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Die Stimme · 1950-12-02 · Heft 44 (2.12.1950) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1950
Issue
Heft 44 (2.12.1950)
Date
1950-12-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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»Seife 7 Nr 44 DIE STIMME Die Bedeutung der jüdischen ilerzte für die Medizin Von Univ.-Prof. Dr. Heinrich Schur 2. Fortsetzung Nur eines Mannes muß ich besonders gedenken; das isf Siegmund Freud, dessen mit Breuer begonnenen klinischen Untersuchungen der H\steril' nicht bloß diese Krankheit genetisch klärte, sondern für Freud auch zum Anlaß wurden, das menschliche Denken und Fühlen ganz allgemein auf eine gesicherte Basis zu stellen. Der Universalgelehrte Alexander Spitzer, den 1940 vier Wochen Hitlerkur in Theresienstadt töteten, ging zwar aus der Neurologie hervor, beschäftigte sich aber mit verschiedenen physiologischen Themen, wie der Pyramide nkreuzung, dem Generationswechsel und ganz speziell mit den Ursachen der Herzkammerteilung in einem großen Werk, das von einem deutschen Verlag auf behördliche Anordnung zuriickgew ie^en w erden mußte und jetzt posthum in englischer Uebersetzung von begeisterten Wissenschaft ern in USA herausgegeben, den Ruhm des Autors verewigen wird. Von wertvollen Chirurgen möchte ich den langjährigen Primarius am Wiedner Krankenhaus Julius Schnitzler, den langjährigen Schüler Prof. Budingers, später Chirurgen des Kaiser Franz Josef Ambulatoriums und seit 1938 Primarius der chirurgischen Abteilung de; Krankenhauses der isr. Kultusgemeinde der ohne genügende Assistenz und ohne wichtige Hilfsmittel die chir. Abt. leitete und Hervorragendes leistete und leistet, den bekannten Nervenchirurgen und Chirurgen des Verdauungstraktes Felix Mandl, der nach Rückkehr die schöne chirurgische Abteilung am Franz Josef Spital erhielt und den leider verstorbenen Ludwig Moszkovics, der sich schon als Primararzt im Rudolfinerhaus einen Namen Gemacht hat und in letzter Zeit die Beziehungen zwischen Entwicklungsstörungen und verschiedenen Krankheitsanlagen, wie den Darmbrüchen aufgeklärt hat. Viele sind in den KZ Lagern verdorben und gestorben wie der Schnitzler-Assistent Max Hirsch u. a. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die Entwicklung der serotherapeutischen Forschung, die unter der Oberleitung von Paltauf, Rudolf Krau s, Gelegenheit bot, zu der wichtigsten Entdeckung der serotherapeutischen Forschung, zur Entdeckung der Präzinitine und durch seine zahlreichen Schüler, Volk, Löwensfein etc., Wien zu einem Hauptsitz serologischer Studien zu machen. Ein besonderes Glück war für die Wiener medizinische Schule die liebernahme der pharmakologischen Kanzel durch H. H. Meyer, dessen geniale Narkosetheorie die Grundlage seiner Berufung nach Wien war. In seinem Institut und als sein Nachfolger hat Ernst P. Pick durch seine Arbeiten mit Obermeyer die chemischen Grundlagen der Serumreaktionen sich.ergesteilt. Von den bakterologischen und sero'ogisch interessanten Anatomen, die in Wien arbeiteten, war zweifellos Landsteiner einer der genialsten. Ihm glückte mit Donath die Entdeckung der Kältehämolysine, bei der paroxyma'en Hämoglobinurie und Landsteir.er erweiterte diese Kenntnis alsbald durch die Entdeckung der vier Ser um gruppen, die eine gefahr¬ Caf e-Resta u ra n t „Mozart" bei der Oper Wien I, Albertinaplatz 2 Telefon R 23 4 13 Beliebter Treffpunkt im Zentrum der Stadt lose Bluttransfusion ermöglichte. Die Sorumforschungen führten den großen Kinderarzt Pirquet, der übrigens auch ein Mischling war, zur Lehre von der Allergie, deren Bedeutung sich auf alle Gebiete der Medizin erstreckte. Urbach setzte die Forschungen fort und arbeitete nach seiner Emigration in USA in gleicher Richtung. Er setzte sich in Amerika auch durch, starb aber plötzlich an einer Herzaffection. Er hinferließ in USA ehre große Schule. Bei der Uebernahme der Lehrkanzel der Pharmakologie pi Wien, nahm Meyer seinen Marburgcr Assistenten Otto Löwi mit. Er wurde an das pharmakologische Institut in Graz berufen und w urde dort eine Zierde der Fakultät. Die Lehre von der 'volls t ä n d i g e n Aufspaltung der Eiweißkörper in Aminosäuren vor deren Resorption, stammt von ihm. Ebenso viele Einzelheiten der Diabetesforschung. Eine der wichtigsten Leistungen von ihm ist die Entdeckung, daß die vegetativen Nerven durch Sekretion von speziellen Wirkstoffen würben. Gerade diese Lehre hat der Phvsiologie ganz neue Gesichtspunkte eröffnet. Ein in Wien speziell gepflegtes Gebiet war die physikalische Chemie in ihren Auswirkungen auf biologische Leistungen. Pauli hatte sich aus eigenen Mitteln ein mustergültiges Institut geschaffen. Sein Assistent Rona verpflanzte dann die Arbeitsrichtung nach Berlin. In allen diesen Forschungsrichtungen standen wir in engster Verbindung mit der deutschen Schule. Wir brachten unsere Leistungen dort vor, sie wurden dort diskutiert und auch in ihrer Eigenart anerkannt. Für die. Carcinomforschung brachte die Freund'sche Blutreaktion wertvolle Anregungen. Es war ein Blitz aus heiterem Himmel, als durch die Tätigkeit eines einzelnen Mannes, der eigentlich gar keine wirklichen Freunde und Anhänger hatte, dieses Verhältnis gestört wurde. Es bestand ja gar kein solch blutiger Haß zwischen den jüdisch und den nichtjüdisch Geborenen. Die kleinen Unterschiede machten sich gewiß hie und da fühlbar, boten aber zu Haßorgien nicht den geringsten Anlaß, boten vielmehr für Zusammenarbeit die günstigsten Bedingungen und •so bewegten wir uns ganz frei hier in Wien unter der Bevölkerung, bis Hitler uns zu Staatsfeinden erklärte und vogelfrci machte. Die Opfer, die wir bringen mußten, waren enorm. Fast jeder von uns verlor den größten Teil seiner Familie. Aber auch die mißleiteten Volksmassen trugen schweren Schaden davon, denn nichts kann ein Volk schwerer schädigen, als das Einreißen grausamer anarchischer Zustände. Wir selbst haben nebst den Verlusten an Menschen und Hab und Gut, auch den Verlust eines geordneten wirtschaftlichen Lebens zu beklagen, in dem wir geben und nehmen konnten, und mit Forschern in Verbindung kamen, die uns wegen ihrer Einstellung zur Wissenschaft und zur Ethik nahe standen. Wir zweifeln ja nicht, daß auch später nur ein kleiner Teil der Bewohner Deutschlands mit Hitler und seiner Clique zufrieden war; wir glauben nicht, daß das Land, das einen Lessing, einen Goethe und einen Schiller gebar, teilhaben konnte an den Rohheiten, die die Hitlerzeit gebracht hat. Aber wir kennen jetzt die Ursachen der Katastrophe und müssen ihnen vorbauen, wenn wir unser Volk retten wollen. Bei politischen Streitigkeiten werden von politischen Führern skrupellos die kleinsten Differenzen in der Lebensführung benutzt, um Menschen auseinanderzureißen und Parteien um sich zu scharen, die den Führern eine Machtstellung verschaffen sollen, die sie von Begabung und Charakter aus nicht im mindesten verdienten. Dieses Anders sein ist ja kein Schlechtersein, aber es kann verw endet werden, wenn ein ,,Führer” es braucht. Das ist der Grund, warum wir es besonders begrüßen müssen, daß uns ein eigenes Land die Möglichkeit bietet, unsere Leistungsfähigkeit zu entwickeln und anzuwenden, ohne für diese ethischen Handlungen den Haß und Neid anderer hervorzurufen. In den von den sich nachträglich als Feinde dekorierenden „Führern“ geleiteten Staaten haben wir gezeigt, daß wir in wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Beziehung und namentlich als Aerzte einen hohen Grad von Leistungsfähigkeit erlangt haben. Es wird notwendig sein, daß wir diese Leistungsfähigkeit im eigenen Lande hochzüchten, wo jede echte Leistung ihrem Vollbringer nur Ehre bringen wird und wir sehen mit Freuden, daß schon jetzt die verpflanzten Forscher, wie S. J. Plaschkes, der Bruder Zondeks, in Israel neue Arbeitsstätten gefunden haben. So müssen wir, so wenig wir den Nationalismus gutheißen, dafür eintreten, daß im Heiligen Lande ein Boden geschaffen wird für Forschung und ausübende Medizin. In den Zeiten des Mittelalters haben wir gesehen, daß der jüdische Arzt, trotz a!)ler Andersartigkeit, sehr beliebt wurde und Hoch und Nieder behandelte, obzwar er damals nicht viel an w i r k 1 i ch e n Heilmitteln zu bieten hatte. Es war offenbar die Einstellung des Gemütes, die ihn zum Arzt besonders befähigte. Daneben aber m ii s s c n wir auch dafür sorgen, daß der Fortschritt der Medizin in Pflege der Naturwissenschaften seine Grundlage findet. Wissenschaftliche Institute müssen anatomische, histologische, chemische und physikalische Untersuchungen ermöglichen, die als Grundlage ärztlicher Tätigkeit anzusehen sind. Vielleicht wird auch eine maritime Untersuchungsstation, wie sie in Neapel und Triest besteht, für den wissenschaftlichen Rang Israels von großer Bedeutung sein. Die Zeiten sind schlecht und wir müssen uns mit unseren großen Plänen bescheiden, bis sie wieder besser geworden sind. Aber es wird gut sein, wenn wir jetzt schon wissen, w as uns not täte. Wichtig wäre vor allem auch und vielleicht schon jetzt durchführbar, daß wissenschaftliche Zeitungen von Format und Rang, jüdische Leistungen der Welt zur Kenntnis brächten, und auch die Arbeiten der Exiljuden sammelten. Nur durch geistige Waffen können wir uns in der Welt behaupten und Israel den Rang sichern, den es durch die Begabung der Juden verdient. Die kurze liebersicht über die Leistungen jüdischer Aerzte und Naturforscher ist, wie mehrfach hervorgehoben wurde, natürlich ganz unvollständig. Ich habe mehrfach erwähnt, daß in dem schönen Vortrag von Prof. Dr. Neuburger in Jerusalem genaue Daten gefunden werden können. Das gilt leider nicht bezüglich der großen Leistungen der amerikanischen Aerzte, unter denen sich eine große Anzahl von Juden befinden, die Erstklassiges geleistet haben. Während Europa sich die Zeit mit mehr als überflüssigen Kriegen vertrieb, hat Amerika gearbeitet und uns monatelang in medizinischer und chemischer Hinsicht gewaltig überflügelt und der Welt gezeigt, was Freiheit in der Betätigung zu leisten vermag. Es ist für mich Außenstehenden nur ausnahmsweise möglich zu erkennen, ob der in Frage stehende Forscher Jude ist. Ich weiß nur und habe es öfter erwähnt, daß viele unserer Emigranten dort ohne Schwierigkeiten an Universitäten und in Laboratorien Arbeitsmöglichkeit bekommen haben. Ich ergänze diese Liste noch um mehrere Namen; Jakob Szapper, unseren alten Amsterdamer Freund, der in New-York in hervorragender Stellung tätig ist und den leider vor einigen Jahren verstorbenen Altonacr Internisten L. Lichtwitz, der gleich nach seiner Emigration im Jahre 1933 am Mount Sinai Hospital eine hervorragende leitende Stellung erhielt. Den Internisten S. J. Thannhauser, der als Professor an die Havard-Universität berufen wurde und den hervorragenden Wiener Dermatologen Max Oppenheim, der auch an der Havard-Universität eine ihn sehr befriedigende Stelle als Professor erhielt. Auch er ist leider vor 3 Jahren gestorben. Wiener CDampfmühle SBrach & Gessing 1, 3ielferstorferstraße 15 HERBERT MÜNCH Großhandel in Textil-, Strick-, Wirk- und Kurzwaren Pächter: Wilhelm Sternberg ST. GILGEN-SALZBURG Auslicferimt’slai'i'r: WIEN I, MARC-AUREL-STRASSE 9 Telefon U 23 0.57 Streng Orth. Koscher RESTAURANT UND CAFE PAX WIEN I. BAUERNMARKT 10 A. G. Vereinigter Wiener Tischlermeister (ßiL 7 - MetitdvtMkcUjI und Zentrale*. Wien VI, Mariahilfer Straße 31 / lul. B IV dwl, B ZO-BOd, R MOZ V A Holz- und Fumieivuikaui : 3 Wien XV, Goldschlagstraße 73 / In A G) 4 Bl, A V .M Wien XV, Goldschlagstraß j 65 / lei. B 51 -VO‘>

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