Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 42 (15.10.1950)
- Date
- 1950-10-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nt. 42 licht worden. In den zwei Jahren seit der Errichtung des Staates haben w ir jedoch vielernt, daß dies eine gefährliche Illusion ist. die tragische Folgen für die Existenz unseres Staates haben könnte. Israel befindet sich in einer kritischen Lage, diese Wahrheit, wie bitter sie auch sein möge, wollen wir nicht verleugnen. Ein politisch reifes Volk muß die Wahrheit kennen und man hat kein Recht, sie ihm vorzuenthalten. Deshalb muß gesagt werdet' : In den letzten zwei Jahren hat der jüdische Staat das Grundproblem des Zionismus, das ist die jüdische Heimatlosigkeit, noch nicht gelöst. Trotz / , * -;t *7 - Geld zu gehen, dann irrt er sich. Denn damit ist das Problem noch nicht gelöst. Jeder Jude trägt die moralische Verantwortlichkeit für Israel und das ganze Volk muff das Joch für den Staut tragen. Nur so kann der Staat verstanden werden und dazu muß das Volk erzogen werden. Werden aber ehe1 gesamten Juden der W elt die Verantwortlichkeit für den Staat nicht tragen, so werden sie selbst darunter leiden, denn diese Verantwortungslosigkeit wird auf ihre eigene moralische Situation zu rück wirken. Wenn man die Juden nicht dazu erziehen wird können, sich gemeinsam nicht mir eine zahlenmäßige Mehrheit vo l Zionisten. Wenn es dieses Eie nu nt nicht geben w ird, wird es auch keine zionistische Organisation geben was vielleicht nicht so schrecklich wäre es würde aber die tragischesten Konsequenzen für die Zukunft Israels haben. Daher ist es die erste Aufgabe des kommenden Kongresses, das jüdische Bewußtsein zu wecken, sodaß es begreift, daß die Errichtung des Staates nur eine Etappe ist, die zweite nach dem Mandat, und der Zionismus w ird noch für viele Jahre nötig sein, nur mit dem Unterschied, daß er jetzt Volkes veitritt. Nur so eine Bewegung kann die Polle spielen, links und rechte zusammenzubringen. Daß der Zier.isir.us ein Verbündeter des Staates sein soll ohne dem gibt es keinen Zionismus dies kann nur vom Allgemeinen Zionismus verwirklicht werden. Der zionistischen Bewegung drohen Gefahren. Man kann Israel nicht zwingen das Bündnis anzui ihiu'ii, dazu benötigt es guten Willen, denn Freundschaft kann man nicht aufzwingen. Wir können die Regierung kritisieren, aber nur als Ereund. W ir müssen bedenken, daß das Bündnis eine lebende Notwendigkeit ist. Delegierte während der Sitzung allen Mutes und aller Aufopferung war cs nicht in der Kraft Israels, die jüdische Heimatlosigkeit völlig zu beheben und sicherlich kann Israel auch nicht allein das Postulat des Kibbuz Galuioth (Sammlung der Zerstreuten) erfüllen. Das ist die erste Lehre und die große Erfahrung der letzten zwei Jahre. Es war ein Irrtum anzunehmen, der Zionismus sei schon völlig verwirklicht und dieser Irrglaube führte auch naturgemäß zur jetzigen Krise. Die zweite Lehre der letzten zwei Jahre war : Ohne Hilfe des gesamten jüdischen Volkes kann man den Staat nicht aufbauen. Das Volk jedoch hat dies noch nicht verstanden. Ich komme jetzt von der sogenannten ökonomischen Konferenz in Jerusalem, an welcher sich 50 prominente amerikanische Juden beteiligt haben. Diese Konferenz hatte eine zentrale Aufgabe : Dem amerikanischen Judentum die Begriffe „Jüdischer Staat“ und „Kibbuz Galujoth“ wirklich klar zu machen. Es droht uns eine ernste Gefahr, wenn nicht bei Zeiten verstanden wird, was es bedeutet, den Staat zu konsolidieren. Diese Konsolidierung und Stärkung des jüdischen Staates ist ein viel schwereres Problem als seine Errichtung. Vom zionistischen Standpunkt ist der Staat ein Instrument zur Lösung der jüdischen Heimatlosigkeit und ein Ort, der alle die Millionen aufnehmen soll, die hinkommen müssen oder wollen. Wenn man heute Gott soll behüten die Tore Israels aus finanziellen Gründen schließen würde, dann würde jeder Jude in Israel fühlen, der Staat hätte seinen Sinn und Zweck verloren. Es ist natürlich sehr gut, daß der Staat schon existiert, aber man muß auch wissen, daß der Staat und sein Apparat, seine Gesandtschaften und Konsulate, seine Fahne und seine Embleme noch nicht der Zionismus sind. Mit dem allem ist der Zionismus noch nicht verwirklicht worden. Das Volk muß das verstehen und es muß bereit sein, das Joch der Alijah zu tragen. Das ist keine leichte Aufgabe und man muß sich klar werden : jetzt ein Zionist zu sein, ist schwerer als zur Zeit in der man den Staat errichtete. Es ist heute nicht genug Freundschaft für Israel zu fühlen. Wenn ein amerikanischer Jude glaubt, es genügt, sich über die Schaffung des Staates zu freuen, und sogar bereit ist, etwas für den Staat verantwortlich zu fühlen, dann wird es nur einen kleinen, schwachen jüdischen Staat geben, inmitten der großen arabischen Welt von welcher er dann letzten Endes abhängig werden muß. Dies jedoch ist nicht unsere Absicht. Wir müssen einen Staat von 3 bis 4 Millionen verwirklichen mit einem Volk im Hinterland, das einen maßgeblichen politischen und materiellen Einfluß auf den Staat ausübt : Nur dann w ird er unabhängig, souverän und stark sein. Es ist selbstverständlich ein schwerer, abnormaler Prozeß, der von Israel nach Amerika, Argentinien und anderen Ländern führt, wo Juden als Bürger leben werden, die gleichzeitig Israel unterstützen. Es ist nicht normal aber die ganze Existenz Israels ist nicht normal und natürlich. Ein Volk, welches nach 2000 Jahren seine Heimat zurückerobert, ist auch ein abnormes Phänomen. Wir fordern vom Volk etwas Unnatürliches - sich mit Israel zu identifizieren, ohne dort zu leben aber dies ist unbedingt notwendig und dazu muß das Volk erzogen werden. Die Illusion gewisser Staatsführer in Israel, daß man sich direkt an die Juden in der Welt wenden könne, ist naiv. Ohne Pinsker und Herzl, welche den Weg gewiesen haben, gäbe es heute keinen jüdischen Staat. Es muß eine zionistische Bewegung geben, die das dynamisch-konstruktive E'ement des Volkes bildet, und die das Volk mobilisiert. .Sonst werden die Juden, die verstreut in 50 Ländern 'eben, sieb plötzlich ungewollt in einem Konflikt mit Israel sehen. Vor zwei Jahren wie der Staat nach 2000 Jahren wieder entstand tanzte man vor Freude. Tanzen ist sicherlich gut besonders für die 'Tänzer aber damit allein baut man keinen Staat!. Nach 2 Jahren hat sich die Tage geändert. Die Juden wollen kein Geld mehr für Israel geben, sie sagen, sie müssen für die örtlichen Institutionen, wie Schule, Cheder und Spital geben. So ist die Lage jetzt, 2 Jahre nach der Schaffung! des Staates. Wie wird die Lage in 5 oder 10 Jahren sein V Die Trage, ob der Zionismus nötig sei, ist lächerlich. Nur ein Volk, das nicht versteht, was es heißt einen Staat zu bauen, kann sie stellen. Denn dies ist eine Aufgabe für Generationen. Ich ziehe jedoch nur unsere Generation in Betracht, die ein kämpferisches E'ement umfassen muß und nach der Errichtung des Staates neue schwere Aufgaben haben wird. Was die zweite wichtige Aufgabe des Kongresses anbelangt, so ist sie mit den Problemen der Parteien verbunden, iAi Zusammenhang mit dern vorher gesagten, soll nochmals betont w erden, daß, meiner Meinung nach, ein Zionist nur der ist, der das Bewußtsein der Mitverantwortung für Israel besitzt. Derjenige, dessen Einstellung für Israel, mit den Begriffen „Ich“ und „Du“ verbunden ist, der ist kein Zionist. Nur derjenige ist ein Zionist, der gegenüber Israel nur in der Kategorie „Wir“ denkt. Ich habe schon einmal erklärt, daß der Zionismus existieren muß, und mit ihm auch die Parteien. Eine Partei verbindet den Juden stärker mit Israel, als bloßer Zionismus, denn dann betrachtet er Israel als einen Teil von sich und ist interessiert daran, wie der .Staat aussehen soll. Er verbindet Israel mit der Vision seiner Idee. Ich glaube daher, daß es von Ben-Gurion nicht richtig war, den amerikanischen Rabbinern zu telegraphieren, sie mögen sich nicht in innere Angelegenheiten des Staates einmischen. Warum soll ein Jude nicht das Recht haben, für einen bestimmten Staat Israel zu kämpfen? Ein frommer, will einen frommen Staat haben, ein Sozialist einen sozialistischen u. s. w. Dies verbindet den Juden nicht nur mit seinem Staat, sondern auch mit seiner Weltanschauung. Deshalb sind die zionistischen Parteien wichtig. Jedes demokratische Fand hat Parteien, das ist nicht gefährlich. Das Unglück der jetzigen Tagt“ liegt in der inneren Struktur. Israels. Denn die Situation in Israel ist so, daß es einen starken linken Flügel und einen starken rechten gibt, und nur ein schwaches Zentrum. Darin liegt eine große Gefahr, eine größere als die von außen. Wenn man im Inneren stark ist, dann ist man es auch politisch und militärisch. Frankreich brach im zweiten Weltkrieg nicht deshalb zusammen, weil der französische Soldat schlecht kämpfte, sondern weil er innerlich und moralisch nicht ganz gestärkt war. Diese innere Struktur, die ein Resultat der historischen Entwicklung ist, weil das Zentrum sich niemals genügend organisierte, ist derzeit der schwächste Punkt in Israel. Daher benötigt man ein starkes Zentrum, das nur der AJFgenuine Zionismus sein kann, der nicht nur das Interesse einer bestimmten Gruppe, sondern das des ganzen Auch der konstruktive Teil der Arbeiterschaft Israels wird verstehen, daß man über die Differenzen diskutieren kann. Bedauernswert ist jedoch der Ion, mit welchem man oft in gewissen Kreisen kritisiert. Es ist oft ein Ton der Feindschaft gegen die Regierung. Dies ist jedoch für den Staat und für den Zionismus schädlich. Man muß sich auf Kooperation und Freundschaft mit dem konstruktiven Teil des Jischuws orientieren. Es ist bekannt, daß der Kongreß vertagt wurde, ungeachtet dessen, daß Vertagen niemals populär ist. Der kommende Kongreß ist ein entscheidender und muß daher gut vorbereitet werden. Man muß unter allen Umständen vermeiden, daß er zu einem Unglück, oder zu einer Katastrophe führt. Weder der Staat noch der Zionismus waren sich über die geschaffene Lage klar. Heutzutage ist jedoch schon vieles geklärt worden. Die Aufklärung kam zustande, dank der letzten Sitzung des Aktionskomitees, dank dem r.eugeschaffenen Koordinations-Komitee des Staates und der Jew’ish Agency und schließlich durch den Beginn der Wahlkampagne. Der Kongreß hat große Aussichten, der Beginn einer neuen Epoche, auf neuen Fundamenten zu werden. Die oben erwähnte Alliance hat einen historischen Sinn, wenn wir bedenken, daß es eine Alliance zwischen konstruktiven I eilen dort und Allgemeinen Zionisten hier ist. Dies sind die Losungen des Allgemeinen Zionismus für den kommenden Kongreß, die wir durchführen müssen. Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, besonders jetzt nicht, wo wir uns zu konsolidieren beginnen. Die zentrale Gruppe muß ihre Aufgabe erfüllen. Es ist der Allgemeine Zionismus, der natürliche Verbündete des jüdischen Staates, der Freund, der alles in seiner Macht Stehende tun wird, damit der .Staat wirklich stark werde und das große zionistische Ideal sich verwirklicht. Die große Rede Dr. Nach um Goldmanns w urde vielmals durch heftigen Beifall unterbrochen. Nach Beendigung seiner, sowohl im Inhalt, wie auch in der Form höchst interessanten und überzeugenden Rede, stand das Publikum auf und applaudierte anhaltend. Die Rede machte einen tiefen Eindruck auf alle Zuhörer.