Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1951
- Issue
- Heft 52 (8.8.1951)
- Date
- 1951-08-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 52 Schatzgräber von illt-ilussee Von S. Wiesenthal (Linz) An jedem Wochenende macht sich ein Teil der Bevölkerung des Salzkanum rgutes auf den Weg ins Totengebirge im Ausseerland. Sie sind mit kleinen Schaufeln, Spaten und Krampen ausgerüstet. Das sind die Sonntagsamateure. Hie und d i kommen auch von auswärts „Fachleute“, die Minensuchgeräte mit sich führen. Der Strom dieser „Ausflügler“ begibt sich in Richtung auf die Höhenkette der „Alpenfestung", wo seinerzeit von Kaltenbrunner der letzte nazistische Widerstand organisiert wurden sollte und wohin bekanntlich die geraubten Schätze des Dritten Reiches transportiert und in verschiedenen Verstecken verlagert wurden. Ein österreichisches Klondyke. Das Gebiet um Alt-Aussee, wohin die Nazibonzen im April 1945 geflüchtet sind und wo ihre Familien schon seit 1944 vor den alliierten Bomben Zuflucht suchten, ist ein österreichisches Klondyke geworden. Dort wurden in den letzten April- und ersten Maitagen des Jahres 1945 Sonder- Kommandos Gold, Juwelen und andere Wertgegenstände von der „Abwehr“, SS, SD und Gestapo übergeben, die diese Schätze in sicheren Verstecken deponieren sollten, damit sie nicht in alliierte Hände fallen. Der Zweck der Deponierung war schon damals klar, denn außer den Goldw erten wurden verschiedene Pläne neuer Waffen, die nicht mehr zum Einsatz gekommen sind, Ergebnisse der Laboratoriumsversuche und andere Geheimnisse des Dritten Reiches versteckt. Sie sollten alle später dem Aufbau des Vierten Reiches dienen und in der Zwischenzeit helfen, die schlimme Periode der alliierten Besetzung durchzuhalten. Mit deutscher Gründlichkeit wurden liebergabe- und Uebernahmeprotokolle ausgefertigt. Soweit diese in alliierte oder österreichische Hände gefallen sind, geben sie ein ungefähres Bild über die Höhe des Wertes dieser verlagerten Gegenstände. Aber leider sind nur wenige dieser Protokolle bekannt. In Alt-Aussee konzentrierten sich in den ersten Maitagen neben dem Stabe Kaltenbrunner auch die Leiter der deutschen Spionagenetze. Jedes Netz hatte eine Kasse in Devisen und Gold, da ihre Agenten nur mit diesen Werten arbeiten konnten. Auch diese Netzkassen wurden im Ausseer Gebirge eingelagert, das Gold wurde aher nie gefunden. In den Händen der Behörden blieb nur das UebergabeprotiJkoll an das Kommando, das das Gold verlagern sollte. Dieses Kommando stand unter der Führung von SS-Hauptsturmführer Fröhlich und SS-Obersturmbannführer Scheidler. Fröhlich Auf dec schönsten Teccasse Mittags speisen int iiCUsaten Jausnen im Hucealen Abends speisen im Hucsaton HÜBNER'S Cafe-Restaurant 5TBDTP9RK war Führer der Zentralkasse des Amtes VI F. (Südosten) und Scheidler der persönliche Adjutant Kaltuibrunm rs. Dem Kommando wurden folgende Gegenstände übergeben : Kassabestände aus der Aktion Bernhard (SS- Obersturmbannführer Göttsch), wo sich außer verschiedenen Valuten und Goldbarren noch ein Original-Breugbel (Bauernmotiv) befand. Weiter Kassabestände zur Verfügung Kaltenbrunners (SS-Oberführtr Spacil), ferner Albaner Kassabestände (SS-Brigadefiihrcr Witzhuhn). Gruppenkassa VI F Jahresetat (SS-Sturmbannführer Höttl). Kalfenbrunners Millicnensckätze Dann kamen die Netzkassen Griechenland (dieser einzige Kassaposten wurde von den Amerikanern in Kremsmünster beschlagnahmt), die Netzkasse Jugoslawien (SS-Hauptsturmfiihrer Mandl), darunter auch die Kasse von Skorzenv und die Rutnänienkasse (SS-Sturmbannführer Äuner). Diesen Beständen wurden angeschlossen die sogenannten Bestände „C“ des Amtes IV (Kaltenbrunner) : 50 kg reines Barrengold der Nationalbank Oesterreichs; 50 Kisten Gold und Goldgegenstände in Feingoldstandard (die Kisten zu 40 bis 50 kg); 2 Millionen Papierdollar; 2 Millionen Schweizer Franken; 5 Kisten Brillanten und Edelsteine; 1 Briefmarkensammlung im Schätzwert von 5 Millionen Goldmark aus der Sammlung Kaltenbrunner, die aus Dänemark verschleppt sein dürfte. Außerdem kamen noch ein ganzer Transport aus den Beständen des Admirals Canaris von wertvollen Perserteppichen und Gobelins, die detailliert in Uebergabeprotokollen 4VA Schreibmaschinenseiten füllten. Mit Ausnahme der Netzkasse Griechenland, die nur 500 Napoleons d'or (Gold) enthielt, ist von all dem nichts in alliierte Hände gefallen. Die Akteure dieser Goldverlagerung befinden sich zumeist alle in Oesterreich in der amerikanischen oder französischen Zone. Und zwar SS-Sturmbannführer Dr. Wilhelm Höttl, wohnhaft in Alt-Aussee (er gab unter dem Pseudonym Walter Hagen ein Buch „Die geheime Front“ heraus); SS- Hauptsturmführer Mandl und SS- Sturmbannführer Auner befinden sich in .Salzburg; Obersturmbannführer Artur Scheidler in der französischen Zone, seine Frau Iris Scheidler wohnt in Alt-Aussee. Lieber weitere Goldtransporte sind keine Protokolle gefunden worden und es fehlen daher die Details. Fs bandelt sich vor allem um den Goldtransport Eichmanns, der am 2. Mai 1945 nach Alt-Aussee kam und der den Judenerlös-Beständen (Juvva) insgesamt 22 Kisten Gold bestand. Dieses Gold soll im Totengebirge verlagert worden sein. Nach den Ergebnissen der bisherigen Ermittlungen und sonstigen Informationen steht fest, daß alle diese versteckten Gold- und Geldwerte für verschiedene Zwecke der Nazis nach dem Kriege verwendet wurden, und zwar : 1. Unterstützungen für Nazifamilien in Oesterreich, Deutschland and in der übrigen Welt; 2. Finanzierung verschiedener Nazi- Organisationen (neonazistische Gruppen) in Oesterreich, Deutschland, Italien, Spanien und Südamerika; 3. Finanzierung von Reisen (Flucht) v e r sch ie d e n er Naz i verbrech er; 4. Rechtshilfe für verhaftete Kriegsverbrecher; 5. Subsidierumg von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen, die geeignet sind, eine Dolchstoßlegende aufzubauen. Mit großer Bestimmtheit muß angenommen werden, daß eine .nazistische Organisation besteht, die eine genaue Kontrolle nicht nur über die in Oesterreich, sondern auch anderswo in der Welt versteckten Schätze ausübt, die die Verteilung der Gelder vernimmt und die sich gleichzeitig mit dem Verkauf befaßt und ihn überwacht. ERFÜLLUNG Der große Visionär Dr. Theodor Herzl hat vcyi Wien aus — der Geburftsstätte des „Judenstaates“ — die ganze jüdische Welt entflammt und in Begeisterung gesetzt. Mit der Errichtung der Medinath Israel hat diese große Idee ihre Erfüllung gefunden. Des 47. Todestages Theodor Herzel’s (Kaf Tamus — 24. Juli) gedenken wir Juden Oesterreichs in tiefer Ehrfurcht und Dankbarkeit. Wir stehen im Geiste an dem Grabmal unseres Propheten, dessen letzter Wunsch, im Lande der Väter bestattet zu sein, im Jahre 1949 erfüllt wurde. So ist denn seine Ruhestätte in Jerusalem nunmehrr Wallfahrtsort der gesamten Judenheit geworden. Der Keren Kayemeth Leisrael nimmt den denkwürdigen Todestag unseres Genius zum Anlaß, in der ganzen jüdischen Welt Geldmittel auf Zubringern, d'e zur Urbarmachung, Bewässerung und Bewaldung des Bodens Israels verwendet werden sollen. Gedenket des Begründers des Judenstaatsgedankens! Gedenket der für die Befreiung Israels gefallenen Helden! Denket an 'die Märtyrer der Greueljahre 1958—1945! Denket an die Zukunft unserer Kinder! Leistet Euren Beitrag zum Aufbauwerk des „Keren Kayemeth Leisrael! SPENDET« Keren Kayemeth Leisrael in Oesterreich Wien I, Schottenring 25, III St. Postscheck-Konto 130.067 Telephon Ä 16 0 35 „ELSE” PARFÜMERIE WIEN I, STEINDELGASSE 1 (beim Tuchlauben-Kino) TELEFON U 21 3 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE - SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. FftAbyt'\HICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell Pakeumit Parfümerien und Seifen nach Israeli Magbith und die AUgem. Zionisten Einem Bericht des „Haboker“ aus Paris ist zu entnehmen, daß bei der Aktion für den Magbifb im Frankreich die Allgemeinen Zionisten am erfolgreichsten waren. Von den in Paris gesammelten elf Millionen Francs hat die Organisation der Allgemeinen Zionisten mehr als die Hälfte zustande gebracht. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhänge, daß die Linke Poale Zion und der „Hashomer-Hazair“ Sonderaktionen veranstalteten, trotzdem die Leitung des Magbith separate Sammlungen verboten hatte. Ein PxutifUifei In der letzten Nummer unserer Zeit schrift haben wir uns bemüht, die Begebenheiten anläßlich der Wahlen zum 23. Zionistenkongreß in Oesterreich in objektiver Weise darzustellen. Wir haben bei dieser Gelegenheit erklärt, daß die Durchführung der Wahlen schon im Interesse der künftigen zionistischen Arbeit in Oesterreich notwendig gewesen wäre. Die anderen zionistischen Parteien finden es für angezeigt, in dieser Sache ein Pamphlet „An alle Zionisten“ zu versenden. Es wäre Zeitvergeudung auf all’ die Unwahrheiten und Verdrehungen einzugehen, doch stellen wir fest, daß 'die Allgemeinen Zionisten den korrekten Weg eingesch lagen haben, der die Wahl zum ZionTstenkongreß gewährleistet hätte. Es ging darum, ob wenige Personen Camouflage betreiben und sich das Recht arrogieren sollen, selbstherrlich Delegierte zum Kongreß nach Israel zu entsenden, oder die Schekelzahler in freier Wahl entscheiden zu lassen, welche Personen sie mit dem wichtigen Mandat ausstatten wollen. Die für das Pamphlet verantwortlichen Herren sind bei anderen, weniger wuchtigen Anlässen unbeugsame Verfechter demokratischer Einrichtungen. Aus sehr durchsichtigen Motiven drängten sie jedoch die Kongreßwahlen zu unterlassen und im Konventikel die Delegierten zu bestimmen. Es bedarf keiner Beweisführung, daß der diesjährige Kongreß, der zum ersten Mal in Israel stattfinden wird, an Bedeutung alle bisherigen Kongresse zu überragen verspricht. Die Delegierten werden Pflichten übernehmen, deren Tragweite heute nicht zu übersehen sind. Die Ausübung dieses Mandats setzt d. legale demokratische Wahl voraus, da sonst der Delegierte keinerlei Legitimation besäße, im Namen der österreichischen Zionisten vor dem kompetenten Forum das Wort zu ergreifen und etwaigen Beschlüssen zuzustimmen. Die Außerachtlassung der statutarischen Bestimmungen setzt jedermann ins Unrecht. Die Verletzung der demokratischen Grundsätze wird von keinem aufrechten Menschen geoi*cr Cafe — Bar — Tanz Wien IX., Porzellangasse 39 Tel. R 52 405 Heinrich STEIN Wlan IV, FavoritanstraB« 24 Talaphons U 49 0 84 ERZEUGNISSE: Selbstroller Rollvorhänge Verdunkelungen Bretterjalousien Holzrollbalken Durchsichtige Schaufensterrollos 2951