Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 41 (11.9.1950)
- Date
- 1950-09-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 ü)ie Stimme Seite 9 Die Juden Australiens gegen die Einwanderung Deutscher Die Einheitsschule in den Lagern der Neueinwanderer in Gefahr Das Seminar der Werktätigen des „Haowed Hazioni“ eröffnet „Ich halte cs für angezeigt, von dieser Stelle aus jene Kreise zu warnen, die die Absicht zu haben scheinen, die Regierung dazu zu bewegen, unter Zuhilfenahme der Autorität des Gesetzes das in verschiedene Richtungen gespaltene Schulsystem auch den Neueinwanderern, die sich noch in Liebergangslagern befinden, aufzuzwingen“. Diese Worte sprach Iduv KKohen, Mitglied des israelischen Parlaments, anläßlich der Eröffnung des Seminars in Tel Arisch bei Chalon, zu den Versammelten Delegierten der progressiven Partei, des „Haowed Hazioni" und zu den Vertretern der Oeffentlichke.it. Das Gesetz, das seinerzeit im Parlament angenommen worden war es war dies auf Grund einer Anregung der progressiven Partei geschehen (das Gesetz bezweckte die Errichtung von Einheitsschulen in den Einwandererlagern) ist durch die Initiative gefährdet, die gewisse Kreise zur Ausdehnung des in verschiedene Richtungen gespaltenen Schulsystems auch auf die Einwandererlagcr ergriffen haben, fügte Herr Koben hinzu. Im weiteren führte Herr Kohen aus, daß sich gegenwärtig hinter den Kulissen in der Regierung nahestehenden Kreisen ein erbitterter Kampf um die Erziehungsform der Einwandererkinder, die sich iin Einwandererlagern und solchen befinden, die inzwischen zu ständigen Ansiedlungen geworden sind, abspielt. Da die Tendenz fortschreitet, möglichst viele provisorische Lager in ständige zu verwandeln, besteht nun die Absicht, den dort auf wachsenden Kindern, die in vier verschiedene weltanschauliche Richtungen gespaltene Schule aufzuzwingen, und so einen engstirnigen Parteigeist in die Erziehungsmethode hineinzutragen. Das Ziel des Seminars ist es, führte Herr Kohen weiter aus, diese Absichten zu durchkreuzen und den Bestand der Einheitsschule, allen Bemühungen von Kreisen zum Trotz,,denen ihre Partei höher steht als das nationale Interesse, zum Durchbruch zu verhelfen und ihren Bestand zu sichern. Herr Iduv Kohen ist der Ansicht, daß, selbst wenn die Regierung beschließen sollte, dem Druck jener Kreise nachzugeben, ja, sogar im Falle, daß die Einheitsschule sich unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht voll bewähren sollte, die progressive Partei auch weiterhin sowohl in Regierungskreisen, wie auch vor dem Forum des Parlaments für die Einheitsschule ein treten werde. Das Ziel des Seminars ist es, auch der Alijah aus Irak den Weg zu ebnen und für die wirtschaftliche und kulturelle Absorbtion der aus dem nahen Osten und aus Nordafrika kommenden Juden zu wirken, um so die Bahn frei zu machen für die Entstehung einer einheitlichen kulturellen u. nationalen Atmosphäre. Das Seminar hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gegensätze zwischen den einzelnen „Landsmannschaften“ im Jischuw zu mildern und einem größeren gegenseitigen Verständnis innerhalb der jüdischen Bevölkerung den Weg zu ebnen. Begrüßungsansprachen wurden unter anderem auch von Jishar Harari, einem Mitglied des Parlaments, von M. Goldstein, R. Zimand, J. Schaari und H. Seidl, dem Vorsitzenden, gehalten. Erstes Blindendorf in Israel Das erste Dorf in Israel, das gänzlich blinden Olim geweiht ist, die aus verschiedenen Ländern stammen, wird jetzt durch die Organisation „Malben“ (die gemeinschaftlich vom Joint, der Sochnuth und der Israel-Regierung zwecks Fürsorge für invalide Olim gegründet wurde) bei Gederah errichtet. Im Laufe der Zeit soll dieses Dorf eine selbständige Moschawah von 100 Familien werden. Auf einem Gelände von 130 Dunam stehen bereits 32 hölzerne vorfabrizierte Zweifamilien-Häuser, die aus Oesterreich importiert worden sind. Zu jedem Haus gehören zwei Dunam guter KKL-Boden. Bisher wohnen 33 Familien (108 Personen) in diesem Dorf, die aus Polen, Jugoslawien, Bulgarien und Jemen stammen. In den nächsten Tagen wird eine zweite Gruppe von 30 Familien angesiedelt, die aus Iran, Irak und anderen Ländern stammen. Das Dorf beruht auf dem System selbständiger Erwerbsarbeit. Die Einwohner zahlen für ihre Wohnungen IL 3. monatlich ab. Nach Ablauf einer gewissen Frist geht das Haus in ihren Besitz über. Die Häuser sind Eigentum der Regierung, die Einrichtung der für die Blinden geschaffenen Handwerksbetriebe wurde von der Organisation Malben gestellt. Die im Dorf wohnenden Blinden sind zur Zeit sämtlich in einer Matratzen-Werkstatt beschäftigt, in der sie wöchentlich IL 7 bis IL 13 verdienen. Aus Sidney wird gemeldet (27. 8.) : Einer Nachricht aus Canberra zufolge steht die australische Regierung im Begriff, einer Forderung der Außenminister Großbritanniens, der U. S. Ä. und Frankreichs näherzutreten, die sich auf die Auswanderung Deutscher nach Australien bezieht. Der australische Außenminister hat der Regierung berichtet, daß sich in West- Deutschland gegenwärtig 81 2 Millionen Flüchtlinge aus den östlichen Gebieten, die sich nunmehr jenseits des „eisernen Vorhangs“ befinden, wohnhaft seien. Die Zahl der Engländer, die gegenwärtig bereit seien, nach Australien auszuwandern, würde nicht genügen, den Bedarf Australiens an Einwanderern zu decken, während andererseits die „IRO“ berichtete, daß tausende deutsche Flüchtlinge bereit wären, einem Ruf der australischen Regierung zu folgen. Der australische Minister für Emigrationsangelegenheiten hat eine diesbezügliche Resolution des Exekutiv - Komitees des australischen (allgemeinen) Kongresses der Veteranen des letzten Krieges als „realistisch und mutig“ bezeichnet; die Resolution erklärt sich mit der Einwanderung Deutscher nach Australien einverstanden. Derselben Meinung ist auch die Zeitung „Sidney Telegraph“. Demgegenüber haben die jüdischen Einwohner von Melbourne eine Protestversammlung gegen den Plan der Regierung, die Tore Australiens der deutschen Masseneinwanderung zu öffnen, einberufen. In einer Resolu- Australien — fünfte Kolonne Der Jahreskongreß der jüdischen Veteranen des letzten Krieges in Australien hat seine ernste Besorgnis angesichts der verstärkten Einwanderung von Deutschen nach Australien zum Ausdruck gebracht. Der Kongreß ist der Ansicht, daß die Welle der deutschen Einwanderung dazu angetan sei, nazistisches Gedankengut in Australien zu verbreiten. Herr Aschkenasi, der Präsident der jüidschen Ex-Sold’atenorganisation Australiens, erklärte, daß die deutsche Nation das größte Blutbad der Weltgeschichte verschuldet hätte. Die früheren jüdischen Soldaten warnten die Australische Regierung vor einer 5. Kolonne, die ihrem Umfang und ihrer Schlagkraft nach ihresgleichen nicht finden würde. Begrüßungstelegramme wurden von israelischen, britischen und anderen Bruderorganisationen, sowie vom australischen Ministerpräsidenten an den Kongreß entsandt. tion, die der Regierung übersandt wurde, heißt es, daß es möglich sein sollte, passende Einwanderer zu finden, ohne auf Nazis und „Volksdeutsche“ zurückzugreifen, von denen nicht wenige an den Verbrechen mitschuldig seien, die Millionen Menschen und darunter Millionen Juden in Europa das Leben gekostet hätten. Die deutsche Einwanderung stelle eine ernste Bedrohung der australischen Demokratie dar und gefährde den Frieden und die Sicherheit der jüdischen Bevölkerung Australiens. 100 Millionen Dollar Vermögenswerte an Naziopfer zurückerstattet Den Naziopfern in der amerikanischen Zone Deutschlands wurden bereits Vermögenswerte von 100 Millionen Dollar zurückerstattet, wie das Amt des amerikanischen High Commissioner für Deutschland in Frankfurt bekanntgibt. Von über 100.000 Ansprüchen wurden bisher 20.000 endgültig geregelt. Die meisten Beträge wurden an Einzelpersonen ausgezahlt. Das jüdische Restitutionsamt, die IRSO, erhielt 880.000 Dollar zur Verteilung unter verschiedene jüdische, Hilfsorganisationen. Die amerikanischen Stellen erklären, daß keine Möglichkeit zur Feststellung des Gesamtwerts der noch ungeklärten Forderungen besteht, und es wird auch nicht bezweifelt, daß die Naziopfer, die größtenteils Juden sind, jemals mehr als einen Teil der ihnen unter Hitler geraubten Vermögenswerte zurückerhalten werden. (JTA) Dr. Georg Landauer, der soeben aus Westdeutschland nach Jerusalem zurückgekehrt ist, erstattete auf der Sitzung der Exekutive Bericht über die Tätigkeit der Sochnuth auf dem Gebiete der Sicherstellung erbenlosen jüdischen Vermögens in Deutschland. Demonstration gegen Gestapo-Chef in Rio de Janeiro. Das Geschäftslokal von Herbert Cukurs in Rio de Janeiro wurde von Juden mit Steinen beworfen. Cukurs wird für die Abschlachtung von ca. 20.0Q0 Juden verantwortlich gemacht, während er Chef der Gestapo In Litauen war. Der Ueberfall auf das Geschäftslokal folgte auf eine Protestversammlung gegen die Weigerung der brasilianischen Regierung, Cukurs auszuweisen. Die Polizei verhaftete drei Demonstrationsteilnehmer. Die Redaktion und Administration »Die Stimme" wünscht allen Mitarbeitern, Gönnern, Abonnenten und Lesern ein glückliches und frohes Neujahr