Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 44 (2.12.1950)
- Date
- 1950-12-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 44 DIE STIMME Die Vorgänge | in der Wiener KultusgemeindeF Israels Erfolg in den United Nations Im Zusammenhang mit den letzten Vorgängen in der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hat die Redaktion einen der führenden zionistischen Mandatare um eine Erklärung ersucht: Anläßlich der letzten Wahlen in die Israelitische Kultuseiemeinde in W ier; wurden zwecks Vermeidung eines Wahlkampfes Vereinbarungen getroffen, die darin Gipfelten, daß eine gemeinsame Liste aufgestellt wurde und beschlossen wurde, ein rotierendes Präsidium zu bestellen, das heißt, daß die Amtszeit eines Präsidenten, der von jeweils von einer der drei Parteien gestellt wird, nach acht Monaten abläuft. Dieser Beschluß enthält den Passus, daß der amtierende Kultuspräsident bei jeder Aktion die Zustimmung der beiden anderen einzuholen hat. Außer dieser bindenden Vereinbarung wurde in einer Vertretersitzung im Sommer 1950 ein zusätzlicher Beschluß angenommen, in dem es heißt, daß die Israelitische Kultusgcmcindc jeder weltpolitischen Aktion fernzub’eiben hat, sie soll neutral sein. Entgegen dieser Vereinbarung hat der derzeitige Präsident, der Kommunist ist, das bekannte Telegramm an die W'eltfriedenskonferenz in Warschau gerichtet, ohne sich auch nur mit einem der Vizepräsidenten ins Einvernehmen zu setzen. In der letzten Plenarversammlung wurde dieses Vorgehen von den zw ei nichtkommunistischen Parte'en gegeißelt und mit überw iegender Mehrheit dem Präsidenten die Mißbilligung ausgesprochen, die dieser aber nicht zur Kenntnis nahm. Zwei vielgelesene Wiener Tageszitungen brachten diese Begebenheiten der Oeffentlichkeit zur Kenntnis. Der derzeitige Präsident Dr. Kurt Heit’er hat sein Vorgehen damit rechtfertigt, daß er im eigenen Namen und nur in seiner Qualität als Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, nicht aber namens der Kultusgemeinde das Telegramm abgeschickt hat. Die Majorität der Kultusräte und auch die jüdische Oeffentlichkeit hat dieses Vorgehen richtig beurteilt, indem es sich dessen bewußt war, was dahinter gesteckt hat. Bedauerlicherweise war in der öffentlichen Meinung hierzulande und auch auswärts die Ansicht verbreitet, daß die Israelitische Kultusgemeinde in Wien eine kommunistische wäre, was aber den Tatsachen nicht entspricht, zumal die überragende Majorität aus Zionisten und Sozialisten zusammengesetzt ist. Daß derzeit, seit 4. September 1950 bis zum 4. Mai 1951 ein Kommunist an der Spitze der Kultusgemeinde steht, ist eben auf die schon eingangs erwähnte Vereinbarung zurückzuführen, daß je acht Monate der von der betreffenden Fraktion namhaft gemachte Präsident und diesmal eben Herr Dr. Kurt Heitler an die Reihe gekommen Ist. Neueröffnet TAVERNE in Meierei Stadtparh Meyerhofer am Klavier Gute Küche * Billige Preise W ir unterstreichen mit aller Entschiedenheit, die letzt erwähnte Tatsache, damit weder hier in Oesterreich noch im Ausland die Meinung aufkonimt, als ob die Wiener Kultusgemeinde kommunistisch wäre. Allerdings hat der an und für sich unbedeutende Exzeß des derzeitigen Präsidenten im Auslande eine Verstimmung gegen die Kultusgemeinde hervorgerufen, wir nehmen aber an, daß angesichts der geschilderten Zusammensetzung des Kultusvorstandes, die Verstimmung vorübergehend ist und keine schwerwiegenden Konsequenzen nach sich ziehen wird. Wieder hat es sich gezeigt, daß die unglückliche Zusammensetzung der Israelitischen Kultusgemeinde, die sich durch das Vorgehen ihres Präsidenten, wenn auch gegen ihren Willen, in die Kampfarena gewisser politischer Parte'en begeben hat, anstatt ihre Aufgabe, jüdisch-nationale Intel essen zu vertreten, zu erfüllen.'Dies soll der jüdischen Bevölkerung W iens eine Lehre sein, aber auch jenen Parteipolitikern, die jederzeit bereit sind, Vereinbarungen und Kompromisse zu schließen, nur um den W ahlkampf zu vermeiden. Das Resultat ist eine unfruchtbare Kultusgemeinde, die ihrem Zweck in keiner Weise entspricht. Hinter den Kulissen der Washingtoner Israel-Konferenz Bessere Aussichten für den UJÄ. Wichtiger als die öffentlichen Sitzungen der Washingtoner Israel-Konferenz waren die Aktivitäten hinter der Szene in Bezug auf Hilfe für Israel. Nichtzionistische Führer hatten eine Besprechung mit Präsident Truman, bei der sie versuchten, seine persönliche Unetrstützung für bestimmte Vorschläge zu erhalten. Einer dieser Vorschläge ist die Möglichkeit amerikanischer Hilfe an Israel, entsprechend der Hilfe, die die Vereinigten Staaten der Türkei und Griechenland geben. Diese Angelegenheit kommt vielleicht demnächst vor den Kongreß. Line weitere Hoffnung? der Washingtoner Konferenz ist die plötzliche Möglichkeit erhöhter Beiträge an den United Jewish Appeal. Es hat den Anschein, als ob das kürzlich vom Congress angenommene Steuergesetz die Möglichkeit zuläßt, daß Personen, die bereits ihre diesjährigen Wohltätigkeitsspenden gemacht haben, weitere beträchtliche Beträge geben können. Zu der Zeit, als viele Leute sich Anfang 1950 zur Stiftung einer bestimmten Summe an den United Jewish Appeal verflichteten, war auch die w irtschaftliche Lage nicht so vielversprechend wie heute; die Nation sab eine Zeit geringerer Einkommen und von Arbeitslosigkeit kommen. Diese Situation bat sich' jedoch gründlich geändert. Die veränderte wirtschaftliche Lage und das neue Steuergesetz ermöglichen eine Revision aller eingegangenen Verpflichtungen gegenüber dem United Jewish Appeal. Dies umsomehr, als das Bureau of International Revenue eine großzügige Einstellung für Beiträge in Form von „securities“ an den Tag gelegt hat, die einer steuerfreien Wohltätigkeifsorganisation gegeben werden. Neue Beträge müssen jedoch vor Ablauf des Jahres gegeben werden, wenn man die vollen Vorteile einer Steuerermäßigung daraus ziehen will. Der fünfte Geburtstag der Vereinten Nationen wurde neuerlich zum Anlaß arabischer Drohungen gegen Israel. Während das Sekretariat der vereinten Nationen Fluten von Aeußeruiigen der Freundschaft und freundscha 111 ichen Zusammniai'beit zwischeii den Völkern enthielt, beeinträchtigten die Außenminister von Aegypten und Irak das Bild durch Angriffe auf Israel, die ebenso leidenschaftlich wie beschämend sind. „Wir wollen kein Israel im Mittelosfen“, erklärte der ägyptische Außenminister. „Wir denken überhaupt nicht daran, mit Israel Frieden zu schließen“, rief der Außenminister des Trak aus. Und die anderen Mifgliedstaaten der Arabischen Liga, einschließlich sogar Jordaniens, bewiesen während der ganzen letzten W ochen, daß Israel und der Mittelosten dem Frieden nicht um einen Schrift näher gekommen sind. Dennoch gab es andere Anzeichen, die für Israel und den Frieden sprechen. Das wichtigste darunter war die Bestätigung früherer Gerüchte, wonach die Infernationalisierung Jerusalems durch einen neuen, von Holland und Schweden eingebrachten Plan ersetzt werden soll, der von vielen Völkern inklusive des Sowjetblocks und Außenminister Wishinsky gebilligt wird. Auch hat der israelische Außenminister Moshe Sharett mit Staatssekretär Acheson einen neuen Kompromißvorschlag in der Frage der arabischen Flüchtlinge besprochen; danach sollen die arabischen Flüchtlinge im einem eigenen Teil Israels als geschlossene nationale Gruppe angesiedelt werden. Am hoffnungsvollsten aber ist die verbesserte Atmosphäre in den United Nations selbst. Die amerikanischen Bemühungen um eine Reorganisation der UN werden vielleicht zu einer Verständigung zwischen Ost und West und dem Ende Zum Wahlsieg Dr. Israel Goldstein, Vorsitzender der ÄHgem. Zion. Welt-Konfederatio.r. „Die eindrucksvollen Erfolge der Allgemeinen Zionisten bei den Munizipalwahlen in Israel mögen die Quelle von Ermutigungen für alle Allge meinen Zionisten sein, unabhängig davon, welchen Schattierungen sie angehören. Dieses erfreuliche Ereignis verstärkt meine Hoffnung, daß die Vereinigung aller Gruppierungen im Allgemeinen Zionismus bald Tatsache werden wird, um so dieser Partei eine ihr gebührende führende Rolle in Israel zu sichern. Anstrengungen in dieser Richtung sollten sofort in Angriff genommen werden. Die Wahlresultate sind schon dadurch sehr befriedigend, daß sie eine Verminderung aller extremen Gruppen von rechts und links brachten. Da es sich zeigte, daß keine der führenden Parteien die Mehrheit erlangen konnte, wäre eine Koalition der Mapai und aller Allgemeinen Zionisten die natürliche. So eine Koalition würde, meiner Meinung nach, auf die Judenheit Amerikas einen guten Eindruck machen und die Auswirkung auf ökonomischem und politischem Gebiete wäre eine äußerst günstige.“ Erklärungen iin demselben Sinne w urden abgegeben von Benjamin Brawdy Präsidenten der Zionistisch. Organisation in Amerika, dann von den bekannten Allgemein-zionistischen Führern Dr. Abba Hillcl Silver und Dr. Emanuel New man. des kalten Krieges führen. Wenn diese Hoffnung sich verwirklichen sollte, so wird Israel ganz wesentlich dazu beigetragen haben. Denn nach der indischen war es die israelische Delegation, die sich um ein Kompromiß zwischen den Großmächten bemüht hat und um die Zustandebringung eines Blocks, der in der Sprache der IIN-Diplomatie der „dritte Mann“ genannt wird. vSo wesentlich war Israels Anteil an diesem briedensw erk, daß er vom Politischen Komitee der Vei einten Nationen durch die Ernennung eines Israeli-Mitgliedes in das sogenannte „Wachkomitee“ anerkannt wurde, weich letzteres darüber zu wachen hat, ob und wo gegebenenfalls Angriffe erfolgen und ob die Vereinten Nationen dagegen militärisch ein schreiten sollen. W. Z. Ing. Baumann — der neue Leiter des Magbit Meuchedet für Österreich In seiner .Sitzung vom 13. November hatte der Vorstand des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich die Ehre Herrn Ing. Baumann, den neuen Leiter des Magbit, zu begrüßen. Vizepräsident Keller wünschte dem neuen Funktionär viel Glück zu seiner 'Tätigkeit, zur Ehre der Wiener Judenheit und zum Wohle des Jischuw in Israel. Herr Ing. Baumann ergriff das Wort und sagte, daß es doch sicherlich nicht notwendig sei, im Kreise bew ährter'Zionisten auf die Dringlichkeit des Magbit Meuchedet hinzuweisen. Zahlen, die mehr als Worte sagen konnten, bewiesen die großen Leistungen unserer Brüder in Israel und wir wollen nur die wichtigsten und interessantesten herausgreife). Seit Entstehung des Staates bis Ende Oktober sind 467.000 Juden aus der ganzen Welt nach Israel eingewandert. Allmonatlich treffen 18.000 Menschen im Lande ein. 344.000 Olim sind in verlassenen arabischen Dörfern untergebracht. Die Wohnungen wurden mit dem Geld der Jewish Agency menschenwürdig hergerichtet. Herr Ing. Baumann beklagte den Mangel an Fachleuten, so fehlen Bauarbeiter, Tischler, Elektriker u. s. w. Diesem Uebelstand wird durch Heranbildung junger Menschen Abhilfe geschaffen werden. Ein großer Teil der Neueinwanderer hat sich in der Landwirtschaft eingeordnet. Bedenkt man, daß eine solche Einwanderung, wie sie jetzt in Israel vor sich geht, kein Beispiel in der Weltgeschichte hat, so wird man verstehen, daß der Jischuw hei allen seinen übermenschlichen Anstrengungen auf die Hilfe der Juden in der Golah nicht verzichten kann und es daher eine selbstverständliche Pflicht eines jeden Juden ist, zu helfen. Der Vorstand des Zionistischen Landesverbandes faßte in der gleichen Sitzung den Beschluß, Herrn Ing. Baumann in seiner schweren Arbeit zu unterstützen und wählte ein Komitee, das dem Leiter des Magbit jederzeit zur Verfügung sein soll. Der Präsident Keller dankte dem Redner für seine überaus interessanten Ausführungen. STOFFE KLEIDER FÜR DAMEN HERREN UND KINDER Qüt und pwUwct mm* ItaüfUaus Bcüdec Ma&ee Wien VII, MariahllfarstraOa BO Talaphon: B 36 0 63, B 36 2 37 Gesckenk- und Liebesgabenpakeie nach Jsrael (Seifen, Waschmittel, Parfümerien, Kosmetika usw. in Paketen zu 100, 200 und 300 S) erledigt schnellstens mit Garantie ALOIS KNORR & CO. 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