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Die Stimme · 1950-12-02 · Heft 44 (2.12.1950) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1950
Issue
Heft 44 (2.12.1950)
Date
1950-12-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 44 JEHUDA SCHAARI dU JletyUMHtytU'Usz und iktc HtUcen EIN BRIEF AUS ISRAEL i. Der Jischuw, von ein paar geschworenen Schwarzsehern abgesehen, und die ve anite jüdische Welt begrüßen mit Freude das Ende der ersten Regierungskrise cies jüdischen Staates. Die Art ihrer Beendigung zeigt, daß es möglich gewesen w äre, die K* ise überhaupt zu vermeiden. Der treibende Faktor bei ihrer Beilegung, der Justizminister Pinhas Rosen und de Progresshe Partei bew iesen ihre große Ee.’eutung für das politische Leben in Israel. Es gibt keinen Zweifel, daß d;c Krise allen schadete, dem Zionismus, dem Staate, den Parteien, ohne irgend'.' em irgendwelchen Nutzen zu bringen.. Sie brachte unserem Staate sowohl nach innen wie rach außen große Nachteile. Zweierlei befürchteten wir in unserem demokratischen Staat : Un: tabi ität und Korruption. Es ist nun noch zu früh über Korruption zu urtei’en, aber die Gefahr der Unstabilität ist diesmal schon klar zu Tage getreten. Wie kann man denn große Aufgaben, wie wir sie auszuführen haben, auch verwirklichen, wenn keine rege'nde Hand Stabilität und Richtung gib: 7 Oftmals haben die Völker der Welt an uns gezweifelt, uns manchesmal Gutes und oft Schlechtes wünschend, aber die Juden haben ihre Kraft auf dem Sch'achtfeld gezeigt und sich ihre Se bstänchgkeit erobert. Werden sie nun auch ihren praktischen politischen Verstand in der Erha’tung und .Stärkung des Staates .beweisen 7 In diesen zwei Wochen zwischen „Regierung“ und „Regierung“ begann die Welt daran zu zweifeln. Die Schäden der Krise. Die Resultate der Krise haben nicht lange auf sich warten lassen. Die Gewährung von Anleihen, welche von den internationa’en Banken gegeben werden sollten und die wir wie die Luft zum Atmen brauchen, wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Die Begeisterung der amerikanischen Judentums, welches sich zur „Milliardenkonfe enz“ versamrne't hatte, wurde e*schüDe*t und gedämpft. Bei d-r UNO gab es berechtigte Aussichten, daß der Beschluß der Intcr^ationalis:erung Je'u^a’ems umgestoßen und sich die UNO mit de** Aufsicht über die hei i 'en Stätten zufrieden geben wbd ohne irgendwe’che exDr’itoriale Rechte zu verlangen. Aber das Eehlen ei e'- Regierung und d *r notwendigen Stabi ität in Israel stärkte jene Kräfte, welche nur in der Existenz eine; „Corpus separatum“ (selbständige Kö'-perschaft der UNO) eine Garantie für die heiligen Stätten sehen. Die Fo'gen im Inneren. Und im Inneren 7 Die Regierung, die so intern uv ihren Kampf gegen den schwarzen Markt «'efübrt hatte, war gezwungen diesen Kampf zu vernachlässigen. Sie hatte einen neuen Wirtschaftsplan proklamiert, konnte jedoch mit der Durchführung nicht beginnen. Es war wirk'ich der unpassendste Moment für eine Regierungskrise. Es liegen nun glaubwürdige Gründe für el'e Annahme vor, daß die Regierungskrise nur ein Manöver in Anbetracht de* bevorstehenden stl'd isclien V ah’en gewesen sei. Die b 'iden w iehtigsten Partner in der Regierung suchten einen Grund, um ihren Wählern zu beweisen, daß sie treu zu ihrer Ueherzeugung und ihrem Programm stehen. Deshalb lag die Ursache zur Krise auch nicht im zionistischen oder w i“tschaft ichen Programm,;n dem ja beide Parteien mehr oder weniger übereinstimmen, sondern gerade im ic’igiö en. Beide erklärten : Wir können, wenn sieh die Lage nicht lindc-t, nicht mehr weiter Entsetzen. Beide jedoch setzen nun weher so fort, ohne daß sich die Lage geändert hat. Die Religiösen glaubten, daß sie, abgesehen von ihren mehr dieser V e t angehörenden Forderungen, wie die Vi emitii.terien für Erziehung und für Handel, auch schon das Sabbathgesetz und das Rabbinergesetz in ihrer Tasche hätten. Sie haben das alles zwar nicht erhalten, trotzdem jedoch hat der Cmcße Thorarat es nicht mit seir.e - „Hörigkeit“ unvereinbar gefunden, in so einer Regierung weiter zu verbleiben. Mapai und Religiöser Block. Die Mapai andererseits erklärte : „Wir werden dein religösen Block keine weiteren Konzessionen mehr nia eben“ -- und dann haben sie sie doch gemacht : wichtige Posten im Mini sferium für Handel und Industrie und Erziehung; ei e b-sondere Ministerkommission, die sich spez'e’l mit religiösen Proble men beschäftigen ward u. s. w. Die Karte, die sie zu den städtischen Waiden aussrrelen wollten, fiel Emen aus den Händew Zwar hat das offizielle CWan des Misrachi „Hatzofeh“ mit siegreicher Miene er- Idärt : „Es wurde sowohl nach innen wie nach a^ßen gezeigt und bewiesen, daß ei-e Regierung ohne frfnahme der Pe’i bö'en unmöglich sei und daß man nicht hoffen kön’*e. die jüdischen Massen in de** DJasoo*a zu aktivisieroi. wenn die Religiösen von d°r Mitbestimmung über das jüdische Schickt ausgescba’tet wunden.“ Aber ande*e ZeTuncen wie .Haboker“ und . Hmmetz“ wissen zu beH^ten, wieder ReT-Törn B’ock sHi de'* Maoai unterwarf und ihre Vorschläge anrahm. Die Wahrheit ist, daß d;esma1 ein „Frieden oh**e Sieg“ erreicht wurde. Und mit Recht schreibt „Hamischmar“ : „Die Regierungskrise zeitigte keire wesentlich positive Äenderung in unserem politischen Leben. Sie brachte weder neue Menschen, noch neue Gedanken hervor.“ Die Bevölkerung sieht das, versteht und fraH : „War die Regierungskrise wirklich notwendig?“ Den einzigen modischen Sieg trug die Progressive Allgemeine Z:onistische Pa~te: und ihr Leader in der Regierung Pinchas Rosen davon, der die Lage von Anfang an richtig erkannte und ohne Unterlaß für d’e Rückkehr eF'e** stabilen Koalitionsregierung kämpfte. OppoUfion und KHse. Die Opposition ist enttäuscht. W:e iede Opposition wo’lte sie die Krise für sich ausnützen. Man kann nun mit Berechtigung fragen : Gab es keinen anderen Ausweg als zum Gewesenen zurückzukehren 7 Wir sagen nun nicht, daß die Regierung, ihre Zusammenstellung und ihre laten ohne Fehler sind, aber wir erklären, daß sie derzeit die einzig Mögliche ist. So^ar wenn es zu Neuwahlen lür die Knesseth gekommen wäre, hätte es kaum eine entscheidende Aenedrung de: vorhandenen Zusammensetzung ge'eben. E'n Gewinn von einigen Mandaten für die eine oder andere Partei hätte kaum eine grundlegende Neuformierung der Regierung ermöglicht. Auch die Hoffnung der Mapai, die neuen Olim w erden ihr die erträumte Mehrheit bringen ist ohne Grundlage. Ganz im Gegenteil es bestehen berechtigte Aussichten, daß die Mapai viele Stimmen des Mittelstan des verlieren wird. Auch eine Mapai- Mapam-Reglerung wäre unmöglich, da die Gefahr bestünde, die Hilfe Amerikas und des amerikanischen Judentums zu verlieren, Koalition — eine Notwendigkeit. Wir hätten nur die Möglichkeit gehabt, ein ha’bes Jahr ohne stabile Regierung zu bleiben, den dafür sehr tere-en Preis zu zahlen, um dann letzten Endes zur früheren Koalition zurückzukehren. Die Zeit einer Koalition ist in Israel noch nicht vorüber. Die Re'igiösen haben sich mit ihrer Bemühung einen re’igiösen Druck auf unser Leben auszuüben zu sefir beeilt. Der verstorbene Raw Kuk weß'e noch zwischen rechtzeitig und nicht rechtzeitig zu unterscheiden. Die Fra- Pen de*. Auf haus des Landes und der Absorbierung der Einwanderung haben Vorrang vor den der Gestaltung des Regimes. Die Religiösen sind ei e Minderheit im Jischuw und auch die Ausnützung bequemer Konjunkturen wird ihnen nicht crmög'ichen, ihre beabsichtigte le'igiöse Zwangsherrschaft zu errichten. Die Krise und die Art ihrer Beilegung haben dies deutlich gezeigt. Es ist auch zu früh über Sozia’ismus in unserer Zeit zu sprechen, sogar w enn es eine Arbeitermehrheit in der Knesseth gibt. Denn das Prinzip des , Kibbus Cialujot“ (Die Sammlung r e * Vorst-euten) kommt vor dem des .Sozialismus“. Und die von parteipolitischen Dogmen verblendeten sozialistischen Minister waren gezwungen, diese eines nach dem anderen aufzugeben, so wie man von einem untergehenden Schiff genötigt ist, auch kostbaren Ba’art über Bord zu werfen, um wenigstens das nackte Leben zu retten. Die Koalitionszeit ist noch nicht vorüber. Es ist unmöglich nur eine Ärheife-regierung, nur eine bürgerliche Regierung oder nur eine religiöse Regierung zu errichten. Das bedeutet : 1. Wahlen würden nicht viel an der Zusammensetzung der Knesseth ändern. 2. Der Staat kann sich nicht erlauben für einen längeren Zeitraum ohne stabile Regierung zu sein. 3. Es ist notwendig, die Koalition zu erhalten, wenn möglich sie noch zu verbreitern, unter keinen Umständen aber ihre bisherige Zusammenstellung noch zu beschränken. Diesen Leitsätzen folgten wir und wir haben Recht behalten. Flucht vor Verantwortung. Man darf nicht gleichgültig an den Faktoren Vorbeigehen, die die Krise verursachten. Diese Krise spielte sich gegen einen sehr ernsten Hintergrund ab, der vor allem in der schweren wir tschaft'ichen Lage bestand. In dieser Situation war es se lbstverständlich bequemer jedes belastende Joch abzuwerlen und jede Verantwortung abzulehnen. Es war sehr interessant, diese WOLLE UND GARNE größte Auswahl ADOLF BOMZE V, Reinprechtsdorferstraße 48 XX, Wallensteinstraße 17 Telephon A 32 0 08 allgemeine Flucht vor der Verantwortlichkeit festzustellcn. Alle liefen sie weg : die Opposition und die Regierungsparteien. Es lockte sie alle für einige Zeit das Sole! der Opposition zu spie'en, sich direkt an die „Massen“ zu wenden, sie mahnen und ihnen Versprechungen zu geben, um so im Trüben fischend, eine möglichst große Zahl von Mandaten für de zweit: Knesseth zu ergattern. Dies ist leider traurige Wirk'ichkeit. Wir könne i die Erpressungstaktik der Religiösen nicht lohen, die den schweren Moment ausnützen wo’lfen, um Forderungen zu erheben, für die wahrlich die Zeit noch nicht gekommen war und wahrscheinlich auch nie kommen wird. Wi* können abc* auch njeht den Premierminister loben für seine Ungeduld und 1 In Willigkeit d‘c Verhandlungen fortzusetzen. wie es die Progressive Par toi vorgeschlagen hat. Der Premierminister kann anscheinend die Wichtigkeit des schon von Kaiser Augustus her bekannten Ausspruches : „Fistina lente“ (Eile mit Weile) nicht genügend ermessen. Die Missicn von Pinhas Rosen. Die Art de* Beendigung der Krise bewies, daß unsere Einstellung die richtige war. Der Ministerpräsident erklärte heim Vorstellen der neuen Regierung in der Kressoth mit der Geste eines Gentleman, daß Pinhas Rosen etwas erreicht habe, was ihm nicht geUur'en sei. Er erklärte wörfflich : Die Erklärung, die ich heute in der Knesseth abgeben werde,' hätte der fustJzrninister Pinhas Rosen gehen sollen, denn ich bringe EiHi nur die Früchte seiner Arbeit.“ Trotz unserer wirklichen Anerkennung für Ben Gurion, müssen wir sagen, daß seine Mission nicht immer mit seiner Taktik überein stimmt. Diesmal w;ar seine Taktik nicht zweckmäßig, ja sogar fehlerhaft. Von der Krrc können wir eine Menge lernen. Wir sahen nicht immer die besten Seiten der Parteien. Was sich jedoch a’s besonders nachteilig erwnes, war das Fehlen eines starken Zentrums, das fähig gewesen wäre, die verschiedenen Extreme im Zaume zu ha’ten und die Kämpfe innerhalb ^,(:r ^oa ition -- da cs keinen anderen Weg außer KoaTtion gibt zu vermeiden, Die Bevölkerung hafte dies zur Zeit der Wahl zur ersten Knesseth nicht ve-standen und versteht es vielleicht *etzt noch nicht richitg. Aber das politische Lehen, das jetzt erst am Anfang ist, ward der beste Lehrmeister sein. Die Progressive Allgemein- Zionistische Partei bewies ihre entscheidende Wichtigkeit als patriotischer Faktor, der die a1lgemeinen In- Ptc* essen über die Parteiinteressen stellr und nicht nach politisch spekulativen Gewinnen schilt. Sie zeigte, daß sie nicht he eit sei, das Schiff auch hm Gefahr zu verlassen. Sie bewies, daß sie de* Garant für Sfabi’Hät und VermiffTing zwischen entgegengesetzten Richtungen ist. Sie zeigte.' daß sie diese Aufgaben erfüllen kann. Pinbas Rosen hat unter Beweis ge- SE' lf» daß er e*ne PersönliTikeit von höchster moralischer rnfegrbät ist, dem de** Jischuwin schwerer Züt eine wichtige Mission anverf**aute, die er e**foVreich und gewissenhaft durchführte. Es wäre wichtig, daß der Jischuw über die e Ereignisse nach denken und die Lehren aus ihnen ziehen würde. Englisch in 3 Monaten Erstklassiger Intensivunterricht nach modernster Methode. Einze’lektionen und Kurse. Zu erfragen im Zion. Landesverband. Tel. A 26 4 73. 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