Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1951
- Issue
- Heft 50 (1.6.1951)
- Date
- 1951-06-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME Seite 2 Nr. 50 die JüdenU/Unsfeieeh-denJe^Ueud&mcuikU Große Kundgebung Im großen Konzerthaussaal fand am Mai die repräsentative Feier der 'Vierer Judenschaff statt. Veranstalter v. uren die Wiener Israelitische Kultusgemeindc, die Zionistische Föderation (die sämtliche zionistischen Verbände \\ Ans umfaßt), der Bund Werktätiger Juden und der Verband Oester re i ch i s che r J u d e n. Per 2200 Personen fassende große Kenzer th.aussaal war bis auf den letzten Platz besetzt, als das Festspiel „Israel ein .Staat wird geboren“ begann. Pie Autoren Wilhelm Krell, Hugo Löwy und Helmuth Hirsch haben es verstanden, die Zuhörer vom ersten Augenblick an bis zum erhebenden Schluß in erwartungsvolle Srarnung zu versetzen. In zusammenhängender Bilderfolge rollte die zionistische Geschichte der letzten 50 fahre vor unseren Augen ab, angefangen von den prophetischen Worten Theodor Herzls : ,, .. . wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen“, vorbildlich von dem bekannten Schauspieler Otto Woegerer gesprochen — bis zu Ben Gurions Deklaration, die die Unabhängigkeit des neuen Staates einleitefe. Pie kurzen prägnanten Szenen zeigen die unermüdliche Arbeit der ersten Chaluzim, den Jubel heim Bekannfwerden der Balfour-Deklaration, den immerwährenden Kampf unserer Pioniere gegen Feinde ringsum. Jedem Zuhörer stockte der Herzschlag, als die dumpfen Trommelwirbel der Naziborden die friedliche Aufbauarbeit und die frohen Abendgesänge iäh unterbrachen. Schon kommen die ersten Schreckensbotschaften, die von Verfolgungen berichten, von Konzentrationslagern und Grausamkeiten. Düster zog ein Bild an uns vorüber, in dem Konzentrafienshäftlinge das Lied der Moorsoldaten sangen. Aufwühlend war das Bild, das dem Gedenken der Ghettohelden von Warschau gewidmet war, Jn der Szene des „Exodus“ kam uns so recht zu Bewußtsein, wie wenig die Völker der Welt gesonnen waren, das unfaßbare Unglück, das unser Volk betroffen hat, zur Kenntnis zu nehmen und uns zu helfen. Tausende jüdischer Flüchtlinge aus aller Herren Länder streben nach Erez Israel, aber die Mandatarmacht stützt sich auf tote Paragraphen, verhindert' die ersehnte Einwanderung und wieder müssen unsere Brüder in Lagern hinter Stacheldraht Jahre ihres Lebens verbringen (Cypern). Endlich im November 1947 entschließen sich die Vereinten Nationen die Gründung eines jüdischen .Staates ins Auge zu fassen. Aber auch diese Freudenbotschaft w ird durch die .Aggression der arabischen Nachbarländer getrübt, Bomben fallen auf das friedliche Tel- Aviv und der ganze Jischuw bildet Aufdec scUfoisteH Tcccasse Mittags speisen im liucsalatr Jausnen im Hdc&atöH Abends speisen im Kdcocdou HÜBNER'S Cafe-Restaurant ST9DTP9RK Die Sendergruppe Rot-Weiß-Rot im Konzerthaussaal eine einzige Abwehrfront, geführt von der heldenhaften Haganah. Pas Wunder gescb,ah, daß über Nacht aus friedlichen Siedlern todesmutige Verteidiger ihres Landes erstanden. Pie große, erwartungsvolle Spannung der Zuhörer löst sich erst nach Verlesung der Deklaration Ben Gurions und tosender Beifall durchbrauste den Saal, als das Festspiel mit dem Aufmarsch der Fahnenträger endete. Mitten im Jubel betrat der Vertreter des Staates Israel, Herr Konsul Arie E s h e 1, die Bühne und sprach Worte, die alle Anwesenden tief bewegten. Mit Stolz - berechtigtem Stolz schildert der Redner die Staatswerdung, d:e vorhergegangenen schweren, aber siegreichen Kämpfe, die bis ans Wunder grenzenden Taten seit dem 9. Mai 1948 bis zum heutigen Tage. Keinem anderen Volk der Welt wäre es gelungen, in dieser kurzen Zeitspanne die Bevölkerung seines Landes zu verdoppeln und es allen möglich zu machen, Brot und Arbeit zu finden. Konsul Eshel schloß seine, wiederholt von stürmischem Beifall Unterbrochene Rede mit dem Wunsche, daß der junge .Staat Israel einer glücklichen und friedlichen Zukunft cnt g egengehe n m öge. Das Fest der Staatsgründung war die imposante Manifestation des Wiener Zionismus, Israel zu dienen und seines Willens mit der Medinah die unbedingte Solidarität jederzeit zu üben. Besonderes Verdienst um das Gelingen des Festes erwarb sich der .Amtsdirektor der Israelitischen Kulfusgemeinde, Herr Wilhelm Krell, der die Gesamtleitung in ne hatte. Regisseur Franz Ibaschitz-Kusmic verstand es, jede Szene unter Anwendung modernster regle- und heleuchtungstechnischer Mittel interessant und eindrucksvoll zu gestalten. Ihm standen ausgezeichnete Sprecher wie Felix Forlin, Victor Fschmeiler, Isolde Kaspar- Czeike, Toost, Erich Margo, zur Seite. Hervorragend beteiligt an der vollendeten Aufführung war der Organist Herr Hans Ilaselböck und der Tenor Josef Frachter. Die Jugendgruppen der Zionistischen Föderation, das Seminar für kollektive Kunst unter choreographischer Leitung von Frau Dr. Volkmann zeichneten sich in den Massenszenen und Tänzen besonders aus. Dein Festakt wohnten der Bürgermeister der Stadt Wien, General Dr. Theodor Körner hei, dessen Erscheinen stürmischen Beifalll auslöste. Tn der Proszeniumloge sah man die Katicnalrätin Frau Jochmann, den Präsidenten des Wiener Landtages Bruno Marek, Captain Löwy u. a. Sämtliche Mandatare der Israelitischen Kultusgemeinde, an ihrer Spitze Präsident Dr. Wolf Herzberg, der Präsident der Zionistischen Föderation Dr. Emil Neuspiel, die leitenden Persönlichkeiten der Wizo, des Bundes Werktätiger Juden, des Verbandes Oesterreichischer Juden und Vertreter der in- und ausländischen Presse waren anwesend. Nach dem Verklingen der Ti.kwah verließen die Festteilnehmer stolz und freudig erregt die imposante Kundgebung. Trude Müller veranstaltete zum 3. Jahrestage der Hnabhängigkeit Israels eine eindrucksvolle Sendung. Sprechchöre, die das Werden des jungen Staates zum Inhalt hatten, wechselten mit hebräi- Als vor nunmehr genau 3 Jahren der Staat Israel gegründet wurde, hegten Viele Zweifel, ob er die Stürme, die ihn in den ersten Tagen seiner Existenz bedrohten, überleben würde. Denn kaum waren die letzten englischen krimpen aus dem ehemaligen Mandatsgebiet abgezogen und kaum war die Verlesung der Unabhängigkeitserklärung durch den zähen Vorkämpfer des Staatsgedankens und ersten Ministerpräsidenten Israels, David Ben Gurion, beendet, als schon arabische Flugzeuge ihre Bombenlast auf das unvorbereitete Tel-Aviv abwarfen uticl 6 wohlgeriisfcte Armeen der arabischen Nachbarstaaten die Grenzen des neugeborenen Staates von Süden, Osten und Norden überschritten. Sie hofften, da;ß 'es ihnen möglich sein würde, Israel im Keime zu ersticken. Wie aber die Bevölkerung Israels aus dem Nichts in wenigen Wochen ein Heer, eine Flotte und Luftwaffe schuf, wie es seiner Jugend in opfervollem Kampf gelang, die Invas'onstruppen aufzuhalten und sie über die Grenzen zurückzudrängen das alles gehört der Geschichte an. Seit dem Ende dieses Kampfes um sein Lebensrechf sind kaum 30 Monate vergangen und in dieser kurzen Zeit konzentrierte sieh die Energie Israels auf die Erfüllung jener Mission, die ihm seine Existenzberechtigung qibt : für hunderttausende ent wurzeifer und heimatloser Juden ein sicherer Hafen zu werden. Die Energie des jüdischen Staates ist auf den Prozeß der unaufhörlich anhaltenden Masseneinwanderung konzentriert. In diesen ersten 3 Jahren seiner selbständigen Existenz versuchte er es, 650.000 Neueinwanderer aufzunehmen und er plant es, seine Bevölkerungsziffer in den nächsten 4 Jahren noch einmal zu verdoppeln und damit die 3 Millionengrenze zu erreichen. Aber die Zahlen allein sind nicht entscheidend. Nicht nur auf die quantitative Vermehrung kommt es an. Noch wichtiger ist die kulturellle und die seelische Umformung, die Israel von seinen neuen Bürgern verlangt und zu der er sie erzieht. Die Wiederseßbaffwerdung des umherirrenden jüdischen Volkes in seinem alten Land bedeutet auch die Umprägung seines Menschenfypus, bedeutet die Rückkehr zum Boden und zur Arbeit. Somit wurde die Revolution des jüdischen Volkes zu einer Revolution des Einzelnen der nach Israel zurückkehrt. Denn ungeheuer große Aufgaben stellt das durch Jahrtausende hindurch vernachlässigte Land seinen zu ihm zurückk ehren den Söhnen. Sümpfe müssen Pefroeknef werden, Wüsten bewässert. Leider, die seit Menschcnegedenken keinen Pflug gespürt haben, wieder fruchtbar gemacht werden. Diese Aufgabe. sowie die dauernde Sorge um die Verteidigung des in mühsamer Arbeit Geschaffenen, prägen einen neuen Menschentypus, den Typus eines hart arbeitenden, opferbereiten Pioniers, sehen Liedern, ausgezeichnet gesungen von Sfaafsopernsängerin Hilde Zoll ok. Die Sendung beschloß eine Ansprache des israelischen Konsuls, die wir im Wortlaut wiedergehen. der charakteristisch für das neue Israel wurde. Es ist ein Jude, der sich mit Stolz zu seinem Volke bekennt und bereif ist, sich mit allen seinen Kräften für die neugewonnene Heimat einzusitzen. Und Israel, das Land seiner nationalen Zukunft, ist für ihn nicht minder das Land einer ruhmreichen Vergangenheit. Jeder seiner Berge und jedes seiner Täler erinnert an die Propheten und an den Kampf des Menschen um seinen einzigen Gott. Aus jeder der Jahrtausende alten Ruinen spricht eine Botschaft des Glaubens an den Menschen und an die Menschheit. Das Alte Testament als das Geschichtsbuch des jüdischen Volkes hat für hunderttausende Menschen neue Aktualität bekommen. Die israelische Regierung, die heute von Jerusalem, der uralten Königssfadt, die Geschichte des Staates lenkt, ist sich ihrer großen Verantwortung voll bewußt. Und nicht nur die Führung, auch jeder Einzelne fühlt, daß der neue Staat dazu berufen ist, auf allen Gebieten des Lebens den ethischen Post ul a teil der jüdischen Geschichte gerecht zu werden. Zu den fundamentalen Leitsätzen des neuen Gemeinwesens, die in seiner Unabhüngigkeifserklärung verankert wurden, gehört deshalb der Glauben an die Möglichkeit einer friedlichen und harmonischen Entfaltung der Völker und an die Notwendigkeit, etwa auffauchende Streitfragen friedlich zu lösen. Israels Außenpolitik beschränkt sich nicht nur auf die Herstellung eines dauerhaften Friedens im Mittleren Osten, sondern sie nimmt auch 'einen sehr aktiven Anteil an dem Bemühen der Vereinten Nationen, die unsere Welt bedrohenden Spaltungen zu überwinden und jede neue Aggression unmöglich zu machen. Als ein besonders mächtiges Instrument zur Herstellung von engen und friedlichen internationalen Beziehungen dient Israel seine Wirtschaftspolitik. Das im schnellem Aufbau befindliche Land braucht ungeheure Mengen an Rohstoffen, Lebensmitteln und Fertigwaren, da seine eigene Industrie und Landwirtschaft noch nicht in der Lage sind, den Bedürfnissen der sprunghaft anwaehsenden Bevölkerung Rechnung zu tragen. Oesterreich nimmt unter den Ländern/ die Israel beliefern, einen immer wichtigeren Platz ein. Es scheint mir sowohl wünschenswert wie wahrscheinlich, daß diese Entwicklung anhalfen und daß sich im Laufe der nächsten Jahre zwischen den beiden Ländern eine wirtschaftliche und kulturellle Zusammenarbeit entwickeln wird, die beiden zum Vorteil und Nutzen gereichen wird. STOFFE KLEIDER FÜR DAMEN HERREN UND KINDER (Jul und f\ttUwtt vom KaüfUaus Bcüdec Ha&ec Wien VII, MarlahllferstraBe 90 Telephon: B 36 0 63, B 36 2 37 Die Rede Konsuls Arie Eshel „ELSE" PARFÜMERIE WIEN I, STEINDELGASSE 1 (beim Tuchlauben-Kino) TELEFON U 21 3 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. FRANKREICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israel!