einer Verlautbarung des Exekutiv - rats wird bedauert, daß die Regierung Österreichs für die geplünderten und nicht wieder zurückgegebenen Vermögen, für die Berufsbehinderung, den Entzug der Freiheiten und die Todesfälle österreichischer Juden keine Entschädigung gezahlt habe, ln der Verlautbarung wird fcslgestcllt, daß „ein beträchtlicher Teil de," österreichischen Bevölkerung bereitwillig an der Plünderung jüdischer Vermögen aktiv teilgcnommen hat“. Unsere Kongreßdelegierten ScMsi SUassHp Direktor des World Jewish Congress CUcUm ICeUec Vizepräsident des Zion. Landesverbandes sind aus Israel zurückgekehrt und werden Dienstag, den 25. September 1951 um 19.30 Uhr im Versammlungssaal (Filmfreunde) I, Weihburggasse 4, I. Stock einen ausführlichen Bericht über den 23. Zionistenkongreß erstatten. Wir laden alle unsere Mitglieder und Freunde ein, dieser Veranstaltung beizuwohnen. Eintritt frei Keine Konsumation Zionistischer Landesverband in Österreich Neiilahrswünsdie in unserer Zeitschrift „DIE STIMME“ sind wirkungsvoll und erreichen Ihre Freunde in aller Welt! Sie ersparen Drudekosten, das hohe Porto und die Mühe! — Entgegennahme von soldien Inseraten auch telephonisch A 26-4-73 (9—12 u. 15—18 Uhr). Administration: IX. Universitätsstraße 4